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Autor Thema: Was könnte das sein? / vmtl. Boulangerit  (Gelesen 5025 mal)

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Offline Hank

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Was könnte das sein? / vmtl. Boulangerit
« am: 22 Nov 08, 15:00 »
Glück Auf!

beim Neusortieren unserer Sammlung der Berufsschule in Freiberg is mir dieses Stück hier in die Hände geraten.
Leider gibts keine Zuordnung, aber ich denke, daß es ausm Erzgebirge stammt ( Vermutung lag nahe  ;) ).
Da meine Kamera nich mehr Schärfe hergibt, beschreib ich das mal:

- eine sulfidische Gangparagenese
- Nebengestein könnte ein Tonschiefer sein
- von außen nach innen folgende Abfolge:
      Chalkopyrit ( noch im Nebengestein )
      dann Quarz ( massiv ) mit hell- und dunkelgrau metallischen Zeugs ( Arsenkies und Zinkblende oder so )
      und DANN kommen kleine Quarzdrusen ( mit gut ausgebildeten Kristallen ) und da drauf stängelig bis nadelige Aggregate, die 
      silbergrau glänzen und biegsam sind.
Habt ihr ne Ahnung was diese nadeligen Dinger sein könnten?
« Letzte Änderung: 20 May 16, 22:32 von oliverOliver »

Offline -M-

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #1 am: 22 Nov 08, 15:16 »
Hallo,
wenn sie wirklich biegsam sind, kommt nicht all zu viel in Frage.
Würde sagen Bismuthinit oder Antimonit.

Gruß -M-

Haldenschreck

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #2 am: 22 Nov 08, 15:20 »
oder boulangerit/falkmannit ...

Offline -M-

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #3 am: 22 Nov 08, 15:34 »
Rein optisch gäbe es durchaus noch einige andere in Frage kommende,
aber wenn man die milde Tenazität als Kriterium einbezieht, dann fallen
halt alle spröden raus ... also auch Boulangerit, etc.

Gruß -M-

Offline thdun5

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #4 am: 22 Nov 08, 15:42 »
Ohne den Fundort ist sicherlich allein nach Beschreibungen schwer zu urteilen.
Da würden diverse Pb, Bi, Ag - Sulfide in Frage kommen (von anderen gehe ich nach den Beschreibungen erst einmal nicht aus).
Versuch doch einmal noch ein besseres Bild hinzubekommen, dann könnte der eine oder andere evtl. weiterhelfen.

Offline -M-

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #5 am: 22 Nov 08, 15:59 »
zitat: "...Ohne den Fundort ist sicherlich allein nach Beschreibungen schwer zu urteilen..."

Ne gute Beschreibung ist m.M.n. oftmals hilfreicher, als eine genaue Fundortangabe -
wenngleich sie nat. nicht von Nachteil wäre.

zitat: "...Da würden diverse Pb, Bi, Ag - Sulfide in Frage kommen..."

Aber eben nur die mit einer milden Tenazität, und da dünnt es dann merklich aus.

zitat: "...von anderen gehe ich nach den Beschreibungen erst einmal nicht aus..."

Kann mir kaum  vorstellen, woran du da denken könntest.

Gegen ein besseres Bild hat sicher niemand was einzuwenden ... ob es in Bezug
auf eine Bestimmung wirklich helfen würde, ist ne andere Sache.

Gruß -M-

Offline smoeller

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #6 am: 22 Nov 08, 16:02 »
Hallo,

Das Mineral im Nebengestein: Pyrit, kein Chalkopyrit. Ist aus Sb-Erz-Vorkommen allgemein bekannt.

Würde von einem Bleispießglanz (Boulangerit oder Jamesonit) ausgehen. Dazu passt auch die restliche Paragenese.

Wie wäre es mit Wolfsberg im Harz als Fundstelle? Im Erzgebirge waren derartige Paragenesen eher selten. Beschrieben sind unter anderem Silbersulfosalze wie Owyheeit von Bräunsdorf bei Freiberg, Berthierit von Mobendorf (Freiberg) und Venusberg, seltener auch Bleispießglanze im Freiberger Revier.

Möglich als Fundort wäre auch Rumänien.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Hank

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #7 am: 22 Nov 08, 16:15 »
Das Mineral im Nebengestein bzw am Salband glänzt aber nich wie Pyrit, sondern eher so bissl rötlich, deswegen hab ich vermutet, daß es Chalkopyrit sein könnte. Es ist auch etwas weicher ( ca 4 nach MOHS ) als "normaler" Pyrit ( 6,5 nach MOHS ).
Aber Harz als Fundort wäre möglich, da das ein Kartiergebiet von uns ist.
Boulangerit würde passen mit seiner haarigen Ausbildung und flexiblen Struktur.
ich hab mich grad noch um ne ordentliche kamera gekümmert und denke, daß ich morgen
ein besseres Bild nachliefern kann.


vielen dank erst mal

mfg Hank

Offline -M-

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #8 am: 22 Nov 08, 16:30 »
Hallo,

@ Smoeller - dann traust du der angegebenen Tenazität nicht ?
Ich meine, natürlich ist eine sogenannte milde T. keine ganz eindeutige Sache, (von spröde ins Milde bis fast schon duktil),
aber meiner Erfahrung nach sind die vorgeschlagenen Pb-spießglanze, selbst in dünnsten xx eigentlich nicht wirklich milde,
sondern oft sogar sehr spröde. (das Auftreten in gebogenen Individuen, kann nat. zu der Annahme verleiten, daß sie milde
sein müßten, und gerade rel. lange xx können tatsächlich biegsam sein, allerdings ist auch eine große Platte aus sprödestem Glas,
in gewisser Weise biegsam ...)
Rein optisch ist gegen die Annahme Boulangerit, etc. nat. nichts einzuwenden.

Gruß -M-

edit: sehe gerade, es war eh nur von -biegsam- die Rede, also mein Fehler, hier von einer tatsächlich milden T.
auszugehen, und daß B. biegsam (und trotzdem spröde) sein kann, hab ich ja selber gerade eingeräumt ...
« Letzte Änderung: 22 Nov 08, 16:40 von -M- »

Offline thdun5

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #9 am: 22 Nov 08, 16:35 »
Owyheeit in solch einer Größe? Das wäre für mich neu. Das es sich um ein Freiberger Mineral handelt, wäre schon ein absoluter Glücksfall.

Ich hätte folgendes anzubieten:

Fundort: Steinbruch Kuhberg bei Neumühle, Greiz, Thüringen
Von dort ist auf Quarz, der durchaus mit der beschriebenen Zinkblende vorkommt, feinstfaseriger, wirrstrahliger Boulangerit aufgewachsen und diese Kristalle erreichen auch eine mächtige Länge. Jamesonit auch in wirren Kristallen von dort.

Durch die Erwähnung der Tenazität wird dies allerdings fraglich.

Offline smoeller

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #10 am: 22 Nov 08, 16:47 »
Hallo,

@-M-: Bin jetzt hauptsächlich von der Optik ausgegangen. Hatte in der letzten Zeit viel mit Antimonerzen aus dem Schwarzwald zu tun. Anhand der an dortigen Proben gewonnenen Erkenntnisse kommt hier am ehesten ein Bleispießglanz wie Boulangerit oder auch Antimonit in Frage. Dann habe ich auch meine Kenntnisse an Mineralien aus Sachsen mit einbezogen. WEnn das Stück aus Sachsen ist, kämen wohl Antimonit oder Jasesonit in Frage.

@thdun:An Greiz hab` ich auch schon mal gedacht. Kenne den Fundort dort jedoch nicht weiter, so dass ich dazu keine Aussage treffen konnte.

Ein kleiner Tipp: Antimonit färbt sich rot, wenn man KOH (Kalilauge) dazugibt. Am Besten unter dem Mikroskop mit einer einzelnen Nadel.

Bleispießglanze am Besten mit quantitativer Analyse (WDS) oder Röntgen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline thdun5

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #11 am: 22 Nov 08, 17:11 »
hier einmal Bilder von Neumühle:

Bild1: Boulangerit auf Quarz BB2,6cm
Bild2: Jamesonit auf Quarz BB3,8cm
(Bilder aus "Mineralien und Fundstellen in Deutschland Band 2")

Bilder wegen Copyright-Verletzung gelöscht
- der Admin
« Letzte Änderung: 23 Nov 08, 19:15 von Stefan »

Offline Walpurgin

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #12 am: 22 Nov 08, 17:23 »
Ich hätte noch den Tip der Freiberger eq-Formation(insbesonders der Grube Alte Hoffnung-Kleinvoigtsberg/Emanuel-Reinsberg).Diese Formation setzt sich aus der kb und der eb Formation zusammen(Sb-Pb-Fe Sulfide) .Ähnliche Stücke kannst du dir auf der Kleinvoigtsbergseite des Mineralienatlasses anschauen.Viele Stücke sind ca. 1929 ,aus der Zeit des Mineralienabbaus der Grube,auf den Markt gekommen.Es wurden ansähnliche Stücke an viele Sammlungen weitergegeben.Ich hatte mal Material von den Hainicher Stadtschule gehabt.

Offline Hank

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Re: Was könnte das sein?
« Antwort #13 am: 23 Nov 08, 13:15 »
Danke für eure Hilfe!

Ich geh jetz davon aus, daß es wohl Boulangerit sein wird.
Ich hab noch mal ein Foto angehängt, das bissl schärfer sein müßte.
Wer noch Einwände gegen meine Entscheidung hat, darf diese gerne kundtun.
FO läßt sich leider nich nachvollziehen, aber ich denke, daß Kleinvoigtsberg passt.

Nen schönen Sonntag euch allen noch

 

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