Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Bestimmung von Funden / Determination of findings => Deutschland / Germany => Thema gestartet von: Achim am 23 Oct 10, 17:10

Titel: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Achim am 23 Oct 10, 17:10
Hallo,

der Rhyolithsteinbruch Rehberg im Spessart ist nach meinem Kenntnisstand mineralogisch nicht gerade ergiebig. Bei meinem Besuch vor ca. 4 Wochen sind mir einige wenige rundliche Einschlüsse /Verfärbungen aufgefallen.

Anbei Bilder eines Stücks (ca. 80 * 55 * 50mm) welches ich geschnitten und anpoliert habe. Der Rhyolith im oberen Bereich des Bruchs ist relativ porig, die Farbe geht merklich in Lila.



Um was könnte es sich hierbei handeln?

Glück auf

Achim
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: uwe am 23 Oct 10, 18:26
Könnte es sich hier um einen sogenannten "radioaktiven Hof" handeln ?

Uwe
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Goldi85 am 23 Oct 10, 18:36
Hallo,

ich würde (rein vom Aussehen her) auf eine Rhyolithkugel im Muttergestein tippen. Der Steinbruch war doch für Achate im Rhyolith bekannt?

Gruß  Daniel
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: berthold am 25 Oct 10, 11:12
Hallo,

sicher kein radioaktiver Hof. Ich vermute eher dass das ein Xenolith ist.

Gruß
Berthold
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Erik am 26 Oct 10, 23:08
Hallo,

J.Lorenz erwähnt auf seiner Seite von der Hartkoppe alterierte Partien/Flecken bzw. Reduktionshöfe, wo der Hämatit der Grundmasse (der dem Gestein die rötliche Farbe gibt) entfernt wurde. Vgl.: http://www.spessartit.de/32gestei.htm (etwa Mitte der Seite). Ich vermute dass es sich dabei darum handelt.

Ich sehe gerade dass er auch vom Rehberg diese Bleichungshöfe erwänht: http://www.spessartit.de/286.htm

Gruß, Erik
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Jan89 am 26 Oct 10, 23:57
Würde gegen die Xenolith-These nicht sprechen, dass innerhalb des Bereiches Einsprenglinge vorhanden sind - so wie im restlichen Gestein?
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: berthold am 27 Oct 10, 08:33
Hallo,

Zitat
Würde gegen die Xenolith-These nicht sprechen, dass innerhalb des Bereiches Einsprenglinge vorhanden sind - so wie im restlichen Gestein?

Mir scheinen in der Kugel die dunklen Bestandteile (Biotit ?) des umgebenden Gesteins zu fehlen (das ist recht gut auf dem zweiten Bild zu erkennen). Eine einfache "Bleichung", Reduktion oder Nicht-Oxidation von Fe würde anders aussehen. Ich vermute einen Xenolith der entweder bei weitgehender oder kompletter Aufschmelzung resorbiert wurde und ursprünglich einen ähnlichen Mineralbestand hatte. Oder einen Xenolith aus einer Differenzierung der Schmelze.

Gruß
Berthold
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: openpit am 27 Oct 10, 15:30
Hallo,

ich denke auch, dass es sich um einen Bleichungshof handelt. Auf der von Erik verlinkten Seite werden zwar auch Xenolithe erwähnt, und gezeigt, jedoch handelt es sich laut Text um Gneis, welcher auf den Bildern keinerlei Reaktionssäume mit dem umliegenden Rhyolith zeigt.
Falls die Verfärbung durch einem Xenolithen (als Hof um diesen) geschuldet ist, denke ich, dass dieser nicht aufgeschmolzen wurde, sondern noch weitgehend intakt vorliegt. Lediglich durch Anschnittseffekte ist dieser nicht sichtbar. Dafür sprechen die von Jan erwähnten Einsprenglinge in der gebleichten Zone, welche ebenfalls in den unveränderten Bereichen zu erkennen sind. Die von Berthold genannten dunklen Bestandteile kann ich nicht von den Quarzen unterscheiden.

Glück Auf!
openpit
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: berthold am 27 Oct 10, 16:03
Hallo,

im Anhang ein vergrößerter Ausschnitt vom zweiten Bild. Ich denke man kann zwei Dinge deutlich sehen:

1. Eine scharfe Grenze zwischen heller Kugel und Gestein
2. Eine dunkle Komponente im Gestein, die in der Kugel fehlt (im Schnitt länglich, ich halte das für Biotit)

Ich bleibe dabei: resorbierter Xenolith
 
Gruß
Berthold
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Achim am 04 Nov 10, 10:16
Hallo,

ich habe mich an den Spessartspezialisten direkt gewendet. Die Auskunft:

"es handelt sich einfach um einen Reduktionshof, wie diese in dem Rhyolith sehr häufig vorkommen.
Glück auf!
Joachim Lorenz"

Dumme Frage: was ist ein Reduktionshof? Googlen hat mir hier nicht (unmittelbar) weitergehofen

Glück auf

Achim
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: cmd.powell am 04 Nov 10, 17:19
Hallo

Der "Reduktionshof" ist ein Bereich, in dem durch bestimmte chemische Bedingungen einige Elemente ihre Oxidationszahl ändern. Viele Elemente können in verschiedenen Oxidationszahlen vorkommen, bestes Beispiel ist hier das Eisen, welches zweiwertig (Fe2+) oder dreiwertig (Fe3+) sein kann. Fe2+ ist blassgrün und bildet besser wasserlösliche Verbindungen als Fe3+, welches rotbraun ist (Rost oder Limonit z.B.). Wenn die Oxidationszahl von Eisen von 3+ auf 2+ reduziert wird, entfärbt sich scheinbar das Mineral und so entsteht dann ein solcher Hof (eine Erhöhung der Oxidationszahl heißt "oxidation"). Begrenzt wird dieser durch die Reichweite der reduzierend wirkenden Lösung im Gestein.

P.S.: Mit bloßem Auge sichtbare Entfärbungshöfe durch radioaktive Strahlung gehören übrigens ins Reich der Legenden, da die Ionisierenden Strahlen nur wenige µm Reichweite in fester Materie haben - die kommt ja schon in der Luft nicht sonderlich weit. Mit dem Mikroskop lassen sich solche Entfärbungshöfe jedoch in vielen Mineralen beobachten - aber eben nur mit dem Mikroskop. Alle makroskopischen Erscheinungen, auch um radioaktive Minerale, gehen auf chemische Prozesse (Reduktion oder Oxidation) zurück.
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: berthold am 04 Nov 10, 17:35
Hallo,

in dem Beispiel sehe ich aber nach wie vor keinen Reduktionshof. Die dunklen Bestandteile des Gesteins (Biotit ?) sind ja nicht entfärbt (sondern in der Kugel einfach nicht vorhanden). Mittels Dünnschliff könnte man die Sache sicher klären. 

@ cmd.powell: "die Ionisierenden Strahlen nur wenige µm Reichweite in fester Materie haben" Soweit Du nur die alpha-Strahlung betrachtest ist das richtig. Jedoch kann auch gamma-Strahlung farbverändernde Wirkung (z.B. Fehlstellen aktivieren) auf Mineralien haben.

Gruß
Berthold
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: cmd.powell am 04 Nov 10, 17:51
@Berthold

Es ist richtig, das auch die gamma-Strahlung färbt/aktiviert. Aber die gamma-Strahlung sollte keinen so scharfen Rand hinterlassen, da sie sicherlich nicht exakt zwei-Zentimeter weit kommt. Hier sollte also ein eher difuser, weitläufiger Hof entstehen, der mit der quadratischen Regel des Abstands übereinstimmt. Die typischen "Strahlungshöfe" in z.B. Glimmern sind teilweise so scharf, das man anhand der Entfernung zum Ursprungsort (im Falle der Glimmer meist Zirkon) sogar aussagen über das Element aus der Zerfallsreihe treffen kann, welches die Strahlung emittiert hat (siehe z.B. "Lehrbuch der Mineralogie" von Prof. Rößler, Seite 135).
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: berthold am 04 Nov 10, 18:04
Hallo Markus,

Zitat
Aber die gamma-Strahlung sollte keinen so scharfen Rand hinterlassen, da sie sicherlich nicht exakt zwei-Zentimeter weit kommt.

richtig. Ich sage zur der Bildung ja nach wir vor Xenolith.

Zitat
... sogar aussagen über das Element aus der Zerfallsreihe treffen kann, welches die Strahlung emittiert hat (siehe z.B. "Lehrbuch der Mineralogie" von Prof. Rößler, Seite 135).
auch richtig, da hättest Du auch mich zitieren können  ;D: WEBER, B. (2010) Halos und weitere radioaktive Erscheinungen im Wölsendorfer Fluorit. Der Aufschluss 61: (Heft 2, März-April 2010), S. 107-118. Darin habe ich einen Vergleich von (in Fluorit-Dünnschliffen) gemessenen mit berechneten alpha-Reichweiten in CaF2 für alle Isotope der U238-Reihe gegeben.

Gruß
Berthold
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Erik am 04 Nov 10, 18:16
Hallo,

ich kenne den Rhyolith aus Sailauf ziemlich gut und behaupte auch, dass das Reduktionshöfe sind. Biotit ist in dem Gestein nur sehr untergeordnet vertreten. Die dunklen länglichen Bestandteile sind einfach durch Hämatit gefärbte schlierige (= Fluidalgefüge), glasige Matrixpartien. Der vorhandene Biotit, den ich auf den Bildern aber nicht sehe, existiert auch in diesen entfärbten Bereichen - allerdings ist er dort (wie die Matrix) auch völlig ausgebleicht und nur dann zu erkennen, wenn man auf die Spaltflächen blickt.

@ Achim - hast Du das 2. Bild in der Originalversion da?

Gruß, Erik
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: berthold am 04 Nov 10, 18:21
Hallo Erik,

dann drei Fragen:

- zu was soll/könnte der Hämatit dann reduziert sein?
- was hat zu der Reduktion geführt?
- warum ist der Reduktionsraum so scharf begrenzt?

Gruß
Berthold
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: cmd.powell am 04 Nov 10, 18:22
Hallo Markus,

Zitat
Aber die gamma-Strahlung sollte keinen so scharfen Rand hinterlassen, da sie sicherlich nicht exakt zwei-Zentimeter weit kommt.

richtig. Ich sage zur der Bildung ja nach wir vor Xenolith.

Zitat
... sogar aussagen über das Element aus der Zerfallsreihe treffen kann, welches die Strahlung emittiert hat (siehe z.B. "Lehrbuch der Mineralogie" von Prof. Rößler, Seite 135).
auch richtig, da hättest Du auch mich zitieren können  ;D: WEBER, B. (2010) Halos und weitere radioaktive Erscheinungen im Wölsendorfer Fluorit. Der Aufschluss 61: (Heft 2, März-April 2010), S. 107-118. Darin habe ich einen Vergleich von (in Fluorit-Dünnschliffen) gemessenen mit berechneten alpha-Reichweiten in CaF2 für alle Isotope der U238-Reihe gegeben.

Gruß
Berthold

Ach, Du warst das !? Cool  8) Der Artikel hat mir gefallen und war - zur Abwechslung - mal wieder ein interessanter im Aufschluss.

Ob das Teil da auf dem Foto ein Xenolith ist oder ein Reduktionshof, könnte ich so auch gar nicht sagen. Ich hab eigentlich nur auf die Frage: "Was ist ein Reduktionshof" von "Achim" geantwortet. Das Thema "radioaktive Höfe" kenne ich von Helgoland, da gibt es die sogenannten "Fischaugen", kleine Cupritkonkretionen mit hellem Saum in rotem Buntsandstein, auch da gibt es die Gerüchte, das die durch radioaktive Strahlung entstanden wären. Ist natürlich Quark, sind typische Reduktionshöfe. Manche der "Fischaugen" sind in der Tat schwach radioaktiv, aber dafür benötigt man schon besonders empfindliche Geigerzähler, um die überhaupt aus der Hintergrundstrahlung zu messen.
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Achim am 04 Nov 10, 18:26

@ Achim - hast Du das 2. Bild in der Originalversion da?

Gruß, Erik

Hallo Erik,

anbei ein Bildausschnitt in voller Auflösung des Originalbilds

Glück auf

Achim
Titel: Re: Rhyolith vom Rehberg ...
Beitrag von: Erik am 04 Nov 10, 18:58
- zu was soll/könnte der Hämatit dann reduziert sein?
- was hat zu der Reduktion geführt?
- warum ist der Reduktionsraum so scharf begrenzt?


Die Entstehung dieser alterierten Bereiche ist meines Wissens (noch) nicht geklärt, daher habe ich darauf auch keine Antwort. Meiner Meinung nach lässt sich auf Achims Bildausschnitt aber erkennen, dass sich diese dunklen Schlieren auch in dem entfärbten Bereich - nur eben hell, also entfärbt - fortsetzen.

Generell spricht gegen die Xenoliththeorie auch, dass diese Bereiche im Rhyolith von der Hartkoppe (Rehberg weiß ich nicht) massenhaft auftreten (vgl: http://www.spessartit.de/32gestei.htm , das leider etwas zu kleine Bild, Seitenmitte - die hellen Flecken erkennt man trotzdem). Und solche Xenolithe sind nirgends beschrieben - Reduktionshöfe allerdings schon (zB. Eräuterungen zur geol. Karte etc). Als Xenolithe
treten dort nur Gneise, selten Pegmatite und Amphibolite auf - vgl: http://www.spessartit.de/32xenoli.htm

Grüße, Erik