Hallo, hier mal ein Erfahrungsbericht:
Ich hatte beruflich, vor gar nicht so langer Zeit, die Möglichkeit es ausgiebig zu testen.
Will man einen Abbildungsmaßstab größer/gleich 1:1 ohne dass man Balgen bzw. Zwischenringe einsetzt ist dieses Objektiv keine schlechte Anschaffung.
Vorab mal für diejenigen die das Objektiv nicht kennen hier nochmals die technische Daten:
- Brennweite 65mm
- Blende: 2,8 –16
- Effektive Blende: 5,6 - 96 (Blende * (Vergrößerung + 1))
- Springblende
- Gewicht: 710g (845g incl. Stativmanschette)
- Filtergewinde: 58 mm
- Länge bei 1:1 = 9,8 cm, bei 5:1 = 23 cm (also keine! Innenfokussierung)
- Bildfeld (Vollformat): 1:1 = 24*36 mm, 5:1 = 4,8 * 7,2 mm
- Bildfeld (APS-C): 1:1 = 15*24 mm, 5:1 = 3,0 * 4,8 mm
- Kein Autofokus
- Fokusdistance: max. ca.10 cm bei 1:1 und max. ca. 4cm bei 5:1 (Vollformat)
Folgende Dinge sollte man berücksichtigen bevor man sich dieses Objektiv zulegt:
- Objektgröße 24*36mm für Vollformat-Kameras bzw. 15*24 für APS-C Kameras), das heißt keine Aufnahmen von größeren Objekten. Kleinstufen bzw. , Handstufen sind also nicht komplett abzubilden.
- Bei einer max. Fokusdistanz von 10cm bzw 4 cm muss man sehr nahe ran an das Motiv. Ist natürlich bei Mineralien kein Problem. Mit dem Beleuchten ist es bei 4 cm nicht mehr so einfach aber noch machbar.
- Kein Autofokus, bzw. auch kein Vernünftig durchzuführender manueller Fokus am Objektiv, da am Objektivring nur die Vergrößerung eingestellt wird. Die Fokussierung geschieht entsprechend durch Bewegung der Kamera oder des Motives.
- Die Beugungsunschärfe ist ebenfalls ein Problem. Die Blende muss bei zunehmender Vergrößerung geöffnet werden. Bei Maßstab 1:1 und 2:1 kann man noch durchaus mit Blende 16 arbeiten. Bei 5:1 bis max. Blende 9, also die Blende 11, 13 bzw 16 kann man bei dem Maßstab vergessen. Es sei denn man ist mit den schlechteren Ergebnissen zufrieden. Fotografiert man mit einer APS-C Kamera muss man die Blende wegen des kleineren Sensors noch weiter öffnen, also kleinere Blendenwerte benutzen. Das alles spielt natürlich keine so große Rolle wenn man Stacken will. Da kann man die Blende ja durchaus öffnen.
- Der vorgenannte Punkt spielt natürlich bei der Schärfentiefe eine wesentliche Rolle. Im Maßstab 1:1 liegt die Schärfentiefe bei gut 2mm und bei 5:1 bei gerade mal 0,25mm. Also bei 5:1 kommt man am Stacken trotz dieses Objektives nicht vorbei.
- Der Preis das Objektiv, mit dem man eigentlich nur Extremmakros machen kann ist auch nicht ohne.
- Erwähnt werden sollte auch ist die Tatsache, dass es trotz Springblende im Sucher relativ schnell sehr dunkel wird
- Die Beleuchtung ist natürlich bei allen Makro-, und Mikroobjektiven allgemein nicht einfach und benötigt viel Erfahrung bzw. Übung. Das gilt natürlich auch für dieses Objektiv.
- Was man auch nicht vergessen sollte 5:1 ist bei Mikromounts nicht unbedingt viel!
- Das Objektiv zeichnet scharf und brillant, was zu einer sehr guten Bildqualität führt.
- Die Verarbeitung ist ausgezeichnet. Es arbeitet präzise und leichtgängig.
Alle diese Punkte führen jedoch nicht unbedingt zu einer guten Makro bzw. Mikroaufnahme, wie sich der eine oder andere eventuell vorstellt. Aber ich denke, das weiß sowie jeder hier, nur mit dem Objektiv und einer Kamera ist es nicht getan.
Hat jemand bereits Erfahrung in der Makrofotografie und will sich mit größeren Maßstäben befassen, ist das Objektiv eine Überlegungen wert.
Gleiche Ergebnisse lassen sich durchaus aber auch mit Balgen, Retroadaptern oder Zwischenringen erreichen, allerdings nicht so unproblematisch und flexibel.
Wer bisher eher wenig Erfahrung in der Makrofotografie hat und schnell ohne Aufwand, Geduld und Übung Erfolge sehen will, wird nicht viel Freude am MP-E haben.
Hoffe ich konnte etwas weiterhelfen.
Gruß
Edgar -loparit-