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Autor Thema: Bestimmung Massenkalk / Stylolith  (Gelesen 12320 mal)

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Offline traubensaft

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Bestimmung Massenkalk / Stylolith
« am: 19 Nov 09, 20:30 »
Hallo,
ich habe wieder etwas gefunden. Es war im mu (Massenkalk) und stammt höchstwahrscheinlich von einem Riff. Fundort ist die Schwäbische Alb (Schelklingen).
Ich würde gerne wissen was es ist. Ich hoffe es ist nicht eine andere "Form" von Calcit :-[...sondern gehe der Einschätzung nach, dass ich hier ein wunderbares Fossil gefunden habe. :o :P

Über eure Beiträge würde ich mich sehr freuen.  ;D

gruss Benjamin

Offline triassammler

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #1 am: 19 Nov 09, 21:06 »
Hallo Benjamin,

weder Mineral, noch Fossil, sondern ein typisches und weit verbreitetes Drucklösungsphänomen in Kalksteinen: Es sind Stylolithen.
Die kamen schon öfter im Forum vor:

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,23243.0.html
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,19877.0.html

Gruß,
Rainer

Offline Fear

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #2 am: 19 Nov 09, 21:14 »
Bin auch drauf reingefallen ;)

Wollte gerade das selbe wie Triassammler sagen ;)

Leider handelt es sich nur um Stylolithen, dass sind tektonisch bedingte Lösungserscheinungen, die oft in Kalksteinen auftreten.^^

Offline traubensaft

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #3 am: 19 Nov 09, 21:38 »
Hallo Rainer,
Ist aber ganz interessant. Ich habe mich mal ein wenig darüber schlau gemacht.
Habe ich das richtig verstanden: Das Gestein ist noch relativ weich. Es kommt zu einer Druckveränderung (stärkerer Druck oder z. B. seitlicher Druck) und das Gestein wird sozusagen verschoben?
Drucklösung bedeutet, dass sich ein Mineral an dieser Stelle durch Druck auflöst? Aber warum entsteht dann diese Lineare Form?

Offline traubensaft

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #4 am: 19 Nov 09, 21:45 »
Hallo Fear,
eigentlich finde ich die Stylolithen ganz schön. Obwohl es natürlich schade ist das es kein Fossil ist hilft es mir trotzdem weiter, da ich mehr über Geologie erfahre. Für mich sind solche Informationen wertvoll und da ich jetzt den Stylolithen beschriften und in meine Steinsammlung einreihen werde, weiß ich immer wenn ich ihn seh wie er entstanden ist. Solches wissen kann sicher auch im Gelände bei der Bestimmung helfen und man kann es anderen Leuten weiter erzhälen.
Somit ist für mich eigentlich jeder Fund ein Erfolg auch wenn er keinen Wert für den Sammler hat.

Gruß
Benjamin

Offline triassammler

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #5 am: 19 Nov 09, 23:43 »
Hallo Benjamin!

Zitat
Habe ich das richtig verstanden: Das Gestein ist noch relativ weich. Es kommt zu einer Druckveränderung (stärkerer Druck oder z. B. seitlicher Druck) und das Gestein wird sozusagen verschoben?
Nicht ganz. Das Gestein ist im Gegenteil schon voll verfestigt (sonst würden die Scherflächen "verschmieren" und wären nicht so klar ausgeprägt).
Es kommt entlang von Schicht- oder Kluftflächen zuerst einmal zur Lösung des Kalksteins. Das Gestein im Hangenden drückt nach; beide Flächen pressen sich ineinander, wobei Unebenheiten wie Stempel wirken, die in das jeweilige Gegenstück hineindrücken. Im Bereich dieser Kontakte kommt es zu verstärkter Lösung (sog. Drucklösung, resultierend aus einem im Detail komplizierten Zusammenspiel zwischen CO2-Partialdruck und Umgebungsdruck sowie Wasserzufuhr durch Oberflächenspannung) des Gesteins, womit die Unebenheiten noch stärker herausgearbeitet werden, womit sich dann wieder die Drucklösung verstärkt, usf. Das Ineinanderpressen beider Flächen sorgt gleichzeitig dafür, dass die Ränder von Unebenheiten sauber abgeschert werden - es entstehen die typisch säulenförmigen Stylolithen.
Der Prozess läuft erst ab einer gewissen Gesteinsauflast ab; in Gesteinen, die oberflächlich zu Tage liegen, findet er nicht mehr statt, weil der Auflastdruck fehlt.

Je nach der Dauer, die der Lösungsprozess anhält, können die Teile mehrere Dezimeter lang werden! Sie geben damit ein ungefähres Maß, um wie viel die Lösung die Schichtmächtigkeit reduziert hat. Das ist machmal erstaunlich, wenn einem klar wird, dass auf diese Weise ein massives Gesteinspaket um mehrere Meter zusammensacken kann, ohne dass man das auf den ersten Blick bemerkt.

Gelegentlich bilden Fossilien, die der Lösung etwas besser widerstanden haben als die Kalkmatrix, den "Kopf" eines solchen Stylolithen"stempels".

Außerdem finde ich sehr wohl, dass ein so gut ausgeprägtes Stück wie Deines seinen Platz in einer Gesteinssammlung finden darf. Wie Du richtig bemerkst, eignet sich das auch sehr gut als Anschauungsobjekt.
Ziemlich häufig werden Stylolithen mit fossilem Holz, Knochen und anderem verwechselt. Von daher finde ich es sinnvoll, wenn Sammler darüber bescheid wissen.

Gruß,
Rainer

Offline Goldi85

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #6 am: 20 Nov 09, 00:56 »
Hallo,

mir fällt bei dem Thema gerade ein größeres Gesteinsstück ein, welches ich vor einigen Jahren ebenfalls mal im Massenkalk (Biebertal bei Wetzlar) gefunden habe. Ich konnte mir die Bildung noch nicht erklären und habs noch irgendwo eingelagert- daher schon mal danke für die Aufklärung  ;D
Aber meine Frage dazu: können diese Stylolithen auch radial angeordnet sein? Wie ist das dann zu erklären?

Gruß  Daniel

Offline triassammler

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #7 am: 20 Nov 09, 12:04 »
Hallo Daniel,

richtig radial können sie nicht angeordnet sein, weil sie immer parallel zur wirkenden Kraft verlaufen und diese in eine Richtung gerichtet ist. Was jedoch möglich ist, ist, dass sie um einen kegelförmigen "Stempel" herum angeordnet sind, nämlich dann, wenn der Auflastdruck bei gegebener Gesteinshärte nicht ausreicht, um exakt senkrechte Abscherungen zu bewerkstelligen. Meinst Du das mit "radial"?

Im Zweifelsfall müsste man das fragliche Stück mal sehen.

Gruß,
Rainer

Offline Goldi85

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« Antwort #8 am: 20 Nov 09, 20:52 »
Hallo Rainer,

hmm.. nein, die "Strahlen" sind echt radial von einem Zentrum ausgehend angeordnet. Hatte mich auch schon gewundert, da ich mir nicht erklären konnte, wie sich da der Druck aufbauen konnte... müsste ja dann gleichmäßig in alle Richtungen vom Mittelpunkt ausgegangen sein oder anders herum. Was ich irgendwie für nicht möglich halte  ;D
Kristalliner Calcit, wie man ihn von Tropfsteinen kennt, ist es auch nicht.
Ich werde das Stück morgen mal fotografieren, liegt noch bei uns im Garten.

Gruß  Daniel

Offline triassammler

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #9 am: 21 Nov 09, 16:14 »
Hallo Daniel,

alles klar, wenn ich das Stücke sehe kann ich vielleicht mehr dazu sagen. Bin gespannt!

Gruß,
Rainer

Offline Goldi85

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #10 am: 21 Nov 09, 17:46 »
Hallo,

hier mal zwei Bilder:
das erste zeigt die Komplettansicht (Breite ca. 30cm)
das zweite einen Ausschnitt aus dem "Zentrum"
Die Oberfläche ist mit einer Schicht Limonit überzogen.

Gruß  Daniel

Offline triassammler

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #11 am: 21 Nov 09, 18:09 »
Hallo Daniel!

Auf den ersten Blick werde ich aus dem Stück nicht ganz schlau. Bewusst gesehen habe ich sowas noch nicht.

Auffällig sind die ringförmigen Klüfte, die das Zentrum dieser radialen Strukturen umgeben. Da war also Tektonik mit im Spiel.
Und irgendwie sehen die Strukturen ein wenig wie Harnische (tektonische Bewegungsspuren) aus, weniger wie Stylolithen.
Ich kann jetzt spekulieren, aber ich würde sagen, damit warte ich mal.

Könntest Du mir noch ein paar größere Bilder des Steins und Nahaufnahmen der Fläche schicken? PM mit meiner Mailaddi schicke ich Dir...

Gruß,
Rainer

Offline Goldi85

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #12 am: 21 Nov 09, 18:30 »
Hallo Rainer,

ok, ich schicke dir die nächsten Tage mal mehr Bilder und Detailaufnahmen.

Gruß  Daniel

Offline Moni

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #13 am: 13 Apr 10, 19:18 »
Hallo Leute!

Interessante Beiträge !
Wuste nicht, daß man die beschiebenen Formationen als --- Stylolithen ---- bezeichnet. Wieder was gelernt.

Habe ein ähnliches Stück, das mich wegen der Struktur, Rillen etc. bewegt hatte mitzunehmen und ging bisher davon aus, daß die Entstehung in Kluftwässern ihre Ursache hat. Allerdings dürften die Stylotithen vorzugsweise für Wasserführungen zur Verfügung stehen  -oder?

Herzliche Grüße
Moni

Offline triassammler

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Antw:Bestimmung Massenkalk
« Antwort #14 am: 13 Apr 10, 20:31 »
Hallo Moni!

Allerdings dürften die Stylotithen vorzugsweise für Wasserführungen zur Verfügung stehen  -oder?

Nein, der Druck der Gesteinsauflast drückt die Stylolithen sehr fest aufeinander und lässt so gut wie keinen Zwischenraum (gäbe es diesen, wäre die Struktur nicht so fein ausgeprägt, sondern angelöst). Ein klein wenig Wasser gelangt aber natürlich schon hinein, und da es in dieser speziellen Konfiguration unter enormem Druck steht, erhöht sich auch sein Potenzial zur Kalklösung stark. Sehr wenig Wasser hat hier also sehr große Auswirkungen.

Gruß,
Rainer