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Autor Thema: Xenotim? Monazit? Oder vielleicht einfach Rutil oder Titanit?  (Gelesen 2555 mal)

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Offline Leofwin

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Heyhey, Mineralienfreunde! :]

Ich war über Weihnachten auf Fuerteventura und habe dort an einigen Stellen Minerale gesammelt. Eine Lokalität, die sich aus verschiedenen Gründen als interessant erwies, war der Barranco de las Peñitas im Westen der Insel. Die Geologie dort ist von Plutonen geprägt, hauptsächlich Syenit, der an vielen Stellen etwas gröber auskristallisiert ist (weiß nicht, ob man das schon Pegmatit nennen kann, aber es geht in die Richtung). Außerdem ist der Bereich für dort vorkommende seltene Erden bekannt, und Monazit wurde in der Nähe schon gefunden.

Ich habe dort eine Stufe aufgesammelt, die mich zunächst wegen ihrer großen Feldspat-Kristalle und auch wegen des hübsch aussehenden Schörls interessiert hat. Sie lag eine Weile lang auf der Kippe, ob ich sie tatsächlich behalten will oder nicht - bis ich sie mir noch einmal genauer angesehen habe und darauf einige kleine Kristalle entdeckt habe, die definitiv mein Interesse geweckt haben.

Die beiden Kristalle auf dem zweiten/dritten Bild sind etwa 0.5 mm (links) und etwas über 1 mm (rechts) groß. Der größte auf dem vierten Bild ist etwa so groß wie der andere etwas dunkle, also auch um die 0.5 mm. Die dunklen rotbräunlichen Kristalle haben einen intensiven, glas- bis diamantähnlichen Glanz. Der gelbgrüne Kristall hat einen ähnlichen Glanz an ungebrochenen Kristallflächen (ist leider etwas schwierig, das mit dem Mikroskop festzuhalten).

Ich habe dazu mal ChatGPT befragt (ich weiß, ich weiß, ist keine gute Quelle und erzählt einem gern mal Unsinn, aber zumindest als Ausgangspunkt zur Einschränkung ist es ganz nützlich, würd ich meinen) und nachdem ich so viele Umgebungsfaktoren wie möglich eingegeben hatte, waren die beiden wahrscheinlichsten Optionen, die es mir ausgespuckt hat, Xenotim-(Y) und Monazit-(CE), mit eventueller Chance auf Euxenit-(Y). Rutil und Titanit wurden auch vorgeschlagen, und Titanit hab ich in der Gegend auch in größeren Mengen in sehr klaren, schönen, gelben Kristallen gefunden, allerdings in einem anderen Umgebungsgestein (einem eher feinkörnigen, bläulichen Syenit). Rutil passt farblich halbwegs zu den dunklen Kristallen, aber passt das auch von der Kristallform her? Und was wäre dann das grünliche Mineral?

Ein Merkmal, das mich Richtung Xenotim/Monazit/Euxenit(?) lenkt, ist, dass der Bereich, in dem diese Kristalle vorkommen, ganz leicht radioaktiv ist (etwa 0.05 bis 0.1 μSv/h über der Hintergrundstrahlung), was durch gebundenes U/Th in den entsprechenden Mineralen kommen kann. Ist allerdings schwer festzustellen, ob diese minimale, kaum messbare Strahlung jetzt von den kleinen Kristallen ausgeht oder ob ansonsten in diesem gröber auskristallisierten Bereich etwas anderes strahlt.

Mohshärte oder Strichfarbe würde da wohl weiterhelfen, aber ist bei so winzigen Kristallen nicht so gut machbar, und da es jetzt nicht so viele Exemplare sind, würd ich ungern welche beschädigen.

Ansonsten ist im Umgebungsgestein kaum bis kein Quarz und außerhalb der gröber auskristallisierten Bereiche ist an einigen Stellen Glimmer (Muskovit? jedenfalls dunkel; meist plättchenhaft, wie man es kennt, teils aber auch nadelig) zu finden, falls das bei der Bestimmung weiterhelfen könnte.

Geht man einfach mal davon aus, wie wahrscheinlich es ist, welche dieser Minerale zu finden, werden es wohl Rutil und/oder Titanit sein (obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das von der Kristallstruktur her passt), aber dadurch, dass dort auch seltene Erden vorkommen, zumindest Monazit schon gefunden wurde und eine leichte Radioaktivität vorliegt, schließe ich nicht aus, dass es eins der Seltenerdminerale sein könnte. Was meint ihr?


GA und viele Grüße,

Leo
« Letzte Änderung: 06 May 25, 19:47 von Leofwin »

Offline Leofwin

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Hier sind noch ein paar Bilder von anderen Kristallen auf der Stufe!

Offline Leofwin

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Kleines, aber wahrscheinlich nicht unbedeutendes Update hierzu - ich habe mir die Stufe noch einmal unter UV-Licht angesehen, von Kurz- bis Langwelle.

Unter allen drei Wellenlängen fluoreszieren die gelbgrünlichen Kristalle in einem recht starken gelb-orange. Am stärksten unter Langwelle, aber definitiv und klar sichtbar auch unter Mittel- und Kurzwelle. Die kleinen rotbraunen Kristalle zeigen allerdings keinerlei Fluoreszenz.

Die starke Fluoreszenz unter allen drei Wellenlängen schließt für mich Titanit für die die grüngelben Kristalle aus (Rutil käme mir für die ohnehin nicht in Frage). Soweit ich finden kann, fluoreszieren allerdings auch Monazit und Xenotim nicht, was mich an dieser Stelle etwas ratlos macht. Was die rotbraunen Kristalle betrifft, könnte ich mir allerdings schon vorstellen, dass es sich um Rutil handelt.
« Letzte Änderung: 06 May 25, 21:22 von Leofwin »

Offline guefz

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Nachdem da auf den Fotos keine ordentlichen Kristallflächen erkennbar sind, wird es mit der Ferndiagnose schwierig werden. Bei der Fluoreszenz würde ich erst mal Zirkon in die engere Wahl ziehen, aber sicher ist das nicht. Irgendwas aus der Pyrochlor-Gruppe wäre auch eine Alternative für das dunkle Material. Letztlich wird sich das nur mit einer Analyse sicher bestimmen lassen.

Bis denn
Günter

Offline Leofwin

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Hmmm, jau, versteh ich gut. Ist tatsächlich überraschend schwierig, mit dem Mikroskop ein ordentliches Bild zu machen, auf dem man auch mal die Kristallflächen halbwegs gut erkennt, aber ich denke, ich hab ein paar Bilder gemacht, die hoffentlich etwas besser zu erkennen sind. Mithilfe des UV-Lichts konnt ich noch einen Kristall finden, der ziemlich scharfe, klare Kanten hat - ich denke, den kann man ganz gut erkennen. Falls nicht, kann ich die nochmal nachzeichnen.

Achja, an Zirkon hatte ich noch gar nicht gedacht! Das könnte von der Fluoreszenz her definitiv hinkommen, und wenn ich mir den zuletzt gefundenen Kristall mir schärferen Kanten so anschau, halt ich das für wahrscheinlich. Auch Pyrochlor klingt ziemlich wahrscheinlich - meine Recherche hat ergeben, dass es oft in Alkali-Pegmatiten und Karbonatiten (laut Mindat ist der Westen der Insel ein Karbonatitkomplex) und zusammen mit Zirkon zu finden ist, was alles in allem stimmig klingt.

Aber stimmt schon, sicher bestimmen lässt sich das so bisher nicht. Was mich die Analyse betreffend interessieren würde - wie ist dort die Herangehensweise? Müsste ich das Stück irgendwo einschicken oder so?
« Letzte Änderung: 07 May 25, 00:44 von Leofwin »

Offline guefz

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Ja, auf den letzten beiden Fotos kann man die Flächen gut erkennen. Ohne den Hinweis auf die Fluoreszenz würde ich diesen Kristall auch der Pyrochlorgruppe zuordnen, aber da er ja teilweise verdeckt ist, könnte es auch ein extrem kurzprismatischer, leicht verzerrter Zirkon sein, was besser zur Fluoreszenz passt.

Was die Analysen angeht: wenn bei dir in der Nähe niemand ist, der so was macht, dann ist Versand in ein Labor nötig, z. B. https://mineralanalytik.de/de/. Zirkon kann man mit Raman-Spektroskopie zerstörungsfrei messen, wenn ein Kristall ausreichend frei auf der Stufe sitzt. Bei Mineralen der Pyrochlor-Gruppe ist zusätzlich eine möglichst genaue chemische Analyse erforderlich, für die in der Regel ein Kristall geopfert werden muss.

Offline vandendrieschen

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Die Geologie dort ist von Plutonen geprägt, hauptsächlich Syenit, der an vielen Stellen etwas gröber auskristallisiert ist (weiß nicht, ob man das schon Pegmatit nennen kann, aber es geht in die Richtung)
Wirklich? Syenit ist doch nach der Stadt Syene benannt, weil es nur dort vorkommt.

Offline oliverOliver

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Zitat
Syenit ist doch nach der Stadt Syene benannt, weil es nur dort vorkommt.

Jule, Jule - schau doch mal ins Lexikon
Oder lies das, was dort steht, richtig und nicht nur halb.
Ist zwar (angeblich) nach Syene benannt, kommt aber keineswegs nur dort vor, sondern ist weltweit vertreten.

edit:
sh. z.B. die Überblickskarte zum syenit:
https://www.mineralienatlas.de/maps/map.php?cid=56&c=r
« Letzte Änderung: 08 May 25, 15:46 von oliverOliver »

Offline Leofwin

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Ohne den Hinweis auf die Fluoreszenz würde ich diesen Kristall auch der Pyrochlorgruppe zuordnen, aber da er ja teilweise verdeckt ist, könnte es auch ein extrem kurzprismatischer, leicht verzerrter Zirkon sein, was besser zur Fluoreszenz passt.

Jau, beim Recherchieren hab ich einige Pyrochlor-Kristalle gefunden, die 1:1 zu der Kristallform passen. Aber passt eben nicht zur Fluoreszenz, wie du schon meintest. Ich belass es erst einmal bei "unsicherem Zirkon", bis ich dazu mehr Infos hab bzw. eventuell eine Analyse durchführen lasse. Danke dir für die Infos dazu, übrigens! Hier in der Nähe gibt es tatsächlich ein Labor, das das durchführen könnte, aber da muss ich erstmal nach Kosten und Aufwand schauen und überlegen, ob es sich bei dem Stück lohnt.

Syenit ist doch nach der Stadt Syene benannt, weil es nur dort vorkommt.

Wie mein Vorredner schon meinte - es wurde wohl nach der Stadt Syene benannt, aber ist mittlerweile weltweit an vielen Orten gefunden worden. Ich hab hier direkt um die Ecke mehrere alte, stillgelegte Syenitbrüche (im Meißner Massiv gibt's davon ne Menge). Da findet man auch hin und wieder winzige (braune, idiomorphe) Titanite drin.

Offline Leofwin

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Hier sind übrigens noch ein paar Bilder von den erwähnten honiggelben Kristallen, die ich in der Gegend noch gefunden habe und für Titanit halte! Das ist dem Glanz und der keilförmigen Kristallform der meisten dieser Kristalle geschuldet (und teils auch der Farbe wegen, da ich auf den Kanaren an anderer Stelle schon genau so gelbe Titanite gefunden habe). Aus dem heimischen Syenit kenne ich es auch so, dass die darin hier und da eingesprengt sind.

Allerdings hat mich da etwas überrascht - eine nadelige (gestreckte quaderförmige) und teils sogar radialstrahlige Kristallform. Das schreit nicht unbedingt nach Titanit, aber scheint doch eine eher selten vorkommende Variante zu sein. Was meint ihr, wenn ihr euch die Bilder so anschaut? Würdet ihr zustimmen, dass es sich um Titanit handelt, oder hättet ihr eine andere Vermutung? Bildbreite der ersten beiden Bilder ist 7.5 mm; die Größe des letzten Kristalls (dem die meisten anderen Kristalle recht ähnlich sehen) beträgt etwa 3 mm.

EDIT: Achso, und sie fluoreszieren allesamt nicht, weder unter Kurz-, noch Mittel- oder Langwelle.
« Letzte Änderung: 10 May 25, 16:00 von Leofwin »

Offline guefz

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Nummer 12 könnte Titanit sein, aber eigentlich sieht man zu wenig Kristallflächen. Die anderen beiden Fotos zeigen m. E. keinen Titanit, das geht eher in die Richtung Pyroxengruppe oder Amphibol bei der Nummer 10, Pyroxengruppe bei Nummer 11. Näheres auch da nur mit Analyse, die Farbe sagt bei diesen beiden Mineralgruppen nichts über die Zusammensetzung aus.

Offline Leofwin

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Jup, ursprünglich hatte ich die beiden auch nicht in den selben Korb geworfen, aufgrund der stark unterschiedlichen Kristallformen. Erst, als ich hier im Atlas von den radialstrahligen, stengeligen Titaniten aus Russland gelesen hab, bin ich auf die Idee gekommen, es könnte sich bei beiden Mineralien darum handeln. Denn sie haben auf jeden Fall die selbe Farbe und den selben Glanz, der sehr stark an Titanit erinnert; der einzige wirkliche Unterschied ist die Form (die radialstrahlige Form ist auch bloß auf einem Stück zu finden; der überwiegende Großteil ist eher keilförmig).

Ich schreib mal das Labor in der Nähe an, was die Analyse betrifft.

Offline vandendrieschen

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Wie mein Vorredner schon meinte - es wurde wohl nach der Stadt Syene benannt, aber ist mittlerweile weltweit an vielen Orten gefunden worden. Ich hab hier direkt um die Ecke mehrere alte, stillgelegte Syenitbrüche (im Meißner Massiv gibt's davon ne Menge). Da findet man auch hin und wieder winzige (braune, idiomorphe) Titanite drin.
Naja eben nicht! Der Begriff Syenit ist veraltet bzw. wurde er mit Monzonit verwechselt. Darum habe ich das angesprochen. Das Meißner Massiv ist Monzonit. Du musst Titanitpiegel finden. (Und bei mir abgeben ;) )

Offline Chrisch

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Einfach mal ins Streckeisendiagramm schauen, dort findet man den Syenit problemlos. Meines Wissens auch in den neuesten...

Gruß Chrisch

Offline vandendrieschen

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Und jetzt? Das Meißner Massiv ist doch Monozonit und kein Syenit.

 

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