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Autor Thema: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?  (Gelesen 7958 mal)

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Offline geomueller

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Hallo Stefan, hallo Mod's,

ich habe kürzlich zwei Fundstellen im Lexikon angelegt (Deutschland/Thüringen/Greiz/Waldhaus/Steinbruch Steinhübel und ----/Greiz/Steinbruch an der Teufelskanzel). An beiden Fundpunkten tritt als Gestein ein sogenannter Meta-Granitoid (Bezeichnung so in der betreffenden Geologischen Karte 5339 Greiz bestätigt) auf, der auch für die dortige Blei-/Antimonvererzung verantwortlich ist. Solche --oide, wie hier Granitoide (also nicht näher bestimmbare oder zuordenbare granitähnliche Gesteine), können aber mit dieser Bezeichnung nicht ins Lexikon eingetragen werden da sie nicht in der vorhandenen Gesteinsauswahl aufgelistet sind. Um diese und auch viele andere Fundpunkte aber geologisch bzw. lagerstättenkundlich richtig ins Lexikon einzutragen wäre es schon sinnvoll solche --oide auch als solche bezeichnen zu können. In diesem speziellen Fall das Gestein als "Granit" zu bezeichnen wäre auf jeden Fall falsch.

Also wie könnte man dieses Problem angehen um geologisch korrekt zu bleiben.

Gruß Jürgen
« Letzte Änderung: 21 Nov 10, 16:40 von geomueller »

Offline Geomaxx

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #1 am: 20 Nov 10, 21:16 »
Hi
das ist korrekt, "Meta-Granitoid" beschreibt das Gestein nicht exakt. Es gibt lediglich den Status als Metamorphes Gestein wieder und lässt die Aussage zu, daß das Ausgangsgestein ein Gestein Granitähnlicher Zusammensetzung war.

Als Ausgangsgesteine für Meta-Granitoide kommen demnach die folgenden Gesteine in Frage (vgl. Streckeisen-Diagramm Magmatite):
1b = Quarzreiche Granitoide
 2 = Alkalifeldspatgranit
 3 = Granit mit (3a = Syenogranit, 3b = Monzogranit), Einglimmer- und Zweiglimmer-Granite
 4 = Granodiorit
 5 = Tonalit
 6 = Alkalifeldspatsyenit
 6* = Quarz- Alkalifeldspatsyenit
 6`= Foidführender Alkalifeldspatsyenit
 7 = Syenit,
 7*= Quarzsyenit
ferner:
- Trondhjemite
- Pagiogranite
- Quarz-Keratophyre

Diese Ausgangsgesteine erscheinen je nach Metamorphosegrad als im Mineralbestand ganz unterschiedliche metamorphe Gesteine, die dann eben als "Meta-Granitoide" bezeichnet werden. Diese allgemeine Gesteinsbezeichnung wird vor allem dann benutzt, wenn eine detaillierte Typisierung der Metamorphen Gesteine nicht vorgenommen wurde und weiterführende Aussagen nicht mit hinreichender Genauigkeit getroffen werden können.
Insofern also sind, wie du schon beschrieben hast, keine nährern Angaben zur Gesteinsbeschreinung möglich, es sei denn, es kümmert sich jemand um Detailangaben zum Bestand der gesteinsbildenden Minerale...
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline Stefan

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #2 am: 21 Nov 10, 12:43 »
Hallo,
nach meiner Recherche steht Granitoid für ein Granit ähnliches Gestein.

Entspricht "Granit ähnliches Gestein" dann "Granitischem Gestein" oder ist "Granitisches Gestein" eher eine Untergruppe von "Granit ähnlichem Gestein"?

Gruß Stefan

Offline Collector

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #3 am: 21 Nov 10, 14:30 »
Hallo Stefan

Deine Recherche hat Dich ans richtige Ziel geführt.

Granitoid ist ein Begriff, welcher ursprünglich für Gesteine benutzt wurde, welche Granit "ähnlich" , jedoch unterschiedlich zusammengesetzt waren. Der Begriff wird heute gewöhnlich als Synonym für ein granitisches Gestein benutzt, d.h., ein magmatisches Gestein, welches essentiell aus Quarz, Alkalifeldspat und/oder Plagioklas beteht. In der Petrographie wird granitoid  als allgemeiner Begriff in der vorläufigen QAPF- "Feld"-klassifikation für solche Gesteine verwendet, welche versuchsweise, bzw. vor der genauen Bestimmung als Granit, Granodiorit oder Tonalit identifiziert werden. (STRECKEISEN, A., 1976; To each plutonic rock its proper name. Earth Science Review, Int. Mag. f. Geo-Scientist, Vol. 12, 1-33; Fig. 6).

Gruß
collector

Offline Stefan

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #4 am: 21 Nov 10, 16:17 »
Hallo Peter,

interpretiere ich das jetzt richtig, dass wir Granitoid als Synonym für "Granitisches Gestein" eintragen können. Ggf. mit dem zusätzlichen Vermerk, dass es ursprünglich für Gesteine benutzt wurde, welche Granit "ähnlich" , jedoch unterschiedlich zusammengesetzt waren.

Dann könnten wir so dies zutrifft, untergeordnet das "Nicht-Gestein" aber "Gesteinsgattungsbeschreibung" "Meta-Granitoid" anlegen um eine Zuordnung für diese schwammig definierten Gesteine zu ermöglichen.

Besten Gruß Stefan

Offline Collector

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #5 am: 21 Nov 10, 22:33 »
Hallo Stefan

wir sollten hier aufpassen, dass wir nicht die Begriffe Granitoid und Meta-Granitoid in einen Topf werfen.
Der Begriff Granitoide ist ja jetzt ausreichend definiert und von Dir noch mal in Deinem o.a. ersten Satz korrekt bestätigt worden; also ein Synonym oder eine Feldbezeichnung (bzw. "Gesteinsgattungsbezeichnung") für granitische Gesteine. Ergo kein eigenständiges Gestein.

Meta-Granitoide sind was ganz anders; es sind dies Gesteine, wie sie sehr deutlich und richtig von Geomaxx (siehe oben) erklärt wurden; d.h., eine Terminologie für mittel- bis hochmetamorphe Äquivalente von sauren und intermediären Plutoniten.
Beispiele:

*A. Im Bereich des mittleren Metamorphosegrades:
**Ausgangsgesteine: Nicht metamorphisierte Granitoide von Alkalifeldspatgranit bis Monzo- und Quarzdiorit (s.o. Gliederung von Geomaxx)
**Meta-Granitoide:  (Granitische bis tonalitische) Orthogneise, bzw. eine Anzahl von Orthogneisen mit Alkaliamphibol und/oder Alkalipyroxen, die von entsprechenden Granitoiden abstammen.

*B. Im hochmetamorphen Bereich
**Ausgangsgesteine: Nicht metamorphisierte Granitoide: Alkalifeldspat bis Quarzdiorit (s.o. Gliederung von Geomaxx)
**Meta-Granitoide: Die aus diesen sauren und intermediären Plutoniten umgewandelten hochmetamorphen Äquivalente , d.h. Granulite (mittel- bis feinkörnige gneisige Gesteine)  und charnockitische Metamorphite, als da sind:
-Alkalifeldspat-charnockitischer Granit
-Charnockitischer Granulit
-Charno-enderbitischer Granulit
-Enderbitischer Granulit
-Hypersthen-Perthit-Granulit
-Hyüersthen-Perthiklas-GRanulit
-Hypersthen-Pyroklas-Granulit
-Pyroxengranulit ( auch als Pyriklasit benannt).

Du siehst, eine recht komplizierte Angelegenheit. Und nochmal, zusammenfassend:

*A. Granitoide sind keine genau bestimmten Gesteine, sondern eine Feldbezeichnung für nichtmetamorphe, granitähnliche Gesteine mit unterschiedlicher Zusammensetzung.
*Meta-Granitoide sind Plutonite, d.h. Gesteine, welche im Bereich des mittleren Metamorphosegrades zu Orthogneisen und im hochmetamorphen Bereich zu Granuliten und charnockitischen Metamorphiten umgewandelt wurden.

Gruß
collector

Offline Stefan

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #6 am: 21 Nov 10, 23:29 »
Danke Peter,

in der Tat etwas verwirrend.

Dann hängen wir Meta-Granitoide am sinnvollsten unter metamorphe Gesteine. Macht es Sinn dann Gesteine wie Orthogneis dem unterzuordnen?

Damit ich bei der Übernahme jetzt nicht noch Fehler einbaue, wäre es schön Ihr könntet Eure Beschreibung in die Seite mit aufnehmen.

Meta-Granitoid

Besten Gruß
Stefan
« Letzte Änderung: 21 Nov 10, 23:40 von Stefan »

Offline Collector

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #7 am: 22 Nov 10, 07:15 »
Hallo Stefan


erledigt. Aufgenommen und links upgedated.
Gruß
collector

Offline berthold

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #8 am: 22 Nov 10, 09:48 »
Hallo,

weil das Thema gerade angeschnitten wurde - wie ist da die Abgrenzung vom "Meta-Granitoid" zum "Meta-Granit"?

Gruß
Berthold

Offline Collector

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #9 am: 22 Nov 10, 15:36 »
Hallo Berthold



*1. Lt. Lexikon der Geowissenshaften ist Metagranit ein metamorpher Granit. Nicht mehr.
*2. Andere wiederum begreifen unter Metagraniten metamorphe Granitoide, d.h. Metagranitoide, d.h. plutonische Gesteine im QAPF 2, 3a, 3b, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 mit ihren jeweiligen über- oder untersättigten Varianten.
*3. In der Uni Halle sind Metagranite identisch mit Rotgneisen.
*4. Der bekannte jadeitführende Metagranit von Seisa-Lanzo in den italienischen Westalpen ist metamorpher Granodiorit.
*5. Der englische BGS (British Geological service) ist ehrlich und sagt: Metagranites are non-specified rocks.
(Bzw.: "Sollte jemand mehr dazu wissen, bitte um Kontaktaufnahme....)

Bei den Metamorphiten existiert keine allgemeingültige Klassifikation und es fehlt eine einheitliche Terminologie. Zu jedem Magmatit gibt es ein oder mehrere metamorphe Gesteine.

Insofern kann man auch nicht zwischen Metagranitoiden und Metagraniten abgrenzen - das ist meine Meinung -, besonders, als die Metamorphite, die auf Magmatite zurückgehen, zwar Metagranitoide sind, aber auch noch Orthogesteine heißen und im Prinzip jeder metamorphisierte Alkalifeldspatgranit , Granit, Syenogranit, Monzogranit, Granodiorit, Tonalit, Quarzdiorit oder Quarz Monzodiorit ein Metagranit ist.

Hoscht mi ? ???
Irgendwie macht Geologie doch Spaß - oder ?

Gruß
collector

Offline Isle

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Re: Wie im Lexikon umgehen mit sogenannten Granitoiden?
« Antwort #10 am: 27 Jan 11, 00:49 »

Da kann ich die Paper bzw. das Buch ( Fettes & Desmonde ) von der Subcommison of Metamorphic Rocks ( SCMR ) empfehlen als Lektüre. Bis vor kurzem gabs die kostenlos zum download- die Links scheinen aber derzeit alle tot zu sein. Sie enthalten Informationen zu metamorpher Nomenklatur aufgeteilt in einzelne Fazies sowie ein Glossar mit Definitionen.
Das wird zwar sicher kontrovers diskutiert, aber dennoch ist es ja eine namhafte Institution und letzlich gehts ja nur darum irgendwo mal "Schubladen zu definieren". Die Publikation ist quasi das metamorphe Gegenstück zum Le Maitre et al.

Sollten die Seiten weiterhin tot bleiben möge man mich bei interesse kontaktieren.. geordneter Haushalt und so.  ;) Ich hatte mir ärgerlicherweise zu dem Zeitpunkt schon das Buch gekauft.

Beste Grüße,

Holm

 

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