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Autor Thema: Grauwacke oder etwas anderes  (Gelesen 15551 mal)

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Offline Jens G

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Grauwacke oder etwas anderes
« am: 11 Oct 03, 14:02 »
Hallo an Alle,
Ich hoffe ich störe Euch nicht mit meinen regelmäßigen Fragen.
Habe noch ein Stück Gestein aus der Sand- und Kiesgrube Schömbach.
Es sieht außen überwiegend grünlich aus (eine Seite auch gelb, ocker,weiß).  An 2 "abgebrochenen" Kanten hat er verschieden farbige rot- braun-Töne.

Bevor ich den in den Steingarten lege wollte ich Euch fragen, ob ich mit "Grauwacke" richtig liege - oder was es sonst sein könnte.

sicherheitshalber:
Strichtest: weiß o. farblos
Härte: zwischen Fluorit (4) und Zoisit (6 bis 6,5)
mit spitzem Messer noch ritzbar

Nutze zur Zeit das Buch "Der neue BLV Steine- und Mineralienführer" von W.Schumann.
Ist das Buch einigermaßen ok oder welche(s) könnt Ihr empfehlen?

MfG und Glück Auf
Jens G

[gelöscht durch Administrator]

Offline Conny3

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #1 am: 11 Oct 03, 19:38 »
Hallo Jens,

du störst auf keinen Fall mit Deinen Fragen. Ein Forum ist nur gut, wenn viele Beiträge, Fragen etc. darin vorkommen.
Zu Deinem Stück kann ich leider nicht´s  sagen. Es könnte natürlich so etwas wie Grauwacke (Kulm) sein. Da müßte man aber die geol. Umgebung der Sandgrube mal näher betrachten.

Gruß

Der Conny

Offline wolfi

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #2 am: 12 Oct 03, 12:30 »
Servus Jens,
es könnte auch Tonschiefer sein. Zumindest in Bayern sind in Sandgruben auch Linsen von Ton und Tonschiefer nicht selten.
Glück auf
Wolfi

Offline Jens G

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #3 am: 12 Oct 03, 13:34 »
Hallo,
unds wie sieht es bei Tonschiefer mit der Härte aus - stimmt die annähernd mit der von mir festgestellten Spanne überein.
Habe auf einer Seite gelesen, daß deren analysierter Tonschiefer zur Hälfte aus Illit .
Zitat:"Zur Ermittlung der Bestandteile des mikroskopisch nicht auszulösenden tonigen Materials wurde solch ein Tonschiefer röntgendiffraktometrisch analysiert: Zur Hälfte besteht er aus Illit, der wegen seines scharfen Peaks im Diagramm wohl hauptsächlich als Hellglimmer anzusehen ist. Quarz und Chlorit bauen zu je einem Viertel fast den Rest des Gesteins auf."

Müßte in diesem Fall die Härte des Tonschiefers nicht geringer sein als die von mir festgestellte?

War eigentlich das einzige Stück von diesem Material, was ich dort vorgefunden habe (Schiefer gibt es in der Grube).

MfG
jgalinsky


Offline wolfi

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #4 am: 13 Oct 03, 15:48 »
Servus Jens,
das ist etwas schwierig zu beantworten. Es gibt - je nach dem Grad der Verfestigung - weichere und auch härtere Tonschiefer.
Glück auf
Wolfi

Offline McSchuerf

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #5 am: 13 Oct 03, 18:29 »
Hi Jens,

Die Hauptgemengteile von Grauwacke sind Quarz (das bis zu 50% einer Probe ausmachen kann) und Feldspat (um 35%). Illit und Muskovit kommen ebenfalls häufig vor; Grauwacke enthält jedoch keinen Kaolinit.
Zu den wichtigsten Nebengemengteilen gehören Glimmer (komplexe Silikate mit Kalium und Aluminium), Chlorit und verschiedene eisenhaltige Minerale wie Pyrit.
Die größten Grauwackenkörner können einen Duchmesser von 5 mm erreichen. Die Matrix ist so feinkörnig, dass man ihre Bestandteile mit bloßem Auge nicht erkennen kann.

Grauwacke ist also ein Sedimentgestein mit mittelgroßen Körnern ähnlich wie bei Sandstein, ist aber älter als dieser und enthält Feldspat.
Struktur: geschichtet, massig;
Textur: schlecht sortierte, scharfkantige Körner in feiner Matrix;
Dichte 2,6.

Zur Härte:
Normalerweise führt eine solch gemischte Zusammensetzung zu einem lockeren, brüchigen Gestein. Bei Grauwacke hingegen ist der Grad der Verfestigung so hoch, dass äußerst harte Komplexe entstehen. Die Verfestigung ist auf Druck und Hitze (d.h. eine Art 'milder Metamorphose') zurückzuführen, aber Grauwacke gehört trotzdem unbestritten zu den Sedimentgesteinen und nicht zu den Metamorphiten.

Fazit:
Also handelt es sich möglicherweise um ein Tongestein (Ton), d.h. Oberbegriff für die Gruppe klastischer Sedimentgesteine. Denn diese kommen hauptsächlich schwarz, blau, braun, dunkelgrün grau oder rot vor (siehe braun und rot bei Deinem Sediment!). ;D
Hauptgemengteile sind dabei die Tonmineralien, in der Hauptsache Kaolinit; Nebengemengteile sind dann Feldspäte, Quarz und Glimmer.
Textur: plastisch verformbar;
Struktrur ist plattig, geschichtet.
Korn: sehr fein;
Dichte auch 2,6. - wie bei Grauwacke.
Manche Tonablagerungen sind aus Granit entstanden, das nach Verfestigung durch die Aktion hydrothermaler Fluide umgewandelt wurde. Bei diesem Vorgang werden die Feldspäte in Kaolinit oder Dickit umgewandelt!
Die Härte von Kaolinit und Dickit beträgt 2-2,5. Die Härte von Illit dagegen beträgt 'nur' 1-2!   ;) 8)



Gruß Peter

« Letzte Änderung: 13 Oct 03, 19:17 von Peter »

Offline wolfi

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #6 am: 13 Oct 03, 19:04 »
Servus Peter,
das mit der "milden Metamorphose" hast du wunderschön umschrieben. In Nordbayern wird die Grauwacke im Steinbruch Förtschendorf nördlich von Kronach als Schottermaterial gewonnen, sie ist dort allerdings frei von Chlorit und von der Farbe her sehr dunkelgrau bis schwarz - fast wie Basalt. Der Steinbruch Förtschendorf ist eine gute Fundstelle, da etliche Dolomitgängchen die Grauwacke durchschlagen. Diese neigen zur Bildung von Klüften mit recht großen und ansehnlichen Dolomit xx, auf denen gerne schöne Kupferkies xx (bis 2 cm) sitzen. Auch Pyrit xx, Bleiglanz xx, Zinkblende xx, Markasit xx, Aragonit xx und Calcit xx sind auf diesen Klüften teilweise nicht selten zu finden. Alles in allem eine Fundstelle, von der man nur sehr selten mit leerem Rucksack wieder geht. Auch ist das einer der wenigen Brüche, in denen noch beim Fragen nach Genehmigung eine solche zum Sammeln erhält. Im übrigen ist die Besitzerin des Bruches noch nicht sehr alt (wohl knappe 40) und recht attraktiv (grins)...
Ein Besuch lohnt also immer...
Na gut, ich labere schon wieder zuviel (nochmal grins),
also servus + Glück auf
Wolfi

Offline McSchuerf

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Re:Grauwacke oder etwas anderes
« Antwort #7 am: 13 Oct 03, 19:21 »
Hi wolfi.. :)..

kein Problem, ich schwätz auch manchmal viel und gerne.. :D ;D..

..ich war nur noch längst nicht mit meinem Beitrag an Jens fertig; musste nur unterbrechen um mit meinem Schwager aus meinem Keller eine 'tonnenschwere' Couch 'rauszuhieven' (ging erst wieder nicht durch die schmale Kellertür! >:() ..für Sperrmüll..

..erst dann konnte ich den Beitrag zu Ende schreiben - siehe Beitrag vor Deinem an Jens nochmal. 8) ;D

aber Du hast natürlich auch recht..es gibt härtere und weichere Tonschiefer..in der Tat!
 ;D

Gruß Peter

« Letzte Änderung: 13 Oct 03, 19:23 von Peter »

 

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