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Autor Thema: Pseudomorphose <-> Ersatz  (Gelesen 5883 mal)

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Offline Philip Blümner

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Pseudomorphose <-> Ersatz
« am: 27 Nov 05, 17:15 »
Hallo,

in meinen Recherchen bzgl. Grönland und Australien stolpere ich immer wieder auf den Zusammenhang, dass bestimmte Mineralien andere ersetzen. Ist das nicht eine Pseudomorphose? Im Englischen scheint es da zumindest einen Unterschied zu geben.

Was heißt es denn, wenn ein Mineral das andere ersetzt?

Gruß
slugslayer

Offline Moni

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #1 am: 27 Nov 05, 17:56 »
Hallo Slugslayer,

bisher ging ich davon aus, daß Pseudomorphose die Bezeichnung für eine Umwandlung eines Kristalles in ein anderes/neues unter Beibehaltung der äußeren Erscheinungsform des "altes" Kristalles ist.
bezüglich Namen habe ich gelernt, daß erst erst das neue gebildete Mineral benannt wird und als zweites das Ursprüngliche Mineral (hier also der "Formgeber")
Bsp: Talk nach Quaz  (Talk = neu, Quarz = alt und formgebend)
Peter glaube ich, hatte mal prägend gesagt: das NACH besagt doch die Reihenfolge. ;)

So und was sagt nun die engl. Variate aus?

Grüße von Moni


Offline Philip Blümner

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #2 am: 27 Nov 05, 18:01 »
Hallo Moni,

der Inhalt deiner Erläuterung sind mir bekannt.  ;)

Aber es heißt z.B. "Paratacamite replaced Cuprite xls" und anderswo wird dann von Pseudomorphosen gesprochen, also muss ein Unterschied sein. Und den würde ich gerne wissen.

Offline Moni

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #3 am: 27 Nov 05, 18:16 »
Hi Slug,

dacht ich mir, daß Dir die Def. bekannt sein.
Würde sagen, in Deinem Buch verwendet man nur ein anderen Wort für Pseudomorphose, hier: replaced - also ersetzen, um eventuell grammatikalisch einen orentlichen Text zu schreiben. Also zumindest würde ich das aus dem Zitat entnehmen.

Finde also mal für Umwandlung, sprich Pseudomorphose, im Deutschen anderen Wörter, die den Prozeß dennoch umschreiben könnten
Vorschlage wäre: Ersatz, Reaktion, Verdrängung .....

Gruß Moni

Offline giantcrystal

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #4 am: 28 Nov 05, 10:49 »
Hmm, wo ist denn das Problem ?


Pseudomorphose heißt wörtlich etwa übersetzt "als ob Gestalt" - also, um beim Beispiel Talk nach Quarz zu bleiben : Talk bildet Kristalle in der "als ob (es Quarz wäre) Gestalt". Selbstverständlich ist dafür ein Ersatz (englisch : replacement) von einer Mineralsubstanz durch eine andere notwendig.

Glück Auf

Thomas
« Letzte Änderung: 28 Nov 05, 12:18 von giantcrystal »

Offline Collector

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #5 am: 28 Nov 05, 13:20 »
Ich bin sicher, daß hier zwei Begriffe durcheinander gebracht werden.

Pseudomorphose ist klar, , soweit man berücksichtigt, daß es sich bei der Pseudomorphose um die Verdrängung einzelner Kristalle handelt.


REPLACEMENT

"Replacement" heißt  Ersatz , bzw. im erweiterten Sinne Verdrängung oder Metasomatose.

Beispiel: Wenn eine beliebige  Lösung, die ein bestimmtes Gestein durchtränkt, mit ihm in Wechselwirkung steht, wobei gegenseitige Zersetzung eintritt, so enstehen hierbei in der Regel Neubildungen auf Kosten des Gesteins und / oder seiner Mineralkomponenten. Dieser Vorgang wird als Verdrängung oder Metasomatose bezeichnet.

So kann z.Bps Calcit durch Gips bei Reaktion mit schwefelsaurem Wasser entstehen

CaCO3 + H2O + H2SO4 = CaSO4 + 2H2O + CO2

oder die Ersetzung ( replacement von Sphalerit durch Covellin bei Reaktion mit einer Kupfersulfatlösung

ZnS + CuSO4 = CuS + ZnSO4

Ähnlich auch das "replacement " von Sphalerit durch Chalcosin.

Im Falle der selektiven Metasomatose ( d.h. bei der Substitution ausgewählter Mineralien ) bezeichnet man das neu gebildete " replaced " ) Mineral, das die äußere Form, bisweilen auch die Besonderheiten des inneren Aufbaus des alten Minerals angenommen hat, als Metasom.

Ein Sonderfall ist die Verdrängung eines Einzelkristalls; dann spricht man von PSEUDOMORPHOSE ,  d.h. mit einer der verdrängenden Substanz fremden Kristallform.

Der Begriff " replacement " im Sinne von Ersetzung oder Verdrängung wird vielseitig angewendet:

a) Ersetzung eines Gesteins, e.g. Kalkstein, der durch Hornstein ersetzt wird
b) Kristallwchstum durch "replacement"
c) Hydrothermale Verdrängung, e.g., Sulfidlagerstäten können Kalkstein ersetzen
d)Erzkörper das Grundgebirge ersetzen
e) Überprägung metamorpher Strukturen und Texturen
f) Ersetzung von Skelettmaterial von Fossilien durch ein anders Material

gruß

collector

usw. usw. Gibt noch mehr Anwendungsgebite für " replacement ". Kommt auf den Kontext drauf an, was Du gerade ausdrücken willst.

Offline Philip Blümner

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #6 am: 28 Nov 05, 15:55 »
Kann man dann sagen:

Pseudomorphose: Mineral A ersetzt Mineral B, übernimmt Kristallform von B, welche aber A fremd ist.

Metasomatose: Mineral A ersetzt Mineral B, übernimmt Kristallform von B, welche aber A bekannt ist.

?

Gruß
slugslayer

Offline Krizu

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #7 am: 28 Nov 05, 16:00 »
Hallo,

sind nicht Metamorphosen den Gesteinen vorbehalten?

MfG

Frank

Offline Collector

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #8 am: 28 Nov 05, 18:36 »
Hallo

@Krizu

ja- im Prinzip hast Du Recht. Metamorphose per se ist ein petrographischer Begriff. . Allerdings habe ich - wie ich sehe - nicht Metamorphose, sondern Metasomatose geschrieben. 

Ich zitiere aus dem Wimmenauer, W. 1985: ... Der Metasomatosebegriff wird auch auf die Umwandlung eines bestimmten Minerals in ein anderes angewandt, wenn damit eine wesentlich chemische Veränderung verbunden ist ....

und weiter  ... im Hinblick auf die art der Platznahme des neugebildeten Minerals auf Kosten des alten wird auch von metasomatischer Verdrängung gesprochen. Viele Lagerstätten nutzbarer Minerale sind auf metasomatischem Wege unter Verdrängung eines zuvor bestehenden MInerals  entstanden ......

Und, um weiter - aber nicht im Detal einzugehen, zitiert: Betechtin, 1968: ... daneben kommen in der Natur auch gut ausgebildete Kristalle vor, die sich durch Metasomatose gebildet haben. Diese Gebile bezeichnet man als Metakriste oder Metakristalle ...


Oder in englisch ( zitiert Whitten / Brooks, 1985 ) ... under some circumstances metasomatism may result in the complete replacement of one mineral by another  ....

besten gruß

collector

Offline Krizu

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #9 am: 28 Nov 05, 20:28 »
sorry - war zu schnell  :D

MfG

Frank

Offline berthold

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #10 am: 29 Nov 05, 11:44 »
Hallo,

ich seh das so, dass es ja verschiedene Arten von Pseudomorphosen gibt. Der Überbegriff "Pseudomorphose" kann im Einzelfall (sowohl enlg. wie deutsch) zu ungenau sein, so dass man z.B. von

replacement pseudomorphs = Verdrängungs-Pseudomorphosen

spricht und damit ist es klar, dass z.B. keine Entmischungs-Pseudomorphose gemeint sein kann. Wenn nun aber in so einem Fall keine idiomorphe Kristallform vorliegt (also keine Kirstallgestalt sichtbar ist weil z.B. eingewachsen), dann bin ich geneigt nicht von einer "Pseudomorphose" zu sprechen, vielmehr von einer Verdrängung (replacement).

Gruß

Berthold

Offline Collector

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #11 am: 29 Nov 05, 12:44 »
@Berthold

danke.

slugslayer`s  Frage bezüglich seiner Recherchen sehe ich da eher einen Zusammenhang mit der hydrothermalen Verdrängung und Umwandlung von Mineralien (metasomatische Mineralneubildung, engl: metasomatic replacement ) : re.: Kaolinisierung, Adularisierung, Serizitisierung , Epidotisierung,  Phlogopitisierung, Chloritisierung, Albitisierung, Calcitisierung, Zeolithisierung etc etc.


collector

Offline berthold

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #12 am: 29 Nov 05, 14:37 »
Hallo,

@Peter

ja, es kommt natürlich immer auf den Zusammenhang an. Ich habe nur das Beispiel von slugslayer mit "Paratacamite replaced Cuprite xls" gelesen. Was den Begriff metasomatisch betrifft würde ich sagen, das ist der Begriff aus der Geologie, der den stofflichen Austausch/Umbau in Gesteinen (oder von Bestandteilen in Gesteinen; Beispiele hast Du ja genannt) beschreibt. Aus mineralogischer Sicht liegt da eine einfache Verdrängung oder - wenn Kristallformen erhalten bleiben eine (Verdrängungs-) Pseudomorphose vor. Nicht jede Verdrängungs-Pseudomorphose muss zwingend  metasomatisch bedingt sein. Im Beispiel von slugslayer: "Paratacamite replaced Cuprite xls" sehe ich also exakt eine Verdrängungs-Pseudomorphose.

Gruß

Berthold

Offline Philip Blümner

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #13 am: 29 Nov 05, 15:26 »
Hallo,

vielen Dank. Verstehen tue ich das noch nicht ganz, aber es wird langsam heller.

Paratacamit kann also Cuprit verdrängen mit Beibehaltung der Kristallform von Cuprit, Paratacamit kann eine Pseudomorphose nach Cuprit bilden, aber Cuprit kann auch zu Paratacamit verwittern (altered to).

Letzteres bedeutet nur die Zersetzung des ursprgl. Minerals unter Neubildung eines anderen, sehe ich das richtig?

Gruß
slugslayer

Offline berthold

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Re: Pseudomorphose <-> Ersatz
« Antwort #14 am: 29 Nov 05, 15:46 »
Hallo,

Zitat
aber Cuprit kann auch zu Paratacamit verwittern

glaub ich nicht. Denn Paratacamit enthält ja Zn - und das wird durch Verwitterung nicht zugeführt. Bei der (chemischen) Verwitterung kann z.B. Wasser oder Sauerstoff zugeführt werden, niemals aber Zn. Typischerweise wird aber bei der Verwitterung was abgeführt  ;D

Paratacamit nach Cuprit ist für mich eine Pseudomorphose.

Man kann für Pseudomorphose von Malachit nach Azurit auch sagen: Azurite altered into Malachite

Gruß

Berthold
« Letzte Änderung: 29 Nov 05, 15:53 von berthold »

 

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