Hallo Jens,
es gibt dieses krankhafte Verhalten selbstverständlich auch bei Mineraliensammlern. Ich kenne persönlich drei, alles liebe Leute, alle begeisterte Sammler - aber alle drei krankhafte Zusammenraffer von allen Dingen, die nur den Anschein eines Minerals haben.
Ihnen allen ist nicht das Mineral als solches wichtig, sondern ihr primäres Interesse ist es, soviel wie möglich zu besitzen und niemals was davon herzugeben.
Einer der Drei hat ganze Berge von Mineralien, gesammelt im Laufe von fast 50 Jahren, übers ganze Haus verteilt, mit Kisten voller Steine unter seinem Bett, in der Toilette, mit Zwischenlager im Küchenschrank und an die 300 größere Stufen im Garten und in der Garage verteilt.. Was er wo und wann gefunden hat und wo er das im Haus versteckt hält, weiß er schon lange nicht mehr; da er in der Nähe eines mineralträchtigen Gebietes wohnt, kommen jeden Monat aber noch mehr Tonnen Material zusammen, viel davon niemals untersucht oder bestimmt, alles total ohne Übersicht, alles komplett drunter und drüber. Zur Zeit müssen da wohl an die 20-25.000 Stücke liegen.
Zum krankhaften Sammeln gibts recht viel im Internet zu lesen; der nachstehende Auszug aus einem Zeitungsbericht in der Morgenpost mag wohl Dene Fragen beantworten.
*Zitiert:
Wenn Sammelwut krankhaft wird
Die Zahl der in Deutschland unter dem Messie-Syndrom leidenden Menschen wird auf etwa 1,8 Millionen geschätzt und die Zahlen steigen, weil die Überflutung mit Konsum und Informationen für manchen Menschen einfache Ordnungssysteme zunichte macht. Besonders hoch ist der Anteil aus sozialen oder pädagogischen Berufen. Es sind viele Lehrer, Ärzte und Sozialarbeiter dabei.
Messies sammeln nicht zielgerichtet, sondern unstrukturiert, meistens nicht nur Joghurtbecher oder Stoßstangen, sondern alles, «was man irgendwann noch mal gebrauchen könnte», wie sie entschuldigend sagen.
Sie sammeln, bis sie irgendwann den Überblick verlieren und im Chaos zu ertrinken drohen. Der Versuch hier aufzuräumen gleicht dem Versuch, mit einer Kinderschaufel einen Urwald zu roden.
Messies lassen eines Tages niemanden mehr in die Wohnung, suchen ständig etwas in ihrem Chaos-Haushalt, schlafen auf dem Fußboden und lassen sich Fastfood kommen. Messies sind oft krankhaft perfektionistisch. So lange das richtige Ordnungssystem fehlt, fangen sie gar nicht erst an».
Messies sind aber auch oft sehr intelligent und kreativ.
Exzessives Sammeln kann eine Sucht oder eine Zwangshaltung sein. Zwanghafte Sammler leiden selber unter ihren Zwängen, aber an den Süchtigen leidet ihre Umgebung».
Die süchtigen Messies sind auf den ersten Blick liebenswürdig. Aber sie sind ohne klare Ich-Grenzen und lassen sich vom Leben überfluten. Böse ausgedrückt: «Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Die zwanghaften Messies dagegen sind Perfektionisten, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitern.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es ?
Ein Psychologe rät, das «Vier-Kisten-Prinzip anzuwenden. In eine Kiste kommt alles, was man wegwerfen kann, in eine andere alles, was verkauft oder verschenkt werden kann. Eine (besonders kleine) Kiste beherbergt Sachen, bei denen man sich nicht auf Anhieb entscheiden kann, was damit zu geschehen hat. Der Inhalt der vierten darf aufgehoben werden. Und: Für alles, was man neu kauft, muss etwas anderes hergegeben werden. «Bis dorthin scheint das eine ganz einfache Verhaltenstherapie zu sein», sagt der Psychologe «aber das Hergeben tut den Leuten verdammt weh und geht an die Substanz. Das ist dann der Zeitpunkt, wo tiefenpsychologische Schritte gegangen werden müssen».
*Quelle: Renate Kingma / Morgenpost / Erschienen am 04.05.2002