Hallo,
Zweisprachigkeit bei einer Website (zumal mit anspruchsvollem fachlichen Inhalt) ist eben so ein Problem... Man muss ja immer beides pflegen. Ich mache mir die Mühe bislang bei meiner Website, sehe aber, wie viel Zeit dafür draufgeht. Darunter leiden dann Aktualisierungen, weil man alles zweifach ändern und nachtragen muss. Ausserdem ist es ja nicht damit getan, den "Urtext" in einer Sprache zu verfassen und dann geradlinig in die andere drauflos zu übersetzen. Sofern man in der Fremdsprache nicht absolut zuhause ist und auch die etwas spezielleren Begriffe und Wendungen parat hat, artet das entweder in stundenlanges Fachwörterbuchwälzen aus (manchmal mit Ergebnissen, über die Muttersprachler nur den Kopf schütteln), oder man löst sich vom Urtext und formuliert neu. Worunter dann wieder zukünftige Ergänzungen (s. o.) leiden, weil sie sich ggf. nicht mehr nahtlos in den Text einbauen lassen.
Die Frage nach der Sprachversion einer Website sollte die Frage nach der Zielgruppe sein: Will ich knapp 120 Millionen Deutschsprechende (plus einige Millionen mit Deutsch als Fremdsprache) erreichen, oder 2 Milliarden, die Englisch verstehen, darunter ca. 30 Millionen aus dem eigenen Land? Will ich meine Mitmenschen im eigenen Land auf möglichst breiter Front mit dem Thema erreichen (bei smoellers Themenstellung sicherlich auch zutreffend), oder will ich Interessierte auf der ganzen Welt darüber informieren und ggf. internationale Kontakte darüber herstellen?
Also: schwierig, schwierig. Alternativ hat man immer noch die Möglichkeit, die Texte durch eine Übersetzungsmaschine zu schicken, wenn sonst vom Verständnis her gar nichts mehr geht. Dass Deutsch eine recht komplizierte und maschinell schwer verarbeitbare Sprache ist, macht die Sache aber nicht einfach, weder in der Hin-, noch in der Rückübersetzung.
Als Mitglied der Generation, für die fließendes Englisch in Beruf und Wissenschaft unverzichtbar ist, und von der die Welt außerhalb des deutschsprachigen Raums diese Fähigkeit auch schlicht erwartet, trage ich smoeller seine Sprachwahl jedenfalls nicht nach. Oft ist man bei manchen Themen so in englischsprachiger Literatur drin, dass man seine eigenen Notizen und zusammenfassenden Texte darüber auch gleich in Englisch abfasst, statt sie erst mühsam ins Deutsche zu übertragen (und sie dann u. U. auch noch wieder in die Ausgangssprache zurück zu übersetzen!). Nach einem längeren Auslandsaufenthalt hatte ich jedenfalls monatelang das Problem, dass mir fremdsprachliche Ausdrücke über die Lippen kamen, weil mir der deutsche Begriff nicht mehr präsent war.
Wir Deutschen regen uns gerne über die Nationen auf, die auf ihrer Sprache beharren und sowohl Anglizismen als auch allgemein fremdsprachliche Fähigkeiten ablehnen, weil wir dann kein Wort der entsprechenden Website verstehen. Andererseits ist unsere Sprache auch nur ein Nischenprodukt, das kaum einer versteht.
Mann kann es eben nicht allen recht machen. Oder wenn, dann nur mit großem Aufwand.
Gruß,
Triassammler