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Vergleich Erzgebirge und Schwarzwald
MM-Bär:
Gibt es, aber nur wenig :-\. Muss man meinen Fundus am WE zu Hause aufarbeiten. Bitte Geduld
Ist aber nur Literatur über den Frankenwald und allgemeine Betrachtungen zur "Orogenese". Nix spezielles von Erzgebirge oder Schwarzwald.
Als Autor fällt mir ein: H.G. Dill (Hannover)
MM-Bär:
http://www.schweizerbart.de/pubs/journals/0012-0189/paper/133/667
Bernd G:
na dann schaun wir mal. danke MM - Bär
ist denn kein geologe hier ?
geomueller:
Der Schrei nach einem Geologen, oh Gott hoffentlich kann ich euch zufrieden stellen. Aber es sind ja noch mehr Geologen hier die das ganze noch ergänzen können. Das Ganze ist natürlich sehr komplex, schließlich wurden über dieses Thema sicherlich mehrere Meter Bücher ;D voll geschrieben.
Also grundsätzlich sind das Erzgebirge und der Schwarzwald in ihrer geologischen Entstehungsgeschichte schon sehr ähnlich aber im Detail auch wieder sehr unterschiedlich.
Beginnen wir mal mit der Regionalgeologischen Eingliederung des Erzgebirges und des Schwarzwaldes.
Die deutschen Mittelgebirge, also auch das Erzgebirge und der Schwarzwald, haben ihren Ursprung in der variszischen Geosynklinalen, die sich bis vor ca. 400 Mio. Jahren in einer WSW-ONO-Längsachse quer durch Mitteleuropa zog.
In diesem Senkungsgroßraum kam über einen Zeitraum von etwa 100 Mio. Jahren ein mehrere Kilometer mächtiges Paket von Sedimenten zur Ablagerung. Die überwiegend marinen Sedimente wurden schließlich am Ende des Devons und im Karbon in mehreren Etappen gefaltet. Danach stiegen sie zu dem Variszischen Gebirge auf, dessen Höhenrücken sich in einem breiten, landschaftlich sehr differenzierten Gebiet von Südfrankreich über Schwarzwald, Spessart, Rheinisches Schiefergebirge und das Gebiet des heutigen Harzes nach Osten hinzogen. Das heutige Erzgebirge liegt innerhalb des Variszikums in der saxo-thuringischen Zone. Diese ist durch Metamorphose ihrer Gesteine (Gneis, Glimmerschiefer, Marmor) und die Durchdringung der Gesteinsverbände mit verschiedenen Plutonen gekennzeichnet ist.
Zur Geologischen Entstehungsgeschichte des Erzgebirges
Das Variszische Gebirge war seit dem Perm der Abtragung ausgesetzt. So wurden auch die Gesteine und tektonischen Strukturen, die sich im Gebiet des heutigen Erzgebirges im Paläozoikum gebildet hatten, während des Mesozoikums und im Tertiär abgetragen und eingeebnet. Flußsedimente des frühen Tertiärs in Nordböhmen sowie die gleich alten Flußkiese auf manchen Bergen des Erzgbirges und in Mittel- und Nordwestsachsen bezeugen für die damalige Zeit eine Ebene, die sich von Nordböhmen bis in den Raum Leipzig ersteckte.
Im Tertiär an der Wende vom Oberoligozän zum Miozän rissen südlich des heutigen Erzgebirges SW-NO streichende Spalten auf, an denen der Egertalgraben einsank. Die nördliche Erzgebirgsscholle wurde um mehr als 1000m gehoben und nach Nordwest schräggestellt. So erklärt sich der allmähliche Anstieg der Erzgebirges von Nord nach Süd und der extrem steile Erzgebirgssüdabbruch als Begrenzung zum Böhmischen Becken (Pultscholle). Die Hebung des Erzgebirges zur Pultscholle erfolgte in mehreren Etappen über einen Zeitraum von etwa 30 Millionen vom mittleren bis zum jüngsten Tertiär. Zeitweise, besonders in den Anfangsstadien, war sie von basaltischem Vulkanismus nördlich und südlich der Hauptstörungszone begleitet. Davon zeugen heute noch die Basaltkuppen im Erzgebirge (Pöhlberg, Scheibenberg, Bärenstein) sowie auf der tschechischen Seite das Böhmische Mittelgebirge und das Duppauer Gebirge (Doupovské hory), die aus großen Massen vulkanischer Gesteine, vor allem Basalt und Phonolith bestehen.
Ebenfalls in den Anfangsstadien der Hebung des Erzgebirges bildeten sich in dem einsinkenden Egertalgraben in dem feuchten Klima des Tertiär Sümpfe und Moore, die die mächtigen Flöze der nordböhmischen Braunkohlenreviere hinterlassen haben.
Im Quartär entstand das gegenwärtige Landschaftsbild des Erzgebirges. Nach der letzten Hebungsphase schnitten die nun der Nordabdachung des Erzgebirges folgenden Flüsse ihre Täler ein. So erscheint das Erzgebirge ähnlich wie andere deutsche Mittelgebirge weithin nur als eine tief zerfurchte Hochfläche. Den Charakter eines Gebirges erhält es vor allem dort, wo zwischen benachbarten Tälern von der alten Ebene nur Grate und schmale Höhenrücken übriggeblieben sind.
Der Pöhlberg, der Scheibenberg und der Bärenstein die sich heute als markante Erhebungen im Erzgebirge zeigen, sind Basalthärtlinge die der Verwitterung der letzten Millionen Jahre trotzten. Sie stellen die Reste ehemaliger Basaltlaven dar welche in ehemaligen Flusstälern zum Stillstand kamen und erstarrten. Unter den Basaltdecken mit ihrer typischen Säulenbildung stehen noch die fluviadilen Sedimente (Sande und Kiese) der ehemaligen Flussläufe an. Damit sind diese Erhebungen Lehrbuchbeispiele für eine Reliefumkehr.
Zur Geologische Entstehungsgeschichte des Schwarzwaldes
Ich muss zugeben das ich mich als Sachse mit der Geologie des Schwarzwaldes noch nicht so beschäftigt habe, und beim Studium in der damaligen DDR habe ich vielleicht mehr über die Geologie des Urals gehört als über die des Schwarzwaldes ;D ;D ;D
Im Schwarzwald finden sich Gesteine, die sich bis ins Präkambrium (ca. 600 Mio. J) datieren lassen. Die Gesteine sind Paragneise, d.h. das Ausgangsgestein war ein Sediment, wie zum Beispiel eine Grauwacke, ein Sandschiefer oder eine Arkose (wenig tonige und mergelige Ablagerungen. Diese Sedimentabfolgen blieben aber nicht unbehelligt, sondern es sind im oberen Kambrium (vor 510-500 Mio. J.) Magmen hineinintrudiert. Ihre Zusammensetzung war vorwiegend granodioritsch und granitisch. Alles zusammen wird dann durch mehrere Gebirgsbilbungsphasen bearbeitet, so das aus den Sedimenten Paragneise und den Granodioriten und Graniten Orthogneisse werden.
Die Metamorphose des variszischen Gebirges nahm im unteren Karbon (350-325 Mio J.) ihren Lauf als Folge der Kollision der beiden Grosskontinente Laurasia und Gondwana. Das bringt natürlich viel Verformung, Faltung und Überschiebungen, wie die Todtnauer Überschiebungszone auf die Badenweiler-Lenzkirch Zone im Südschwarzwald. Hier finden sich z. B. Pyroklastika (Sedimente von Vulkanen) und noch ander Hinweise auf Vulkanismus. Hier handelt es sich vermutlich um Inselbogenvulkanismus, wie er an Subduktionszonen (heutige Anden) auftritt.
Vor 330-310 Mio Jahren (Oberkarbon) wird das Gebirge dann richtig gehoben. Als Folge davon dünnt die Kruste aus und es gibt wieder magmatische Intrusionen. Die bekanntesten sind: Der St.Blasien-Granit, der Albtalgranit, die Lamprophyr-Gänge und die Rhyodazit-Gänge.
Also bis hier her (Oberkarbon) ist die Entstehung des Schwarzwaldes und des Erzgebirges relativ gleich.
Es passierte mit dem Schwarzwald natürlich noch einiges mehr im Lauf von der Zeit: Noch mehr Hebung und Vulkanismus, Erosion, Ablagerung von Sedimenten im Mesozoikum, der Einbruch des Rheingrabens und die Eiszeiten.
Man kann also die Entstehungsgeschichten beider Mittelgebirge durchaus miteinander vergleichen, auch wenn die zeitliche Einordnung teilweise unterschiedlich ist. Der eigentlich größte Unterschied ist, daß das Erzgebirge im Tertiär noch einmal entscheidend gehoben wurde (Ausbildung der Pultscholle), was mit einem intensiven Basaltmagmatismus einher ging. Basalte sucht man im Schwarzwald meines Erachtens vergebens.
Die Entstehung der Lagerstätten, vorwiegend Gangerzlagerstätten, beider Mittelgebirge ist auch im Prinzip gleich. Sie basiert immer auf die Durchdringung der Gesteinsverbände mit verschiedenen Plutonen und dem damit einhergehenden Aufreißen der Gesteinsverbände. In die dabei entstehenden Klüfte und Spalten kommt es dann durch Eindringen der entsprechenden Lösungen zur Ausbildung der Vererzungen der verschiedenen Formationen. In beiden Mittelgebirgen dominieren die Blei-Silber-Zink-Formationen, Silber-Kobalt-Nickel-Wismut-Uran-Formationen sowie die Fluor-barytischen-Formationen (zu denen auch die Achatgänge z. B. Schlottwitz und Halsbach zählen).
Fazit, es ist also nicht verwunderlich wenn sich die Mineralisation im Schwarzwald sowie im Erzgebirge ähneln. Wobei die Vererzungen und der Umfang des Bergbaues im Erzgebirge wesentlich intensiver ist/war.
Es gäbe sicher noch viel zu diesem Thema zu schreiben :P
Gruß Jürgen
Schluchti:
Eine sehr schöne Beschreibung, Jürgen, mit der auch ich als geologischer Laie noch was anfangen kann! :D
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