Vortrag am Fr., 19.03.2010 in 92714 Pleystein, Museum, Marktplatz 25, Beginn 20:00 Uhr:
Uran in Bayern – Strahlendes Erbe der Natur
Harald G. Dill, Hannover
Mit Bildbeiträgen von Berthold Weber, Weiden
Uran gehört neben Thorium und Wismut zu den Elementen in der Natur, welche nur radioaktive Isotope aufweisen. Das Metall ist mit ca. 2,7 Gramm/ Tonne am Aufbau der Gesteine in der Erdkruste beteiligt. Besonders granitische und kieselsäurereiche Vulkanite enthalten anomal hohe Gehalte von bis zu 14 gr./to. U. In Bayern fällt deshalb besonders das nordostbayerische Grundgebirge mit seinen zahlreichen Granitvorkommen („Altes Gebirge“) durch seine natürliche Radioaktivität und ein buntes Spektrum von Uranlagerstätten auf. Man unterscheidet mineralogisch zwischen Uranschwarzerzen (Pechblende, U-Silikate und –Titanate) und den grün, gelb und rotbraun gefärbten Urangelberzen (U-Hydrosilikate, - Phosphate, - Hydrate). Letztere entstehen durch die Verwitterung und man kann diese sekundären U-Minerale daher häufig in Granitsteinbrüchen oder auf Haldenmaterial aufgelassener Lagerstätten finden. Uranschwarzerze sind oberflächennahe sehr viel seltener anzutreffen als sekundären U-Minerale und auch leicht aufgrund ihrer dunklen Farbe zu übersehen, wenn man kein Szintillometer zur Hand hat. Die U-Lagerstätten in Bayern lassen sich lagerstättenkundlich in drei Gruppen unterteilen: magmatische, strukturgebundene und sedimentär U-Lagerstätten. Die magmatischen U-Vorkommen liegen in den kieselsäurereichen Intrusivgesteinen und Vulkaniten (z.B. Hauzenberg, Hebanz, Hagendorf). Auch im unmittelbaren Vorland des „Alten Gebirges“ haben die spätpaläozoischen Vulkanite U-Anreicherungen im Weidener und Stockheimer Becken hinterlassen. Während der letzten Phase der Uransuche in N-Bayern lagen vor allem die gangförmigen Uranlagerstätten im Fokus der Explorationsgeologen. Versuchsabbaue befanden sich bei Grossschloppen, Poppenreuth, Mähring, Falkenberg und am Schirmberg bei Girnitz. Einige Erz-Gänge weisen ein sehr buntes Elementspektrum, welches zu U-, Se-, Bi-, Pb-, Zn- und Cu- Mineralien führte, auf. Zu dieser Kategorie von Gängen zählen u.a. auch die Fluorit-Baryt-Gänge von Wölsendorf-Nabburg, wo man sehr früh auf den Gängen des Marienschachtes und Johannesschachtes auf die Uranverbreitung aufmerksam wurde. Ein spezieller schwarzer Flussspat-Typ, der Stinkspat, verdankt seine Entstehung der radioaktiven Strahlung die von den Uranmineralien in den Gängen ausgeht. Auch entlang des „Pfahls“, einer bekannten quarzreichen Störungszone, fanden sich kleine Uranmineralisationen. Einige gangförmige Uranlagerstätten führen überwiegend U-Schwarzerze, Molybdänglanz und Bitumina (z.B. Mähring). Es sind jedoch nicht nur die granitischen Gesteine des Fichtelgebirges, des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes, die erhöhte U-Gehalte aufweisen, sondern auch zahlreiche Sedimente verfügen über beachtliche U-Gehalte. Diese U-Anreicherungen sind z.T. seltenen Elementen wie Sb, Zn, Pb, Cu, REE, Au und Se verknüpft. Im nördlichsten Teil Bayerns bei Ludwigsstadt wurden die Schwarzschiefer des Silurs und des Unterdevons (Graptolithenschiefer) auf ihren Metallgehalt untersucht. Uran ist in der geologischen Vergangenheit bevorzugt in sauerstoffarmen Ablagerungsräumen konzentriert worden. Deshalb enthalten alle bayerischen Kohlen von Stockheim (Steinkohle) über Wackersdorf (Braunkohle) bis hin zu den Pechkohlen im Alpenvorland mehr oder minder hohe Urangehalte. Flächenmäßig am weitesten verbreitetet, sind jedoch die Urananreicherungen im Keuper Frankens (Burgsandstein), wo sowohl karbonat-, phosphat- und kohlenstoffreiche Sandsteine z.T. beachtliche Strahlungswerte aufweisen können („Aktivarkosen“). Auch wenn in Bayern kein Uran abgebaut wird, müssen wir mit diesem strahlenden Erbe der Natur leben.
Veranstalter: Geopark Bayern-Böhmen und Museumsarbeitskreis Pleystein