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Augengneis
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oliverOliver:
hallo
das Bild wurde zwar von Peter eingestellt, der sich mit Gesteinen ja auskannte - trotzdem hab ich da mit der Bezeichnung als "Augengneis" so meine Probleme. Laut der Definition desselben sollten da ja die Zentren der Augen ("Iris/Pupille") aus "eingelagerten ovalen Feldspäten (Augentextur) mit einer Korngrösse deutlich über der Gneismatrix" bestehen. (sh. https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?lang=de&rock=Augengneis).
Nun bildet zwar das abgebildete Gestein "augenförmige" (spitzovale) Strukturen - ich erkenne aber keine großen Feldspäte, um die sich die anderen Komponenten "schlierig" legen. Ganz im Gegenteil scheint es sich um im Gesamten deformierte helle (leukokrate) Lagen zwischen dunkleren Lagen zu handeln. Und die hellen Lagen sind ebenfalls feinkörnig, bzw., soweit erkennbar, von annähernd gleichmäßiger Korngröße. Meines Erachtens scheint das also nicht wirklich zur Definition von Augengneis zu passen. Man sieht hier ja auch deutlich, dass die deformierten hellen Lagen noch zusammenhängen, also durchgehend sind, und keinesfalls einzelne "Körner".
Ähnlich deformierte Gesteinspakete aus hellen und dunklen Lagen kenne ich z.B. aus Amphibolit-Kontekt im Kamptal (NÖ) - ich hab die zwar scherzhaft bzw. informell auch schon als "Augen-Amphibolit" bezeichnet. Mit der Entstehung von Augengneis sensu strictu haben die aber nichts zu tun. Mir scheint das eher durch (schwache) Faltung und Stauchung des gesamten Komplexes entstanden zu sein, also sozusagen auf "übergeordneter Ebene".
Was meinen die Geologen dazu?
Geomaxx:
Hi Oliver,
Augengneis ist das wirklich nicht, da liegst Du richtig.
Das gezeigte Gefüge geht meiner Meinung nach in Richtung Pinch-and-Swell-Struktur, die dadurch entsteht, dass ähnlich wie bei der klassischen "Boudinage" einzelne kompetente Schichten durch plastische Verformungsmechanismen in mehr oder weniger separate Stücke ausgelängt werden. Im vorliegenden Fall ähnelt sich das Verformungsverhalten der hellen leukokraten und dunkleren melanokraten Gneislagen, d.h. der Kompetenzkontrast der beiden ist niedrig, so dass es zu keinem klassischen Boudinage-Gefüge kommt sondern es zu einem rhythmischen Wechsel von stärker ausgedünnten und weniger stark ausgedünnten Bereichen kommt ("pinch-and-swell-structure"). Einflussfaktoren für die Art des Verformungsverhaltens sind neben dem Chemismus des Ausgangsgesteins Dehnungsrate, Viskositätskontrast und die Druck/Temperatur-Bedingungen. z.B. hohe Temperatur führt zu plastischen Verformungsmechanismen auch in der kompetentesten Schicht.
So seh ich das.
Grüßle und Glück Auf!
GEOMAXX
oliverOliver:
hallo Max,
besten Dank für die Erläuterung! :D
ga
oliver
Edit:
werde die Bildbeschreibung ergänzen und die Zuordnung zum Augengneis entfernen.
edit 2:
zur Boudinage haben wir ja eine Lexikonseite : https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Boudinage
Dort ist auch die "pinch-and-swell-structure" erwähnt, aber nicht näher erläutert, sondern mit Boudinage gleichgesetzt.
Soll ich das Foto dort als pinch-and-swell-Beispiel zuordnen, oder besser gleich eine eigene Seite für pinch-and-swell-structure anlegen?
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