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Autor Thema: Amphibolkristalle  (Gelesen 5625 mal)

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Offline Iridium

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Amphibolkristalle
« am: 06 Sep 05, 11:43 »
Hallo, vielleicht kann mir jemand helfen. Ich habe eher zufällig Kristalle gefunden, die offensichtlich zur Gruppe der Amphibole gehören. Da ich die Möglichkeiten habe, habe ich sie durch Röntgenbeugung am Einkristall und Pulver und durch energiedispersive Röntgenspektrometrie untersucht (allerdings zugegeben bisher nicht nach allen Regeln der Kunst gegen Standards gemessen). Die Metrik ist monoklin (a = 985.9(4) pm, b = 1804.7(4) pm, c = 531.1(2) pm, beta = 105.28(4) °) und da die Proben deutliche Mengen Titan enthalten (außerdem K, Na, Fe, Ca, Al und Mg und natürlich Si und O) denke ich es handelt sich um das Mineral Pargasit oder Kaersutit. Dazu folgende Fragen, zwar sehr spezieller Natur, aber vielleicht kennt sich jemand damit aus, ich bin nur Chemiker, kein Mineraloge :-):

1) Wie groß sind Kristalle von Pargasit, Kaersutit (oder Amphibolen allgemein) normalerweise? Sind gut ausgebildete Kristalle mit Abmessungen von mehreren mm bis zu einigen cm selten?
2) Ist es ungewöhnlich solche Kristalle dicht unter der Erdoberfläche in Erdaushub zu finden (der Fundort liegt in einem früher vulkanisch aktiven Gebiet), wo findet man entsprechende Kristalle normalerweise?
3) Kann man die Einteilung nach Pargasit, Kaersutit etc. wirklich definitiv treffen, die Amphibolmineralien sind ja in ihrer Kristallchemie äußerst variabel? Gibt es vielleicht noch andere Ti-haltige monokline Amphibole, die man mit berücksichtigen müsste? Kann man den Titangehalt als Klassifizierungskriterium nutzen?

Für alle Anregungen und Antworten jetzt schon vielen Dank.


Offline Collector

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #1 am: 06 Sep 05, 12:12 »
Hallo Iridium

ein paar Antworten, die vielleicht weiterhelfen:

1. Manche Amphibole können bis über 10 cm groß sein, besonders Ferro-Hornblende und der von Dir vemutete Kaersutit.

2. Kaersutit: Kommt u.a. gewöhnlich in Phenokristallen in alkalischen vulkanischen Gesteinen und in Alkalibasalten vor . (auch in carbonatitischen Tuffen und in Alkali Gabbros). Die Farbe ist braun bis schwarz; starker Pleochroismus. (X = gelb, Y= rot); Dichte 3,2 -3,28

3. Pargasit : Bildet auch Kristalle bis 3 cm; kommt in andesitischen vulkanischen Gesteinen, aber eher als Bestandteil gewöhnlicher "Hornblenden" in metamorphisierten Skarnen in silikatischen Kalksteinen vor. Die Farbe ist bläulichgrün, grau, sehr hellgrün ( wenn Cr vorhanden), aber auch braun. Pleochroismus : X= farblos, Y=hellbraun bis bläulichgrün); Dichte 3,04 bis 3,17.

4. Ja, es gibt noch andere monokline Ti-haltige Amphibole:

4.1 Mit Ti+4: Kalium-Fluorrichterit und Obertiit
4.2 Mit Ti+3: Sadanagait, Mg-Sadanagait und Ferri-Sadanagait.

5. Den höchsten TiO2-Gehalt (den ich im Augenblick anhand des Vergleiches der  Amphibol-Formeln entdecken kann),  hat Kaersutit; (von ca. 10,3 bis 13,05 %; der letztere von einem Vorkommen bei Vlci Hora in der Tschechichen Republik).

6. Die von Dir gemessenen Zelldaten entsprechen am meisten dem Amphibol Kaersutit ( a=9.8903, b= 18.0596, c= 5.3152; beta = 105.4 ).

7. selbstverständlich kann man Amphibol-Kristalle auch dicht unter der Erdoberfläche im Erdaushub finden - das ist nicht unbedingt ein  Kriterium für ein Vorkommen. Im Gegenteil - ich weiß z.Bsp., wo man in einem auch vulkanisch aktiven Gebiet sehr gute Ferro-Hornblendekristalle jedes Jahr nach dem Pflügen finden kann.

Zur besseren Einschätzung wäre der Fundort und ggf. Begleitmineralien sinnvoll.

gruß
collector

« Letzte Änderung: 06 Sep 05, 12:32 von Collector »

Offline Iridium

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #2 am: 08 Sep 05, 13:59 »
Hi,

Danke für die umfangreiche Antwort! Ich kann leider kaum etwas zu den Begleitmineralien sagen, ich habe sehr viele Kristalle einzeln in der Erde gefunden, aber auch als Einschlüsse in "Gestein". Der Fundort liegt in der hessischen Rhön, genauer am Nord-West Hang der Wasserkuppe. Was mich als unbedarften Sammler von Mineralien (die ich üblicherweise aus Bequemlichkeit auf Börsen kaufe anstatt sie selbst auszubuddeln :-)) halt echt überrascht hat, war die gut ausgebildete Kristallform, die Größe einzelner Kristalle im cm Bereich und die Art wie ich sie gefunden habe, nämlich durch zufälliges drüberstolpern in einer Baugrube, vor allem weil ich auf Börsen, die Mineralien aus der Region anbieten, auch noch nichts vergleichbares gesehen habe. Andererseits handelt es sich bei den Amphibolen ja um eine Gruppe nicht gerade seltener Mineralien, ganz im Gegenteil, und da Du auch über entsprechende Erfahrungen berichtest scheint es insgesamt gar nicht so untypisch zu sein, wie und was ich gefunden habe.

Offline Collector

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #3 am: 08 Sep 05, 16:03 »
Hi Iridium

hättest Du gleich gesagt, wo Deine Kristalle herkommen .......


ist ja interessant ! Als Rhöner (allerdings Unterfranke und kein Hesse) kenne ich einige Fundstellen an der Wasserkuppe; u.a. auch für Amphibole, Augit und Ägirin-Augit.

Da gibts nen Weg von der Wasserkuppe zum Pferdskopf ( da wo die Drachenflieger in die Tiefe springen),  etwa 50-70 m kurz davor ( ich glaube sogar Teil des geologischen Lehrpfades) gibts nen Hohlweg ( links Wiese, rechts kleiner Wald), wo man besonders im Frühjahr, wenn der Schnee weg ist, immer gute und relativ große Einzelkristalle finden kann; die liegen entweder sichtbar oder man muß ein bißchen in der feuchten Erde buddeln.

Garnicht weit davon, wo der Pferdskopf recht steil zum Guckai-See abfällt, gibts ne sehr interessante Wand aus tw. verwittertem vulkanischen Gestein, wo man Kaersutit, Augit und sogar Nephelin in kleinen Kristallen finden kann. ( unterhalb ist das Goldloch,. wo früher mal nach Gold prospektiert wurde).
Und direkt unterhalb der Fulda-Quelle gibts schönen Ägirin-Augit-Basalt mit relativ großen Kristallen.

Und dann gibts noch 2 weitere Fundstellen im Umkreis von ca. 2-3 km - aber das ist ein anderes Kapitel.

Du hast Recht. Auf wenigen Börsen wird Rhön-Material angeboten, und wenn, dann meist vesteinertes Holz. Aber die Rhön bietet neben Amphibolen und Pyroxenen auch noch andere Schätze: schöne Olivine ( x ! ), Baryt, Smithsonit, Lepidokrokit, Hämatit, Opal - um nur n paar gewöhnliche Mineralien zu nennen, aber auch seltene Phosphate und sekundäre Uran-Mineralien. Scheint sich aber kaum jemand dafür zu interessieren.

gruß
collector

Offline Iridium

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #4 am: 09 Sep 05, 13:15 »
Hi collector,

Ja, bisher hab ich mich auch nicht dafür interessiert, weil ich gerade von den Mineralien aus der Rhön, die auf Börsen angeboten werden, immer etwas enttäuscht war. Entweder gabs da nur eher langweilige "Steine" (sorry, ich mag halt hauptsächlich gut ausgebildete Kristalle und bin kein Geologe, da gibt es dann für mich noch nicht mal den Bonus, das die Sachen aus meiner Heimat stammen...außerdem hab ich dann immer den Eindruck ich gebe viel Geld für etwas aus, was bei mir zuhause im Garten auch zu finden ist), oder die Mineralien waren soooo winzig, daß sie auch kein Interesse wecken konnten. Also hab ich die Rhön bisher mineralientechnisch auch immer für langweilig gehalten. Durch den Fund der Amphibolkristalle und deine Erfahrungen mit selbstgesammelten Stücken ändert sich meine Meinung aber gerade...an den Stellen die Du schilderst bin ich schon häufiger vorbeigekommen und vielleicht schau ich beim nächsten Mal einfach mal genauer, was da in der Gegend rumliegt :-). Man kann hier glaube ich keine Bilder hochladen, sondern nur verlinken, oder? Sonst hätte ich nämlich auch mal ne Aufnahme der Kristalle hier reingestellt.

Gruß Iridium

Offline Collector

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #5 am: 09 Sep 05, 15:38 »
Hi Iridium

doch, Du kannst ganz super einfach Bilder hochladen. ( jpg, pdf etc ... ist angegeben )

Mußt in Deinem Beitrag nur unten links auf "Erweiterte Optionen" gehen, Deine Bilddatei suchen und anschließend auf öffnen drücken. Anschließend speichern -und dann hast Du Dein Bild in deinem Forumsbeitrag.

gruß
collector




Offline Iridium

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #6 am: 09 Sep 05, 16:14 »
Hi,

Tatsächlich...hmm...muß ich übersehen haben, danke für den Tipp. Mal schauen, ob es klappt.

Offline Krizu

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Re: Amphibolkristalle
« Antwort #7 am: 09 Sep 05, 16:25 »
Schick, ich muss mal suchen, solche hatte ich aus La Palma, vom Roque de los Muchachos (Obervatorium).

Mfg

Frank