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Autor Thema: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?  (Gelesen 2900 mal)

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Offline Schaufelartist

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Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« am: 07 Jun 06, 12:16 »
Hallo zusammen!

Wiedermal 'ne Anfängerfrage: Ich kenne da so ein paar Pingen in meiner näheren Umgebung die, immer wenn ich auf Sammeltour daran vorbeilaufe, fatalerweise meine Neugier wecken. Ich habe mich bisher aber noch nicht reingetraut, da die Trichter sehr tief sind (so um die 10m) und die Wände ziemlich steil (min 50 grad – reingerutscht ist man also schnell, ob man wieder rauskommt ist ne andere Frage ;-)).

Da in dem  seit gut 300 Jahren sowohl Tagebau als auch Untertagebau betrieben wurde, kann man auch nicht (Zumindest ich, als Leie) mit Sicherheit sagen, ob es sich bei den Pingen um Einsturztrichter von Schächten oder Stollen handelt, oder eben "nur" um alte Tagebaue. Fragmente einer bestimmt Jahrzehntealten früheren Einzäunung legen allerdings nahe, das man die Trichter irgendwann mal für nicht ganz ungefährlich hielt (Ob aus versicherungstechnischen Gründen oder weil tatsächlich Gefahr bestand, sei mal dahingestellt...).

Bei meinem letzten Besuch habe ich nun gesehen, daß andere Sammler in der Pinge gesucht haben.

Damit meine Neugierde mich nicht buchstäblich umbringt, wollte ich mal die Meinung von ein paar erfahrenen Sammlern hören: Wie groß ist die Gefahr der man sich beim Suchen in Pingen aussetzt – sind da eigentlich schon Unfälle bekannt geworden? Wie haltet ihr das?

Der gesunde Menschenverstand rät mir allerdings jetzt schon da niemals reinzuklettern..., ...aber vielleicht gibt's da doch tolle Stüfchen zu finden?... (Gier macht eben dumm ;-P)

Glück auf!

Peter



Offline uwe

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Re: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« Antwort #1 am: 07 Jun 06, 12:48 »
Die Gefahr in einer Pinge ist nicht größer als in einem Steinbruch. Irgend etwas kann immer von oben kommen. Die Gefahr des Absturzes in einen Schacht ist nicht allzu groß. Pingen sind meistens Tagesbrüche, also einstürzende unterirdissche Hohlräume kommen bis an die Oberfläche durch. Das ist nur bei Hohlräumen nahe der Oberfläche so. Eingestürzte tiefere  Baue merkt man an der Oberfläche kaum, da gebrochenes Haufwerk ein größeres Volumen als das feste Gestein hat. Unter einer Binge ist kein nennenswerrter Hohlraum mehr, obwohl natürlich immer mal etwas nachrutschen kann.

Auch sollte man beim Absteigen in eine Binge darrauf achten, daß man nur dort absteigt, wo man auch wieder hinauf kommt. Bingen sind sammlerisch manchmal schon interessant, da man oft noch anstehende Gänge findet, die der Bergmann aus Mangel an Erz nicht abgebaut hat, die aber oft schöne Kristalle des Ganggesteines enthalten.

Letztendlich kommt es auf die Binge an, ob man einsteigt oder nicht. Ich persönlich habe schon viele Bingen überlebt.

Glück Auf
Uwe

Offline Methakos

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Re: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« Antwort #2 am: 07 Jun 06, 13:02 »
Ich finde man sollte hinzufügen, dass man wenn möglich niemals alleine sowas machen sollte und, dass mindestens einer immer ein Handy dabei hat damit im unwahrscheinliche Falle des Falles jemand Hilfe holen kann. Sicher geht auf jeden Fall vor! Man muss ja nicht gleich wo einbrechen, man kann sich ja auch einfach nur den Knöchel brechen oder so verstauchen, dass man alleine nicht mehr raus kommt.

Offline smoeller

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Re: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« Antwort #3 am: 07 Jun 06, 14:37 »
Hallo,

Im Schwarzwald bin ich schon des öfteren in Pingen gewesen. Allerdings sind die recht flach und das Gestein ist meist blockig, so dass man leicht wieder herauskommt.
Da aber im Rhein-Main-Gebiet hauptsächlich Schiefer und plattiger Kulmkalk ansteht, wäre ich vorsichtig. Besonders bei Regen. Schiefer ist oft dermaßen rutschig, dass man da nicht ohne Seil wider rauskäme. Bei 10 m Tiefe würde ich da nicht reingehen, es sei denn, irgendwo ist eine flache Stelle aus nicht zu rutschigem Material.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Schaufelartist

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Re: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« Antwort #4 am: 07 Jun 06, 15:36 »
Hi smoeller!

Ich glaube inzwischen auch, daß das Herauskommen das Hauptproblem sein könnte. Gestein steht nämlich erst ganz unten im Trichter an und die Böschung ist mit einer dicken Schicht Humus und Laub bedeckt, die einem beim hoch klettern bestimmt immer wunderbar unter den Füssen wegrutscht.

Was mich allerdings beruhigt ist, das meine Angst in der Pinge von einem neuerlichen Tagebruch quasi verschluckt zu werden wohl eher unbegründet ist.

Dh. bei trockenem Wetter mit Seil, Handy und Kollegen werd ich's wohl mal wagen...

Offline der Sauerländer

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Re: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« Antwort #5 am: 08 Jun 06, 11:21 »
Hallo Peter

Da brauchste keine Angst zu haben. Wobei Pinge nicht = Pinge ist. Das können sowohl Einsturztrichter sein. Oder Tagesschürfe. Oder verfüllte Schächte. Kannste hier im Lexikon alles nachlesen.
Wenn Du von 10 m Tiefe sprichst bei 50° is das auch kein Problem. Etwas rutschig schadet nur der Hose :D
Auf ner Halde sicherst Du dich ja auch nicht mit nem Seil, Oder?
In Pingen noch anstehendes Erz zu finden wäre ein seltener Glücksfall. Die meisten sind teilweise verfüllt oder es ist Erdreich nachgerutscht.
Wenn allerdings überhalb(!) eines Stollen Pingen sind, dann schau da mal genauer. Die Alten haben das "Ausgehende" mittels Schurfe gesucht. Nen Markscheidezug berechnet (fallen und streichen der Schichten) und danach den Stollen angesetzt.
Aber wie schon gesagt....mal eben n bißchen kratzen ist nicht. Da musste richtig arbeiten.

Trotzdem....viel Glück und...

Glück Auf

Offline Schluchti

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Re: Suchen in alten Pingen sehr gefährlich?
« Antwort #6 am: 08 Jun 06, 12:43 »
Ich denke auch, daß man keine generelle Aussage zu dem Thema treffen kann. Es hängt immer von den konkreten Gegebenheiten und den speziellen Besonderheiten der jeweiligen Binge ab. In die 120m tiefe Altenberger Binge würde ich z.B. niemals gehen. Es ist sicher nützlich sich über die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Binge  zu informieren.

Generell würde ich aber bei einer Binge tendeziell auch das Augemerk eher auf Dinge, die von oben herunterfallen können legen und natürlich auch, ob man noch irgendwie aus eigener Kraft (idealerweise nebst Werkzeug und gefundenen Steinen) wieder herauskommt.

Gerade bei steilen Felswänden (z.B. wie etwa bei der Binge Sadisdorf) wäre ein Helm sehr anzuraten, wenn man in die Nähe der Wände gehen will.

Ich habe in solchen Bingen schon etliche kleinere Brocken nachstürzen gehört und gesehen, als ich dort suchte. Natürlich kann gerade auch das (über den Winter) nachgebrochene Material interessante Fundmöglichkeiten bieten, aber dabei sollte man wirklich eher den Blick nach oben, als nach unten richten.   

 

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