Hallo liebe Sammlergemeinde,
Ich hatte auf dieser Seite ein mir unbekanntes Geschiebe eingestellt, mit der Bitte um Hinweise, ob ein vergleichbarer Fund in der einen oder anderen Sammlung vorhanden ist. Nach weiteren Recherchen lag die Vermutung nahe, dass dieses Gestein, als Geschiebe in Jütland gefunden, bislang noch nirgends benannt oder beschrieben wurde. Dem Tipp von Kluftknacker folgend, wandte ich mich an das Geozentrum Hannover, wo eine umfangreiche Vergleichssammlung lagert. Dort nahm sich Herr Dr. Meyer, seines Zeichen Spezialist für glaziale Geschiebe, dem Fund an. Parallel dazu war auch Herr Matthias Bräunlich so freundlich, Recherchen über das Gestein anzustellen. An dieser Stelle mein aufrichtiger Dank für die freundlichen Mühen dieser beiden Herren. Das Geozentrum Hannover, um Hr. Dr. Meyer, sowie Hr. Bräunlich kamen beide zu dem Schluss, dass dieses Gestein bislang noch nicht beschrieben wurde.
Da jedes Kind einen Namen braucht – und das arme Gestein ohne ein Schild um den Hals traurig und abseits neben den anderen Geschieben in meiner Sammlung steht – bitte ich um mögl. Vorgehensweisen, bzw. ein Procedere der Namensgebung, da dieses je nach Fakultät wohl unterschiedlich gehandhabt wird.
Doch kurz dazu, was dieses Gestein ist, bzw. nicht ist:
Aufgrund der Morphologie des Gefüges, ähnelt es zunächst einem Granit. Dieser scheidet nach dem QAPF-Diagramm jedoch aus, da der Quarzanteil viel zu hoch ist. Aufgrund des hohen Quarzanteils (>80%), wäre nach „Streckeisen“ eine Einteilung in das Feld 1b sinnvoll. Doch das Gefüge des Gesteins entspricht ebenfalls nicht dem eines Quarzreichen Granitoids. 1a scheidet ebenfalls aus, da auch die Quarzoide anders aufgebaut sind. Ähnliche Probleme entstehen bei einem Versuch der Zuordnung zu metasomatischen Gesteinen. Morphologisch zwar Greisen ähnlich, kann dieses auch verworfen werden, da die Kalifeldspäte bei Greisen zu Hellglimmern umgewandelt werden. Propylite sind wiederum charakterisiert durch Albitisierung, Chloritisierung, Epidotisierung, oder Karbonatisierung. Auch hier steht der sehr dunkle Quarz des Gesteins konträr zu den diesbezüglichen Gesteinsbildern. Pegmatite und Quarzite scheiden aufgrund des Gefüges auch aus.
Am ehesten (das jedoch nur meiner laienhaften Kenntnis nach), würde ich eine Genese als metamorphes / hochdruckmetamorphes Gestein favorisieren wollen.
Soweit mir bekannt, findet sich die Klassifikation von Metamorphiten durch ihre Fazies begründet. Hier wäre z. B. Rauchquarz… eine Möglichkeit. Alternativ dazu kommen auch Präfixe bei Metamorphiten magmatischer Abstammung zum Tragen: Ortho… .
Als Geschiebefund käme m.E. auch die geografische Lage des Anstehenden, bei der Namensgebung mit in Betracht; da dieses jedoch kaum eruiert werden wird, evtl. ein Hinweis im Namensteil mit Bezug des Fundortes?
Ich bitte die Sammlergemeinschaft um Mithilfe, da mir das Procedere einer Namensgebung in der Geologie nicht geläufig ist. Soll ich im Lexikon eine Seite mit den bisherigen Erkenntnissen einrichten?
Ich freue mich auf Eure Vorschläge, und bedanke mich schon mal für Eure Unterstützung.
Euch allen noch frohe Pfingsten und Glück Auf! Jörg