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Autor Thema: Arbeitstechnik im Anstehenden  (Gelesen 4682 mal)

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Offline Schaufelartist

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Arbeitstechnik im Anstehenden
« am: 29 Dec 05, 12:45 »
Hallo!

Ich hätte da mal ne Frage an die erfahrenen Steineklopfer unter euch. Was, außer einer gehörigen Portion Gewaltbereitschaft, dicken Muckies und guter Kondition, brauche ich um
möglichst effektiv Stücke aus dem Anstehenden zu lösen? (Oh, ich habe "Hirn" und "Werkzeug" vergessen – schadet ja meistens auch nicht ;-))! )

Damit jetzt nicht alle Antworten mit "Das kommt darauf an..." beginnen, hier ein Szenario:

Stellt euch den härtesten Granit, Basalt, Marmor... vor, den ihr euch vorstellen könnt. Gemeinerweise durchzogen von schmalen Klüftchen mit tollen Mineralien drin (hoher "Unbedingt haben wollen Faktor"). Ihr habt die offizielle Erlaubnis zu wüten. Die Wand an der ihr arbeitet ist massiv, nur 2m hoch und hängt nicht über – Lebensgefahr besteht nicht. Helm, Handschuhe, Brille, Pflaster – alle Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen.

Eure "Mission Impossible": Ein paar Vorschlaghammergerechte Brocken zum gemütlichen Aufklopfen.

Welches Werkzeug packt Ihr ein und wie setzt ihr es ein?

Oder fahrt ihr wieder nach Hause und beschließt in ca. 2 mio Jahren wiederzukommen, wenn die Erosion die Arbeit für euch erleichtet hat?

P.s.: Nicht dabei und nicht in Aussicht sind: Dynamit, Pressluftbohrer, Caterpillar.

Ich bin gespannt...


Offline giantcrystal

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #1 am: 29 Dec 05, 12:56 »

Hier ein ganz heißer Tip :

Berichte in der einschlägigen Presse, das hinter der Wand das Bernsteinzimmer liegt...und in 2 Wochen kannst du die losen Brocken bequem einsammeln  ;D

Nein im Ernst : Anhängig von der Lage der Klüfte empfiehlt es sich unter Umständen oberhalb der Wand - die ja nur 2 m hoch ist - anzusetzen und diese von oben her abzubauen = Prinzip der freien Ansatzfläche.

Glück Auf

Thomas

Offline Schaufelartist

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #2 am: 29 Dec 05, 13:51 »
Guter Tipp, sich die Gier der Sammlerkollegen zunutze zu machen...

Aber im ernst: Braucht man unbedingt spezielles Werkzeug? (Akku-Bohrhammer, Spaltkeile usw.)
Und wenn ja, wie setzt man es erfolgreich ein? (Bin schließlich Sesselpuper und kein Bergmann...)

Übrigens, vergesst  die 2m hohe Wand (Ist sowieso rein Fiktiv gewesen)

LG Peter

Offline Findus

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #3 am: 29 Dec 05, 18:36 »
Hallo Schaufelartist,
ich muss nochmal Bezug nehmen zu Deinen "alles außer....." Angaben.
Also wenn Du nicht an einem Naturdenkmal oder sonstigen privaten Stellen, die mit Verboten belegt sind, herum klopfen willst, evtl. noch idealerweise eine Genehmigung vorliegt, d.h. dass Du problemlos an einer Stelle abbauen könntest, die letztendlich evtl. sowieso irgendwann mal abgebaut wird (Steinbruch???), dann würde ich Dir, obwohl ich mich hier schon einige male strikt gegen den Einsatz von Bohrern o.ä. ausgesprochen habe (in Verbindung mit Raffgier und Mineralienabbau aus rein kommerziellen Gründen!),trotzdem raten, in einen Baumarkt zu gehen und mich nach einer Akku - Hilti erkundigen. Die Leihgebühr pro Tag/Wochenende hält sich dabei meist in annehmbaren Grenzen.
Der unstrittige Vorteil dabei ist, dass Du keinen grösseren "Flurschaden" anrichten musst, sehr schnell bist, mit einem Minimum an Kraftaufwand und blauen Fingernägeln die besagten Klüfte ausbeuten kannst. Ein weiterer, sehr wichtiger Vorteil dabei ist, dass Du ganz gezielt von der Seite schräg zur Kluft hin bohren kannst und  mit Spitzmeissel und  wenigen Hammerschlägen die Stufen herausbrechen kannst, ohne dass die Kristalle zu sehr gestresst werden.

Grüsse,
Bernd ;)

P:s. Ich habe vor einiger Zeit auch mal in einem Steinbruch nach Mineralien gesucht und durfte nach vorheriger Nachfrage meine Hilti benutzen. Ich habe mir dazu ein Notstrom-Aggregat ausgeliehen. Ohne den Einsatz der Hilti wäre manche Stufe nicht geborgen worden, aber wie gesagt: ich hatte extra gefragt, ob ich die Hilti benutzen darf und bekam die Genehmigung dazu.

Offline Ralf

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #4 am: 29 Dec 05, 22:32 »
Nun, lassen wir mal die Bohrmaschinen und - hämmer weg, die kann man wirklich nur in den seltensten Fällen benutzen, kommts darauf an, was die Kluft beinhaltet und wie groß sie ist. Du schilderst ja ein Kluftsystem wie es meist aus sog. Fiederklüften besteht. Die darin enthaltenen Mineralien sind oft klein und empfindlich. Hier sucht man sich eine Kluftspalte aus, die am unattraktivesten wirkt und bearbeítet diese ohne Rücksicht auf den Inhalt, nur mit dem Ziel eine Angriffsfläche für die übrigen Spalten zu bekommen. Hier heißt es mit allem was man hat Platz zu schaffen. Dazu wird mit dem Vorschlaghammer vorgearbeitet, nicht zu dicht an der Kluftwand, weil sonst nur schmale Scherben abspringen, immer feste druff. Ziel ist, Risse im Gestein zu schaffen, die dann mit dem Meißel verfolgt werden. Das geht übrigens um so besser, je härter ( spröder ) das Gestein ist.  Man sollte grundsätzlich von unten nach oben arbeiten. Andersrum besteht die Gefahr, das der obere Kluftteil auf den unteren fällt und alles zerdeppert.
Bei größeren Klüften sichert man den Kluftinhalt zuerst, am besten mit nassem Zeitungspapier. Moos oder Gras, zur Not die Jacke, gehen auch. Die ganze Kluft schön ausfüllen, dann geht auch nix kaputt. Auch hier kommt zuerst der dicke Hammer zum Einsatz. Wenige heftige Schläge zerstören meist weniger als viele kleine. Zusätzliche hilfreiche Werkzeuge sind Spaltkeile, Klufthaken und Brechstange. Ist die Kluft mit Lehm gefüllt, gilt es zuerst diesen zu entfernen. Zum einen findet man darin oft losgebrochene Kristalle oder Schwimmer, zum anderen muß man sich über den Kluftinhalt im klaren sein, bevor man loslegt. Dazu ist ein Holzspatel oder- löffel sehr gut geeignet. Damit kann man den Kluftlehm herauskratzen ohne im Lehm eingebettete Kristalle zu beschädigen. Gerade bei Calcit- oder Quarzklüften wird so manches schöne Stück ruiniert, wenn man mit dem Klufthaken darin herumstochert.
Die ganz genaue Vorgehensweise hängt von zu vielen Faktoren ab, um ein grundsätzliches Vorgehen zu schildern. Und, machen wir uns nix vor, in den allermeisten Fällen kommt man so 20 bis 30 cm tief, dann ist Ende ( von Kraft und/oder Zeit ).
Ganz furchtbar finde ich übrigens die Unart, zum Schluss mit der Brechstange oder dem Klufteisen in der Tiefe der Kluft herumzustochern um Kristalle abzuschlagen und herauszuputtern. Was man da rausbekommt ist fast immer Schrott und die Kluft ist zerstört. Das soll man denen lassen, die nach einem kommen und über mehr Zeit, Kraft, Erfahrung oder Möglichkeiten verfügen, den Inhalt zu bergen.

Gruß
Ralf

Offline Schaufelartist

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #5 am: 30 Dec 05, 10:36 »
Hallo!

Na das nenne ich doch mal 2 fundierte Antworten!!!! Super! Vielen Dank!
Bei nächster Gelegenheit werde ich zunächst mal Ralfs Methode ausprobieren – erscheint mir erstmal am praktikabelsten.

Die Sache mit der Leih-Hilti behalte ich aber mal im Hinterkopf.

Ralf, vielleicht kannst Du mir noch eine Empfehlung geben bezüglich der am häufigsten benötigten Spaltkeile – da gibt's ja verschiedene Ausführungen und Qualitäten.

Reichen 3 Keile i. d. R. aus?

Nochmals vielen Dank!

Peter

Offline Trüffelschwein

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #6 am: 30 Dec 05, 14:41 »
 ;D  Hi Folks, hier wat mir dazu eingefallen ist:

Der Strahler

In einer kleiner Spalte fein
funkelte ein Edelstein
ach, wie leuchtend, voll im Glanz
der Strahler tanzt den Freudentanz

Dieser lila Amethyst
fest am Stein gewachsen ist
der Phonolith in jener Schart´
ist von Natur aus ziemlich hart

Er gibt nicht nach, der harte Stein
dem Meissel und dem Fäustelein
Das müsste auch, so würd man sehen,
doch auch automatisch gehen?

Man braucht als erstes Aggregat
son fetten Pressluftapparat
und dann schleppt man noch da hinne
eine große Bohrmaschine

Ein Presslufthammer ist schon da
an der Kluft geht’s    „Ratata“
und wo Kräfte sinnlos walten
kann sich die Kluftwand nicht mehr halten

Sie kracht zusammen mit Getösel
der Amethyst ist nur noch Brösel
und der Strahler, ist kein Quatsch
ist wie der Lehm – so quasi Matsch....

In einer kleinen Spalte fein
funkelte ein Edelstein
groß die Freude, wenn man´s schafft,
birgt man Ihn mit Muskelkraft

trüff, trüff
und guten Rutsch
Charly
« Letzte Änderung: 30 Dec 05, 14:45 von Trüffelschwein »

Offline uwe

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #7 am: 30 Dec 05, 17:12 »
Das Gedicht, welches Charly zum Besten gegeben hat bringt die Sache auf den Punkt. Entweder man kann die Kristalle mit einem Strahlstock oder leichtem Brecheisen von der Wand der Kluft lösen oder die Sache vergessen. Es genügt schon ein Faustgroßer Brocken von 5 Meter Höhe   auf den Helm und man hat ein Halswirbeltrauma.

Alles Gute im Neuen Jahr und kein Steinschlag von oben wünscht Uwe

Offline Ralf

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Re: Arbeitstechnik im Anstehenden
« Antwort #8 am: 30 Dec 05, 22:29 »
Hallo Peter,

was die Spaltkeile angeht, gibts tatsächlich verschiedene Ausführungen. Da sind zunächst die meist dreiteiligen Spreizkeile. Diese verwendet man allerdings nur in Verbindung mit Bohrlöchern. Heißt mehrere Löcher hintereinander gebohrt, Keile rein und draufgehauen. Meist spaltet sich der Stein dann entlang der Linie. Aber es ging ja in erster Linie um die Arbeit ohne Maschinen.
Nehmen wir an, es ist Dir gelungen im Gestein einen längeren Riß zu erzeugen und Du möchtest ein möglichst großes Stück auf einmal entfernen. Dann sind einfache Keile am besten geeignet. Im Prinzip ist das nix anderes als kurze Flachmeißel. Die setzt Du am Riß nebeneinander an und klopfst mit dem Fäustel so lange bis sie richtig fest sitzen. Ist das geschehen, nimmst Du den dicken Hammer und klopfst damit der Reihe nach auf die Keile. Immer nur einen Schlag, dann den nächsten Keil. Bist Du am letzten angelangt, fängst Du am ersten wieder an. Dabei muss man nicht mit aller Kraft draufhauen. Wichtiger ist, den Keil richtig zu treffen. Oft ist´s ein Geduldsspiel, aber irgendwann reißt der Stein garantiert.
Wie gesagt tun dazu kurze Flachmeißel gute Dienste.
Noch ein paar allgemeine Tips:

Wenn Du anfängst das Gestein mit dem dicken Hammer zu malträtieren, schau öfter mal genau nach. Oft schafft man feine Haarrisse, die man im Eifer des Gefechtes leicht übersieht. Hier kann man Kraft sparen, wenn man schon dann die Keile einsetzt. Ein weiterer, oft begangener Fehler sind zu lange Meißel. Diese übertragen die Kraft der Schläge schlecht auf das Gestein, bzw, sie verkanten sehr oft. Eine Länge von 15 cm ist ideal zum Anfangen. Längere nimmt man erst, wenn man schon ein Stück in der Kluft ist. Das zum spalten Flachmeißel besser sind als Spitzmeißel dürfte klar sein. Stumpfe Meißel oder Keile lässt man vom Schlosser nachschleifen und gleich auch die Spitze härten. Man bekommt die Dinger zwar auch mit der eigenen Schleifmaschine wieder scharf, aber die Härte geht dabei flöten ( oder wird zu groß ) dann ist nach ein paar Schlägen wieder Ende. Brauchst Du´s nur für den Urlaub oder insgesamt sehr selten, reichen billige Baumarktmeißel als Einwegwerkzeug.

Und nochmal: Kristalle mit dem Brecheisen oder ähnlichem von der Kluftwand zu hacken ist Kluftschändung. Das tut man nicht, dann lässt man die Finger besser ganz davon. Gibt eh nur minderwertigen Schrott.

Gruß
Ralf

 

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