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Autor Thema: Bitte um Hilfe / Limonit  (Gelesen 1475 mal)

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Offline Cassiopea

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Bitte um Hilfe / Limonit
« am: 29 Jul 23, 19:47 »
Hallo an alle im Forum,

im Jahr 2016 habe ich ein paar Steine in der nähe von Bamberg, Bayern gefunden. Den genauen Fundort kann ich leider nicht mehr angeben. Es handelte sich um einen privaten
Steinbruch (Dolomitstein, Jura der Frankenalb) nicht weit von der Tongrube in Buttenheim.
Ich war auf Fossiliensuche unterwegs. Eine einmalige Sache, einfach nur so "just 4 fun".
Ich bin absolut kein Experte, aber ich sammle immer wieder gerne in der Natur, was aus subjektiver Sicht "schön" aussieht.
Ich zeichne für mein Leben gern und manche Sachen werden als Vorlage oder auch für andere kreative Zwecke eingesetzt.
Nun! Bei einer "Ammonitenpause", etwas abseits vom Steinbruch und zwar da, wo noch Wiese gewachsen ist und der Boden eher kompakt aber weich war, habe ich einen Stein gefunden, der noch zur Hälfte fest im Boden war. Mit dem Spaten habe ich ihn befreit und da kamen anderen ans Tageslicht.
Nachdem neulich von einem Gast (die Person ist aber genauso ein Laie wie ich) der Satz fiel: "so stelle ich mir Meteoriten vor" wollte ich es (nach 7 Jahren) genau wissen. Dass es sich NICHT um Meteoriten handelt, weiß ich jetzt, denn ich habe ein paar Bilder einem Experten gezeigt, dennoch würde ich gerne erfahren was ich hier gefunden habe und würde mich über eine Meinung sehr freuen.
Die Steine sind unterschiedlich und passten meiner Meinung nach nicht zu der Umgebung.
Manche fühlen sich an als wären sie komplett aus Metall, manche sind ein Mix aus Metall und Gestein.
Alle sind leicht magnetisch. Mit leicht meine ich, dass der Magnet nicht haftet, aber wenn der an einen Faden hängt, reagiert er sofort sobald die Steine in der Nähe kommen.
Alle sind für ihre Größe ungewöhnlich schwer und hinterlassen einen braunen Strich.
Jeweils Gewicht und ca. Volumen
145 g und 50
64 g und 25
54 g und 25
265 g und 100
Was Farbe und Glanz betrifft, ich bin der Meinung, dass die Bilder ganz gut aussagekräftig sind.

Vielen Dank für eure Hilfe! :)
« Letzte Änderung: 10 Mar 24, 20:24 von oliverOliver »

Offline wolfi

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #1 am: 29 Jul 23, 19:59 »
Servus,
sieht mir sehr nach Limonit (Brauneisenerz) aus. Der ist im gesamten Jura nicht unbedingt selten.
Servus + Glück auf
Wolfi

Online guefz

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #2 am: 29 Jul 23, 20:19 »
Das angeschliffene Stück sieht aber nicht nur nach Limonit aus. Das sieht eher nach einem Stück Schlacke aus wo auch Limonit enthalten ist, auch der Magnetismus spricht dafür.

Günter

Offline Cassiopea

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #3 am: 29 Jul 23, 21:05 »
Vielen Dank für die schnelle Antwort :)
Schönen Abend

Nadia

Offline felsenmammut

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #4 am: 29 Jul 23, 22:37 »
Glück Auf!

Von den Bildern her stimme ich der Diagnose Limonit zu. Die Aussage, dass die polierte Fläche auch auf Schlacke hindeuten könnte, kann ich nicht entkräften. Ich möchte aber dem entgegenstellen, dass mir schon etliche polierte Stücke begegnet sind, bei denen der Limonit auch eine gute Politur annimmt und schwarz-metallisch glänzt. Im Allgemeinen dürfte Limonit schlecht geeignet sein zum Schleifen und Polieren. Was in den Einzelfällen zu der guten Politur verhilft, habe ich nicht weiter ergründet. Es könnte auf das Gefüge oder die Zusammensetzung aus den verschiedenen Eisenoxiden/hydroxiden zurückzuführen sein. Es kann auch ein anderes Mineral (z.B. Quarz), dass sich unauffällig ins Gefüge gedrängelt hat, sein, dass letztlich für eine verhältnismäßig gute Politur sorgt.

Wenn die schwarz-metallisch glänzende Fläche ebenfalls eine braune Strichfarbe zeigt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass es sich gänzlich um Limonit handelt. Schlacke wird dann unwahrscheinlicher. Eine Interpretationsschwierigkeit verbleibt aber, wenn die braune Strichfarbe vom Limonit das vorhandensein weiterer Feststoffbestandteile überdeckt. Silikatische Schlacken zeichnen sich auch durch eine vergleichsweise hohe Härte aus und lassen sich nicht mit einem Eisenwerkzeug ritzen. Limonit lässt sich mit einem Eisenwerkzeug ritzen. Es bleibt die allgemeine Restunsicherheit bei Ferndiagnosen und Tests an Feststoffgemischen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Cassiopea

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #5 am: 30 Jul 23, 10:57 »
Einen schönen guten Morgen.
Vielen, lieben Dank für die ausführliche Antwort!
Ich habe mit einem Schraubenzieher versucht (ehrlich gesagt nicht ich, denn die gute Stücke befinden sich nach der letzten Trennaktion in Italien und ich gebe Anweisungen am Telefon ;D) die Oberfläche anzuritzen und das Ergebnis ist unterschiedlich. An manche Stellen lassen sich die Steine ankratzen und an manchen wiederum nicht. Die polierte Stelle bleibt relativ unbeindruckt. Der Strich an der Schnittstelle ist aber ebenfalls braun.
Im Anhang ein Bild von den Strichen und das Innenleben von einem der Steine, einmal längs und einmal quer getrennt.
Einen schönen Sonntag an alle und danke nochmal :)!
Nadia

Offline felsenmammut

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #6 am: 30 Jul 23, 22:50 »
Glück Auf! Cassiopea,

Danke für die zusätzlichen Testergebnisse, Bilder und Beschreibungen. Ich würde erst einmal weiter bei der Arbeitshypothese 'Limonit' bleiben. Dass sich die polierte Fläche an einigen Stellen nicht erkennbar ankratzen lässt, könnte daran liegen, dass feinverteilter Quarz mit im Spiel ist. Der Quarz kann dann auch die akzeptable Politur erklären. Aber hier geht es dann ins Spekulative und man wird diese Frage mittels Ferndiagnose und einfachen Tests nicht auflösen können. Der beobachtete Magnetismus ist für Goethit und einige andere Eisenhydroxide zu stark, scheint aber angemessen, wenn man dem Stück einen höheren Anteil Hämatit zugesteht. Hämatit nimmt auch oft eine gute Politur an - aber auch bedingt von der Anwesenheit anderer Eisenoxide/hydroxide und dem Gefüge. Die nur bedingte Ritzbarkeit, der deutlich erkennbare Magnetismus und die annehmliche Politur sind natürlich, wie auch shon zuvor genannt, Hinweise, die auf Schlacke schließen lassen können. Ein recht eindeutiges Merkmal für Schlacken sind gut gerundete, blasige Hohlräume. Das glänzende Fläche auf dem Bild 20230729_191712.jpg wirkt vergleichsweise dicht mit nur wenigen, kleinen, unförmigen Hohlräumen. Die polierten Flächen im Bild 20230730_102558.jpg zeigen zwar viele Hohlräume, aber diese wirken nicht verdächtig gerundet. Wahrscheinlich sind hier aber auch die Grenzen der verfügbaren Kameratechnik und der bloßen Augen erreicht.

Abschließend noch ein Lob für die gute Bildqualität, sogar mit Maßstab bei den ersten 4 Bildern, die ausführliche Beschreibung und Testergebnissen und recht genauen Angaben zu Fundort und Fundumständen. Solche Bestimmungsanfragen erfahren mehr Aufmerksamkeit und motivieren dazu, sich die Zeit zu nehmen für eine Antwort, auch wenn wie bei Ferndiagnosen üblich eine Restunsicherheit bleibt. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit eines der polierten Stücke einer Person mit dem richtigen Fachwissen und einem Mikroskop zu zeigen, in der Hoffnung eine Entscheidung zwischen Limonit und Schlacke fällen zu können. Eine Verbesserung für die Zuknunft: Den Bildern sinnfällige und einfache Bezeichnungen geben (z.B. einfach durchnummerieren). Es ist nur wichtig, dass die Bilder innerhalb eines Diskussionsfadens eindeutig sind, aber es hilft auch ungemein, wenn sie schnell auffindbar sind und da helfen einfache Bezeichnungen. Sind die Bilder aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt, empfiehlt es sich die Teilbilder zusätzlich zu beschriften. Das hilft gegebenenfalls in der Diskussion, wenn man auf ein Teilbild verweisen will.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
« Letzte Änderung: 31 Jul 23, 03:57 von felsenmammut »

Offline Kupperdroll

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #7 am: 31 Jul 23, 14:53 »
Hallo, Nadia!

Ich habe mich der Antwort vom Wolfi angeschlossen.

Zur Erklärung: Der Einwurf, dass es sich um Schlacke handeln könnte, ist aufgrund der Bilder, sicher berechtigt. Ich habe solche Knollen im Abraum des Tagebaus Etzdorf, heute Amsdorf, gefunden. Es scheint sich hier der Limonit um Kalksteinsteinchen zu entwickeln und stammt wohl aus verwitterten Pyrit- /Markasitkonkretionen. Der Aufbau meiner und deiner Limonitknollen ist sehr identisch.

MfG

Offline Cassiopea

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Re: Bitte um Hilfe
« Antwort #8 am: 03 Aug 23, 11:40 »
Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie hier einem Laien geholfen wird.
Herzlichen Dank Felsenmammut für diese super ausführliche Antwort. Was für eine detallierte Erklärung! Wahnsinn!
Danke auch für das positive Feedback, dass ich meine Hausaufgaben ganz gut erledigt habe ;D (der Einsteigerguide ist sehr gut aufgebaut und sehr hilfreich) die Anregungen und Ratschläge. 
Mein Dank geht natürlich auch an Kupperdroll, Guefz und Wolfi. Eigentlich habe ich mich auf der Suche nach Antworten in diesem Forum angemeldet, aber ich glaube ich bleibe weiterhin hier, auch weil ich gemerkt habe, dass es Spaß macht zu sehen, was die Leute alles so finden  :)
Glück auf!

Nadia