Steine gestalten
Grosse Steine müssen zunächst mit Hammer und Meissel "präpariert" sein.
Die Schleifscheiben der Maschine begrenzen den Gestaltungsfreiraum: ich kann jede konvexe Fläche (nach Aussen gewölbt) formen, Konkavflächen (nach Innen gewölbt) aber sind beschränkt durch die Rundung der Scheibe.
Welche Elemente sind bei der Gestaltung massgebend?
1. Der rohe Stein hat eine nicht ganz zufällig begrenzte Form. Das von Spaltflächen begrenzte Volume hat Struktur. Eine Struktur die von der Beschaffenheit des Material herrührt.
Für die Gestaltung ist die Struktur eine erste, entscheidende Gegebenheit.
2. Die Oberfläche des Steines, die reine Bildstruktur der Fläche, zeigt Bewegungsrichtungen, Schwingungen des Materials, die nicht unbedingt identisch mit der Spaltflächen sind, die aber Gestaltungs-Fantasie entscheidend lenken.
3. An der Scheibe halte ich den Stein - unabhängig von der Schwerkraft - in allen möglichen Positionen.
3.1. Ist der Stein klein (zB. 80X50X30mm), so bekommt er keine Ausrichtung im Raum. Es gibt im eigentlichen Sinne gar kein Oben und Unten, denn was Oben ist, ist im nächsten Augenblick Unten. Ich habe den Stein aber beständig in der Hand, ertaste die Flächen, spüre die Verhältnisse, die die Flächen zueinander haben, prüfe die Proportionen der Flächen zueinander, sehe die sich verändernde Struktur. Es ist ein fortwährendes Spiel von Aktion und Reaktion gefragt, bis sich für das Empfinden eine neue Einheit ergibt.
3.2. Ist der Stein gross (zB. 200X150X 1200mm) so suche ich meistens eine Standfläche. Stelle den Stein nach jedem Schleifvorgang auf die Standfläche und überprüfe dann erst die Gestalt. In diesem Falle entsteht ein bewusst gestalteter Bezug zur Schwerkraft.
4. Ist die Form auf der groben Scheibe (80 Korn) annährend fertig, steigere ich den Ausdruck auf die nächste Scheibe (240 Korn). Stimmen alle Flächen und ist die Oberfläche befriedigend, fangt der Poliervorgang an: 280 Korn, 600 Korn, 1200 Korn, entweder gleich auf die Polierscheibe mit Polierpulver oder (eher selten wähle ich noch das 3000 Korn).
Zeitdauer: kleine Steinen, die nicht all zu hart sind ca. 2 Stunden Arbeit
Grössere Steinen in der Regel zwischen 4 und 6 Stunden
Grosse Steine: daran arbeite ich immer mal wieder für kurze Zeit. Vielleicht ein bis vier Monate.
Hier sind einige Ergebnisse
Wer sich für die Maschine interessiert, soll unter der Rubrik: Werkzeug/tools schauen
Gruss
Hans van der Heide
A = Lepidolit
B = Marmor
C = Gneis
D = Rauchquarz
E = Hämatit
F = Regenbogenobsidian
F (gross) = Serpentin (Peru)
G = Labradorit
H = Gneis
J = Granit
K = Quarz
L = Quarzit