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Autor Thema: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko  (Gelesen 39501 mal)

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Offline Erik

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #30 am: 13 Aug 06, 15:28 »
Zitat
Erik deine Umfrage ist nicht korrekt, da sich das System ausschließlich an gute Fachhändler mit Ladengeschäft wendet. Dort sollen die Sammler kaufen. Die Sammler die hier diskutieren können nicht beurteilen, ob das System gut oder schlecht ist, da sie die Preise die ich berim Händler verlange nicht mit denen der Händler in Marokko vergleichen können.

Das mag ja sein - aber was glaubst Du wieviele der 99% (die Deiner Meinung nach diese Geschäftsidee gutheißen) sind "Fachhändler mit Ladengeschäft"? So gut wie keiner denke ich mal - also ist die Umfrage ebenso gut wie Deine Milchmädchenrechnung ;)

Erik
« Letzte Änderung: 13 Aug 06, 16:41 von Erik »

Offline DonMineral

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #31 am: 13 Aug 06, 15:30 »
Antwort an Tommi

Du siehst das sehr korrekt und kennst das Problem des Fair Trade in anderen Ländern.

Fakt ist, dass die kleinen Händler die mit der letzten Mark auf die Messen nach Europa rutschen und ein bischen Deutsch können die Waare hier bei den Findern holen mit Versprechungen und bei denen die kleine Schleifereien und Werkstätten haben und die Sachen auf Kommission verkaufen wollen.

Wenn sie dann mit leeren Taschen platt zurückkommen, ist das Geld und die Waare weg, und sie können die ersteren nicht zahlen. Diese sind aber die die hier am Ort Miete zahlen müssen und 6 Kinder haben und jeden tag in der Werkstatt den Dreck schlucken.
Wer diese Werkstätten sieht, und die Arbeitsbedingungen hier dem wird schlecht.
Auch in dem Fossiliengeschäft  schlucken die den Dreck der 10 Millionen Jahre die die mit Zahnbohrer die Fossilien freilegen, und nicht die die sie in Deutschland anbieten, und nicht die Sammler die sie kaufen.

Herzlichst Don Ronaldo

Ingo Löffler

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #32 am: 13 Aug 06, 16:39 »
@ Don Ronaldo

wichtig ist,das du von deinem Konzept überzeugt bist.Es gibt nichts schlimmeres als ein Verkäufer der nicht von dem Überzeugt ist was er tut.

Wenn die Qualität und der Preis ok sind kaufe ich auch.Und genau so wird der Markt entscheiden.Wenn man deine Steine kauft dann nur um der Steine wegen,die Idiologie bezahlt dir keiner.Und somit werden dich die Grundprinzipien der Marktwirtschaft (Kapitalismus) wieder einholen.Aber wie gesagt stimmt der Preis und die Qualität geht es auch ganz ohne Fainess im Handel.Mir ist es Wurscht wie ihr in Marocco das hinbekommt,hier zählt der Preis!Die Zeit der Fairness ist in Deutschland seit einigen Jahren vorbei.Wenn mein Chef keine Aufträge bekommt kann er sich auch nicht mehr auf die gute deutsche Qualität und den Tariflohn berufen.

Also Ronaldo,willkommen in der Wirklichkeit.Aber trotzdem viel Glück.

Gruß Calciteminer


MM-Bär

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #33 am: 13 Aug 06, 21:25 »
Ich werde das Gütesiegel für CMF-Fair Trade Marokko Mineralien jetzt entwerfen und es euch in den nächstentagen vorstellen. Nachdem dies die im Moment meistgelesene Seite ist, muss ich hier weitermachen und werde das Thema auch auf anderen Foren verbreiten.

Moin Don Quichote,
was sollen wir denn mit einem Gütesiegel?  Ich kann für mein Zeugs auch ein Gütesiegel mit PaintShop entwerfen und hier hineinstellen. Wen juckt's? Langsam wird es peinlich.

Natürlich ist das hier die meist gelesene Seite, alle lechzen nach Unterhaltungswert. Das stetige "Guck-was-ich-gefunden-habe" ist auf Dauer ebend öde. Das heißt noch lange nicht, dass den "Klickern" die Idee gefällt und die Zustimmung da ist.

Entlarvend. >:(

MM-Bär

Offline DonMineral

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  • KENIA MINERALIEN ... Von den Minen zu Ihnen.
Die Zeit der Fäirnis ist in Deutschland vorbei
« Antwort #34 am: 13 Aug 06, 22:19 »
Hallo Calcitminer,
 gerade das ist das schlimme, daß wir nach 30 Jahren Verbesserung der sozialen Denkens wieder da angekommen sind.
Wir dürfen dieses denken nicht zulassen. Das setzt sich in den Köpfen fest und führt nur zu dem Kriegsdesaster das immer schlimmer wird.
Wir brauchen ein anderes Level des Denkens, miteinander und nicht gegeneinander. Dieses Ellbogenkämpfen hat und dahin gebracht wo wir jetzt sind. Aber die Stimmung ist im Ofen, keiner hat mehr viel Spaß, und jeder Angst um seinen Arbeitsplatz, die anderen überhaupt einen zu bekommen und die Rentner um ihre Existens. Das alles ist der Grund, warum ich vor 5 Jahren nach Marokko bin. Hier sind die Menschen wenigstens fröhlich und zufrieden mit dem bischen was sie haben.

Mein Motto in dem Farmprojekt ist               YOU AND I COULD  CHANGE THE WORLD
                                                                                  WIR BRAUCHEN FREUNDE FÜRS LEBEN


Wie schon vorher gesagt  ...der Phantast ist der wahre Realist....

Also mach mit und versuche besser zu denken, es tut dir auch selbst gut.

Nur der Weg ist das Ziel.

Gruß Don Ronaldo

                                                                             

Offline UlrichW

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Re: Die Zeit der Fäirnis ist in Deutschland vorbei
« Antwort #35 am: 14 Aug 06, 01:44 »
Hallo Don,

ich möchte mal deine seltsame Statistik zerstören, denn ich habe mitgelesen und bin eigentlich gar nicht Deiner Meinung. Aber nicht, weil ich ein fettgefressener Kapitalist oder arroganter Ausbeuter bin, sondern weil es mir derartige Wohltäter suspekt sind.


[quote ]
 gerade das ist das schlimme, daß wir nach 30 Jahren Verbesserung der sozialen Denkens wieder da angekommen sind.
[/quote]

Wen meinst Du damit, Europa oder Marokko, um nicht zu sagen die nahöstliche Welt!

Zitat
Wir dürfen dieses denken nicht zulassen. Das setzt sich in den Köpfen fest und führt nur zu dem Kriegsdesaster das immer schlimmer wird.

Soweit ich informiert bin, gibt es in Zentraeuropa keine aktuellen Kampfhandlungen. Da wo es Kampfhandlungen gibt, gibt es volkseigene Ausbeuter, Unterdrücker, Demagogen und Leute die Gläubigen irgendwelche Hirngespinnste unter den Turban setzen! Und die versuchen mir jetzt auch noch zu erzählen, daß ich Europäer schließlich die Verantwortiung dafür habe. ICH WAR NOCH NICHT EINMAL IN SÜDITALIEN, wie soll ich dann für ander eNationen Verantwortung übernehmen?


Zitat
Wir brauchen ein anderes Level des Denkens, miteinander und nicht gegeneinander.

Tut mir leid, aber da muss ich Dir zustimmen. Ich denke auch so, pralle aber auch immer wieder gegen die Wand. So ist leider die Welt. Ändern kann man sie nur im eigenen Umfeld. So Amen!, (nur damit keiner Arbeit damit hat.;D)

Zitat
Dieses Ellbogenkämpfen hat und dahin gebracht wo wir jetzt sind. Aber die Stimmung ist im Ofen, keiner hat mehr viel Spaß, und jeder Angst um seinen Arbeitsplatz, die anderen überhaupt einen zu bekommen und die Rentner um ihre Existens. Das alles ist der Grund, warum ich vor 5 Jahren nach Marokko bin.

Na das find ich jetzt aber putzig. Erst sich verpi...en wenns mal schwerer geht und dann rumjammern das es doch nicht so toll funzt mit dem Kohlemachen in Marokko

Zitat
Hier sind die Menschen wenigstens fröhlich und zufrieden mit dem bischen was sie haben.

Das ist ja dann genau der Grund warum Du dann diese Geschäftsidee geboren hast. Schließlich kann man ja wenn man glücklich ist sein zeug auch verschenken. Das macht andere Menschen glücklich und man selbst hat keine Probleme mit dem bischen was man hat.

Zitat
Mein Motto in dem Farmprojekt ist               YOU AND I COULD  CHANGE THE WORLD
                                                                                  WIR BRAUCHEN FREUNDE FÜRS LEBEN

Wie schon vorher gesagt  ...der Phantast ist der wahre Realist....

Also mach mit und versuche besser zu denken, es tut dir auch selbst gut.

Nur der Weg ist das Ziel.

Ein Frage: Hast Du geraucht?



Aber mal im Ernst Don. Weist Du was mich die Marokkis interessieren, die nach München oder so fahren, nur weil sie das Dollarzeichen nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Weist Du auch wie ich darüber denke, wenn ich an einem Stand einen nach einer kleinen Vanadinitstufe frage und er mir erst mal rotzfrech 50Euro um die Ohren haut.  Hätter er 5 gesagt, hätte ich warscheinlich eine ganze Kistre genommen, so hat er keine 5 und auch keine 50 bekommen.

Ich habe Erfahrungen mit Griechen, die dachten auch irgendwann mal, daß sie ihr Zeugs doch in München verhökern könnten und dann sich gleich einen Daimler mit nach Hause bringen. Tatsächlich haben sie dabei fast ihre Hütte verloren. Nur einer hat es richtig gemacht. Er hat sein Zeug sehr billig verkauft, und er hat viel verkauft und wohnt jetzt nicht mehr in den Sozialbauten sondern hat eine eigene Hütte.
Bitte Don, verstehe mich richtig, ich bin gerne bereit einen fairen Preis zu zahlen. Aber wenn die Topsachen nach Amerika zu horrenden Preisen gehen und ich dann nur noch die Brotkrumen bekomme und dafür mir auch noch das notorische Gejammer anhören muss, um schließlich mit utopischen Preisen abgespeist zu werden,dann ist genug mit fairem Handel. Wir sind nicht bekloppt in Deutschland, wir wissen auch, daß von den allermeisten Mineralien in Marokko Unmengen existieren und die sogenannten fairen Preise eine Frechheit sind (wie übrigens das Meiste im Mineralienhandel!).

Ich verstehe aber dein Problem nicht. Wenn ein Marrokaner 100Euro bekommt durch den Verkauf einiger Kisten Mineralien, dann ist das doch für ihn genauso, als ob Unsereiner 1000 bekommen hätte, oder irre ich da? Und wenn ein Marrokaner seine Mineralien verkauft, dann ist das doch kein Schaden für das Land. Ich denke, die Mineralien haben eher eine "Überlebenscchance" in Europa als in Marokko oder anderswo im Magreb, denn in Wirklichkeit sind Mineralien für euch nur einfach etwas womit man Geld machen kann. Würde keiner was zahlen, pflügt ihr die Stufen einfach unter. Und dann soll ich Euch den Wert bezahlen, den ein hiesiger Sammler aufgrund seiner Kenntnis, Begeisterungsfähigkeit und Liebe zum Objekt ihm zuordnet??????

Ich hätte allerdings eine Geschäftsidee für Dich: Verkaufe die Mineralien einfach hier im Board so preiswert wie du kannst. Warum bietest Du nicht uns eine Kiste mit Vanadiniten (ich gehe einfach mal von einer sehr guten Qualität aus)  für sagen wir 30-40 Euro. Zähl nicht lange rum, sondern mach die Kisten und fertig. Und wenn Du dann 20 Kisten verhökert hast, dann hast Du 800Euro. Ich denke das ist in Marokko eine Menge Kohle. Und nach den ersten Kisten wirst Du sehen, die Jungs buddeln wie verückt. Und wenn die Kundschaft zufrieden war, verkaufst Du immer wieder was. Wenn nicht, ist es besser erst mal gaaaaz ruhig zu sein!  Und dann läuft der Laden. Aber wenn Du tatsächlich Händler mit einbinden willst, vergiss es! Keine Sau kauft mehr was bei Händlern, ausser irgendwelche Leute mit Pendeln und so einem Zeug und kein Händler schickt Dir Geld, nur weil er mehr verdient hat.
Sammler wollen Sammlermaterial. Warum schickst Du deine Leute nicht mal auf alte Halden, in alte Bergwerke etc. und zeiugst Ihnen wie sie auch mit kleinem aber ineteressanten Material Geld machen können. Z.B. eine Kiste mit Kleinstufenmaterial von Bou Azzer für 40 Euro und du wirst sehen, die gehen weg wie warme Semmeln. Und da hat es noch unendlich viele Fundorte die so beackert durchaus Geld bringen. Aber das schielen nach dem grossen Geld, das geht in die Hose und zwar mit Kawumm! Und lerne die Leute fair zu sein und nicht andauernd versuchen die doofen Deutschen abzuzocken. Das funzt nicht mehr (ein paar Idioten wirst Du sicher finden!!).

Nochetwas: Die deutschen Sammler haben aufgehört Ausland wirklich intensiv zu besammeln. Und weist Du warum? Weil die Mineralien im Ausland mittlerweilen so teuer sind, als ob sie aus dem Erzgebirge vor 300 Jahren gefunden wurden. Die Leute haben die Schnauze schlicht voll von dem immer gleichen Zeug und von der immer gleichen blöden Anmache das das gerade heute die Top-of-the-Pop-Qualität sein. Und das von Leuten die nicht einmal wissen was Vanadinit überhaupt ist. Und sie haben die Schnauze voll von Möchtegernmillionären die sich als Händler getarnt versuchen ihr überteuert gekauftes Zeug auch noch mit 300% Aufschlag verramschen wollen. Dafür lassen sie aber den Kenner raushängen. Au Mann, ich könnte auf jeder Börse so zwei bis fünf davon niederstrecken! Ist aber einer da, der seine Stücke zu echten "Sammlerpreisen" verkauft, so kommt er aus dem einpacken gar nicht mehr raus. Komm Don, wir gehen mal über einige Börsen, dann wirst Du sehen wann Geschäfte gemacht werden und wann nicht.


so genug gemault.

Viel Glück
Ulrich

Offline loparit

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #36 am: 14 Aug 06, 09:21 »
Da braucht man wiklich nichts mehr mehr zu schreiben.

Ich kann mich dem UlrichW nur zu 100 % anschließen  ;)

Offline Collector

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #37 am: 14 Aug 06, 12:00 »
Hallo

ich denke, hier sollte doch noch etwas mehr diskutiert werden, auch wenn "loparit" denkt, daß man wirklich nichts mehr zu schreiben hat.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich an dieser Diskussion mit Unterhaltungswert (O-Ton MM-Bär) beteilige oder nicht.  Ich meine aber, daß hier einige Dinge klar gestellt werden sollten.

1. Das Konzept Fair Trade

ist in erster Linie ein Geschäftsidee von Don Ronaldo. Und, wie (leider) nur einer schreibt ("calciteminer"), ist es wichtig, daß einer von seinem Geschäftskonzept überzeugt ist.  Ob das Ganze stimmig ist oder ob es sich dabei um eine total unausgegorene Idee handelt, bleibt dahingestellt. Es bleibt eben eine Idee.

Das Konzept von Don Ronaldo läßt sich, so wie er es definiert, nicht und auf keinen Fall realisieren.
Per Fernversand unbesehene Mineralien auf Treu und Glauben zu kaufen, ist für seriöse Sammler  nicht denkbar. Niemand kauft die Katze im Sack.

Die Preis-Provisionsgestaltung ist nicht nachvollziehbar und ist eher Wunschdenken, jedoch aufgrund einer fehlenden Transparenz und der Unmöglichkeit, die Preisentwicklung der vielen Zwischenstufen vom Bergmann über die Kooperative, Don Ronaldo selbst, Händler bis zum Sammler nachzuvollziehen, nicht zu realisieren. Und kick-backs von höher erzielten Mehrgewinnen sind Illusion, das macht niemand. Wäre auch kaufmännisch total absurd.

Ob Don Ronaldo seiner Geschäftsidee die Kybernetik oder den Taoismus zugrunde legt, ist seine Sache. Persönliche philosophische Ansichten sind frei und gehen niemand was an. Ob einer mit christlichen Grundsätzen Mineralien sammelt, oder hinduistische Farbenlehre als das Maß seiner Dinge betrachtet ist genauso undiskutierbar wie Don Ronaldos kybernetische Ansätze.
Und ob er beim Verfassen seines Konzept-Mottos nen Joint geraucht hat, geht auch niemand was an. Sollen ja bekanntermaßen gerade dadurch beste Ideen enstehen.

Über die gesamte Bandbreite dieser Forumsdiskussion gibt es einen gemeinsamen Nenner, nämlich den, daß hier bis hin zur Polemik Worte und Behauptungen in den Raum gestellt werden, die von Ignoranz, Arroganz, Voreingenommenheit und ganz zuvorderst von totaler Unwissenheit zeugen. Hier diskutieren Blinde über Farben !

Ohne das Konzept von Don Ronaldo als gut zu befinden, ohne Don Ronaldo unterstützen zu wollen, ohne jegliche Absicht, das Fair Trade-Konzept aufzuwerten: 

Niemand von Euch Diskussionsteilnehmern hat auch nur einen blassen Schimmer von den Gegebenheiten vor Ort in Marokko, niemand hat eine Vorstellung von der Armut, den widerwärtigen Lebensumständen und der Not , täglich seine Familie zu ernähren, niemand von Euch möchte in einer der armseligen Lehmhütten in Mibladen oder in sonst einem Berberdorf wohnen, niemand von Euch geht seit Jahren täglich 15 km zu Fuß in die Wüste, um dann als Eigenlöhner 10 Stunden im selbst gegrabenen Schacht in 6-10m Tiefe mit einer Karbidlampe, Hammer und Meißel Mineralien zu brechen.  Ohne Lebens-, Kranken-, Arbeitslosen-, Rentenversicherung, ohne Bafög, ohne Harz IV, ohne Auto, Flachbildschirm, DSL und Jahresurlaub !

Demgegenüber gibt es die Möglichkeiten, sein Leben nicht nur als Eigenlöhner zu fristen, sondern in landwirtschaftlichen Projekten - anstelle im Schacht - unter freiem Himmel zu arbeiten und durch eigener Hände Arbeit einen vernünftigen Lohn sowie Sicherheit fürs tägliche Essen, Wohnen und eine minimale Krankenversicherung zu erzielen. Beispiele dafür kann sich jeder Besucher von Midelt ansehen. Nur - dazu gehören Start- und Arbeitskapial und Arbeitsmittel, die jedoch bei den Eigenlöhnern nicht vorhanden sind.
Hier dürfte die Grundidee von Don Ronaldo angesiedelt sein. Ob er sie allerdings in der vorgestellten Form realisieren kann, bleibt dahingestellt. Es dürfte einen Versuch wert sein. Andere in Midelt haben es bereits vorexerziert und es klappt.

2. Vanadinit

Ich kann den Zusammenhang Vandinit und Marokko nicht mehr hören.  Das ist genauso idiotisch wie Calcit und Deutschland oder China und Fluorit.

Weiß eigentlich keiner, daß es in Marokko neben Vanadinit und Erythrin noch mindestens 100 andere sammlungswürdige Mineralien gibt ? Und nicht nur "Brösel" aus Bou Azzer, wie ein Schreiber meint.
Hat bisher niemand was von den seit Jahren angebotenen Fluoriten aus El Hammam oder Arhbalou, den mehr als 20 verschiedenen Mineralien aus Imilchil (alle auch in größeren Stufen), den Goethiten, Quarzen, Amethysten, Chalcedonen aus dem Atlas, den sensationellen Akanthiten, Silber und Proustit aus Imiter, den schönen Sideriten, den unzähligen Azuriten, Cerussiten, Wulfeniten, Brochantiten, Chalcostibiten aus Touissit und Aouli,  Aragoniten, Baryten in zahlreiche Formen und großen Kristallen, den Roselithen, Wendwilsoniten, Talmessiten, Cobaltocalciten, Skutteruditen aus Bou Azzer und den hervorragenden Nephelinen mit Schorlomit gehört oder gesehen ?

Warum immer nur auf Vanadinit herumhacken ? Mittlerweile müsste doch jeder einen in der Sammlung haben. Traurig, daß Euch zu Marokko nichts anderes einfällt . Ist als wenn einer vom Erzgebirge spricht und immer nur Uran im Kopf hat.

3. Preise

In München ein Lot aus Bou Azzer für 40.- €, ein Lot Vanadinit für 30-40 € ? Wo lebst Du eigentlich ?
Oder - sammelst Du Schrott ? Oder meinst Du Micromounts bis 5 mm ?

Ein marokkanischer Händler, der in München ausstellt, fährt  5.300 km in  5 Tagen hin und zurück und, wenn er den billigsten Diesel fährt, kostet ihn das inkl. Fähre von Marokko nach Spanien und zurück plus Autobahngebühren erstmal gute € 800.-
Der Stand in München nochmal ca. € 600.- , ein Hotel (billigste Absteige, 5 Tage, wenn er nicht im kalten Oktober in seinem Lkw schläft) nochmal € 175.- und ein bißchen essen und trinken muß er auch noch.
Ohne die Einkaufskosten zu berücksichtigen, kostet einen Marokkaner seine Präsenz in München gute 1.800 bis 2.000 Euro.
Wenn er dann noch konkurrenzlos billig sein soll, passiert genau das, was Don Ronaldo schrieb: daß mancher seine letzte Mark aufwendet und letztlich mit leeren Händen wieder nach Hause fährt. Denn die Leute vor Ort, von denen er seine Mineralien gekauft hat, wollen ja auch noch bezahlt werden.  Im übrigen muß auch noch mit Zollgebühren und Einfuhrumnsatzsteuer bei der Einfuhr in Deutschland kalkuliert werden, plus die Kosten der Visa-Erteilung;  habe ich aber hier nicht berücksichtigt, um die Kosten nicht noch höher aufzublähen.

Daß die Deutschen nicht doof sind, da stimme ich so ungefähr zu. (bin auch einer). Daß es marokkanische ( und Unmengen deutsche) Händler gibt, die überzogene Preise haben, ist auch klar; muß man ja nicht kaufen.  Was in der Diskussion auffällt ist, daß die Deutschen zwar alle sehr klug sind, aber sich anscheinend mancher keine Gedanken macht, daß seine Forderung für Lot-Preise von 30-40 € mehr als unverschämt ist.   Leute - leben und leben lassen !

4. Behauptungen

a) Die Deutscheh haben aufgehört, Ausland intensiv zu sammeln, weil das Material zu teuer ist und weil es immer das gleiche Zeug ist.

Woher kommt diese haarsträubende Erkenntnis ?
Ich sehe in Sainte Marie, München und Stuttgart, daß sich tausende deutscher Sammler um tausende chinesischer, pakistanischer, marokkanischer Mineralien fast kloppen - ungeachtet der Preise. Nur habbe wolle ! Und österreichische und schweizer und italienische und spanische Mineralien ? Meinst du, die sammelt keiner mehr ? Oder sind diese Länder in Deinem Verständnis mittlerweile deutsches Hoheitsgebiet ?

b) In Marokko sind 100 € soviel wie in Deutschland 1.000 €

Der Schreiber muß wohl auf oder hinter dem Mond leben. Ganz einfach: Fahr mal nach Marokko, geh dort in einen Supermarkt oder Tante Emma-Laden oder zum Metzger, tanke Dein Auto voll, übernachte in einem einigermaßen vernünftigen Hotel: Du wirst erstaunt sein, daß Du ähnliche Preise wie in Euro-Europa hast.
Klar - der Bergmann oder der Arbeiter muß ja nicht den gleichen Lebensstandard wie wir Deutschen haben - um Gottes Willen, wo kämen wir denn da hin, wir haben uns das ja schließlich alles erarbeitet (!) -  es reicht doch, wenn er ne Lehmwand hat, täglich Pfefferminztee kriegt und n altes T-Shirt beim Second-Hand findet. Dann kann er mit 100.- € wie Gott in Frankreich leben.

5. Fazit

a) Don Ronaldos Idee ist ne Idee  ist ne Idee. Wer sie nicht mag, wird nicht gezwungen, damit zu sympathisieren. Er wird - da bin ich überzeugt - Händler, Sammler und Sammelhändler finden

b)Don Ronaldos Idee ist unausgegoren und bestimmt nicht in der vorgestellten Form realisierbar

c) Don Ronaldos Kardinalfehler ist, daß er in Unwissenheit sein Konzept in das Forum des Mineralienatlas gestellt hat. Dieses Forum ist für Geschäftsideen der garantiert falsche Ort,
Positiv für Don Ronaldo dürften die unisono negativen Beiträge sein, aus denen er nur lernen kann um sein Konzept der Sammler-Wirklichkeit anzupassen.

d) Marokko ist geich Vanadinit, ist gleich immer das gleiche Zeug,  ist gleich Brösel ist absoluter Schwachsinn.
Es ist schon erschreckend zu lesen, wie manch ansonsten als seriös einzustufender Sammler sich zu solchen Behauptungen hinreißen läßt; ein Blick ins Fundstellenverzeichnis des Lexikons (kennen wohl die wenigsten der Schreiber) hätte genügt, um diese Ignoranz garnicht erst aufkommen zu lassen.

e)Lots für 30-40 € gehören ins Reich der Phantasie. Wer diese Preise will, sollte selbst in den Schacht steigen und, wenn er Glück hat, sich ein paar Krusten Vanadinit abschaben.
Oder einfach nach Bou Azzer fahren, wo Selbersammeln untertage absolut verboten ist, um dort seine Superstufen Erythrin oder Roselith einfach aufzuklauben. Denn - wie im Beitrag geschrieben: es gibt ja Unmengen Mineralien in Marokko. Muß man nur aufheben, sonst werden sie untergepflügt.
Wow - was ein Quatsch mit Soße !

Zum Abschluß noch ein tröstlicher Gedanke: Da ja deutsche Sammler nicht mehr intensiv Ausland sammeln, können wir uns glücklich schätzen, daß wir Idar-Oberstein mit seinen tollen Achaten haben, daß es die Rockenberger Sandrosen gibt, daß es das Erzgebirge mit seinen aktuellen und fantastischen Superstufen gibt  und daß wir im Alpen-Urlaub (hoppla: Ausland !)  wieder mal tolle Quarzfunde gemacht haben. Deutsche - sammelt deutsch !

Es wäre erfreulich, auch mal einen Beitrag auch nur eines Verfassers zu lesen, der nicht gleich losblökt und meckert , sondern sich sachlich mit diesem - in seinem Kern interessanten - Konzept von Don Ronaldo sachlich und kühl auseinandersetzt.

gruß
collector
(der die Freude hatte, länger in Marokko gelebt und gearbeitet zu haben, die Mineralienszene in mehr als 30 Jahren intensiv vor Ort mitkriegt und jedes Jahr mindestens 2x nach Marokko fährt, um Mineralien zu sammeln und seine Freunde in Midelt und im Atlas zu besuchen)




Offline Schaufelartist

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #38 am: 14 Aug 06, 12:57 »
Das ist die erste seriöse und fundierte Stellungnahme in diesem Thread.
Für mich ist dem nichts mehr hinzu zufügen.

Danke Collector.

Glück Auf!

Peter

Offline Tobi

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #39 am: 14 Aug 06, 13:26 »
Moin,

also ein bißchen Senf will ich auch dann noch mal in die Wunden schmieren, ääh dazu geben :D: Ich muss auf jeden Fall weiterhin kritisch zu Don Ronaldo anmerken, dass sein System zwar rein theoretisch nicht schlecht ist, aber woher weiß man denn, dass das Geld auch wirklich wie versprochen bei den armen Leuten landet, die sich tagtäglich durch den Dreck wühlen auf der Suche nach Mineralien? Es hört sich ja toll an, aber Sozialismus hat sich sich in der Theorie ja auch toll angehört...

Auf jeden Fall muss ich auch noch ein bißchen das unterstützen, was Collector hier eingebracht hat: Mich nerven auch diese Verallgemeinerungen Marokko = Massenschrott und Marokko = Vanadinit und sonst nichts! Ich finde, dass dieses Land eine sehr attraktive Lokalität für Mineralien ist, genauso wie China oder Brasilien viele traumhaft schöne Dinge hervorbringen, auch wenn es "Massenware" ist! Keiner ist verpflichtet, marokkanische Mineralien zu kaufen oder zu sammeln. Ich finde sie teilweise sehr interessant und schön, und da ist es mir gleich was andere dazu meinen.

Collector hat auch recht damit, dass eine ganze Stiege Vanadinit für 30 - 40 € totaler Käse ist! Natürlich kann auch ich nur über so manche überzogene Preisvorstellung von Händlern schmunzeln, und bei einem 2 cm Vanadinit für 140 € kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Aber ein Lot für so nen Spottbetrag, mal ehrlich: Das ist doch genauso weltfremd! Ein bißchen Gewinn braucht man als Händler, sonst sind wohl sämtliche Gesetze von Handel und Markt nichts wert...

Ein letztes noch: Die Spekulationen, ob Don Ronaldo vor dem Schreiben einen geraucht hat, finde ich auch ein bißchen übertrieben. Aber ich muss nochmal sagen, dass ich seine Zitate über die Deutsche Eiche etc. völlig dämlich finde. Nicht weniger die großspurigen Sprüche "You and I could change the world" und seine Rechnungen, aus denen er 99% Zustimmung zieht. Aber das gehört nicht zum Inhalt seines Konzeptes, daher stell' ich es nur mal an den Schluss, hab mich ja auch schon dazu geäußert...

Gruß

Offline berthold

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #40 am: 14 Aug 06, 15:18 »
Hallo,

um den Unterhaltungswert  ;) etwas zu steigern auch meine Meinung dazu.

@collector: Ja, in vielen Dingen gebe ich Dir Recht. Bei dem Satz "Per Fernversand unbesehene Mineralien auf Treu und Glauben zu kaufen, ist für seriöse Sammler  nicht denkbar." stimme ich auch zu, nur ist das nicht die Konzept-Idee von Don. Er möchte ja an Händler herantreten. Und für mich ist es schon für eine Beurteilung eines Handels-Systems wichtig, wer es macht und was sein Hintergrund ist. Es kommt ja nicht nur darauf an was man macht sondern auch wie man es macht - und für das "wie" steht vorab eigentlich nur die Person, die das macht. Als Inhaber eines Autohauses würde ich ja meine Fahrzeuge auch nicht von einem bekifften Autoschieber kaufen sondern doch eher von einem seriösen Händler.

@alle
Zum Konzept (wenn man es denn so nennen kann) selbst:

also wenn ich das System richtig verstanden habe:

- die CMF holt die Mineralien (zunächst ohne Bezahlung!) von den Findern ab - ich vermute der Finder legt den Grundpreis fest.
- die CMF  schlägt 100 % drauf.
- die CMF verschickt die Flats (ähh - in Zedernholz-Schmuckkästchen) an Händler, die die Ware nicht gesehen haben, aber vorab Port und Verpackung (ich vermute die Zedernholz-Schmuckkästchen) 
- jetzt schlägt der Händler nochmals 100 % auf (wir sind jetz beim Vierfachen, bleibt fraglich ob eine solche Preisbindung zulässig und durchsetzbar ist). Der Händler wird den Teufel tun und noch mehr verlangen - er möchte ja verkaufen und das geht günstig allemal besser als teuer.
- und nun kauft ein Sammler so ein Stück von dem Händler. Dann erst bekommt der Finder Kohle (25 % des Verkausfspreises). Wir haben also folgende Gewinn-Risiko-Verteilung:

Finder: Gewinn 25%, Risiko 100% (kann sein, dass er nie Geld sieht)
CMF:   Gewinn 25%, Risiko gering (die eigene Arbeit)
Händler: Gewinn 50% abzüglich Transport, Verpackung, Werbung, Standgebühren ..., Risiko 100% (kann sein, dass er nichts verkauft)

Und - wieder mit dem Vorbehalt, dass ich das alles richtig verstanden habe - der CMF-Gewinn geht NICHT zu den Findern sondern wird für andere (möglicherweise sinnvolle ?) Projekte von Don verwendet. Was haben die Finder jetzt mehr (als wenn sie an einen seriösen Mineraliengroßhändler verkaufen? Richtig Nichts, nur mehr Risiko.

Ich möchte nicht fragen, was aus den (Marokko-) Unternehmungen von Don geworden ist (Reit-Urlaub, Feng Shui ausgerichtete Apfelfarmen, Kreuterfarm, FENG SHUI Jing, Imkerei usw.)  die Domains www.marokko-erleben.com oder www.OasenDerSinne.de existieren ja nicht mehr. Aber unterstützen möchte ich das alles nicht. Nicht mal indirekt über Mineralienkauf.

Gruß

Berthold



   


Ingo Löffler

  • Gast
Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #41 am: 14 Aug 06, 23:14 »
Hallo Don,
ich verstehe sehr wohl was du eigendlich wills,nur dann mußt du die Welt ändern.Solange Gier belohnt wird (Deutsche Manager) und asoziales Verhalten (Politik) sich durchsetzt,wird es nicht funktionieren.Ich bin kein Freund des Kapitalismus,aber ich muß mit ihm leben,denn ich kann ihn nicht ändern.

Hallo Peter,
es gibt in Deutschland schon mittlerweile etliche Menschen die noch nicht einmal Harz 4 bekommen,also gar kein Geld.Die Anzahl der Familien mit Kindern die an den Suppenküchen der Caritas sowie der Tafel anstehen wird stetig größer usw usw.Wir können uns mal gerne über Armut unterhalten,denn diese haben wir schon vor der eigenen Haustür.
Was die Lehmhütte betrifft ist sie sicherlich nicht ansehnlich,aber in Gegenden von hohen Temperaturen das beste.In dem verregneten Deutschland würden diese buchstäblich davonfließen.Übrigens ein altes Fachwerkhaus ist nichts anderes,außer das man da noch Holz verarbeitet hat.
Nun stell dir doch mal einfach vor die Arbeit in den Maroccanischen Minen usw würde nicht von den Maroccanern gemacht sondern von Chinesen oder Somalies oder so.Aber nicht weil die so toll sind,sondern weil sie billig sind,was würden denn die Maroccaner dazu sagen?Genau diese Situation haben wir in Deutschland.Das Motto der deutschen Wirtschaft ist "Geiz ist Geil",siehe AEG,Röben usw.Wer von dehnen nicht Auslagern kann bescheißt die Leute halt vor Ort und bringt sie um ihr sauer verdientes Geld.Einen Vergleich Deutschland - Marocco kann man nicht machen denn dann müsste man die Steuern (auch verdeckte) und Abgaben in Deutschland mit einbeziehen siehe hier -http://www.zingel.de/taxes.htm und da erscheint dann so langsam alles in einem anderen Licht.
Und was die Mineralien betrifft stimme ich dir 100% zu,nur die hohe Qualität kann halt auch nicht in Massen beschafft werden.Die besten Argentite wurden in München nur unterm Tisch gehandelt,ich glaube gehört zu haben 100000 EUR aufwärts.Naja ist nicht ganz meine Gehaltsklasse.Aber genau das ist es was ich meinte eine 5000 EUR. Stufe verkauft sich einfacher als eine 20 EUR Stufe.

Gruß Calciteminer

Offline UlrichW

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #42 am: 15 Aug 06, 00:44 »
Hallo Leute,

ich möchte mich zuallererst einmal für alle Äußerungen entschuldigen, die in irgendeiner Art beleidigend oder Ehrverletzend waren. Mir sind da einfach die Gäule durchgegangen.
Ich muss auch Collector Recht geben, eine Idee ist eine Idee. Da bedarf es keiner Aufgeregtheiten.


Ich bin auch nicht wegen der Idee Ansich von Don so auf die Palme geraten, sondern wegen der Art und Weise uns diese unterzujubeln.
Nochmals, speziell auch an Don: Ich wollte Dich nicht persönlich beleidigen!


Ich möchte aber noch zu einigen Punkten in Bezug auf Collectors Posting Stellung nehmen.

Zitat
Ich kann den Zusammenhang Vandinit und Marokko nicht mehr hören.  Das ist genauso idiotisch wie Calcit und Deutschland oder China und Fluorit.

Weiß eigentlich keiner, daß es in Marokko neben Vanadinit und Erythrin noch mindestens 100 andere sammlungswürdige Mineralien gibt ? Und nicht nur "Brösel" aus Bou Azzer, wie ein Schreiber meint.
Hat bisher niemand was von den seit Jahren angebotenen Fluoriten aus El Hammam oder Arhbalou, den mehr als 20 verschiedenen Mineralien aus Imilchil (alle auch in größeren Stufen), den Goethiten, Quarzen, Amethysten, Chalcedonen aus dem Atlas, den sensationellen Akanthiten, Silber und Proustit aus Imiter, den schönen Sideriten, den unzähligen Azuriten, Cerussiten, Wulfeniten, Brochantiten, Chalcostibiten aus Touissit und Aouli,  Aragoniten, Baryten in zahlreiche Formen und großen Kristallen, den Roselithen, Wendwilsoniten, Talmessiten, Cobaltocalciten, Skutteruditen aus Bou Azzer und den hervorragenden Nephelinen mit Schorlomit gehört oder gesehen ?
Warum immer nur auf Vanadinit herumhacken ? Mittlerweile müsste doch jeder einen in der Sammlung haben. Traurig, daß Euch zu Marokko nichts anderes einfällt . Ist als wenn einer vom Erzgebirge spricht und immer nur Uran im Kopf hat.

Ja, Du hast vollkommen Recht. Es gibt diese Mineralien, und noch viele mehr. Ich habe den Vanadinit auch nur deswegen gewählt, weil er als Synonym für Marokko sehr gut herhalten kann, ohne zu detailiert jedes bischen erläutern zu müssen. Mir ist sehr wohl bekannt was es alles in Marokko gibt. Nur bitte ich dich um Verständnis, daß ausser einer Handvoll  der "klassischen Marokkaner" kaum etwas auf dem Mineralienmarkt zu haben ist. Sollte ich da falsch liegen, dann bitte ich Dich mir eine Stüfchen Karibibit oder Magrebit auf irgendeiner Börse, ausser München, zu besorgen. Das wird schwer! Umgekehrt bin ich sicher, daß es eine Unmenge Mineralien in Marokko gibt, die nur keiner aufhebt, weil sie einfach zu klein sind und somit kaum Erlös bringen. Aber genau da liegt die Crux. Wer sie zuerst aufhebt und vekauft, der macht zwar nicht das grosse geld, aber er verdient etwas. Und darum ging es!

Zitat
In München ein Lot aus Bou Azzer für 40.- €, ein Lot Vanadinit für 30-40 € ? Wo lebst Du eigentlich ?
Oder - sammelst Du Schrott ? Oder meinst Du Micromounts bis 5 mm ?

Nun, mag meine Sammlung durchaus Schrott sein, es ist meine Sammlung. Tatsache ist aber, daß ich in St.Marie durchaus ein Flat mit ca. 25 Kleinstufen für 45 Euro bekommen habe. Und das deswegen, weil sich eben die Leute nicht wie wild eingedeckt haben mit den marokkanischen Mineralien, sondern weil Flaute im Geschäft war. Nun fühle ich mich nicht als Ausbeuter, sondern ich habe einfach nur ein Geschäft gemacht. Bitte jetzt nicht auf die Tränendrüse drücken, denn wenn es dem Händler unverschämt vorgekommen wäre, hätte er das Geschäft nicht gemacht.  Und da ich nun mal etwas bekannt bin, habe ich mit vielen Sammlern gesprochen. Und fast alle haben kaum Grosstufen gekauft sondern höchstens mal was Kleineres, aber das bei Händlern die die Spezialitäten hatten. Und das waren keine Marokkaner. Tatsache ist aber auch, daß der Markt für Topqualität in Deutschland sehr klein geworden ist.

Zitat
Ein marokkanischer Händler, der in München ausstellt, fährt  5.300 km in  5 Tagen hin und zurück und, wenn er den billigsten Diesel fährt, kostet ihn das inkl. Fähre von Marokko nach Spanien und zurück plus Autobahngebühren erstmal gute € 800.-
Der Stand in München nochmal ca. € 600.- , ein Hotel (billigste Absteige, 5 Tage, wenn er nicht im kalten Oktober in seinem Lkw schläft) nochmal € 175.- und ein bißchen essen und trinken muß er auch noch.
Ohne die Einkaufskosten zu berücksichtigen, kostet einen Marokkaner seine Präsenz in München gute 1.800 bis 2.000 Euro.
Wenn er dann noch konkurrenzlos billig sein soll, passiert genau das, was Don Ronaldo schrieb: daß mancher seine letzte Mark aufwendet und letztlich mit leeren Händen wieder nach Hause fährt. Denn die Leute vor Ort, von denen er seine Mineralien gekauft hat, wollen ja auch noch bezahlt werden.  Im übrigen muß auch noch mit Zollgebühren und Einfuhrumnsatzsteuer bei der Einfuhr in Deutschland kalkuliert werden, plus die Kosten der Visa-Erteilung;  habe ich aber hier nicht berücksichtigt, um die Kosten nicht noch höher aufzublähen.

Aber wenn der Marokkaner keine Top-Stufen dabei hat, die bekanntermassen den Gewinn ausmachen, dann wird genau das passieren. Er kann einfach keine Ware der mittleren Qualitätsstufe für "Münchener Preise" verkaufen, da bleibt er drauf sitzen. Ob er nun für ein Flat 40 oder 50 Euro nimmt ist doch egal. Tatsache ist, wenn er 60Euro nimmt, es kein Mensch kauft, dafür ist der Markt zu gesättigt. Ist der Preis aber so wie ich ihn mal so vorgeschlagen habe, dann kaufen auch die Sammler sich mal wieder ein Flat, nur um ein bischen drin herumwühlen zu können. Ein Einzelstück geht höchst selten weg. Wenn es sich natürlich um ein Flat Azurite bis 3cm-Kristallgröße handelt, dann ist mir auch klar, daß er das nicht für 60 hergibt. Eher schon für 200/Stufe. Hat er aber nur kleine Kristalle, dann bleibt er weider auf der Masse sitzen, wenn der Preis zu hoch ist. Ich hatte das Beispiel 40 Euro nur für den Vanadinit genommen, wohlbemerkt kleine Stüfchen. Sind sie teurer kauft sie keiner, so einfach ist das!

Zitat
Daß die Deutschen nicht doof sind, da stimme ich so ungefähr zu. (bin auch einer). Daß es marokkanische ( und Unmengen deutsche) Händler gibt, die überzogene Preise haben, ist auch klar; muß man ja nicht kaufen.  Was in der Diskussion auffällt ist, daß die Deutschen zwar alle sehr klug sind, aber sich anscheinend mancher keine Gedanken macht, daß seine Forderung für Lot-Preise von 30-40 € mehr als unverschämt ist.   Leute - leben und leben lassen !

Richtig, den marokkanischen Erstfinder leben und leben lassen. Da stimme ich zu. Aber warum bitte muss ich den Händler grosszügig mit meinen sauer verdienten Kohlen beglücken, noch dazu wenn er es sich selber in die Taschen steckt? Einmal teuer bezahlt, bleibt der Preis da wo er ist. Nicht missverstehen, der Erstfinder soll ruhig seinen gerechten Obulus erhalten. Aber gegenüber Händlern wird gefeilscht bis der Arzt kommt.


Zitat

a) Die Deutscheh haben aufgehört, Ausland intensiv zu sammeln, weil das Material zu teuer ist und weil es immer das gleiche Zeug ist.

Woher kommt diese haarsträubende Erkenntnis ?
Ich sehe in Sainte Marie, München und Stuttgart, daß sich tausende deutscher Sammler um tausende chinesischer, pakistanischer, marokkanischer Mineralien fast kloppen - ungeachtet der Preise.

Aua, da war ich wohl im woanders! Ich muss allerdings gestehen, daß ich nur Donnerstag und Freitag anwesend war. Na klar wird gekauft, aber von "um das Zeug kloppen" ist keine Rede, nicht mal Ansatzweise. Wer genau beobachtet hat, dem ist aufgefallen, daß die Leute Stücke dutzende male ansehen, wieder weglegen, nochmal ansehen usw. Nur wenige kaufen schnell, und dann auch nur, wenn es sich um ein günstiges Angebot handelt. Davon gab es allerdings einige, weniger bei den Marokkanern und Chinesen, sondern bei anderen Händlern. 

Ein Beispiel: Ein Händler hatte Malachite von Shaba. Eine normale Handstufe war so  um die 30Euro ausgezeichnet, sehr gute Handstufen auch mal bis 80 Euro, kleinere Stufen um 20 Euro. Und wer hingeguckt hat, der hat das Schild gesehen: Alles zum Halben Preis. Er hatte hunderte Stufen. So, nun kostete eine Handstufe mit nierigem Malachit in durchaus sehr guter Qualität um die 15Euro, eine sehr gute und grosse Stufe um 40 Euro. Nun frage ich dich: Hat der Händler draufgelegt? Nein, er war Direktimporteur. Aber er hat erst nur wenig verkauft. Aber ein anderer Händler  hatte gleichwertige Stufen um die 90Euro aufwärts. Er hat verkauft.

Zitat
Nur habbe wolle !

Natürlich, deswegen bin ich Sammler.

Zitat
Und österreichische und schweizer und italienische und spanische Mineralien ? Meinst du, die sammelt keiner mehr ? Oder sind diese Länder in Deinem Verständnis mittlerweile deutsches Hoheitsgebiet ?

Ich vergass den Ausdruck Ausland zu definieren. Für mich ist Ausland alles ausserhalb Europa, denn ich bin Europäer. Nur kann ich nicht über europäische Preise schreiben, denn die Gepflogenheiten sind in Frankreich anders als in Spanien und Österreich.
Natürlich wird alles gesammelt. Aber stell dich mal mit irgendetwas spanischem, griechischem usw. auf eine hiesige Börse. Wenn Du Glück hast, ist einer der tausend Besucher ein Kenner und kauft Dir ein Stück ab. Aber abgesehen davon, schau Dich doch mal um: Jeder Verein jammert über Nachwuchs, "hier ist ja nichts mehr los" usw. Ist das etwa ein Ausdruck fiebrigen Sammeleifers? 

Eine gewisse Schar von Sammlern sammelt wirklich noch, und zwar vieles und oft international, aber die Schar wird kleiner und kleiner.
Ich habe mich in St.Marie mit einem Franzosen unterhalten. Er hatte einen Marthozit aus Shaba im Angebot. Ich frug ihn, wieso er den noch nicht verkauft hat (er war zugegebenermassen nicht wirklich billig, aber sehr gut). Er antwortete mir, daß er den nun schon drei Jahre mit rumschleppte, aber die Leute wollen nur noch lokale Sachen. Nun, ich habe den Franzosen erlöst, aber er deutete an, was meiner Beobachtung nach fast überall passiert. Die Leute sind es Leid für alles und jedes Horrorpreise zu bezahlen. Wenn sie aber was preiswertes sehen dann kaufen sie, ohne zu fragen! Nur moralisieren tun die auch nicht. Ist es preiswert ist es gut, wenn nicht bleibt der Kram eben liegen.

Zitat
b) In Marokko sind 100 € soviel wie in Deutschland 1.000 €
Der Schreiber muß wohl auf oder hinter dem Mond leben.

Stimmt, ich betreibe Astronomie!

Zitat
Ganz einfach: Fahr mal nach Marokko, geh dort in einen Supermarkt oder Tante Emma-Laden oder zum Metzger, tanke Dein Auto voll, übernachte in einem einigermaßen vernünftigen Hotel: Du wirst erstaunt sein, daß Du ähnliche Preise wie in Euro-Europa hast.

Da bin ich gar nicht erstaunt.  Natürlich ist der Vergleich 100/1000 etwas überspitzt, aber er triftt den Kern. Und dein Satz würde bedeuten, daß die Mineralien diesem Preisniveau angepasst werden müssten. Dann aber, so glaube ich, könnten die Mineralien da bleiben wo sie sind, denn keiner würde etwas kaufen. Und dann wiederum wäre dem armen Schürfer seine Lebensgrundlage entzogen. Mineralien sind ein Luxusgut. EWird das zu teuer, dann ist Schluss mit Luxus und Schluss mit Einnahmen. Das sollte man immer im Auge behalten, denn von den paar Topstufenkäufern kann nur der Händler leben.

Zitat
Klar - der Bergmann oder der Arbeiter muß ja nicht den gleichen Lebensstandard wie wir Deutschen haben - um Gottes Willen, wo kämen wir denn da hin, wir haben uns das ja schließlich alles erarbeitet (!)   es reicht doch, wenn er ne Lehmwand hat, täglich Pfefferminztee kriegt und n altes T-Shirt beim Second-Hand findet. Dann kann er mit 100.- € wie Gott in Frankreich leben.

Nun stelle ich mal die Frage nach dem Mann hinter dem Mond! Was glaubst Du denn, was von den Preisen hier an die Finder geht. Da würdest Du warscheinlich weinen wenn Du das wirklich erfahren würdest. Ich denke jeder überbezahlte Cent bleibt in den Taschen der Zwischenhändler. Und genau dort, niergends anders. Und wenn ich dem Händler nochsoviel bezahlen würde, er presst seine eigenen Landsleute weiter aus! Genauso wir jedes Unternehmen in Marokko dem Arbeiter gerade soviel zahlt wie eben notwendig. Wo sonst sgehen denn die Gewinne der Bergbauunternehmen, der Obstkonzerne usw. hin. Zum Arbeiter? So sieht die Welt aus!

Und wie bitte soll ich das ändern, ausser selbst runter zu fahren und dort meine Mineralien zu beschaffen. Will ich aber hier kaufen, bleibt mir nur der Druck auf den Händler, ich erreiche den Arbeiter gar nicht.
Marokko ist ein Land mit einem der grössten Mineralienexportmärkte, oder wie die Amis so nett sagen, ein "Specimen producer". Das heist natürlich nichts, ich frage mich nur wo die ganzen Erlöse hingegangen sind? Zu den marokkanischen Arbeitern jedenfalls nicht.

Zitat

d) Marokko ist geich Vanadinit, ist gleich immer das gleiche Zeug,  ist gleich Brösel ist absoluter Schwachsinn.
Es ist schon erschreckend zu lesen, wie manch ansonsten als seriös einzustufender Sammler sich zu solchen Behauptungen hinreißen läßt; ein Blick ins Fundstellenverzeichnis des Lexikons (kennen wohl die wenigsten der Schreiber) hätte genügt, um diese Ignoranz garnicht erst aufkommen zu lassen.

Ich bitte Dioch nochmals um Entschuldigung, daß ich dein Sammelgebiet so vereifacht skizziert habe.


Zitat
e)Lots für 30-40 € gehören ins Reich der Phantasie. Wer diese Preise will, sollte selbst in den Schacht steigen und, wenn er Glück hat, sich ein paar Krusten Vanadinit abschaben.

Ich war glaube ich lange genug Untertage um zu wissen, daß gewisse Mineralien zwar nicht gerade zum aufklauben herumliegen, aber dennoch genügend zur Verfügung stehen. Natürlich nicht die TOP-Stufen, aber wenn ausser TOP bei Dir alles andere Krusten sind, dann haben wir zumindest da nicht die gleiche Meinung!


Zitat
Oder einfach nach Bou Azzer fahren, wo Selbersammeln untertage absolut verboten ist, um dort seine Superstufen Erythrin oder Roselith einfach aufzuklauben.

Denn - wie im Beitrag geschrieben: es gibt ja Unmengen Mineralien in Marokko. Muß man nur aufheben, sonst werden sie untergepflügt.
Wow - was ein Quatsch mit Soße !

Stimmt, war wirklich etwas übertrieben! Ich dachte da eher an die Leute, die ich so kenne, die gerne sammeln, sich mit dem Material beschäftigen und auch mal eine kleine Stufe interessant finden. Ich dachte weniger an die, die Grossstufen kaufen oder sich private Beschaffungswege organisiert haben um an die Topstufen zu kommen.


Zitat
Zum Abschluß noch ein tröstlicher Gedanke: Da ja deutsche Sammler nicht mehr intensiv Ausland sammeln, können wir uns glücklich schätzen, daß wir Idar-Oberstein mit seinen tollen Achaten haben, daß es die Rockenberger Sandrosen gibt, daß es das Erzgebirge mit seinen aktuellen und fantastischen Superstufen gibt  und daß wir im Alpen-Urlaub (hoppla: Ausland !)  wieder mal tolle Quarzfunde gemacht haben. Deutsche - sammelt deutsch !

Ironie an
Du hast die Eifel und die Grube Clara vergessen, oder hast Du etwa keine Ahnung wo man was in Deutschland findet? Oder ist Dir nur entfallen, daß es neben Quarz auch andere Mineralien in den Alpen gibt. Ok, kann ja passieren, aber wenn Du deine schrecklichen Erzgebirgsstufen nicht mehr willst, ich erwerbe sie gerne. Da sie ja so schrecklich sind, machen wir einen ganz kleinen Preis aus, gell?
Ironie aus


Zitat
(der die Freude hatte, länger in Marokko gelebt und gearbeitet zu haben, die Mineralienszene in mehr als 30 Jahren intensiv vor Ort mitkriegt und jedes Jahr mindestens 2x nach Marokko fährt, um Mineralien zu sammeln und seine Freunde in Midelt und im Atlas zu besuchen)

Womit klar gestellt ist, daß Du nicht darauf angewiesen bist hier im Lande zu kaufen. Du besorgst Dir dein Material billig dort wo es herkommt und fühlst dich dann als Wohltäter. Ich gehe jede Wette ein, Du feilscht auch um jeden Cent!


Gruss
Ulrich

Offline UlrichW

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #43 am: 15 Aug 06, 00:50 »
Aber genau das ist es was ich meinte eine 5000 EUR. Stufe verkauft sich einfacher als eine 20 EUR Stufe.

Gruß Calciteminer


Hallo Calciteminer,

das liegt wohl daran, daß die Leute die 5000 hinblättern können, sich keine Gedanken über das Geld machen müssen, uns wohl aber dauernd erzählen wie man richtig sammelt. Die, die aber 20 Euro bezahlen könnten, sich fragen, warum dieses mickrige angeschlagene Stüfchen 20 kostet zumal davon einige hundert arglos in irgendwelchen Pappkisten herumscheppern.
Ich verstehe es nicht, ich werde es nie verstehen...

Grüsse aus NRW
Ulrich

Offline Collector

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #44 am: 15 Aug 06, 06:29 »
@calciteminer

danke für Deine Stellungnahme. Die "Misere" in Deutschland ist allgemein bekannt, aber sie ist von den Politikern verursacht worden, denen die Deutschen ihre Stimme gegeben haben. Die Misere wird noch schlimmer werden, kein Zweifel, solange sich auch bei dieser Regierung (nun schon fast wieder ein Jahr am Ruder) überhaupt nichts bewegt, außer, daß Steuergelder für Staatsbesuche verprasst werden und die Politiker schon jetzt an ihrer Wiederwahl im Jahr 2009 arbeiten.

1. Zum Thema Armut in der Republik und zum Mineraliensammeln

Daß es ganz arme Menschen gibt, kann ich jeden Tag auf meinen Strassen sehen (hier in einer der deutschen Großstädte ballen sich die Obdachlosen und vom die System Verlassenen).

Aber das ist nur eine Seite von Deutschland ( aus meiner Sicht in Frankfurt am Main im Westen der Republik und mein eigener krasser  Exkurs ) :

Ich kenne, sehe , höre , treffe jeden Tag zahlreiche Harz IV-Empfänger mit Nebenjobs, die den Staat bescheißen und keinen Bock auf nen Job haben .
Junge Leute, die ihr Hauptintellekt auf Klamotten, Urlaub, Fressen und Saufen konzentrieren, jeder ab 17 muß n Auto haben,  in meiner Nachbarschaft 30-40 Pubs, Cafés, Bistros, Kneipen, die ab 17:00 Uhr gerammelt voll sind (und wo die Cola 3,50 € und ein Glas Bier 4.- € kostet),  die Sonnenbrille muß von Gucci sein und darf 350.- € kosten, dann die Alten ab 45 (Frührentner),  ausgebrannte Lehrer mit 38, Vorruheständler und Beamte, die mit 55 den Dienst aus Nichtmehrbelastbarkeit quittieren,  und echte Rentner ab 60, die zwar noch an der zweiten Eigentumswohnung (für den Sohn oder die Tochter) abzahlen, die aber alle, besonders die Ausgebrannten, die alle eine "zufriedenstellende Rente" beziehen, einen lockeren Tag schieben und sich mit ihrem Lieblingsthema Urlaubsplanung beschäftigen.
Die Urlaubsflieger sind voll, Mallorca ist voll, die Urlaubsautobahnen sind km-lang verstopft, die Restaurants sind voll, und die Arztpraxen sind voll, trotz 10.- € Quartalsbeitrag und 5.- € Medikamenten-Obolus. Mit dem Geld, was die Besucher der WM in Frankfurt verbraten haben, könnte man den Staatshaushalt von Somalia oder Kenia finanzieren. Oder mit dem Preis des Bush-Besuchs bei Frau Merkel ein paar schöne  Altenheime oder Schulen bauen. Und mit der Kohle, die tagtäglich in den abertausenden deutschen Kneipen verprasst wird, könnte man so manchen Haushalt sanieren.

Hie Armut - hie Dekadenz. Selbst gemacht oder gemacht worden ? Trend ? Zeitgeist ?

Und genauso gehts in der Mineralienszene zu. Hier findest Du alles und alle, Mineralien von 5.-€ bis 30.000 €,  arme Sammlern, die noch studieren oder Harz IV kriegen, bis zum Industriellen, für den ein Silberstüfchen aus Kongsberg zu 28.000 € n Pappenstiel ist.
In München und Sainte Marie, in Lyon, Turin und Bologna werden Millionen umgesetzt. Das kann ja nicht alles von den 30-40 €-Lots der Marokkaner kommen. Oder nur von den Amerikanern oder Japanern. Liege ich da falsch ?

Es gibt vom Mineralogical Record eine sehr schöne Sonderausgabe: "Geschichte des Mineraliensammelns".  Wenn man diesen speziellen Teil der Geschichte - seit dem 16. Jhdt. - nachvollzieht, wird klar und deutlich, daß Mineraliensammeln bis etwa Anfang der 1940er Jahre immer ein Betätigungsfeld für Privilegierte, Wohlhabende und "Wohltäter" war.  Erst seit etwa  Anfang der 60er Jahre (einhergehend mit steigendem Wohlstand der mittleren Klasse im Westen der Welt) wurde Mineraliensammeln zu einem "Hobby" für die "Masse".  Selbstverständlich möchte jeder auch gute Stufen in seiner Sammlung haben. Durch moderne Abbaumethoden bedingt, sind Mineralstufen aus Bergwerken allerdings im Gegensatz zum späten 19. Jhdt. bis Mitte 20. Jhdt. rar geworden, dementsprechend die Preise für Stufen aus diesen Epochen kaum bezahlbar für den Durchschnittssammler.  Seit etwa 1970 begann die Ära des "Stufensammelns" nur für Sammlerzwecke (specimen mining). Marokko, Brasilien und die USA gehörten zu den ersten Ländern, wo meist aus privater Initiative (oder wie im Falle von Marokko und Brasilien durch Eigenlöhner) Stufen für Sammler gesucht und gefördert werden. Diese Initiativen werden meist privat finanziert oder im Auftrag durchgeführt - wobei es offensichtlich ist, daß der Initiator/Finanzier erhebliche Gewinnabsichten in den Vordergrund stellt.

Da das alles so gut, aber nur von wenigen kapitalkräftigen Investoren durchgezogen wird, blieb es nicht aus, daß auch die "Armen", Arbeitslosen und Kapitallosen ein Stück oder ein paar Krumen vom Kuchen haben wollen; dies sind die Menschen, von welchen Don Ronaldo spricht.

Aber-der Mineralienatlas ist bestimmt nicht das adäquate Medium, um sich über die sozialen Probleme unserer Republik zu unterhalten. Und was die Preise für Mineralien angeht: Das ist so relativ, daß es kaum zu diskutieren ist. Jeder ist sich selbst der Nächste und zahlt, soviel er meint, zahlen zu müssen oder zu können oder zu wollen oder was ihm die Sache wert ist. Derjenige, der 350.- e für ne Sonnenbrille ausgibt, kauft eben auch nen Vanadinit für 1.000 €. Und derjenige, der nicht mal Harz IV bekommt, ist ja wohl kaum Mineraliensammler, resp. Käufer.

2. Lehmhütten in heißen Ländern

Wollte Dich nur aufmerksam machen, daß Mibladen am Rand des Hohen Atlas ( über 4.000 m) liegt und daß Schnee, Eis, abnorme Kälte und Hochwasser bei der Schneeschmelze einen großen Teil des Jahres ausmachen.
Und der Unterschied zum alten Fachwerkhaus ist ganz einfach: Keine doppeltverglasten Fenster, keine Unterputz-Stromleitungen, kein funktionsfähiges Klo oder Wachbecken, kein Innen- oder Außenanstrich, kein Kabelfernsehen, keine geflieste Küche etc etc. (dafür auch keine Bauauflagen).

3. Akanthit

Akanthite unterm Tisch in München ? Sonderbar. Seit Monaten kannst Du sehr schöne Akanthite für Preise zwischen 32.- bis 44.-  und ca. 80.- Euro in größerer Menge im Internet kaufen. (u.a. bei Elena VanScriver von "heliodor", die auch ein sehr umfangreiches Angebot preiswerter Stufen aus Dalnegorsk anbietet).

@Ulrich W

Alles was wir hier diskutieren, trifft nicht unisono nur auf Marokko zu (ist zufällig eines meiner Sammelgebiete). Du kannst genau das gleiche für Pakistan, China, Mali, Namibia und Mexiko schreiben. Die Bergungs- / Find-/ Fundumstände sind identisch, die sozialen Probleme sind identisch, die Armut der Steinesucher identisch. Und die Aufkäufer, Dealer, Händler sind auch identisch. Ebenfalls das tsunami-artige Preisgefüge zwischen Einkauf vom Eigenlöhner bis zum Verkauf an den Sammler.
Don Ronaldos könnten ebenso in einem dieser Länder sitzen und Konzepte schmieden. Ob diese dann in guter Absicht vorgestellt oder (wie Du sagst) "untergejubelt " werden, ist  Ansichtssache.

Im übrigen fühle ich mich nicht als Wohltäter, wenn ich um Preise feilsche (selbstverständlich tu ich das, das ist schon eine zwingende gute Sitte im Orient). Ich weiß aber irgendwann, wo für beide die Schmerzgrenze liegt und wo man sich einigen sollte. Und kommt dann der Kauf zustande, sind doch beide - Verkäufer und Käufer - zufrieden. Oder so sollte es sein. Das ist ein ganz normaler Geschäftsablauf und hat mit Wohltat überhaupt nichts zu tun.
Desweiteren : Gerade oder besonders in Marokko vor Ort sind die Preise für vernünftige Sammlerstufen (keine Topstufen !) bei den ansässigen Händlern genauso hoch wie in Deutschland oder in Frankreich. Preiswert kannst Du nur - eventuell - beim Eigenlöhner /Bergmann selbst kaufen - da der aber weiß, daß irgendwann ein Amerikaner oder Franzose kommt, der ihm nen höheren Preis bezahlt, musst Du schon verdammtes Glück oder Verhandlunsggeschick haben, billig einzukaufen oder ihm plausibel zu machen, warum er ausgerechnet an Dich für weniger als an einen Händler verkaufen sollte. (hier wird übrigens eines der Hauptprobleme bei Don Ronaldo's Idee sein)

Zuguterletzt ................
Ich bin der Meinung, wenn man von Beginn an nicht mit einer Sache sympathisiert und wenn man da Gefühl hat, verarscht zu werden, sollte man garnicht erst mit Meckern und Diskutieren anfangen.  Niemand zwingt Dich, Don Ronaldo's Konzept für gut zu befinden, und niemand zwingt Dich,  dieses Konzept zu kritisieren und abzuwerten.

In diesem Sinne
gruß
collector


 

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