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Autor Thema: Brennende Halde  (Gelesen 10887 mal)

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Offline flor

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Brennende Halde
« am: 18 Jan 06, 15:46 »
Hallo,

ich wohne im Ruhrgebiet nähe der ehemaligen Zeche Asltaden. Diese hatte eine "brennende" Halde, welche von Schiffen über die Ruhr abtransportiert wurde, da sie die Luft sehr verschmutzte (selbst beim Abtransport der Halde brannte ein Schiff ab). Die Halde hatte ein teils rötliches Gestein.
Andere Kohlehalden hingegen brennen und "stinken" überhaupt nicht (z.B. Halde Haniel in Bottrop). Das Gestein ist dort größtenteils schwarz.
Mich würde sehr interessieren, warum manche Halden brennen und andere gar nicht und was an ihnen überhaupt brennt. Konnte bisher keine Antwort finden. Ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen.
Vielen Dank

Offline giantcrystal

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Re: Brennende Halde
« Antwort #1 am: 18 Jan 06, 16:14 »
Es brennt grundsätzlich der Kohlenanteil. Und der ist in einer Halde halt recht unterschiedlich. Weitere brandregelnde Faktoren ist der Gehalt an Pyrit / Markasit im Gestein (neigt zur Selbstentzündung), der Inkohlungsgrad der Kohle = ihr relativer C - H - O - Gehalt sowie letzthin auch der Durchfeuchtungsgrad im Gestein und die Dichte des Haldenaufbaus. Je lockerer die Haldensubstanz gepackt wird , desto mehr Sauerstoff kann zutreten und den Brand fördern.

Du siehst, eine ziemlich komplexe Angelegenheit

Glück Auf

Thomas

Offline geomueller

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Re: Brennende Halde
« Antwort #2 am: 18 Jan 06, 19:32 »
Hallo,

was giantcrystal berichtet hat kann ich nur bestätigen und noch folgendes hinzufügen. Es sind nicht nur Halden aus dem Steinkohlenbergbau die brennen, auch einige Halden aus dem Uranerzbergbau um Ronneburg haben gebrannt (siehe auch Lapis 7/8 1998). Hier war der hohe Anteil an Pyrit/Markasit sowie der bis zu 5 % hohe Kohlenstoffanteil der silurischen Schiefer der Auslöser.

Übrigens die Halden des ehemaligen Steinkohlenbergbaues in Zwickau/Sa. brennen teilweise auch noch!

Gruß Jürgen
« Letzte Änderung: 18 Jan 06, 20:07 von geomueller »

Offline bardenoki

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Re: Brennende Halde
« Antwort #3 am: 18 Jan 06, 20:01 »
Hallo zusammen,

hier im Aachener Raum gibt es in Alsdorf auch zwei Halden, die "brennen".  Die inneren Schwelbrände
auf der Anna 1 sind so stark, dass ein großer Teil des Plateaus wegen der Einbruchgefahr extra durch
einen recht massiven Zaun abgetrennt ist.

Ich hab' mal gehört, dass die Selbstentzündung durch den enormen Druck innerhalb der Halde ausgelöst werden kann,
aber ggf. auch durch "unvorsichtige" Ascheabkippungenvon der meist den Zechen angegliederten Kokereien.

Das rötliche Gestein wird der gebrannte Tonstein sein. Hier in Alsdorf liegen einige recht mächtige Exemplare
von zusammengebackenen gebrannten Brocken am Fuß der Halde aufgetürmt. Sie wurden aus dem schwelenden Teil der
Halde herausgeholt.

Schönen Gruß

Norbert

Offline der Sauerländer

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Re: Brennende Halde
« Antwort #4 am: 18 Jan 06, 20:05 »
Hi

Sind Raucher unter euch? Ja?

Dann ist der Steinbruch Lanwehr bei Müschede genau der richtige Fundort für euch.

Kohle ist nun wirklich nicht nötig. Im Lanwehr wird Kulmplattenkalk abgebaut mit reichlich Alaunschiefer. Sprich....Pyrit/Markasit.

Ein Kollege war neulich da und meint, er hätte mindestens vier Päckchen Kippen gespart. Für mich is das nix :-X 8)


Offline McSchuerf

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Re: Brennende Halde
« Antwort #6 am: 18 Jan 06, 20:38 »
Zitat
Ich hab' mal gehört, dass die Selbstentzündung durch den enormen Druck innerhalb der Halde ausgelöst werden kann

ja ich auch und ich habe auch einige schöne Minerale von der Anna ..  ;)

Offline bardenoki

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Re: Brennende Halde
« Antwort #7 am: 18 Jan 06, 21:23 »
Hmmm,

bis auf ein paar schöne mit Quarz durchzogene Pyritknollen und sonstigem Quarz (oder Calcit??) war ich bisher noch nicht so erfolgreich  :O(




Offline Moni

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Re: Brennende Halde
« Antwort #8 am: 19 Jan 06, 17:53 »
Auch die Kupferschieferhalde bei Hettstedt zeigen Brandneigungen. Allerdings ist hier die Ursache der Bitumengehalt im Haldenmaterial. Dazu gibt es auch eine recht interessante Publikation, woraus hervorgeht, daß der Anteil an Bitumen im Haldenmaterial sich auf bestimmte Bereiche konzentriert -also ersten geologische Ursachen hat und zweitens die Tiefe der Schächte und der damalige Stand der Technik zur Aufbereitung eine Rolle spielt.
Ausgangspunkt für Haldenbrände war in den jüngsten Fällen meißtens ein Brand des Buschwerkes am Haldenfuß, der dann größeres auslößte ...

Grüße von Moni

Offline Frank de Wit

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Re: Brennende Halde
« Antwort #9 am: 19 Jan 06, 18:05 »

Offline TKMineral

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Re: Brennende Halde
« Antwort #10 am: 20 Jan 06, 15:55 »
Hallo!

Hier im Saarland gabs auch das Phänomen brennender Abraumhalden vom Kohleabbau. Kenne 3 Beispiele: Grube Dr. Schäfer ; Reisbach// Grube Heinitz bei Neunkirchen und der Brennende Berg bei Dudweiler. Es gab auch hier interes. Mineralbildungen , v.a. Salmiak , aber auch Schwefel und einige Sulfate...Wie es heute an den Stellen aussieht , kann ich nicht sagen , da ich noch nie an diesen Stellen war.Glaube die Halden der Gr. Dr. Schäfer sind abgetragen??? Der Brennnende Berg soll noch existieren

Gruß

TK

Offline flor

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Re: Brennende Halde
« Antwort #11 am: 24 Jan 06, 15:38 »
Vielen Dank für eure Antworten.
Kann mir jetzt schon viel besser vorstellen wodurch die Halden brennen können.
Glück Auf!

Offline Andreas

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Re: Brennende Halde
« Antwort #12 am: 04 Apr 06, 22:44 »
Hallo,

noch ein Nachtrag zum Steinbruch Lanwehr bei Müschede, hab es durch Zufall auf den Seiten des STUA Hagen gesehen:
http://www.stua-ha.nrw.de/aktuell/sulfidbrand/index.htm
Im Gestein scheints da wohl eher besser zu "kokeln" je weniger Luft drankommt  ;D

Grüße,
Andreas

Offline montanpark

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Re: Brennende Halde
« Antwort #13 am: 05 Apr 06, 01:08 »
Nachtrag zu TKs post ...
 ich war vor Jahren auf der Halde Camphausen (Saarland), da brannte nur ein kleiner Teil .. war wie Fumarolen .. höllisch heiß, gaaanz schlechte Luft (tierische Kopfschmerzen hinterher) und tolle nadelige Schwefel- und Salmiak-Kristalle .. ersterer sieht aber nur warm goldgelb und gut aus, er wird dann strohgelb und spröde. Im nachhinein gesehen war es fast lebensgefährlich dort rumzuspringen (obwohl ich von der Tour noch immer nen sehr schönen Millerit in der Sammlung hab). SO2 in Massen. Was ein nettes Detail am Rande ist .. die "rotgebrannten" Tonsteine - in denen der Fe-Anteil einfach zu Hämatit aufoxidiert wird - wurden lange Jahre zur Beschotterung von Fussball-Ascheplätzen verwendet (z.B. Grube Heinitz, Reden, wenn ich es recht erinnere als alter Sack :-)) .. möcht net wissen was da an Schwermetallen drin ist *lol* .. hatte genug davon in meinen Schülermannschafttorwartzeiten im Knie  :D

Ronneburg war auch nett, da konnten wir im Tagebau Lichtenberg 1991 anlässlich einer Exkursion zig Schwefelstufen bergen, die noch heiß wie Wutz waren. ... sehen heute eher räudig aus :-) .. s.o.

Spannende sache sind die brennenden Halden allemal

Grüße
Roger

Offline Schluchti

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Re: Brennende Halde
« Antwort #14 am: 05 Apr 06, 14:20 »
Das Thema Haldenbrand ist auch bei uns im Lexikon ausführlich beschrieben:

http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Haldenbrand

« Letzte Änderung: 05 Apr 06, 14:22 von Schluchti »

 

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