Glück Auf!
Herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Fund.
Der Quarz stammt nicht aus einem Pegmatit. Solche Quarze werden als Hochtemperaturbildungen eingestuft und sind an Kluftsysteme im Gneis gebunden. Kluftsysteme mit solchen Quarzen aus Hochtemperaturbildungen sind im gesamten Erzgebirge verbreitet, aber vor allem in den kristallinen Gesteinen wie Gneis, Granit und Rhyolith anzutreffen. Gute Quarzfunde sind flächendeckend für die Verbreitung dieser Gesteine im Erzgebirge belegt. Oft sind diese Hochtemperaturbildungen nur strukturgebundene massige Quarzbildungen.
Da man in diesen Bildungssystemen (zumindest zu Beginn) Bedingungen für überkritisches Wasser annimmt, kann man die Temperatur erst einmal grob zwischen 370°C und vielleicht 600°C als Arbeitshypothese verorten. Gelegentliche Begleitminerale sind Chlorit, Feldspat, Turmalin, Rutil und einige weitere Akzessorien. Es gibt Hinweise, dass manchmal das pegmatische Bildungsmilieu (300-700°C, wenn man es nur an der Temperatur festmacht) erreicht wurde.
Als Argument für ein Pegmatitstadium nimmt man das Vorhandensein von grafischem Gefüge aus K-Feldspat und Quarz. Die mir bekannten Funde zeigen aber nicht ausreichend eindeutig, dass das gemeinsame Vorkommen von "Schriftgranit" und den Quarzen aus den Hochtemperaturbildungen, wie das hier diskutierte Exemplar wirklich zur selben Bildungsphase gehört. Aus meinen Beobachtungen lese ich eher, dass die Bildung von Schriftgranit eine separate Bildungsphase ist. Vorhandene tektonische einst aktive Strukturen mit Schriftgranitbildung wurden reaktiviert und die Hochtemperaturbildung dieser Quarze setzte ein. Dabei kommt es durchaus vor, dass die Quarze aus der Hochtemperaturbildung in der Orientierung des Quarzes aus dem Schriftgranit weiterwachsen. Alles mir Bekannte an Feldspäten mit idiomorphen Kristallflächen im Zusammenhang mit derartigen Quarzen aus Hochtemperaturbildungen weist auf Bildungstemperaturen unterhalb des Pegmatitstadiums hin. Das gilt aber streng genommen wieder nur für den Feldspat und nicht zwangsweise für die gesamte Bildungsdauer der Quarze aus der Hochtemperaturbildung. Kristallformmen sind einheitlich primitiv-rhomboedrisch, so wie man es von Paradoxit kennt.
Bei den Turmalinen hatte ich jahrelang nur Stufen mit eher dickeren, gebogenen, eingewachsenen Kristallen gesehen, was problemlos in das Bild passt, dass das pegmatische Stadium deutlich vor der Hochtemperaturbildung dieser Quarze erfolgte. Ein neuerer Fund zeigt aber gestreckte, freistehende Turmalinnadeln. Dass es deutlich dünnnadeliger Turmalin ist, deutet auf eine niedrigere Bildungstemperatur hin als man sie für gewöhnlich im pegmatischen Stadium hat. Insofern sehe ich da keinen Widerspruch.
Bei den Rutilen ist noch "Feldarbeit" zu leisten, da zu wenige und zu sporadische Funde im Zusammenhang mit Quarz vorliegen. Es ist nicht einmal gesichert, dass die Rutilfunde mit Sicherheit diesen Hochtemperaturquarzbildungen zugeordnet werden können. Rutil kommt gerade im Freiberger Revier gerne im Zusammenhang mit den Amphibolitlinsen vor, die vielerorts im Gneis stecken. Besonders Rutile aus Quarzmobilisaten, die an diese Amphibolitlinsen gebunden sind (Bildungen im Druckschatten), zeigen gute Kristallformen.
Ich konnte etliche Male im Freiberger Umland Quarzkristalle sporadisch auf Feldern finden. Einige weitere Funde stammen aus oberflächigen temporären Aufschlüssen, die hoffen ließen, dass sich weitere Kristalle finden lassen sollten. Häufig wurde man da aber enttäuscht. Ergänzende Beobachtungen zu den Hangbewegungen legen aber nahe, dass es schwierig ist, den Ursprung solch sporadischer Quarzfunde eng genug einzugrenzen, dass man mit einer Buddelaktion erfolg haben würde. Ohne die Verschleppung durch den bäuerlichen Pflug mit zu berücksichtigen sieht man in einigen Hangprofilen Versetzungen von mehreren Metern. Die Größe eines einzelnen Quarzes sagt leider wenig aus über die Größe, den Ertrag und das noch Vorhandsein der Druse. Aber es lohnt sich immer, die Augen für solche Funde offen zu halten. Wenn sich Funde in einem engen Umkreis häufen, kann man ja mal auf den Eigentümer zugehen und die Möglichkeiten tief schürfend erörtern.
Mit freundlichen Grüßen
Das Felsenmammut