http://vfmg.de/der-aufschluss/https://www.chiemgauer-mineralien-fossiliensammler.de/https://www.mineraliengrosshandel.com

Autor Thema: Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln  (Gelesen 14158 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline giantcrystal

  • ******
  • Beiträge: 2.355
Hallo aus Mittelfranken

wie versprochen, hier wieder einmal ein geologisches Rätsel(raten) :von meiner jüngsten Namibiareise im September 2009 :

Granit verwittert ja bekanntlich meist zu rundlichen Formen, diese Art der Verwitterung hat auf deutsch den schönen und sehr einprägsamen Namen "Wollsackverwitterung".

Wie aber entstehen Granit"kugeln" auf einer ansonsten freien Granitfläche, wie zum Beispiel auf der Farm Ameib in Namibia ?

Hat jemand eine Idee ?

Glück Auf

Thomas
« Letzte Änderung: 24 Mar 13, 13:05 von oliverOliver »

Offline quarzum

  • inaktiver User
  • *
  • Beiträge: 37
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #1 am: 12 Oct 09, 19:04 »
juppi, ein neues Rätsel!
ich glaub zwar die antwort zu kennen, aber ich werde sie jetzt nicht posten, damit´s fürs restliche
auditorium noch interessant bleibt.
werd´s dir mal per PM meine Lösung schicken, die Lösung seh ich dann eh in kürze hier..

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #2 am: 12 Oct 09, 19:22 »
Schön,

ich sende auch mal die Lösung per PN :-)

Frank

Offline Moni

  • ******
  • Beiträge: 1.484
  • Ich liebe dieses Forum!
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #3 am: 12 Oct 09, 19:33 »
Was Ihr sendet alle per PM?

Mach ich nicht und hier meine Antwort:

Die aus Granit bestehende Spitzkoppe ist ein Pluton, d.h. das Magma blieb im Erdinneren stecken und bis auf den zentralen Granitkörper ist ringsherum bereits alles verwittert und abgetragen. Granit besteht bekanntlich aus Feldspat, Quarz und Glimmer und ist damit eigentlich ein Konglomerat, daß zu mehr oder weniger groben Sand /Kies verwittert. Charakteristisch für den Granit ist die sogenannte Wollsackverwitterung. Sonne, Regen und vor allem Wind tragen die kleinen Gesteinskörner ab und es entsteht dabei ein vornehmlich rundes Felsgebilde - niemals Kanten.
Das Material bricht regelrecht wie Schalen ab.

Ursache hierfür ist der Abkühlungsprozeß im Erdinneren, die auf Grund der kugel- oder pilzförmigen Magmakörper relativ gleichmäßig von innen nach außen erfolgte und im Prozeß der Erosion in umgekehrter Reihenfolgen abläuft.

Diese Verwitterungsform kann man sowohl an der Spitzkoppe als auch im Erongogebirge ausgezeichnet studieren - siehe Bild von Farm Ameib. 

Herzliche Grüße
Moni

Offline giantcrystal

  • ******
  • Beiträge: 2.355
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #4 am: 12 Oct 09, 20:10 »
Hmm, ich glaube ich muß meine Frage etwas präzisieren :

Wie bilden sich Granitkugeln wie die oben gezeigte ? Auf einer Stelle, die nach allen Seiten abfällt...hätte ja eigentlich schon lange mal runterrollen müssen, oder ?

Noch ein Nachtrag zur Lage der Farm Ameib : etwa 150 Kilometer vom Meer entfernt,, dort findet mit einiger Sicherheit keine Salzverwitterung mehr statt, übrigens gibt es die typische Wollsackverwitterung auch noch in weit größerer Entfernung vom Meer...

Glück Auf

Thomas

P.S. Übrigens : so ganz sicher bin ich selber nicht, wie das hier mit der Kugelbildung funktioniert, aber vielleicht hat ja jemand eine wirklich gute Idee ?

Offline Moni

  • ******
  • Beiträge: 1.484
  • Ich liebe dieses Forum!
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #5 am: 13 Oct 09, 12:43 »
Hallo giantcrystal,

Okay, Du bist auf das Zustandkommen des "Standbeines" aus, Frage ist nun präzisiert.  Antwort folgt.

Von Salzverwitterung war übrigens nicht die Rede, macht bei Granit auch keinen Sinn. meine Antwort lautete:

Ursache hierfür ist der Abkühlungsprozeß im Erdinneren, die auf Grund der kugel- oder pilzförmigen Magmakörper relativ gleichmäßig von innen nach außen erfolgte und im Prozeß der Erosion in umgekehrter Reihenfolgen abläuft.

Gruß Moni

Offline smoeller

  • ******
  • Beiträge: 5.368
  • Diplom-Mineraloge
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #6 am: 13 Oct 09, 13:13 »
Hallo,

Meine Vermutung: Kombination von äolischem Sandtransport (Sandstrahlen, z.B. durch Sandstürme) und Temperaturschwankungen.

Durch Sandstrahlen werden die unteren Bereiche der Granitkugel am meisten angegriffen, da sich die Sandfracht am meisten in Bodennähe konzentriert. Dazu kommt dann evtl. noch das Abplatzen der äußeren Gesteinsschicht durch Temperaturschwankungen (tägliche Temperaturunterschiede in der Wüste über Jahrtausende), Die äußere Gesteinsschicht wird davon natürlich am ehesten beeinflusst (Ausdehung am Tag, Zusammenziehen in der Nacht), daher wird der Kornverband gelockert.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Moni

  • ******
  • Beiträge: 1.484
  • Ich liebe dieses Forum!
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #7 am: 13 Oct 09, 19:34 »
Hatte ja oben angekündigt, nochmals zu räzisieren:

Die Granitkörper ruhen auf einem mehr oder weniger stark ausgeprägten “Sockel”, der seine Ursache in der Verwitterung hat, die auf Wassereinwirkungen zurück zuführen sind.
Wasser tropft von den Granitkugel ab und bildet ringsherum Vertiefungen. Nach Wasserverdampfung und anschließender Ausblasung/Verwehung der Verwitterungsrückstände vergrößern sich diese Vertiefungen. Es bilden sich die im Bild zu sehenden Sockel, die mit zunehmender Zeit immer dünner werden. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, daß ein instabiles Gleichgewicht entsteht und schwups die Granit rollt weg ....

Grundlage bzw. “Vorarbeiter” zur Ausbildung der schmalen Sockel müssen jedoch auch reine mechanische Wassertransporteffekte sein, denn insbesondere zu Regenzeiten wird das Blockwerk insgesamt durchströmt, so daß sich an den “Füßen” schon mal Hohlräume ausbilden können.

Gruß Moni       

Offline triassammler

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.197
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #8 am: 13 Oct 09, 21:32 »
Hallo,

ich denke nicht, dass es stimmt, aber es erscheint mir kreativ: Proterozoischer glazialer Dropstone, der nach der vollständigen Erosion des umgebenden Tillits freisteht  ;D

OK, jetzt ernsthaft: Jeder Wollsack fängt mal als größerer Granitkomplex an. In diesem speziellen Fall hat ein besonders großer Granitblock der Erosion als einziger seiner ehemals vorhandenen kleineren Wollsackkollegen standgehalten. Außerdem ist nicht gesagt, dass er von Anfang an an Ort und Stelle entstanden ist. Wahrscheinlicher ist, dass er von einem heute nicht mehr vorhandenen Granithöhenzug (von der weiteren Umgebung sieht man auf dem Bild ja nichts) stammt und bis an seine heutige Position gerollt ist. Die Erosion hat dafür gesorgt, dass mal die Balance des Blocks selbst aus den Fugen geriet, mal ist ihm die Unterlage wegerodiert, und jedes Mal ist er ein Stück weitergekullert, bis er wieder stabil zu liegen kam. Bedingt durch die geschützte Lage unter dem Block dürfte es nicht unwarscheinlich sein, dass sich jeder seiner "Liegeplätze" zu einem kleinen Pfeiler entwickelt, bis die Lage wieder instabil wird und der Block seinen Weg fortsetzt.
Ansätze hat er ja schon gemacht, indem er auf der rechten Seite einen Teil seiner Granitschale verloren hat. Jetzt hat er gefährliches Übergewicht nach links - wahrscheinlich geht die Reise eines Tages in die Richtung weiter  8)

Gruß,
Rainer

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Hallo

eine schöne und sehr leicht verständliche Erklärung der Entstehung unter  http://www.namibia-1on1.com/bulls-party.html .

Lieber Rainer:
Doch, die Kugeln sind an Ort und Stelle als Folge der Temperaturverwitterung entstanden und nicht von irgendwo her gerollt.  Es wurde auch nicht gekullert. Auf dem Bild von Thomas ist das nicht so deutlich zu sehen (ich vermute, dass dies eine Kugel auf dem Geländer Farm Ameib ist).

Auch einige andere Kugeln auf der Ameib liegen nicht einfach so rum, sondern sind fest mit dem Untergrund "verwachsen", d.h., die Erosion hat die Verbindung noch nicht gänzlich weggefressen.

Auf der Farm Etemba - nebendran -, gibts identische Kugeln; bei einer davon, welche als "Steinpilzfelsen"  bezeichnet wird, kann man noch sehr gut den etwa 30-40 cm hohen Stiel mit etwa 80 cm  Durchmesser erkennen, welcher die Verbindung zwischen Kugel und Erdoberfläche (Felsdecke)  ist.

Ganz ähnliche Granitkugeln gibts zuhauf und zum Anfassen auch in Indien, u.a. in Mahabalipuram in Tamil Nadu.

Gruß
collector

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #10 am: 14 Oct 09, 11:35 »
Hallo,

das waere dann etwas zum Thema Verwitterung im Lexikon.

Bilder aus Namibia von der Farm Ameib stehen dort ja schon ;-)

Frank

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #11 am: 14 Oct 09, 13:12 »
Hi Frank

Bilder von der Temperatursprengung der namibischen Ameib-Kugeln (Bull's Party) stehen schon seit langem im Lexikon. Unter Verwitterung.

Die Antwort auf das Rätsel von Thomas

*1. Wollsackverwitterung in situ -  ohne Transport  (siehe link eiter oben)
*2. Die  weitere Erosion durch Temperatursprengung, d.h. abgesprengte Krusten durch drastische Tag-Nacht-Temperaturänderungen

gruß
collector

Offline giantcrystal

  • ******
  • Beiträge: 2.355
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #12 am: 16 Oct 09, 17:42 »
Hallo aus Mittelfranken

na, ich denke, das Rätsel ist gelöst : Die auch für mich neue Erkenntnis dabei ist die in situ Verwitterung ohne Transport. Auch wenn die Kugeln häufig so aussehen, als wären sie von wo anderswo herabgerollt, so stehen sie doch fast immer noch auf einem mehr oder minder gut erkennbaren Sockel oder auch mehreren "Füßchen".

Ich nehme aber an, das gelegentlich die ein oder andere frei liegende Kugel doch etwas rollen wird...

Ein Nachtrag noch zur Temperatursprengung : Diese kann mitunter extrem stark ausfallen, zum Beispiel bei einem über einen langen Sommertag hinweg aufgeheizten Granitkugel mit anschließendem kaltem Gewitterguß, so das die Granitkugel regelrecht platzt : man spricht dann von einem Kernsprung - die rechts von der abgebildeten großen Kugel liegenden Bruchstücke sind wohl das Resultat eines solchen Kernsprungs.

Anbei noch ein paar Bilder von der Gesamtsituation und ein paar Granitkugeln mit "Füßen".

Glück Auf

Thomas

P.S. Eine ganz herrliche Landschaft übrigens, speziell bei Sonnenauf- und Untergang, so richtig was zum Meditieren über Gott, das Leben und die Welt..

« Letzte Änderung: 16 Oct 09, 23:25 von giantcrystal »

Offline Hg

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.116
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #13 am: 16 Oct 09, 22:53 »
Hallo Thomas,
herrliche Bilder  :D
Da bekommt man richtig Fernweh
Grüße,
Andreas

Offline Fritzi

  • ******
  • Beiträge: 1.205
Antw:Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln
« Antwort #14 am: 16 Oct 09, 23:16 »
Hallo,

hier noch ein Link zu einer wahren "Monsterkugel": http://www.geo-reisecommunity.de/bild/143492/Karibib-Namibia-Bulls-Party-Erongo-Farm-Ameib

BG
Fritzi

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge