https://crystalparadise.de/https://fossilsworldwide.de/https://www.geolitho.eu/finanziell-unterstuetzen/

Autor Thema: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine  (Gelesen 5961 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Hallo
Heute benötige ich mal Hilfe oder Tipps zur Bestimmung des auf dem Foto gezeigten  1,9 kg schweren Stückes.
Dies ist ein Exemplar von der Halde der alten Silbergrube La Fuerza im Revier Hiendelaencina in Spanien. Die Farbe ist metallisch-schwarzgrau bis stahlgrau, in einigen Partien sehr dünn oberflächlich rostrot verfärbt (jedoch kein Hämatit und keine Abfärbung durch Abrieb). In einigen Zonen blaue Anlauffarben, resp. Iridiszenz.
In einigen Zonen erscheinen fächerförmige und/oder radialstrahlige Kristallaggregate bis 2 cm breit und bis 4 cm lang, allerdings nicht sehr deutlich ausgebildet.
Der Bruch erscheint muschelig; die Härte ist ca. 5-6 (schwer ritzbar mit Messer).
Der Strich ist grau.
Der Glanz ist metallisch. Keinerlei Matrix, kein Kalk, kein Silikat.
Das in Hiendelaencina abgebaute Haupterz war Pyrargyrit, lokal auch Freieslebenit. Das Erz wurde einige km entfernt von den Stollen gebrochen und geschmolzen.
Ich habe das Exemplar mit allen bei mindat gelisteten Mineralien der Hiendelaencina-Paragenese verglichen; keines davon trifft zu.

Ich sage absichtlich „Exemplar“ , da man bei Funden in historischen Gruben mit Verhüttungsbetrieben auch Schlacken nicht ausschließen sollte.  In diesem Zusammenhang, sollte jemand ggf. Schlacke vorschlagen, die Frage: Woraus bestehen solche bei der Verhüttung, sprich beim Schmelzen von Silbererzen anfallenden Schlacken ?  (wenngleich das von mir gefundene Exemplar zu 100% metallisch ist und keinerlei Spur von Zuschlagstoffen aufweist).

Ich danke für alle Tipps und Hinweise
Gruß
Collector

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #1 am: 10 Feb 11, 19:42 »
Hallo Peter,

boah - einfache Schlacke glaube ich nicht. Knapp über der Verlängerung deines linken Daumens  8) erscheint mir eine Spaltbarkeit vorzuliegen. Kannst du das bestätigen?

Entschuldige die Frage: Ist das Stück magnetisch? Ich denke eher an eine Verschleppung oder Fremdmaterial im ersten Moment...

MfG

Frank

Offline geomueller

  • Sponsor 2024
  • *
  • Beiträge: 2.700
  • Seit 2003 im Mineralienatlas angemeldet.
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #2 am: 10 Feb 11, 19:53 »
Hallo Peter,
also ich glaube auch nicht an ein Mineral/Erz aus der Gegend, ich vermute eher das es sich um künstlich hergestelltes FeSi (Ferrosilicium) handelt welches in der dortigen Aufbereitung zur Herstellung von Schweretrübe benutzt wurde. Auch wenn das Stück nicht magnetisch ist kann es trotzdem FeSi sein weil es ja auf den Fe-Anteil ankommt der bei FeSi natürlich sehr unterschiedlich sein kann (1 bis 99%). Deine Bemerkung "in einigen Partien sehr dünn oberflächlich rostrot verfärbt" würde auch auf FeSi hinweisen.  Fesi findet man relativ häufig auf Halden die in der Nähe alter Aufbereitungen liegen.

Gruß Jürgen

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #3 am: 11 Feb 11, 00:23 »
Hallo Jürgen

danke für die Antwort.
Nein, auf keinen Fall Ferrosilizium.  Einmal war die Technologie der Herstellung von FeSi noch nicht bekannt, als die letzten Gruben in Hiendelaencina aktiv waren (1844 - 1916). Ferrosilicium ist ein Derivatprodukt aus dem Elektroschmelzprozess von Normalkorund, ein relativ neues Verfahren, aber noch nicht im 19. Jh. bekannt.

Soweit ich nachvollziehen kann, ist auch die Trenntechnologie mittels FeSi-, Magnetit oder Baryt-Schwertrübe relativ jung; bzw. war, als die Erze in Hiendelaencina verhüttet wurden, war sie noch nicht erfunden.


Hallo Krizu

Nein. Weder Spaltbarkeit, noch magnetisch. Fremdmaterial ? Nicht bekannt, ob es sowas gab und wenn, dann warum und woher. Es gab 200 Stollen im Revier, aller hatten dieselben Erze und quasi denselben Abraum, ergo Halden mit (fast) identischem Material. Die Halden, wo das Exemplar herkommt, sind letztmalig so um 1920 aufgeschüttet worden.

Wir müssen leider weiter(ver)suchen.
Danke und Gruß
Peter

Offline heli

  • ******
  • Beiträge: 1.931
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #4 am: 11 Feb 11, 11:24 »
Hallo Peter,

für mich sieht das eher auch nicht wie eine Schlacke aus.

Das Material dürfte ja ziemlich einheitlich sein. Kannst du das spez. Gewicht ermitteln?
Vielleicht hilft das weiter.

Beste Grüße
Helmut

Offline geomueller

  • Sponsor 2024
  • *
  • Beiträge: 2.700
  • Seit 2003 im Mineralienatlas angemeldet.
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #5 am: 11 Feb 11, 18:01 »
Hallo Peter,
welche Farbe hat das Material am frischen Bruch, auch so metallisch-schwarzgrau bis stahlgrau? Ich vermute mal das das überwiegend Anlauffarben sind.
Gruß Jürgen

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #6 am: 11 Feb 11, 18:35 »
Hallo Jürgen

ja, am frischen Bruch komplett schwarz-dunkelgrau metallisch mattglänzend.

Das Silber in Hiendelaencina (Sb-Sulfosalze) wurde, soweit nachvollziehbar, durch Amalgamationsprozess (europäischer oder amerikanischer, nicht bekannt) gewonnen. Hierbei ergeben sich, soweit ich das als Laie sehe, weder beim Pochen, noch beim Rösten, noch beim Amalgamieren des zermahlenen Erzes irgendwelche Schlacken auf, aber auch keine Zwischenstufen wie beim Mansfelder Kupfer (Schwarzkupfer etc.).

Das von mir gefundene Exemplar hat keinerlei Anzeichen einer Schmelzschicht oder geschmolzenen Metalls; im Gegenteil, im frischen Anbruch wirkt es frisch und sogar etwas spröde. Was mich andererseits stutzig macht, sind die cm-großen Kristallite, die an der Oberfläche deutlich sichtbar sind und die ich nicht einordnen kann.

Ich versuche mal, bessere close-up Aufnahmen zu machen und evtl. das spezifische Gewicht zu ermitteln.

Danke und Gruß
Peter

Offline Kluftknacker

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.775
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #7 am: 11 Feb 11, 18:47 »
(wenngleich das von mir gefundene Exemplar zu 100% metallisch ist und keinerlei Spur von Zuschlagstoffen aufweist).

Ist DAS gesichert? Vorher wird nur metallische Farbe und metallischer Glanz erwähnt.

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #8 am: 11 Feb 11, 19:09 »
Hallo Kluftknacker

Danke für den Hinweis. Du hast aufgepasst und vollkommen Recht.  Das Exemplar sieht komplett metallisch aus ! Es gibt jedoch bisher keinen Beweis, dass es auch komplett metallisch ist.

Leider habe ich nicht die Möglichkeit, den Fund analysieren zu lassen.

Ich pendle zwischen verschiedenen Möglichkeiten:

*1. Ein nichtmetallisches Mineral, bzw. ein Amphibol oder Pyroxen (dagegen spricht die hohe Dichte)
*2. Eine Schlacke (dagegen spricht das Fehlen typischer Schlacke-Charakteristika)
*3. Ein Erz, d.h. ein Mineralgemisch
*4. Ein Sulfid (muss getestet werden)

Danke und Gruß
Peter

Offline Kluftknacker

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.775
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #9 am: 11 Feb 11, 20:00 »
Ich habe ähnliches Material auch schon einmal in der Hand gehabt. Bitte nicht fragen, wo. Es war aber in Deutschland (Harz, Schwarzwald, Fichtelgebirge). Ich habe das damals als dichte Schlacke liegen gelassen. Allerdings: Dieser schillernde Glanz, ähnlich dem Blick in eine Pfütze mit dünner Ölschicht ist mir auch auf vielen Zinkblendebrocken (mit hohem Eisengehalt) im Harz aufgefallen.

Glasschlackestein zur Gewölbeausmauerung, als Baustoff ?

Kluftknacker


Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Re: Bestimmung eines Haldenfundes von einer Silbermine
« Antwort #10 am: 12 Feb 11, 08:56 »
Hallo Kluftknacker

danke fürs Mitdenken.

Das ist definitiv kein Glasschlackestein zur Gewölbeausmauerung, als Baustoff .  An dem Exemplat gibts keinerlei glasartige, oder keramische, oder jegliche silikatische Spur, auch keine Schmelz- und keine Hochtemperatureinwirkung sichtbar.

Ich denke, ich werde das Teil analysieren lassen.

Besten Gruß
Peter

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge