
Tach Zusammen,
ich sammele schon seit gut 30 Jahren und habe in der Zeit ne Menge "letzte Schläge" verteilt. An die meisten erinnere ich mich nicht mehr und sehe das auch heute nicht mehr als so tragisch an. Die Maleure hatten mehr eine erzieherische Wirkung und haben meine Fähigkeiten im Formatieren von Stufen fast bis zur Perfektion verfeinert (strunz!)..
Ich bin kein Freund von Kreissägen und Polierscheiben. Meine Stufen müssen unbedingt gehämmert sein, weil sie nur so "wie frisch vom Berch" aussehen.
Ich erinnere mich daher nur an zwei, ziemlich peinvollen "letzten Schlägen". Der eine liegt schon eine zeitlang zurück und passierte bei meinem ersten Besuch im "Juchem" bei Niederwörresbach. Der andere Vorfall ereignete sich Anfang dieses Jahres im Steinbruch "Trittenheim" an der Mosel.
Die AmethystgeodeNun zuerst die Geschichte um die Amethystgeode. Diese saß als strausseneigrosses Objekt im Basalt, weiss ummantelt und harrte auf ihre Befreiung. Ich hatte schon einiges an Material weggehämmert und das Wasser des Fleisses rann in Strömen an meinem Alabasterleib hinunter. Meissel und Fäustel glühten ob der vielen Schläge an diesem zähen, harten Material.
Endlich...die Zunge hing schon seitlich aus dem Mund...Die Augen quollen hervor ...da fiel mir die Geode in die Hände.
Sollte ich die sofort mal aufkloppen

Im selben Moment erschien eine kleine weisse geflügelte Gestalt mit gefalteten Händen neben meinem linken Ohr und flüsterte mir zu: "Lass et! Lass et sein, Charly!" Kaum hatte die kleine weisse Gestalt mir diesen Tip erteilt .... -PUFF- erschien eine kleine rote geflügete Gestalt mit einem kleinen Dreizack neben meinem rechten Ohr und schrie: "Wat soll et, Charly, klopp sie auf, dann weisse auch, ob die ganze Aabeit sich übahaupt gelohnt hat!"
Ich hörte auf die kleine rote geflügelte Gestalt mit dem kleinen Dreizack. Nahm Meissel und Fäustel und hörte, als der Hammer hinuntersauste noch die kleine weisse geflügelte Gestalt schreien: "NEEEEEIIIIIINNNNNN!" - Da war es aber schon zu spät....
-PLOPPDICH- Die Geode zersprang in 3 Teile und ein ca. 2,5 cm grosser gelber Calzit bröselte mir aus dem Inneren entgegen.
Der Juchem hat von Zeit zu Zeit ein schönes Echo. So auch die umliegenden Berge ... Ob mein Schrei zwischenzeitlich verhallt ist?
Gehhülsen AdeZum Zweiten war ich Anfang des Jahres scharf auf ein paar Bergkristalle. Wir hatten ein schönes Wochenende mit TKMineral, Steinesteff, Nölli, Volker und anderen aus dem Forum in Fischbach und dem Juchem verbracht. Am Sonntag morgen setzte man zur Heimfahrt an. Ich hatte schon die Enthaftungserklärung für Oberwiddersheim in der Hand, überlegte es mir aber kurz anders und ich fuhr mit meinem Weibchen zum Abbau "Neumagen II" bei Trittenheim.
Dort angekommen parkte ich meinen Passat am Eingang. Unten im Bruch war ein See und hinter dem See, quasi auf der anderen Seite, lagen Quarzbrocken, in welchen die Bergkristalle zu stecken pflegten. Man hat ja Gummistiefel dabei und man konnte auch am Seerand vorbei balancieren. Der Seerand und der Seegrund wiesen eine schlammige Konsistenz auf. Auch war dieser Schlamm sehr zäh und ich vermeidete so gut es ging den Kontakt damit. Das Zeug war zudem rot und klebrig wie Fliesenkleber.
Aber dennoch war schnell ein Plätzchen gefunden und vom Geröll befreit. Das lustige Getrüffel konnte beginnen. Das Frauchen las derweil Ihren "Irrlicht"-Roman im Auto und ich fand auch schon eine Stufe mit einem 10 cm großen wasserklaren Bergkristall. Nur das taube unansehnliche Zeug, das muss noch abgekloppt werden.
Anstelle jedoch den Kristall festzuhalten, hielt ich die andere Seite fest und der Fäustel sauste auf die von mir anviesierte Stelle. Mit einem hellen "KLINNNNG!" verabschiedete sich die Bergkristallbehaftete Seite und landete ca. 1,5 m vom Seerand weg im Klebeschlamm.
"Toll!" - dachte ich "Hasse nochmal Glück gehabt!, Die Stufe dürfte unbeschädigt geblieben sein. Gehste ma´ hin und holst Dir das Teil wieder. Mit Wasser kriegste das schon wieder sauber.."
Ich Riesenhirnhornochse setzte meinen ersten Tritt an den Schlammrand und sackte ersteinmal bis zum Knöchel ein. Mit meinem zweiten Schritt versank mein linker Stiefel bis zum Schaft .. und wollte nicht mehr heraus kommen. Ich rüttelte und schüttelte mein Bein, aber nix tat sich. Mit einem "SCHLUUURRRFFF!" zog ich meinen Fuss samt Socken aus dem Stiefel, welcher sofort in sich zusammen sackte und sich im Schlamm auf Nimmerwiedersehen verabschiedete.
So stand ich eine Weile wie ein Flamingo im Schlamm.Als ein ziemlich fetter Flamingo zwar, aber immerhin...
ich stand also nun so da, kam weder vor noch zurück und mir blieb nur eine Möglichkeit, wenden und zusehen, wie man aus dem Schlamassel raus kommt. Es kam natürlich so, wie es kommen musste. Auch mein zweiter Stiefel verabschiedete sich auf gleiche Weise und mein Socken vom andern Fuss wurde ebenfalls vom roten Sediment fossilisiert.
Ich schaffte es so aus diesem Treibsand raus zu kommen, stand aber jetzt quasi barfüssig in einem Meer aus Quarzsplittern, welche sich meinen Gehorganen wie Skalpelle entgegen reckten.
Mein Frauchen hörte "WDR 4" ... und somit mein flehendes Rufen überhaupt nicht. Ich wedelte mit allem was ich hatte.........(Nee-DAMIT natürlich nich´!") und endlich sah sie auf und rief herüber, was nu´ los wäre. Ich rief ihr zu: "Schatzi!, bring mir ma´ en paar Schuhe!". Da sie aber selber nur Ihre "guten Schuhe" anhatte und "Schuhe" für Frauen heiliger sind als kirchliche Reliquien , kam sie nur bis zum äussersten, gegenüber liegenden, Seerand. Zu mir waren es von dort ca. 10 Meter. Sie hielt meine Schlappen hoch und rief herüber: "Hier......Fang!!"
Was soll ich sagen ... meine Frau war garnicht gut im Schlappenweitwurf und so landeten sie ca. 1 m vor mir im Schlamm und verabschiedeten sich mit einem leisen Gurgeln auf Nimmerwiedersehn.
Wie gesagt, blieb mir dann nur noch das Scherbenlaufen. Soll ja eine geistig reinigende Wirkung haben, sagte ich mir...die Hindus laufen schliesslich regelmäßig über glühende Kohlen, Nägeln oder Glasscherben...
Schlussendlich konnte ich von Glück sagen, das ich immer einen Verbandskasten und genügend Pflaster im Auto habe. Die Splitter operierte mir mein Hausarzt am Montag morgen aus den Füssen...
So war es und so bleibt es, unvergessen auf alle Zeiten
PS.: Ich nenne meine Frau immer noch "Schatzi" .. aber nur, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich Sie "Schaf" oder "Ziege" nennen soll ;-))
Trüff, trüff
Charly