Hallo,
als jemand, der die Auer Börse zum ersten Mal besucht hat, war ich überrascht vom tollen Ambiente, aber auch etwas enttäuscht vom Angebot. Da halte ich es mit einem bayrischen Sammlerfreund, der meinte, hier wären die Händler alle Vollprofis, Schnäppchen seien nicht zu machen.
Nach der ersten Runde hatte ich denn auch ein paar interessante Stücke gesehen, die Preisauszeichnungen waren aber jenseits von gut und böse. Nach drei Stunden und etlichen Runden später war ich dann aber auch mit den Einkäufen ganz zufrieden.
Insgesamt kann die Börse auch von mir empfohlen werden, sie hat ja ohnehin einen guten Ruf. Unter dem Veranstaltungsort Kulturhaus hat man sich optisch nicht etwa ein piefiges ex-Kreiskulturhaus vorzustellen, sondern eher etwas in Richtung historisches Kurhotel. Auch die Verpflegung verdient ein Lob, so etwas hat man auch nicht auf jeder Börse - weit mehr als der Stand mit Bockwurst und Bier, den man oft (und nicht mal immer) sieht.
Was das Angebot anbetrifft, wenig Müll, fast gar nicht. Durchweg solides Material. Einige international bekannte Händler haben die ein oder andere Kracherstufe, Preise hier natürlich hoch drei- oder vierstellig. In der Tat auch viel Prominenz vor und hinter den Tischen, gekauft wurde aber nach meiner Wahrnehmung eher wenig.
An erwähnenswerten Stücken fielen mir auf: eine 10x10 cm Stufe aus großen, schlanken Calcitskalenoedern von der Grube Habacht bei Brand-Erbisdorf (mit tollem Etikett von 1824), eine herausragende Miargyritstufe von Bräunsdorf (mit zwei pyrargyritüberzogenen x von guten 2 cm) und eine ganz hübsche Emplektitstufe vom Tannenbaumstolln (mit schönem Etikett) - alle im mittleren bis oberen dreistelligen Preisbereich. Zudem gab es recht viele Neudorfer Galenite und Manganite von Ilfeld, allerdings auch alles teuer.
Ferner gab es noch einen cm-großen Helvin in handstufengroßer Matrix von der Grube Fortuna/Breitenbrunn, leider fehlte eine Ecke des Kristalls, sonst hätte ich ihn mitgenommen. Beim gleichen Händler sah ich noch einen selten guten Krokoit von Callenberg und ein fantastisches Gold von Böckstein/Österreich. Aus Sachsen noch interessant war ein Neufund mit Autunit aus dem Bereich Kirchberg - wirklich schöne Stufen - und zwei kleine, aber nette Berthieritstufen von Reinsberg und Kleinvoigtsberg bei Freiberg.
Der ein oder andere Systematiker kam sicher mit einem Neufund Vanmeersscheit/Johanngeorgenstadt, allerlei "neuem" von Schneeberg/Schlema (Anglesit u.a.) und etwas Ronneburg-Material (darunter Ronneburgit, Chernikhovit und Chalkomenit) auf seine Kosten.
Aber, wie geschrieben, gekauft wurde kaum, fast alles oben beschriebene wurde von den Händlern wieder eingepackt. Ich selbst habe mir einen Walpurgin vom Weißen Hirsch mit altem Etikett und eine Rubinblende von Halsbrücke (mit xx wie aus Anxbach) gegönnt. Ganz zum Schluss fand ich dann auch noch mein Schnäppchen. Eine Kleinstufe mit braunen, kleinen Coelestin xx von Scharfenberg. Die ordentlichen Strontianitbüschel darauf hat der Händler wohl zum Glück übersehen...
Gruß
Andreas