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giftige Mineralien?

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uwe:
Ich finde der Artikel "Oekotest" ist wichtigtuerische Panikmache. Natürlich werden die Analysenverfahren immer genauer und preiswerter und damit jedem Pseudoinstitut zugänglich. Man muß eben  ab und zu mal einen Schocker bringen, getreu dem Motto: Only bad news are good news.

Man fragt sich wirklich manchmal, wieso bei den ganzen Gefahren die Menschheit nicht schon vor 10.000 Jahren ausgestorben ist.

Alllerdings sind die Totesfälle, die auf ganz normale Lebensrisiken zurück gehen wesentlich zahlreicher, als die, die auf überhöhte Grenzwerte zurück gehen oder einzelne Asbestfasern in der Luft.

Gruß Uwe

(Aus aktuellen politischen Gründen grüße ich nicht mehr mit Glück Auf)

ZEO:
Hallo,

das Thema "giftig - weniger giftig - nicht giftig" anhand von Einzelfallbeobachtungen zu diskutieren, bringt in meinen Augen wenig. Welchen Schluss soll man aus der Feststellung ziehen, dass der Nachbar seit 50 Jahren stark raucht und dabei gut lebt ?

Giftig, soll heißen gesundheitsschädlich, ist nicht eine Substanz an sich, sondern die Menge macht´s. Wußte schon Paracelsus. Dabei gibt es allerdings beträchtliche Unterschiede, bei welcher Menge die Grenze liegt. Die zweite Tatsache sind große Unterschiede in der individuellen Empfindlichkeit der Menschen. Am Ende werden die Substanzen eingestuft, vom Gesetzgeber, von Behörden und von Berufsgenossenschaften. Das Ziel ist dabei, die notwendigen Schutzmaßnahmen beim Umgang festzulegen.

Und wenn eine Substanz, z.B. Asbest, auf der Liste der krebserzeugenden Stoffe steht, dann steckt dahinter das gesammelte Wissen vieler Wissenschaftler. Die am Pleuramesotheliom (auf deutsch, eine Form des Lungenkrebs) erkrankten Menschen haben ja alle gelebt, ein Teil von ihnen lebt heute noch, sind zum Arzt gegangen, die Krankheit wurde festgestellt und behandelt, Ursachen wurden gesucht, ...
Das Problem sind hier Mineralfasern einer bestimmten Größe. Die treten übrigens auch beim Erionit auf, der dadurch wie Asbest wirkt. Er wurde nur technisch nicht so weit verbreitet verwendet. Als Sammler sollte man es aber vielleicht wissen und beim Formatieren des entsprechenden Materials daran denken.

Grüße

Jürgen

Granulit:
Natürlich gibt es eine Reihe giftiger Mineralien. Man bedenke, daß das bekanntes Gift des Altertums, angewendet bei unzähligen Giftanschlägen, mineralischer Herkunft war (Arsenik).
Dazu kommen noch eine Reihe hochgiftiger Quecksilber- und Bleiverbindungen u.a.m..

Paracelsus hat schon Recht, wenn er sagt, die Dosis mache das Gift. Alles ist ab einer bestimmten Dosis giftig, d.h. erzeugt bestimmte Krankheitssymptome, oder ist gar tödlich. Umgekehrt ist alles in einer extrem kleinen Dosis ungiftig, bzw. erzeugt keinerlei Symptome.
Trotz dieser Relativierung behält der Begriff "Gift" natürlich seine Berechtigung, da er eben Substanzen beschreibt, deren letale Dosis klein ist, bzw. klein genug, daß z.B. zufällige Vergiftungen möglich sind. Ein Maß für die Giftigkeit einer Substanz ist z.B. die sog. LD50, d.h. die Dosis der Substanz welche 50% der mit dieser Dosis intoxikierten Individuen, meist Labortiere, wie Ratten bei experimentell ermittelter LD50, tötet. Es gibt also eine Art Schwelle ab der ein giftiger Effekt eintritt die substanzspezifisch ist und außerdem individuell unterschiedlich, was zu einer statisch-abhängigen Streuung führt.

Mit krebserzeugenden Effekten verhält es sich anders (!), darum führen die Vergleiche mit "normaler Giftigkeit" oft zu Verzerrungen. Krebserzeugend wird darum auch nicht unter die Giftigkeit im üblichen Sinne subsummiert.
Denn: bei krebserzeugenden Substanzen gibt es, im Gegensatz zur Giftigkeit sonstiger Substanzen, keine Schwelle, sondern es liegt eine rein stochastische Abhängigkeit vor. D.h. die Wahrscheinlichkeit eine Krebserkrankung durch die Substanz (genauso auch Krebs aufgrund von Strahlung) steigt mit der Dosis (je nachdem, meist kumulative Gesamtdosis). Prinzipiell kann eine einzige Asbestfaser eine Krebserkrankung auslösen (oder der Rauch einer Zigarette oder ein Strahlenquant der natürlichen Strahlung), wird dies jedoch sehr wahrscheinlich nicht tun, die Wahrscheinlichkeit ist so gering, daß man von praktisch-unmöglich sprechen kann. Die gesetzlich festgelegten Grenzwerte haben darum im Fall von krebserzeugenden Stoffen einen ganz anderen theoretischen Hintergrund, als die Grenzwerte für konventionell-toxische Stoffe.
Man sollte sich allerdings schon überlegen, ob man Asbeststaub über längere Zeit ausgesetzt sein möchte oder ob man in einer Wohnung voller Radon-produzierender Minerale wohnen möchte oder ob man Tag für Tag so und soviele Zigaretten rauchen möchte: passieren muß natürlich nichts, aber es kann, wie gesagt, es gibt keine Schwelle, aber: die Wahrscheinlichkeit steigt nahezu linear mit der Exposition.

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