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Autor Thema: Tropfsteine  (Gelesen 3859 mal)

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Offline Erik

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Tropfsteine
« am: 28 Jun 06, 18:25 »
Hallo zusammen,

mich würde interessieren ob und wie sich erkennen läßt ob ein Tropfstein aus Calcit oder Aragonit besteht. Auf den Bildern sind Stücke aus der Toscana bei denen ich aufgrund dieser radialstrahligen Strukturen mehr zu Aragonit tendieren würde, die Kristallflächen die diese strahligen Kristalle zeigen lassen mich aber mehr an Calcit denken.

Ist ohne genauere Untersuchungen überhaupt eine einigermaßen sichere Bestimmung möglich?

Gruß, Erik
« Letzte Änderung: 28 Jun 06, 18:32 von Erik »

Offline Erik

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Re: Tropfsteine
« Antwort #1 am: 28 Jun 06, 18:26 »
..

Online smoeller

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Re: Tropfsteine
« Antwort #2 am: 28 Jun 06, 19:27 »
Hallo,

Würde auch eher zu Calcit tendieren. Die xx-Form spricht dafür. Solange aber keine wirklich absolut freistehenden xx erkennbar sind, sondern nur Krusten undeutlicher xx, ist eine einwandfreie Diagnose schwierig.

Möglicherweise hilft eine Untersuchung mit UV-Licht. Langwelle reicht. Calcit tendiert zu roter Fluoreszenz, Aragonit gern zu gelber oder brauner. Kann ein guter Anhaltspunkt sein, ist aber leider auch nicht eindeutig. Die Fluoreszenz ist nämlich vom Einbau von Fremdionen abhängig und keine spezifische Eigenschaft des Minerals.

Sicher ist die Unterscheidung nur mit Röntgenmethoden (Pulverdiffraktogramm) möglich.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Erik

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Re: Tropfsteine
« Antwort #3 am: 30 Jun 06, 17:51 »
Gute Idee mit dem UV-Licht, daran hatte ich noch gar nicht gedacht!

Wovon hängt es ab ob sich solche Sinterbildungen aus Calcit oder Aragonit bilden, gibt es da irgendwelche Bildungskriterien?

Online smoeller

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Re: Tropfsteine
« Antwort #4 am: 30 Jun 06, 18:03 »
Hallo,

Die drei Hauptvariablen sind: Druck,Temperatur und Zusammensetzung der Lösung.

Unter Normalbedingungen (Umgebungstemperatur (in Höhle vielleicht 8°C)) und Normaldruck von 1013 mbar ist Calcit die stabile Modifikation. Aragonit ist hingegen die bei höheren Drücken stabilere Modifikation.

Der wichtigste Einfluss ist aber wohl die Zusammensetzung der Lösung. Bestimmte Ionen können die sog. chem. Potentiale (daraus berechnen sich die Stabilitätskurven und -bereiche der Minerale) so beeinflussen, dass dann Aragonit bevorzugt wird. Man kennt beispielsweise die Hemmung der Calcitbildung durch Mg2+-Ionen in heißen Küstenebenen (Sebkhas) in Vorderasien.

Glück Auf!
Smoeller
 

Offline Krizu

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Re: Tropfsteine
« Antwort #5 am: 03 Jul 06, 08:50 »
Hallo,

irgendwas liegt mir da auch bei Schnecken vor:
Das Gehäuse ist Calcit, aber Verletzungen werden mit Aragonit geschlossen oder umgekehrt.

Auch bei einigen rezenten Korallen war da was (Mg und Sr) ...

MfG

Frank

Online smoeller

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Re: Tropfsteine
« Antwort #6 am: 03 Jul 06, 09:05 »
Hallo,

Bei Biomineralien ist es häufig, dass auch Aragonit zugegen ist. Es gab mal einen interessanten Vortrag bei uns an der Uni zum Thema. Da wurde der Aufbau von Muschelschalen untersucht. Die bestehen aus einer mehrschichtigen Wechselfolge von Calcit und Aragonit. Interessant war auch dort der Einbau von Mn in Calcit. Dieser ist nicht willkürlich, sondern erfolgt gezielt an bestimmten Orten, so dem Gelenk, wo beide Schalenhälften aufeinander stoßen und wo die stärkste Kraft ist.
Um wieder aufs Thema zu kommen: Habe beide Minerale, Calcit und Aragonit als tieftemperierte Bildung beobachten können.
Calcit ist Bestandteil vieler Kalksinter des Kaiserstuhls, wo unter den rezenten Bedingungen Calcit viel häufiger ist als Aragonit, der nur in höher temperierten Gängen und Blasen am Limberg vorkommt.
Aragonit-Sinter mit sehr guter Bänderung und gelbbrauner UV-Fluoreszenz habe ich aus der Nähe von Dresden.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Profipräp

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Re: Tropfsteine
« Antwort #7 am: 05 Jul 06, 07:52 »
Hallo,
es gibt eine sichere Methode zum Unterscheiden von Calzit und Aragonit, nämlich das Anfärben mit Feigl´scher Lösung: Rezept: 1g Silbersulfat in einer Lösung von 11,8g mangansulfat in 100ml demineralisiertem Wasser kochen, bis es gelöst ist. Abkühlen lassen, filtern mit Faltenfilter, 1-2 Tropfen verdünnte (10%ig) NaOH zugeben. Nach 1-2 Stunden filtrieren. Dunkel aufbewahren. Vorgehensweise: Probe 2-4 min. in die Färbelösung tauchen oder auftropfen und einwirken lassen, spülen mit demineralisiertem Wasser. Calzit und dolomit bleiben ungefärbt, Aragonit bildet einen schwarzen Silberspiegel. Bei sehr glatten Flächen 5-10min einwirken lassen oder vorher kurz mit verdünnter HCl anätzen.
Gruß
profipräp

 

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