http://www.phillisverlag.de/Kalender-Shop/Mineralienkalender/https://crystalparadise.de/https://www.edelsteine-neuburg.de

Autor Thema: Vorstellung: Kamerint. Focus Bracketing, u. a. Kombi Tele- + Mikroskopobjektiv  (Gelesen 2185 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Hallo zusammen,

ich möchte hier einmal eine m. E. nicht ganz so bekannte Technik vorstellen, mit der man mit aktuellen Kameras mit relativ wenig Zusatzausstattung "stacken" kann.
Das ist nicht umbedingt für die absoluten Top-Ergebnisse gedacht, aber sehr vielseitig nutzbar, sehr mobil und unglaublich schnell.
Grundsätzlich basiert die Methode auf der internen Focus Bracketing-Funktion, die heute viele Kameras integriert haben. D. h. es wird der Autofokusmotor eines Objektivs genutzt, um eine Fokusreihe zu erstellen, diese wird dann entweder kameraintern oder (flexibler) mit einer externen Software wie Helicon Focus oder Zerene Stacker verrechnet.

Dass das bei moderaten Abbildungsmaßstäben mit z. B. einem Makroobjektiv und ggf. einer zusätzlichen Vorsatzlinse funktioniert, dürfte allgemein bekannt sein. Weniger verbreitet ist der Ansatz, mittels passendem Adapter ein unendlich korrigiertes Mikroskopobjektiv vor ein Teleobjektiv oder Zoom-Teleobjektiv mit passender Brennweite zu setzen. Das Teleobjektiv übernimmt dann die Funktion der Tubuslinse und muss daher eine passende Brennweite haben, typischerweise um 200 mm. Erstaunlicherweise kann man über den Fokus des Teleobjektivs dann in einem gewissen Rahmen durch das Objekt durchfokussieren. Über diese Methode findet man zwar einige Berichte, z. B. im amerikanischen photomacrography-Forum oder bei den Herren von Traumfliegern, insgesamt scheint mir das Wissen darüber aber nicht so verbreitet zu sein.

Das Bild zeigt einen entsprechenden Aufbau mit einer Olympus OM-D EM5 mk2 mit einem Panasonic 45-175 mm Objektiv und einem davor gesetzten Nikon BE Plan 4x Objektiv. Das Teleobjektiv ist kein High-End-Objektiv und hat für die normale Fotografie einen mittelmäßigen Ruf, für unsere Zwecke aber einige vorteilhafte Eigenschaften. V. a. bleibt die Baulänge beim Zoomen und fokussieren konstant. Mit den von mir getesteten Objektiven ist es etwa ab einer Zoomstellung von 150 mm verwendbar, bei kleineren Brennweiten erhält man eine Vignettierung.

Das gezeigte Stativ ist im Prinzip eine Luxus-Variante unter Verwendung eines (Fein)Fokus-Blocks, den ich mal vor vielen Jahren erstanden habe, als es noch keine Rails gab. Aber die Methode ist eigentlich unabhängig davon, man muss die Kamera nur irgendwie montieren oder ggf. auf den Tisch stellen, wenn man das Ganze in der Horizontalen anwendet.

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Die Kamera habe ich erst vor Kurzem gebraucht erstanden und zeige hier meine allerersten Gehversuche mit einem Pseudomalacht von der Grube Silberbrünnle, bei dem verschiedene Abbildungsmaßstäbe sinnvoll sind, so dass man die Vielseitigkeit des Focus Bracketing zeigen kann. Ist alles relativ quick and dirty.
Erst einmal ganz klassisch ein Bild per 60 mm Macro, Bildbreite auf ca. 12 mm beschnitten.

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Nun ein weiteres Bild mit 60 mm Makroobjektiv und Raynox DCR250 Vorsatzlinse, Bildbreite ca. 8 mm.

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Jetzt kommt zum ersten Mal ein Mikroskopobjektiv ins Spiel, das oben erwähnte Nikon BE Plan 4x; Bildbreite ca. 3mm.

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Und ein weiteres Bild mit einem Nikon CFI Plan 10x, Bildbreite ca. 1.3 mm.

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Zumindest mit dem hier verwendeten Teleobjektiv komme ich bei 10x an eine Grenze -- sehr "tiefe" Stacks sind damit nicht möglich und höhere Vergößerungen wie 20x oder 50x eher bei flachen Objekten nutzbar.
Durch die Montage des Mikroskopobjektivs am Filtergewinde des Kameraobjektivs empfiehlt es sich m. E. nicht, große/schwere Objektive a la Mitutoyo zu montieren, womit sicherlich noch eine etwas bessere Qualität zu erzielen wäre.
In Summe kann man per Railstacking sicherlich noch etwas bessere Ergebnisse erzielen und vor allem tiefere Stacks erreichen.
Die Bracketing-Methode hat aber wirklich ihren Charme durch das sehr kleine/leichte/portable Setup und die irre hohe Geschwindigkeit.

Hier noch ein paar Hinweise zum Vorgehen am Beispiel meiner Olympus:
- Verbinden der Kamera z. B. per USB mit der software OM Capture
- Einstellen des Zooms, so dass Vignettierung verschwindet; grob Fokussieren
- Ausprobieren der richtigen Belichtungszeit bei Offenblende
- Focus "nach ganz vorne" bringen, beim Bracketing wird "von vorne nach hinten" durchfokussiert
- Bracketing Step Size von 3 scheint ein guter Startpunkt zu sein, ggf. Schrittweite vergrößern oder verkleinern
- Anzahl der Schritte ausprobieren (z. B. mit 50-100 starten); falls man nicht "weit genug" gekommen ist, kann man einfach die nächste Serie wieder vom Endpunkt starten

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Und zum Schluß noch ein "fachfremdes" Bild, die Vielseitigkeit einer solchen Konfiguration geht sogar über Mineralien hinaus: Mit einem Durchlichttisch kann man sogar biologische Präparate (hier ein Nadelquerschnitt) mit dem gleichen Aufbau anschauen!

Ich hoffe, diese kleine Beschreibung ist für den einen oder anderen interessant!

Viele Grüße

- Björn

Offline harzer

  • Sponsor 2024
  • *
  • Beiträge: 74
  • Ich liebe dieses Forum!
Hallo Björn,
super Beschreibung und gute Ergebnisse.
Mit meiner Fz2000 und Mikroskopobjektiven arbeite ich schon seit einigen Jahren
mit einem vergleichbar gutem Ergebnis.
weiter so und viel Spaß beim Stacken.

Kay

Offline isbjoern

  • ***
  • Beiträge: 202
Hallo Kay,

das ist ein guter Hinweis: das Ganze funktioniert auch mit Bridge-Kameras mit fest installiertem Zoomobjektiv. Wohl auch bei etwas älteren Modellen z. B. von Panasonic, die nicht einmal explizit Focus Bracketing, sondern nur "Post Focus" als Feature haben (bei photomacrography wird die FZ300 erwähnt, die es gebraucht recht günstig gibt). In dem Fall wird dann eine Videodatei erzeugt und dient als Vorlage für das Stackingprogramm (zumindest Helicon kann damit arbeiten oder man extrahiert die Frames).

Ich habe damit keine eigene Erfahrung, aber mit der Kombi "makrofähige Bridgekamera" + Raynox + Mikroskopobjektiv(e) hat man gewissermaßen das Optimum in Sachen kompaktem Setup erreicht. Aber auch die o. g. Olympus-Ausrüstung kann ich sehr empfehlen, ich habe Kamera und alle Objektive gebraucht erworben mit doch sehr erheblichen Abschlägen gegenüber den Neupreisen!

Viele Grüße
Björn

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge