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Autor Thema: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken / Crinoidenstiele, Kreide  (Gelesen 9732 mal)

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Offline Sassenberger

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Hallo zusammen, ich habe seit einigen Tagen ein Bestimmungsforum für meinen Zufallsfund gesucht und bin hier fündig geworden! Bei einem Spaziergang in einem alten Kalk-Steinbruch habe ich kleine Versteinerungen auf einem Kalkstein- Brocken entdeckt! Der Steinbruch befindet sich am Blomberg (Teutoburger Wald) bei Bad Laer im südlichen Niedersachsen.  Wer kann mir bei der Bestimmung helfen? Ich habe leider keine Bestimmungsbücher!  Freundliche Grüße Willi
« Letzte Änderung: 03 Jun 13, 18:23 von oliverOliver »

Offline triassammler

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #1 am: 30 Dec 08, 01:11 »
Hallo Sassenberger!

Wegen der Segmentierung würde ich sagen, es handelt sich um Abschnitte von Seelilienstielen. Siehe auch im Lexikon: http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Crinoidea?redirectfrom=Seelilie

Gruß,
Triassammler

Offline Sassenberger

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #2 am: 30 Dec 08, 08:46 »
Danke für die schnelle Antwort!
Gruß Willi

Offline Sassenberger

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #3 am: 30 Dec 08, 09:09 »
Ich hätte da noch eine Frage;  Sind die kleinen Segmente `verquarzt´? Der Gesteins- Brocken ist aus Kalk! Und wie geht so was vonstatten?
Gruß Willi

Offline caliastos

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #4 am: 30 Dec 08, 13:33 »
wenn dann silifiziert. woher der gedanke? vom sehen am bild her kann man das schlicht nicht sagen.


silifizierung ist an sich easy. wenn die bedingungen stimmen kann kieselsäure aus organischen komponenten oder auch anorganischen in lösung gehen und wandert durch das sediment bis sich irgendwo ausgefällt wird, wenn sich die lösungsbedingungen ändern. der bereich wird dann silifiziert. geht nicht unter 100.000 jahren. einfach ausgedrückt.

Offline Conny3

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #5 am: 30 Dec 08, 14:02 »
Hallo,

Das sind Chelocrinus carnalli Stielstücke aus dem Schaumkalk (Trias- unterer Muschelkalk) oder Encrinus lilliformis aus dem oberen Muschelkalk (Trochitenkalk). Die leicht violette Färbung der aus Kalzit bestehenden Seelilienteile ist dem Farbstoff "Fringelit" zuzuschreiben.

Ganz ähnliche Teile sind auf meiner Seite zu sehen.

Gruß Conny

Offline triassammler

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #6 am: 30 Dec 08, 18:33 »
Hallo!

Zitat
Sind die kleinen Segmente `verquarzt´?
Wie Conny richtig bemerkt, sind sie calcitisiert, also in Calcit umgewandelt. Das geht bei Seelilien (und Stachelhäuterhartteilen allgemein) auf eine recht interessante Weise vonstatten: Die lebenden Tiere erzeugen ihre Segmente (bei Seelilien: Stiel-, Armglieder; bei Seeigeln: Gehäuseplatten; usw.) aus einem Calcit-Gitterwerk, das quasi pro Segment aus jeweils einem einzigen "Kristall" besteht, also aus einer kristallographisch orientierten Anwachsung von weiterem Kalk (im Gegensatz zu der ungeordneten Kalkanlagerung z. B. von Muschelschalen). Nach dem Tod des Tiers wirkt das Segment im Sediment bzw. Gestein als Keim für das Wachstum eines Calcit-Einkristalls, wobei die Löcher des Gitterwerks von dem wachsenden Kristall aufgefüllt werden (im Mikroskop aber noch sichtbar sind). Das Segment verliert dadurch seine Porosität und nimmt eine dichte, kristalline Struktur an.
Der Prozess ist nicht ganz einfach zu erklären, weil chemisch und physikalisch recht komplex.

Übrigens hat dieses Verfahren der Stachelhäuter, jedes Segment als Skelett eines Einkristalls zu erzeugen, auch einen Sinn: Jeder "Kristall" ist mit seinen kristallographischen Achsen gegenüber den Nachbarsegmenten leicht verschoben; damit wird verhindert, dass die Segmente zusammenwachsen - Stachelhäuter häuten sich nicht und sind darauf angewiesen, dass sie entlang der Trennfugen zwischen den Segmenten neuen Kalk anlagern können, um permanentes Wachstum zu gewährleisten.
Aus dem gleichen Grund tendieren Stachelhäuterfossilien auch dazu, entlang der Segmentgrenzen auseinanderzufallen, wenn sie nicht innig mit ihrer Gesteinsmatrix verbunden sind. Die Grenzen der Segmente werden nämlich auch bei der Sekundärkristallisation nach der Einbettung des toten Tiers eingehalten und die Segmente werden deswegen nicht fest miteinander verbunden - die unterschiedlich orientierten Einkristalle können nicht besonders stabil miteinander verwachsen.

Gruß,
Triassammler

Offline triassammler

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #7 am: 30 Dec 08, 18:38 »
Ach, noch was:
@Conny: Worauf gründest Du Deine Bestimmung? Ich sehe zuerst mal nur Crinoidenstielglieder, nicht mal die Endflächen mit dem charakteristischen Muster sind sichtbar. Es könnte auch Millericrinus aus dem Oberjura sein, oder eine paläozoische Crinoidenart... so ziemlich alles eben, was runde Stielglieder produziert.

Hat jemand eine Info, welchen Alters die Schichten an dem genannten Fundort sind?

Gruß,
Triassammler

Offline Conny3

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #8 am: 30 Dec 08, 18:47 »
Hallo,

nun ja nur aus der reinen Anschauung. Könnte natürlich auch ein anderes Zeitalter sein. Violette Stiele habe ich allerdings bisher nur aus dem Schaumkalk gesehen. Ich habe fast identisch ähliche Stücke aus dem Steinbruch bei Obermöllern. Ist hier im Forum schon beschrieben.

Gruß Conny

Offline triassammler

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #9 am: 30 Dec 08, 19:20 »
Hallo Conny,

die Fringeliterhaltung kommt in so ziemlich jeder kalkigen Crinoidenlagerstätte vor, die nicht von Formationswasser ausgewaschen wurde. Oft wird die Fringelitfärbung durch diagenetische anorganische Imprägnationen überprägt und ist dann nicht mehr erkennbar. Viel vom Fringelit geht aber auch verloren, wenn man zur Präparation KOH einsetzt, was den Farbstoff zerstört. Der Calcit der Stielglieder ist zu porös, um das KOH nicht eindringen zu lassen.

Seit ich Seelilien aus dem Muschelkalk nur noch durch Sandstrahlen präpariere, zeigt fast jede aus einigermaßen frischem Material geborgene Krone an den Armen Reihenmuster aus dunklen Punkten, die einen Teil des ursprünglichen Farbmusters der Tiere darstellen. Seelilien von den gleichen Fundstellen, die ich blöderweise zuvor mit KOH präpariert habe, zeigen diese Muster durchweg nicht mehr und sind im Gegensatz zu den gestrahlten deutlich bleicher. Diese Erhaltungsart ist also durchaus gängig und wird erst durch Verwitterung und unsachgemäße Präparation zerstört.

Für seine Seelilien mit Fringelit bekannt ist auch der Mittel-/Oberjurasteinbruch Liesberg im schweizerischen Solothurn. Ich habe von dort tieflila gefärbte, massive Wurzelstöcke, an denen damals im Aufschluss kein Mangel herrschte.
Andererseits sind die Crinoiden des süddeutschen Oberjuras durchweg weiß gebleicht. Dies hat vermutlich mit der hohen Porosität des Gesteins zu tun, die es Grund- und Formationswasser ermöglicht hat, einzudringen und den Farbstoff über längere Zeiträume auszuwaschen bzw. zu zersetzen.

Fringeliterhaltung ist also eher eine Frage der Lagerstätte und des Erhaltungszustands als der erdgeschichtlichen Altersstellung oder bestimmter Crinoidengattungen.

Gruß,
Triassammler

Offline Joachim

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #10 am: 30 Dec 08, 23:09 »
Hallo Willi

Was kommen denn in dem Steinbruch noch für Fossilien vor?


Gruss Joachim

Offline Sassenberger

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Re: Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken
« Antwort #11 am: 31 Dec 08, 09:17 »
Hallo Joachim, ich habe noch 3 austernähnliche Versteinerungen entdeckt. Diese werde ich gleich in ein neues Thema setzen. Diesen Steinbruch habe ich vor einigen Tagen das erste Mal betreten!  Gruß Willi

edit Moderator:
die Begleitfauna wurde als kreidezeitlich bestimmt:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,19769.msg166334.html#msg166334
« Letzte Änderung: 03 Jun 13, 18:28 von oliverOliver »

 

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