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Autor Thema: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko  (Gelesen 39347 mal)

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Offline UlrichW

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #75 am: 20 Aug 06, 01:39 »
@Don Ronaldo

Kleiner Witz:

Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm - beim Wessi ist es andersrum! ;D ;D

Ok, angekommen. Um um des Ausgleichswillen tauschen wir einfach mal Wessi gegen Ossi aus!

Hallo Leute,

das ich nicht so ganz glücklich bin mit dem Gebahren im Mineralienhandel scheint wohl ausser Frage zu stehen. Aber was hier losgetreten wurde, ist eines Deutschen und eines Europäers unwürdig. Soweit ich mich erinnern kann, gehören die Landesteile die heute grosszügig als "Neue Bundesländer" tituliert werden, schon seit Jahrhunderten zum deutschen Siedlungsgebiet. Da konnten auch ein paar machtgierige Russen und ihre deutschen Helfershelfer nichts dran ändern. Ob Paule nun aus Dresden oder München, ob aus Hamburg oder Plauen kommt, das ändert doch nichts an der Tatsache, daß er a) ein feiner Mensch ist (A-Löcher gibt es überall zu Hauf) und b) die gleiche Sprache spricht. Für mich ist auch die jüngere Geschichte ein teil der eurpäischen Geschichte, und wir alle sind ein Teil der grossen europäischen Familie.
Wenn man sich ein bischen mit der alten Historie der berühmten Bergstädte beschäftigt, wird einem schnell klar, daß unsere Volker so stark miteinander verbunden sind, wie es sonst kaum eine Region auf der Erdkugel vorweisen kann. Und dann frage ich mich, woher dieses gegenseitige sich Abgrenzen kommt. Sind wir wirklich schon so dressiert worden von der "Weltpolitik" oder dient diese "Gegenerschaft" doch eher politischen Zielen? Seis drum, ob Wessi oder Ossi, wir fröhnen alle dem gleichen Hobby.

AN DON RONALDO

Ich habe in einem deiner letzten Postings gelesen, daß Du beklagst, daß die Marrokkaner dan irgendwann mal keine größeren Stufen mehr mitbringen werden, so ungefähr: "nur kleine Stufen".

ich glaube, daß Du hier zweierlei auf dem Holzweg bist.

1. Grössere Stufen von gehobener Qualität werden in Deutschland von einer kleinen aber zahlungskräftigen Kundschaft verlangt. Diese kauft diese Stufen aber nichtr irgendwo in Deutschland, sondern von ausgesuchten Händlern, und dann meist in München. Derartige Stufen werden immer ihren Preis haben und auch bringen. Die Mehrheit der Sammler schüttelt aber bei den preisen nur noch den Kopf und sucht sich eine kleine "Kopie" der Topstufen.

Das Gejammer um die Marokkaner betrifft also nicht die wenigen Spitzenleute, die finanziell wie auch von den Verbindungen her, in der Lage sind diesen Markt zu bedienen. Du must verstehen, daß wer 2000 Euro auf den Tisch blättert, dies nicht in Unterneutupfing tut, sondern a) in München oder bei bei dem Händler seiner Wahl zuhause.

Die Masse von uns Sammlern in Deutschland kann diesem Trend nach immer teureren und excuisiteren Stufen nicht folgen, schon alleine aus finanziellen Gründen nicht.
Schau Dir deine "Zielgruppe" mal genauer an. Die folgenden Angaben sind reine Schätzung und basieren nur auf meinen Erfahrungen und Beobachtungen.

10% sind reine Lokalsammler, also Clara-Freaks, Erzgebirgische, Eifeler, alpine Bergdohlen usw. usw. Ihre Sammlungen sind meist sehr gross.

50% sind "Alles-sammler" mit einigen Schwerpunkten im Bereich Lagerstätten und spezieller Minerale. Auch diese Sammlungen sind sehr gross und da diese Leute ein vielgefächertes Interesse haben, auch ständigen Wachstum unterzogen. Das bedingt in der regel einen gewissen Platzmangel.

20% sind Spezialisten im Bereich  Systematik, meist reine Micromounter. Platz ist hier deswegen ein problem, weil diese Sammlungen oft mehrere zig10.000 Micros umfasst.

10% sind Grosstufensammler mit Lokalcolorit. Die Sammlungen umfassen oft nur wenige hundert Stufen.

10% sind Sammler von Grosstufen ohne spezielle Festlegung (schön ist Grund genug!). w.o.

Also die 10% Lokalsammler kannst Du vergessen, die wollen nichts von ausserhalb ihres Gebietes.
die 20% Systematiker wollen auch nur die seltenen Sachen, die naturgemäss nicht in grösseren Mengen vorkommen. Die zahlen aber dann jeden wahnwitzigen Preis, hauptsache es ist selten genug (ich hab schon Micromounts für über 1000US$ gesehen)

die 10% Grosstufensammler mit Lokalcolorit verhalten sich fast genauso die die ersten 10%

Verbleiben noch die 10% Sammler von Grosstufen. Die sind dein anvisierter Markt, zahlungskräftig und willig, wenn die Qualität stimmt.

Und was ist mit den 50% "Allessammler".

Schauen wir uns diese doch mal genauer an:
Alle sammlen jede Stufengröße, reine Micromounter sind weniger dabei, denn alle bevorzugen ein bischen größere Stufen, also so um halbe "Zigarettenschachtelgröße". Micros sind oft nur die Sahne auf dem SAmmlungskuchen, also extrafeine Stüfchen oder Raritäten. Diese Sammler sammeln sowohl Lokal als auch weltweit.
ABER: Der wichtigste Grund für diese Sammler etwas zu sammeln ist der, daß es schön, interessant und preiswert sein muss. Und es darf nicht zu gross sein, denn der Sammler will für sein Geld eventuell mehrer Stückchen haben, da diese unterschiedliche Formen, Farben usw. zeigen. Das kannst Du auf jeder Börse beobachten, die kleinen Stufen sind ratzfatz weg, und die grossen kannst Du Dir jedes Jahr wieder auf der Börse ansehen. Sie sind schlichweg schwerverkäuflich.

WARUM?

Nun, die Topstufen eines Fundes finden schnell ihren Weg in die Sammlungen betuchter Genossen, die kleinen, aber qualitativ guten Stüfchen aufgrund des viel geringeren Preises auch. Was bleibt ist die Masse der mittelgrossen Stufen mittlerer Qualität. Und dafür, also für mittlere Qualität, gibt kein Mensch mehr viel Geld aus. Wohlbemerkt, das gilt nur für aussereuropäisches Material.

Da ich annehmen muss, daß Du als "Einsteiger" in das Mineraliengeschäft nicht über die Kontakte und das Ansehen verfügst, Top-Qualitäten zu erstehen, bleibt Dir nur die mittlere Qualität. Und wie gesagt, da sieht es Mau aus.

Wenn Du aber, die so verschähten kleinen Stüfchen in preiswerten Chargen anbietest und dazu noch es schaffst die Zahl der verschiedenen Mineralien hoch zu halten, dann sollte ein Export gelingen. Denn ein Händler der eine Kiste mit kleine Stüfchen zu geringem Preis auf den Tisch stellt, der wird schnell und viel verkaufen. Und wenn viel verkauft wird, wird auch mehr achgefragt. Und wenn Sammler schon den 25. Vanadinit (oder den 12. Azurit oder was sonst nich so kommt) kauft, dann will er irgendwann auch mal eine große Stufe. Aber dazu braucht es Zeit. Was aber definitiv in die Hose geht ist, kleinen Ramsch zu verhökern, Qualität muss sein.

Daher empfehle ich Dir dennoch zweigleisig zu fahren. Grosse gute Stufen in den Handel und kleine nette Kleinstüfchen Lotweise zu den Sammlern. Ist es preiswert und gut, wirst Du dich vor Anfragen kaum retten können. Und nebenbei lernen die Finder auch noch die kleinen Dinge zu schätzen und auf seltenere Bildungen zu achten. Das wiederum erhöht das Interesse an marokkanischen Mineralien für die breite Masse, was zu höheren Umsätzen führt. Allerdings ist es einfach mehr Arbeit, aber so ist das: Ohne Fleiss keinen Preis.

Auch deine Absichten sind so leichter zu erfüllen. Wenn z.B. ich Dir 50Euro für ein Lot auf eine Bank überweise, kannst Du Dir selbst ausrechnen wieviel du behältst und wieviel Du weitergibst. Das geht uns nichts an und eigentlich interessiert es auch keinen wirklich. Aber was uns interessiert sind nette Mineralien zu bezahlbaren Preisen. Wie gesagt, die Mehrheit der Sammler ist nicht an Topstufen interessiert, da sie diese sowieso nicht bezahlen kann.

Noch eine Bitte Don, vertue dich bitte nicht mit der Zahlungskraft der Masse der deutschen Sammler.  Wir sind von Euro und den Steuern mittlerweilen so gebeutelt, daß die meisten nur noch dann 50Euro ausgeben wenn es sich wirklich lohnt, in Qualtität und Qualität. Und dann kommen lokale Stufen vor deutschen Stufen vor europäischen Stufen, und dann erst eventuell Marokko, denn die Chinesen, drängen auch massiv auf den Markt. Lasse dich auch nicht von den Besucherzahlen in München oder St.Marie täuschen. Der Umsatz der Händler wird mit wenigen Top-Sachen gemacht, und dass bei 10.000 Besucher auch einige hundert Leute dabei sind die Geld reichlich ausgeben könen ist klar. Aber der Massenmarkt denkt da anders. Das kannst Du auf jeder Börse in Deutschland beobachten. München und St.Marie sind nur zwei Börsen, aber die Grosshändler verkaufenb auch an unzählige Händler, die die kleineren Börsen bedienen.

Sei auch bitte nicht so naiv zu glauben, daß jeder inetressierte Händler sich deinen Ideen verschrieben hat. Er hofft nur günstig an Ware zu kommen. Was mit den marrokkanischen Findern ist, interessiert ihn bestenfalls an vierter Stelle. Vorher kommt der Umsatz, ob München gewonnen hat und ob der neue Daimler bald geliefert wird. Lass dich auch nicht von so Dingen wie EBAY täuschen. Was da einen guten Preis erzielt, hätte ihn auch auf jeder Börse erzielt, aber das sind nur 1-2 unter 1000 Anzeigen. Der Rest ist Müll, den jeder SAmmler gerne wieder eingräbt.

Grüsse
Ulrich

Offline DonMineral

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #76 am: 20 Aug 06, 22:54 »
@an UlrichW

Danke Ulrich,

das ist ja doch mal eine konkrete Aussage mit der man was anfangen kann, und die Hand und Fuss hat.
Ich habe mir sie rauskopiert und werde sie in Ruhe bearbeiten. Sie liegt nicht so weit von meinem Grundgedanken.

Ich werde in diesem Sinne weiterarbeiten und so anbieten,. Dass das Geld nicht mehr so locker sitzt ist mir schon bekannt. Das ist inzwischen in vielen Branchen so und hat sich schon auf den Messen mit anderen Artikeln vor 5 Jahren abgezeichnet.

Herzlichen Dank an Dich und meine Bitte an die anderen schreibt weiter so interessante Beiträge an denen man sich orientieren kann.

Gruß Don Ronaldo

Offline uwe

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #77 am: 21 Aug 06, 08:56 »
OK, wir sollten diese Blödsinnige Diskussion beenden.

Aber eine Aussage von diesem Don Ronaldo möchte ich nicht so stehen lassen:

Ich war Mitglied einer Bürger-Gruppe im damaligen Karl-Marx-Stadt, die in den letzten Montaen der DDR aktiv an der Veränderung mitgearbeitet hat. Die Kirchen haben wir als Plattform benutzt um die Bevölkerung zu aktivieren. Gebetet hat da aber  keiner. Von Beten ist die Wende in der DDR  bestimmt  nicht gekommen.

Gruß
Uwe

couchmolch

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #78 am: 22 Aug 06, 08:42 »
Hallo, Don Ronaldo,

na dann, erstmal viel Glück mit deinem Projekt.  Es ist ja zu begrüßen, das sich vor Ort jemand für die Einheimischen Bergleute und Verkäufer einsetzt. Wäre zu begrüßen, wenn das klappt.

Preise vor Ort: Ich bezahle für eine Stiege Mineralien von 20 - 50 Euro, kleine bis mittelgroße Stücke. Rechne ich noch meine Fahrkosten
von ca. 900 Euro und die Börsenmiete dazu, kann sich jeder ausrechnen, was die Stücke hinterher koste. Lohnt sich also nur, wenn man große Mengen einkauft. Könnte man genausogut in München einkaufen.
Man braucht sich keine Illusionen zu machen. Es sind so schnell nicht zehntausende von Euros zu verdienen  Das geht nur mit Spitzenstufen. Der Kleinkram bringt nicht so viel.
Ich habe meistens meinen Transporter mit Bekleidung vollgeladen, Fahrräder, Fernseher usw, dazu. Ist für viele besser als Bargeld.
Den Leuten, die gegen Mineralienhandel sind, sei gesagt, ich versuche auch nur, die Fahrkosten durch den Verkauf der Mineralien  wieder hereinzuholen, denn ein Urlaub mit Auto ist viel, viel teurer als eine Pauschalreise, dafür erlebt man aber auch viel mehr.

Die "Bergleute" werden von den eigenen Leuten, die als Händler bei denen einkaufen, preislich beschissen. Kaum einer der vielen
Arbeiter bekommt Besuch aus dem Ausland. Wer klopft schon an eine Lehmhütte und fragt nach Mineralien? Die Fremden, die z. B. Mibladen anfahren, werden schon vorher abgefangen und zu den ortsansässigen Händlern gelotst.

Beim nächsten Besuch in Midelt/Mibladen werde ich Don Ronaldo sicher besuchen und mal schauen, was Sache ist.

P.S.

Wer gerne selber mal nach Maroc fahren will, kann mich gerne kontaktieren, Infos zu div. Fundstellen gebe ich gerne.


Gruß

der Couchmolch aus Haan

Offline DonMineral

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Re: Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko
« Antwort #79 am: 23 Aug 06, 17:11 »
@an Uwe,

warum nimmst du mir meine Illusion. Ich dachte alle Brüder im Osten (um das unschöne Wort Ossis zu vermeiden) seien gläubig und haben die Wende durch beten erreicht und ihnen wurde Gehör verschafft..

Es ist nur interessant über SINNvolles zu diskutieren, und sich nicht mit Dreck zu bewerfen .
Ich bin wirklich nicht voreingenommen und mir wurde das mir den paar Scherzen gleich auf die falsche Schale gelegt um mich zu ärgern. Wer unter 50.000 Berbern lebt und mit ihnen gut zurechtkommt, und früher Importkonzepte für Chinesen, Phillipienen und Inder aufgebaut hat, ist bestimmt kein Rassisst, sonder kommt mit allen nur zurecht, wenn er eine sehr lieberale ausgleichende gesinnung hat.

also an alle Ossis, kommt gerne nach Midel im Atlas und besucht und einmal, aber vorher machen wir eine Woche Kultur in Fes/Meknes, damit ihr auch da was mitbekommt. Die Welt  besteht zwar aus Stein, Erde und Wasser aber nicht nur aus Mineralien.

Herzlichst Don Ronaldo