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Autor Thema: Bildung von Covellin in der Sammlung ?  (Gelesen 1026 mal)

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Offline marc-r

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Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« am: 08 Jun 24, 20:16 »
Hallo zusammen,

mir ist auf meinen Stufen schon häufiger aufgefallen, dass trotz trockener Lagerung / montiert in Sammlungskästchen sich auf Sulfiden sehr kleine, aber hochglänzende Büschel von Covellin bilden. Bei fast allen Bildungen bin ich mir sicher, dass diese zum Fundzeitpunkt nicht vorhanden waren.

Habt ihr ähnliche Beobachtungen?
Wie kommt es zur Bildung eines Kupfersulfides unter diesen Bedingungen? Weder Kupfer noch Schwefel sind "flüchtige" Stoffe.

(möglicherweise wurde das Thema schon einmal früher diskutiert? wenn ja, wo ....)


GA!
Marc

 

Offline Klaus Schäfer

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #1 am: 08 Jun 24, 20:49 »
Hallo marc,

Liegt wohl mit am Kitt (S?). Geklebt montierte Stufen zeigen diesen Effekt nicht.

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #2 am: 08 Jun 24, 22:39 »
> Habt ihr ähnliche Beobachtungen?
> Wie kommt es zur Bildung eines Kupfersulfides unter diesen Bedingungen?

Ja, das ist sogar sehr häufig. Mehr als 100-150 Jahre alte Stufen in unserem Museen (z.B. Erzbrocken von Tsumeb) können von Millimeter-dicken weichen blauschwarzen Krusten überzogen werden.
Kleine Erzeinschlüsse von diversen Vorkommen können randlich oder flächig von winzigen Büscheln überwachsen werden. Chemisch ist das üblicherweise ~CuS oder ~Cu2S, teilweise mit geringer Substitution von Ag für Cu.

Grund: Die Kupferionen (und Silberionen) diffundieren bei Umgebungstemperaturen. Genauso bildete sich Akanthit (Ag2S) auf ged. Silber (bevorzugt Lockensilber), wobei das oft soweit geht, dass das Silber komplett vom Akanthit pseudomorphisiert werden (meist über Monate oder Jahre).

Offline ruebezahl

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #3 am: 09 Jun 24, 00:45 »
Glück auf,


Genauso bildete sich Akanthit (Ag2S) auf ged. Silber (bevorzugt Lockensilber), wobei das oft soweit geht, dass das Silber komplett vom Akanthit pseudomorphisiert werden (meist über Monate oder Jahre).

Bei dieser Umwandlung muss allerdings ein Eintrag von Schwefel aus der Umgebung stattfinden. Wenn die fraglichen Stufen keine Sulfidparagenesen aufweisen, und hinreichend nah benachbarte Stücke auch nicht, liegt es womöglich "an der Luft". Wobei, in wenig gelüfteten Sammlungsräumen mit reichlich Sulfiderz-Exponaten wäre eine Akkumulation von reaktiven  Schwefelverbindungen in der Raumluft nicht überraschend.

Oberflächliche in der Sammlung entwickelte Neubildungen auf sulfidischen Cu-Mineralen (besonders z.B. Bornit, Chalkosin etc.), manchmal richtige "Bärte", sind mir in vielen älteren Sammlungen aufgefallen.

Die aktuelle Frage, ob es sich bei solchen Phänomenen (auch) um Covellin handeln kann bzw. wie schnell diese Reaktionen vor sich gehen (also auch in jüngeren Sammlungen merkbar stattfinden) kann ich von daher aber nicht beurteilen.

Viele Grüße Uwe

« Letzte Änderung: 09 Jun 24, 00:55 von ruebezahl »

Offline smoeller

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #4 am: 09 Jun 24, 10:23 »
Hallo,

Covellin eher nicht, meist entweder röntgenamorphes Cu-Sulfid oder allenfalls Digenit.

Glück Auf!
Sebastian

Offline marc-r

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #5 am: 09 Jun 24, 11:56 »
Hallo,

Covellin eher nicht, meist entweder röntgenamorphes Cu-Sulfid oder allenfalls Digenit.

Glück Auf!
Sebastian

Vielen Dank für die Informationen!
Dass ich diese Neubildungen als Covellin angesprochen habe, basiert nicht auf einer Analyse, sondern rein auf der optischen Ähnlichkeit (Farbe, blau-violette Reflektionen). Digenit passt hier aus meiner Sicht nicht.
Ebenso meine ich durchaus Kristallflächen zu erkennen - steht das nicht im Widerspruch zu "röntgenamorph"?

Offline marc-r

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #6 am: 09 Jun 24, 12:08 »
Uwe Kolitsch und Uwe "ruebezahl" haben noch die Frage nach den Zeiträumen angesprochen, in denen sich diese "Kupfersulfide" bilden.

Zumindest bei mir haben sich unterm Bino bei 20x deutlich erkennbare Kristallaggregate innerhalb von wenigen Jahren gebildet.
Dass bei dieser Geschwindigkeit Stufen innerhalb von 100 - 200 Jahren komplett mm-dick überwachsen werden können, passt also ...

Ich denke, ein Eintrag von S-Verbindungen aus dem Kitt, wie von Klaus Schäfer als mögliche Ursache angeführt, kommt bei diesen alten Stufen auch nicht als Ursache in Betracht. Möglicherweise beschleunigt irgend etwas im Kitt die Bildung dieser Cu-S-Verbindungen bei neueren Stufen, die mit dem allgemein gebräuchlichen Kitt montiert sind?

Die Montage von Stufen mit Kitt ist aber auch ein eigenes Thema, welches sicher eine separate Diskussion rechtfertigt.
Ich experimentiere im Moment mit Heißkleber und habe den Eindruck, dass eine "attraktive" Montage hier wesentlich einfacher ist.
Leider hat der handelsübliche Heißkleber die unangenehme Eigenschaft, sehr schnell sehr lange und dünne Fäden zu ziehen ... das macht u.U. extra Arbeit, diese mit Pinzette unterm Bino wieder abzuzupfen.

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Bildung von Covellin in der Sammlung ?
« Antwort #7 am: 11 Jun 24, 18:08 »
> Covellin eher nicht, meist entweder röntgenamorphes Cu-Sulfid oder allenfalls Digenit.

Stimmt, das hatte ich vergessen zu schreiben:
Diese Bildungen sind oft röntgenamorph oder zeigen zumindest eine erniedrigte Kristallinität.

Auf Erzanschliffen können winzige Ausblühungen binnen Tagen und Wochen wachsen (schön unter dem Rasterelektronenmikroskop zu sehen). Ob hier die Feuchtigkeit beim Polieren eine Rolle spielt, ist mir nicht klar.
Die Formen sind vielfältig: winzige Pusteln, Büschel, Eisblumen-artige Bildungen, knollig-nierige Bildungen.