Hallo,
( Erik hat zwischenzeitlich schon was Erhellendes dazu geschrieben,
aber jetzt habe ich so viel Arbeit reingesteckt, also - ich auch noch:

)
genau, Coesit kristallisiert um. Allerdings nicht so wie beim Übergang
Hochquarz->Tiefquarz "displaziv", d.h. unter Aufrechterhaltung der
vorhandenen chemischen Bindungen, sondern "rekonstruktiv", d.h.
durch Aufbrechen und Neuknüpfen von chemischen Verbindungen.
(oder heisst es displasziv? ich habe das aus dem englischen übersetzt)
Displazive Transformationen von einer Modifikation in die andere gehen sehr schnell,
man muss ja nur ein paar Bindungswinkel verstellen.
Rekonstruktive Transformationen gehen sehr langsam voran,
v.a. bei niedrigen Temperaturen.
Deshalb erscheinen sie oft "stabil".
Diamant, der eigentlich >150 km unter die Erde gehört,
macht bei Raumtemperatur ja keinerlei Anstalten macht, sich zu verándern.
Coesit wird sich dagegen langsam umwandeln und zwar unter erheblicher Volumenvergrösserung,
so dass die umgebenden Minerale oft Risse zeigen.
Man findet in deshalb auch nur in einer "Druckkammer" eingeschlossen in anderen Kristallen,
hat smoeller ja bereits beschrieben.
Der "Grundbaustein" ist bei allen SiO
2-Modifikationen ausser Stishovit und Seifertit der gleiche.
es ist ein SiO
4-Tetraeder (siehe erstes Bild). Wenn man "echte" SiO
2-Moleküle will, muss man es verdampfen, so ab 2500 Grad sieht's gut aus.
Darüber, warum die Koordinationszahl 4 ist, lässt sich trefflich streiten.
Oft wird auf die relative Grösse der beteiligten Ionen verwiesen, aber da hakt es schon, weil es kein
freies Si
4+ gibt, ausser vielleicht in der Sonnen-Corona. Die Bindung ist polar-kovalent und wird durch gemeinsame Elektronen-Orbitale zwischen Sauerstoff und Silizium erreicht.
Die Form kommt daher, dass sich 4 sogenannte sp3-Hybrid-Orbitale bilden, die an sich schon tetraeder-Koordination zeigen.
Das sieht man auch bei anderen kovalenten Verbindungen von Elementen aus der geichen Ecke des Perioden-Systems: Methan ist tetraedrisch, Ammoniak und Wasser sind quasi kastrierte Tetraeder.
(sieht man im 2ten angehängten Bild).
Solche Orbitale sind schon sehr störrisch und erfordert ziemliche Gewalt, um mechanisch andere Bindungsformen zu erzwingen.
Es gibt auch unter normalen Bedingungen Si-Verbindungen mit Koordinationszahl 6, z.B. das Fluorosilicat-Ion [SiF]
62-, aber zusammen mit Sauerstoff wird es eher schwierig. Wenn ich das richtig verstehe, liegt das am partiellen Doppelbindungscharakter.
Was sich dagegen relativ leicht verbiegen lässt, ist die Si-O-Si-Bindung.
Das ist der Winkel, der sich bei den diversen SiO
2-Modifikationen unterscheidet.
(Bild 3)
Bei Trydimit z.B. ist dieser Winkel 180Grad, bei Quarz 144, Hochquarz 153, etc.
(nach Rykart ist der Quarzwinkel 152.8 grad und bei Hochquarz 144, also umgekehrt,
aber ich werde das nochmal nachmessen anhand der Einheitszell-Daten).
Es wird sozusagen an dieser Stelle geschraubt, wenn man aus Hoch- einen Tiefquarz macht.
Natürlich ist die Gesamtstruktur der vernetzten Tetraeder auch anders, grosse Ringe,
kleine Ringe, Spiralen etc.
Alles ohne Gewähr und mit Haftungsausschluss, ich bin nämlich kein Chemiker.
Gruss
Amir