Hallo alle
zwischenzeitlich meinen Dank an alle, die geantwortet haben.
Ich bin mir voll bewußt, daß das Sammeln von Gesteinen nicht jedermanns Sache ist; die Gründe liegen auf der Hand: Meist sehr schwierig zu bestimmen, auf keinen Fall die Faszination und Ästhetik von Kristallen, aufgrund der erforderlichen Größen großer Platzbedarf, keine oder nur wenig Tauwsch- oder Kaufmöglichkeiten, etc etc etc., wenig allgemeinverständliche Literatur, kaum oder fast keine Bestimmungshilfen oder Literatur oder Photos.
Ich bin trotzdem der Meinung, daß gerade Gesteine ein faszinierendes Hobby sein können; sie sind Zeugen der Erdgeschichte, sie geben Aufschluß über Gebirgs- und Bodenbildungen und sie sind oft sehr hilfreich, um auf Mineralparagenesen ( resp. Lagerstätten und Fundstellen) zu schließen und Vergleiche anzustellen.
Neben den unzähligen "häßlichen" magmatischen, meist schwarzen oder grauen Gesteinen gibts auch eine Vielzahl attraktiver und farblich schöner Gesteine - dies ist wohl unbestreitbar. Viele Gesteine sind Träger oder Muttergestein der unterschiedlichsten Mineralien oder Erze. Viele Gesteine sind lokaltypisch, ja oft einmalig. Und nicht wenige Gesteine treten oft in ungewöhnlichen bis skurillen Formen auf. U.a. einer der Gründe, warum die Chinesen, Koreaner und Japaner bis vor garnicht allzulanger Zeit mit Mineralien per se nichts am Hut hatten, aber schön geformte Gesteine aus den Bergen oder Flüssen zu manchmal extrem hohen Preisen verkauft und gesammelt wurden ( und werden).
Aber mir gehts eigentlich um was anderes. Ich bin, wie proyect und uwe erselben Meinung, daß zu einer Lokalsammlung von Mineralien auch die dazugehörigen Gesteine erst ein aussagefähiges Gesamtbild eines Vorkommens ( Fundstelle, Lagerstätte) darstellen.
Als eingefleischter Mineraliensammler habe ich erst spät die Bedeutung und die Schönheit von Gesteinen erkannt und entdeckt. Und erst jetzt tuts mir manchmal weh, wenn ich sehe, daß gerade in geologisch interessanten Fundstellen die Gesteine als notwendiges Übel achtlos zur Seite geworfen werden, ohne daß sich irgendwer darüber Gedanken macht oder daß sich niemand mal so ein Stück Gestein genau betrachtet, bzw. sich eigentlich kaum jemand dafür interessiert.
( es sei denn, jemand interessiert sich für Bodenbeläge oder Fliesen)
Dafür habe ich natürlich Verständnis, denn wie bei den Mineralien oder Fossilien gehört auch ein gewisses Grundwissen zum Verständnis von Gesteinen, da.h., Befassen , Anfassen, von allen Seiten ansehen, vergleichen, Schlüsse ziehen. Wer Gesteine begreift und versteht, wird auch mehr von Mineralien verstehen. Gesteine können ein offenes Lesebuch sein. Mineralien suchen anhand von geologischen Karten ist so gut wie aussichtslos, aber, wenn man weiß, welche Gesteine in einer bestimmten Region oder in einem Fundgebiet auftreten, kann man daraus auch Schlüsse auf die evtl. Mineralvorkommen oder auf gewisse Paragenesen ziehen.
Nun, das Thema kann man eigentlich endlos ausdehnen. Ich wills aber hierbei belassen und nur anregen. Ich habe es mir seit einigen Jahren zur Regel gemacht, von jeder dervon mir aufgesuchten und bearbeiteten Fundstellen auch die Gesteinsparagenese "mitzunehmen" um diese dann zuhause in aller Ruhe zu begutachten. Dies hat nicht selten dazu geführt, daß ich erst dann in den eigenen vier Wänden und beim Untersuchen unterm Stereoskop auf manchmal sehr interessante Mineralien gestoßen bin, die ich vor Ort, im Steinbruch oder am Berg, so überhaupt nicht wahrgenommen hatte. Noch schöner ist es dann, wenn man dann in der einschlägigen Literatur nachliest und vergleicht und eine Bestätigung seiner Vermutungen oder eines Verdachts bekommt.
Last nor least: Deutschland ist ein "steinreiches" Land und ich war bis vor kurzem mehr als erstaunt, wie wenig ich von den selbst bekanntesten Gesteinen wußte. Ich bin, wie wohl die meisten von Euch, immer stur auf Mineralien losgezogen, hab gekloppt und gemeißelt und bin nicht selten enttäuscht wieder von dannen gezogen. Heute weiß ich, daß ich bewußt Fundstellen aufsuche, deren prägende Gesteine Rhyolithe, Diorite, Granodiorite, Lherzolithe, Pyroxenite und Peridotite, Dazite, Andesite, Tephrite , Foidite , Skarne- und Alkaligesteine sind ( um nur ganz wenige zu nennen). Darum entdecke ich auch Spinelle, Granate, Topase, Epidot, Nephelin und eine Bandbreite an seltenen Mineralien- die ich wohl, ohne mich vorher mit den Gesteinen befasst zu haben, bestimmt nicht wahrgenommen hätte.
In diesem Sinne als kleines Plädoyer pro " rocks "
collector