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Autor Thema: Leukogneis  (Gelesen 5266 mal)

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Offline berthold

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Leukogneis
« am: 13 Sep 12, 10:13 »
Hallo,

ich stolpere immer wieder über den Begriff Leukogneis (leucogneiss), habe aber dazu nichts im Lexikon gefunden. Ist das einfach nur ein heller Gneis? Besonders würde mich interessieren wie sich der Leukogneis vom Aplit (Metaaplit, Aploid) unterscheidet bzw unterscheiden lässt.

Gruß
Berthold

Offline Jörg

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Re: Leukogneis
« Antwort #1 am: 13 Sep 12, 17:07 »
Hallo Berthold,

soweit mir bekannt definiert sich ein Aplit als helles, feinkörniges Gestein mit einer Zusammensetzung wie Granit (hoher Feldspatanteil).
Ein Leukogneis hingegen zeichnet sich durch einen hohen Muskowitanteil aus.

Beste Grüsse und Glück Auf!
Jörg

Offline berthold

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Re: Leukogneis
« Antwort #2 am: 13 Sep 12, 17:44 »
Hallo Jörg,

vielen Dank. Hoher Muskovitanteil?  woher stammt diese Info?

Ich habe eine exemplarische Zusammensetzung gefunden:
 
40% Kalifeldspat, 30% Quarz, 20 % Plagioklas, 5% Muskovit
(Quelle: Diplomarbeit Heiko Helbing Uni Göttingen 1997)

Mit so einer Zusamensetzung könnte ich mir auch einen Aplit/Metaaplit/Aploid vorstellen, daher meine Frage.

Gruß
Berthold

Offline Erik

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Re: Leukogneis
« Antwort #3 am: 13 Sep 12, 19:27 »
Hallo,

mir ist Leukogneiss als Bezeichnung für helle Gneisse, die vor allem aus Quarz und Feldspat bestehen und kaum/keine dunklen/mafischen Minerale führen, bekannt. Dass der Muskovitanteil eine Rolle spielen soll habe ich noch nicht gehört.

Ein Aplit, der höherem Strain ausgesetzt ist, wird letzten Endes genau zu solch einem Leukogneiss. Eine Unterscheidung zu anderen Edukten ist dann, zumindest im Handstück, wahrscheinlich nicht so einfach...

Gruß, Erik

Offline Jörg

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Re: Leukogneis
« Antwort #4 am: 13 Sep 12, 19:35 »
Hallo Berthold,

soweit mir bekannt, muss ein Aplit zwangsläufig kein Muskowit enthalten.
Ein Leukogneis schon.
Kann den minimalen Gehalt an Muskowit jedoch auch nicht genau benennen, ich weiß nur, dass er welchen in bestimmter Höhe haben muss.
Ein "hoher" Anteil war mir irgendwie im Hinterkopf. Kann jedoch sein, dass es 5% sind (ist ja auch nicht wenig).
Aufgrund des Muskowitanteils wird für einen Leukogneis manchmal auch das Synonym "Muskowitgneis" gewählt.

Aus: Marmor im Erzgebirge Bergbau in Sachsen, Band 16 Bergbaumonografie / Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
"...Muskowitgneise (Leukogneise), mittel- bis grobkörnig mit Alkalifeldspäten, Plagioklas, Quarz und Hellglimmer bei granitischer Textur..."

Beste Grüsse
Jörg
 

Offline berthold

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Re: Leukogneis
« Antwort #5 am: 13 Sep 12, 19:54 »
Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Ganz schlau bin ich noch nicht.

@Erik: Wird durch Strain aus einem Aplit nicht ein Metaaplit? -so kenne ich das zumindest.

@Jörg: Darf ich mir dann unter Leukogneis einen Muskovit-haltigen Aplit vorstellen? Die Definition von Aplit schließt aber Muskovit doch nicht aus.

Gruß
Berthold

Offline felsenmammut

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Re: Leukogneis
« Antwort #6 am: 13 Sep 12, 20:48 »
Glück Auf!

Ein Aplit ist ein Ganggestein mit meist granitischer Zusammensetzung und sehr kleiner Korngröße

Ein Leukogneis ist ein Gneis und damit ein Metamorphit. Die Vorsilbe Leuko weist dabei auf den hohen Anteil an hellen Mineralien hin (wahrscheinlich genauso wie bei Leukograniten: 95%), bzw. auf sein sehr helles Aussehen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Jörg

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Re: Leukogneis
« Antwort #7 am: 13 Sep 12, 21:27 »
Hallo,

Das Felsenmammut hat´s schön auf den Punkt gebracht (Aplit = Ganggestein, Leukogneis = Gneis).
Das wäre dann unabhängig vom Muskovit.

@ Berthold: Aplit kann mit oder ohne Muskovit.

Glück Auf!
Jörg


Offline berthold

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Re: Leukogneis
« Antwort #8 am: 13 Sep 12, 21:46 »
Hallo Markus,

ja, Metamorphit gegen Plutonit - nur sehe ich die Entstehung dem Gestein nicht an :-(

da Leukogneise wohl auch Gänge bilden (?) Aplite aber nicht nur in Gangform auftreten dürfte die Form kein Unterscheidungsmittel sein.

Frage: Muss der Leukogneis ein gneistypisches deformiertes Gefüge aufweisen? - das wäre dann ein greifbares Unterscheidungsmerkmal.

Gruß
Berthold

Offline Erik

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Re: Leukogneis
« Antwort #9 am: 14 Sep 12, 00:59 »
Zitat
@Erik: Wird durch Strain aus einem Aplit nicht ein Metaaplit? -so kenne ich das zumindest.

Sicher - aber die Vorsilbe Meta- bedeutet ja, dass ein Gestein nicht mehr als das ursprüngliche Gestein vorliegt, sondern eben mehr oder weniger stark überprägt wurde (aber mit diesem chemisch identisch ist). Irgendwann wird natürlich aus einem Aplit über den Metaaplit ein Gneis. Der Unterschied findet sich dann nur im Gefüge.

Ich habe mich vor nicht allzulanger Zeit ein bißchen mit einer sehr ähnlichen Fragestellung im Rahmen einer Masterarbeit beschäftigt. Dort ging es um relativ geringmächtige "Lagen" eines Leukogneises mit typischem Gneisgefüge (Paralleltextur, schiefrig etc), die einen - wenn ich mich recht erinnere - Dioritgneis/Amphibolit völlig diskordant zum vorherrschenden metamorphen Lagenbau durchsetzten. Chemisch entspricht das Gestein einem Aplit (oder Pegmatit, dafür ist die Korngröße aber dann doch geringer als man - auch trotz Metamorphose - erwarten würde) - nach dem Handstück könnte das Edukt aber alles mögliche sein. Nur im Aufschluss war klar, dass es sich um ein Meta-Ganggestein handelt. Aufgrund des Gneisgefüges kann man hier aber nicht mehr von einem Metaaplit sprechen.

Sprich: ein Leukogneis ist/kann mineralogisch identisch zu Aplit/Metaaplit sein, der Unterschied liegt vor allem im Grad der Deformation, also im Gefüge.

Gruß, Erik

 

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