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Autor Thema: Turmalin von Marienberg Abraham?  (Gelesen 6764 mal)

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Offline Uwe E

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Turmalin von Marienberg Abraham?
« am: 20 Jan 06, 09:18 »
Hallo,

ich habe wegen winterbedingter Sammelpause mal wieder die eigenen Sammlungsbestände durchgearbeitet.
Da habe ich zwei Stücke, die mit einem großen Fragenzeichen versehen sind.
Es handelt sich um Turmalin (Schörl) auf Quarz, den ich 2002 sowie 2004 auf der Resthalde Schacht 139 (Abraham) bei Marienberg gefunden habe.

Hier im Mineralien- und Fossilienatlas sowie bei mindat.org habe ich keine Hinweise auf Turmalin gefunden, nur bei MinMax steht's in der Mineralienliste.

Weiß jemand, ob von der Fundstelle Turmalin vorkommt/vorkam, oder ist verkipptes Fremdmaterial wahrscheinlicher.

Glück Auf!
Uwe
« Letzte Änderung: 10 Mar 17, 14:09 von oliverOliver »

Offline smoeller

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #1 am: 20 Jan 06, 12:54 »
Hallo,

Ich habe in den Jahren 1999-2001 auch immer wieder Turmalin dort gefunden. Die Stücke sitzen in Quarzknauern im Gneis. Gneise, wie sie in Marienberg vorkommen. Es ist sicher nicht auszuschließen, dass es sich um Fremdmaterial handelt. Aber 3-4 identisch ausgebildete Funde von verschiedenen Fundzeitpunkten und -plätzen auf der Halde?
Turmalin aus anderen Aufschlüssen im Erzgebirge/Vogtland/Granulitgebirge sitzt aber auch meist in Granit und Pegmatit. Der einzige Fundpunkt in der Nähe, der mir spontan einfällt, ist eh Pockau. Da ist der Turmalin aber meist mit Feldspat verwachsen. Es dürfte sich hier um Funde aus dem Gneis-Nebengestein der Grube handeln.

smoeller

Offline uwe

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #2 am: 20 Jan 06, 21:54 »
Ich habe vor Jahren auf der Abraham ein Stück gefunden, von dem ich auch annahm, daß es sich um Turmalin handelt. Es ist aber Hornstein. Das es sich um Fremmaterial handelt möchte ich jedoch nicht ausschließen. Ich füge mal ein Bild an.

Glück Auf
Uwe

Offline Uwe E

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #3 am: 24 Jan 06, 07:24 »
Hallo,

danke für Eure Meinungen.
Das Gelände der Resthalde des Schachtes 139 nutzt eine Baufirma teils als Lagerplatz. Da habe ich mehrfach Haufen mit Recycling-Material liegen sehen und man weiß nie, wie und wo das Material hin- und hergeschaufelt wird.
Ich werde den Fundort "sicherheitshalber" weiterhin "Klammern" führen.

Hier mal ein paar Bilder von den Stücken:

2. Bild: Turmalin als ganze, massive Schicht
3. Bild Ausschnitt aus 2

Glück Auf!
Uwe

Offline uwe

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #4 am: 24 Jan 06, 08:52 »
Hallo Uwe E.,

das Stück auf dem Bild 1 ist mit ziemlicher Sicherheit das gleiche Mineral wie  das auf meinem Stück, welches ich vor etwa 20 Jahren dort gefunden habe. Beide Stücke ähneln sich absolut. Damals wurde die Halde abgefahren und man hat nichts dort gelagert. Ich bleibe bei Hornstein.

Auf Bild zwei und drei ist mit Sicherheit Turmalin abgebildet. Ich nehme an, der kommt nicht vom Abraham, aber sicher kann man da nicht sein. Hier kann durchaus eine Straßenbaufirma irgendwelchen Aushub gelagert haben.

Glück Auf
Uwe

Offline Uwe E

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #5 am: 24 Jan 06, 12:48 »
Hallo Uwe,

Ich habe vor Jahren auf der Abraham ein Stück gefunden, von dem ich auch annahm, daß es sich um Turmalin handelt. Es ist aber Hornstein. Das es sich um Fremmaterial handelt möchte ich jedoch nicht ausschließen.

Hornstein ist doch eher chalcedonartig, ist Hornblende gemeint?

Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt (leider etwas unscharf)


Grüße und Glück Auf
Uwe E

Offline Conny3

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #6 am: 24 Jan 06, 18:45 »
Sieht für mich aus wie Vesuvian, der Hornstein. Sogar wie Vesuvian var. Egeran.

Gruß Conny

Offline uwe

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #7 am: 24 Jan 06, 19:57 »
Hi Uwe,

natürlich meine ich Hornblende - ich werde langsam alt  :'(.

@ Conny,

Marienberg ist kein Skarngebiet. Deshalb denke ich nicht, daß dort Vesuvian vorkommt. Obwohl man in der Mineralogie niemals niemals sagen soll.

Glück Auf
Uwe

Offline Uwe E

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #8 am: 25 Jan 06, 07:15 »
Hallo,

es wird Zeit, das Schnee und Eis endlich verschwinden und wir in die Sammel- und Suchsaison starten können (und um uns dann mit den Neufunden auseinander setzen zu können).
Vielleicht kann man dieses Jahr rund um Marienberg ein paar Funde machen. Dort wird seit Herbst 05 eine Umgehungsstraße gebaut, die tlw. Altbergbaugebiete streift.

Glück Auf!
Uwe E

Offline Conny3

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #9 am: 25 Jan 06, 08:45 »
Hallo Uwe E,

das mit dem Straßenbau klingt ja wirklich interessant. Wo führt denn die Trasse entlang ?

Noch mal kurz zur Hornblende. Also ich würde auf den ersten Blick auf Vesuvian tippen! Auf den zweiten auf Dravit (braunen Turmalin). Ganz typisch ist für beide Minerallien das Vorkommen im Quarz. Fast identische Stücke kenne ich zum Beispiel von Haslau (Golfplatz) als Egeran. Natürlich waren diese nicht so verwittert oder brüchig. Das spricht wieder mehr für den Turmalin. Von Hornblende wäre ich weniger überzeugt. Das aber nur rein vom Bild ausgesehen. Das Stück müßte man natürlich mal im Original sehen.


Gruß Conny

Offline Uwe E

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #10 am: 25 Jan 06, 09:31 »
Hallo Conny,

die Ortsumgehung beginnt bei Lauta, kreuzt dann den hist. Bauer-Morgengang und verläuft dann östlich um Marienberg herum nach Süden.

siehe :  http://ortsumgehung-marienberg.de/

Ich war zuletzt im Spätherbst dort. Damals war die Trasse vom Mutterboden befreit und planiert bis nach dem Bauer-Morgengang (gegenüber vom Abraham). Über dem hist. Bauer-Morgengang verläuft sie zwischen zwei alten Halden, die aber leider nicht angeschnitten wurden. Wie es jetzt dort aussieht, weiß ich nicht.
In der Gegend von Lauta-Marienberg soll es auch viele Achat- und Amethystvorkommen geben - vielleicht wird bei den Bauarbeiten etwas freigelegt.
Super wäre, wenn man die Haldenmassen vom Abraham als Schotter nutzen würde - wäre wie Weihnachten, Ostern und Goldrausch zusammen (allerdings nur kurzzeitig :'( )

Hat da jemand neue Infos?

Übrigens: in Lauta baut man den Pferdegöpel am Rudolphschacht originalgetreu wieder auf:

http://rudolphschacht-marienberg.de/pferdegoepel.html

Glück Auf!
Uwe E

Offline Conny3

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #11 am: 25 Jan 06, 09:55 »
Hallo Uwe,

vielen Dank für die Informationen. Diese Gegend kenne ich von früher gut! Um 1977/78 waren wir dort sogar mal Zelten (direkt unter der Halde 139). Da war noch was los! Baggerarbeiten: Proustit, ged. Silber, Fluorit in allen Farben, u.a. Leider sind später viele dieser aus ged. Arsen bestehenden Stufen zerbröselt! Später um 1987 waren wir in Pockau im Urlaub. Und wieder waren dort Baggerarbeiten im Gange. Ich habe das Material von damals teilweise heute noch nicht richtig untersuchen können. Zum Bsp. goldene Nadeln durchschwärmen Flussspatkristalle. Ein bisher unbekanntes Mineral (olivgrüne oder mehr dunkelgrüne Kristalle bis 2 mm - muß mal davon ein Bild machen) wartet heute noch auf seine exakte Bestimmung.
Eine "Bestimmung" eines österreich. Sammlers ergab 1990 da mal Apatit, was ich aber nicht glaube.
Ich erinnere mich auch noch dass viele Sammler aud Leipzig dort auch mit nach Mineralien suchten. Durch unsere damaligen Kontakte mit der Fachgruppe Leipzig war dieser Fundpunkt immer wieder im Gespräch. Die Baggerfahrer waren damals auch sehr sammlerlfreundlich.

Gruß Conny

Offline Conny3

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #12 am: 25 Jan 06, 11:03 »
Hallo,

hier mal versuchsweise zwei Bilder:

Bild 1: zeigt vergleichbaren Egeran von Haslau

Bild 2: Der dunkelgrüne apatitähnliche (fast schwarz) Kristall (Bild links) ist ca. 1mm groß. (Ich versuche demnächst noch ein besseres Bild reinzustellen) .Begleitminerale: Quarz xx ,violetter Flussspat (derb) u.a.

Bild 3: zonarer Flussspat mit Achat  von der 139 BB. ca. 7 cm. Solche Stufen waren 1978 recht häufig.

Offline uwe

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Re: Turmalien von Marienberg Abraham?
« Antwort #13 am: 25 Jan 06, 21:50 »
Um noch mal zum Ausgangspunkt der Diskussion zurück zu kommen, Hornblende ist weicher als Turmalin. Wenn sich also die Kristalle mit einem Taschenmesser ritzen lassen (war bei meinem Stück der Fall) dann ist es Hornblende. Wenn das Messer abrutscht ist es Turmalin. Es muß natürlich eine glatte Fläche und keine Bruchkante sein - versteht sich aber wohl von selbst.

Übrigens, die historischen Halden a la Bauer Morgen Gang sind meist absolut taub. Das war damals nicht so wie bei der Wismut. Die Alten haben die Erzgänge sorgfältig abgebaut und die abgebauten Gangstücke komplett zur Scheidbank geschleppt. Wenn man nicht durch Zufall die Abfallhalde der Scheidebank erwischt ist es aussichtslos. Ich war mal dabei, als man eine historische Halde angeschnitten hat - nur limonitischer Glimmerschiefer und verwitterter Gneis.

Hinsichtlich der neuen Trasse - ja es ist möglicherweise interessant. Das Hauptgangsystem lag aber auf der anderen Seite der Bundesstraße. Die Straßenbauingenieure wissen schon, warum sie eine Trasse nicht durch ein Altbergbaugebiet legen - weniger wegen Denkmalschutz sondern mehr wegen den Überraschungen, die im Untergrund laueren könnten.
 
Glück Auf
Uwe
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