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Autor Thema: Monis Gedanken zu Island  (Gelesen 3123 mal)

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Offline Moni

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Monis Gedanken zu Island
« am: 05 Jul 04, 11:39 »
Hallo,

Sowohl 1992 als auch 1996 war ich auf Island wegen der Vulkane, der heißen Quellen, der Landschaft und, und, und...
In der zweiten Augustwoche 1996 ist ein Vulkan unter dem größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull, ausgebrochen und hat an der Südküste schlimme Verwüstungen angerichtet. Zum Zeitpunkt des Ausbruches selbst waren wir bereits wieder auf dem Heimweg, aber die Vorboten konnten wir miterleben bzw. im Nachherein als solche interprätieren.

Folgendes war geschehen.
Zu den zu Hauf notwendigen Fußdurchquerungen muß man wissen, daß der Pegelstand am Vormittag deutlich niedriger ist als zum Nachmittag / Abend hin. Ursache ist hierfür in der Tat das Wetter; bedingt durch den wärmeren Temp. am Tag gelangt mehr Schmelzwasser von den Gletschern in die Flüsse und Bäche. D.h. ab Nachmittag sind die Furten tw. arg tief und schlimm.
Das Hochlandgebiet am betroffenen Gletscher ist dementsprechend schwierig zu befahren und ausgesprochen naß. Wir haben uns 1996 nun recht gewundert, da diese Erkenntnisse und Erfahrungen aus 1992 am Gletscher zu den Furten absolut nicht zutrafen. Es war einfach trocken und alles unproblematisch.
Was war passiert?
Im Vulkan stieg die Temperatur bereits drastisch an und das abschmelzende, aufgeheizte Wasser loß auf Grund der Wassertemperatur und der Menge nicht mehr nach Norden ab ins Hochland, sondern in Richtung Süden und sammelte sich in der Grimsvötn einem großen unter dem Vatnajökull liegendem See mit heißer Quelle. Zum Zeitpunkt des Ausbruches waren nun die unterirdischen Wasserläufe gut ausgespült. Ab einem bestimmten Wasserstand im See läuft dieser dann über - hier nach dem Prinzip eines Siphons und dann brach der Vulkan richtig aus. Zwischen Ausbruchszentrum und der Grimsvötn liegen einige Kilometer! Das am Südrand des Gletschers massenhaft ankommende Wasser goß sich dann durch neu geschaffene Gletschertore in die Flußebene und riß häusergroße Eisblöcke mit sich.

Angeregt durch das Studium der unterschiedlichsten Reisebeschreibung habe ich selbst unsere Islandreise von 1996 in einem Buch niedergeschrieben. Leider nur eine Auflage; es einem Verlag anzudienen - das habe ich mir nicht getraut.

Kostprobe aus dem Manuskript gefällig?
Na klar  ;D

Gruß Moni
« Letzte Änderung: 16 Jan 05, 20:09 von geomueller »

Offline Moni

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Monis Gedanken zu Island
« Antwort #1 am: 05 Jul 04, 11:42 »
Kostprobe - aber nicht lachen !!!
 

Prolog auf glatten Pisten

Nachdem wir 1992 das erste Mal eine Reise an den Rand des Polarkreises unternahmen, nach Island, entstand im Folgenden eine Art Besessenheit, dieses Land wieder zu besuchen.
Wer Vulkane, die Auswirkungen und Folgen derselben oder auch die Eiszeit live erleben möchte, kann sich kein schöneres Ziel aussuchen.

Unseren Weg vor Augen, den "Schwan" vollbeladen mit Nahrung, Zeltausrüstung, Schaufel, Sandblechen, CB-Funk und vor allem mit uns, Freimut, mir sowie unseren beiden Kindern Nane und Julia, zogen wir Mitte Juli in Richtung Bergen, Norwegen. Auf den zweiten Teil der Expedition -meinen Eltern, unterwegs mit ihrem Wartburg Tourist dem "Guten"- wollten wir ca. 70km vor Bergen stoßen. Die Kontaktaufnahme per CB-Funk war zwar erfolgreich, doch unser Wiedersehen klappte erst im Hafen. An dieser Stelle möchte ich einfügen, daß meine im Hafen von Bergen getätigten CB-Sendungen in Berlin gehört wurden.
Jedoch zurück zur Reise.
Die Noröna, der Seelenverkäufer der Smyriline, schipperte 2 Tage recht ruhig über den Atlantik. Kommt die Insel dann in Sicht, stürmen alle Passagiere ans Deck und mit Sicherheit denkt jeder ans Wetter.
Was wird uns wohl erwarten?
Wintersachen, feste Schuhe, Mütze und Schal gehören zur Standardgarderobe. Den Badenanzug sollte man aber auch nicht vergessen.
Das Wetter ändert sich mit rasender Geschwindigkeit, wenn's an einem Ort stürmt und regnet, kann andernorts die Sonne scheinen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt ca. 12 oC; Temperaturen zwischen 0 bis 25 oC sind keine Seltenheit.
Vorweggenommen der diesjährige Sommer ist als isländischer Jahrhundertsommer eingestuft worden.
......



Auf den Spuren der Götter und Demonen


In den Sommermonaten wird es auf Island nie richtig dunkel und so beginnt langsam eine Tageszeitverschiebung einzusetzen. Frühestens 24 Uhr legt man sich zum Schlafen nieder und anderenmorgens wird's dann schon der späte Vormittag, ehe alles wieder verpackt und verstaut ist. Wir brechen also gegen 10 Uhr zur vorest leztzten gemeinsamen Wegstrecke auf, tanken in Grimsstadir den Schwan auf, fassen Wasser und verabschieden uns von meinen Eltern in Richtung Hochland. Mutti und Vati haben sich entschlossen die Nordroute der Straße Nr.1 zu fahren und unser Ziel ist der Herdubreid.
Die Piste F88 ist ein anfangs einziges  Waschbrett. Bis ca. 30 km vom Abzweig haben wir noch Funkkontakt zur "Rabenschüssel", dann ist Ebbe. Jeden Abend zwischen 19 bis 20 Uhr ist Sende/Empfangszeit vereinbart, leider wird es in den kommenden 2 1/2 Wochen nie mit einem Erzählchen klappen; die Berge er-weisen sich als zu großes Hindernis. 

Schön und ebenmäßig liegt der Herdubreid vor uns. Fast zum Anfassen nahe, doch noch einige Stunden werden wir uns über die Waschbrettpiste, durch die Furten und Lavaströme vorwärts kämpfen. Auf der tausendjährigen Hofwiese der Aasen, dem heutigen Zeltplatz nehme ich mit freiem Oberkörper ein Sonnenbad. Freimut und Nane pflanzen unseren mitgeführten Baumschößling. Möge er wachsen und gedeihen und vor allem ein Beitrag zur Aufforstung sein!
Nachmittags gegen 15 Uhr setzen wir uns zu Fuß in Richtung Herdubreid in Bewegung. Aber da war sie wieder die absolute Fehleinschätzung. Die Utbrunni, der größte Lavastrom der Welt, der u.a. den Herdubreid umzüngelt, wird länger und länger und die Pausen öfter und öfter. Am Fuße der Geröllhalde gehen Julia und ich schon mal voraus. Wir folgen besser dem abgesteckten Weg, denn schnell bekomme ich mit, daß einige Schluchten größeres bergsteigerisches Können verlangen. Ganz geheuer erschien mir die Sache nicht, zumal von Freimut und Nane nichts mehr zu sehen war und auch keine andere Menschenseele in absehbarer Zeit vorbeischauen würde.
Unbedingt wollten wir das Tor zur Götterburg sehen. Es ist die einzigste Aufstiegsmöglichkeit zum Gipfel. Ursprünglich eine Lavaabflußrinne und heute eine mit Schnee und Eis gefüllte Geröllhalde. Sie befindet sich im Westen und der Bergfuß will erst einmal umrundet sein! So eindrucksvoll wie die schematischen Zeichnungen von Harder dargestellt sind, ist die Wirklichkeit nicht. Es bedarf schon eines scharfen Auges um die Rinne auszumachen. Sie zeichnet sich jedoch von den vielen anderen durch ihre etwas niedrigere Neigung ab. An ihrem Fuß liegen größere und kleinere Felsbrocken, mit keinem möchte ich Bekanntschaft machen... Zum Dank, daß Julia und ich den doch anstrengenden Marsch geschafft hatten, huldigen wir Odin. Überraschungen behielt sich der Rückweg vor. Fast waren wir beide an der mit Freimut und Nane letzten Raststelle, sehen wir in halber Höhe des Geröllhanges zwei wild gestikulierend Punkte, die sich als der Rest der Familie entpuppten. Da der Himmel sich verdunkelte und ich alle Regensachen im Rucksack hatte, beschlossen wir zu den beiden zu stoßen und hielten uns also bergaufwärts nochmals Richtung Odins Tor. Unterwegs war ein kleines Schneefeld die Rettung vor dem Verdursten. Alle Mühe war jedoch vergebens, denn von den beiden anderen war keine Spur mehr zu sehen. Beeindruckend dagegen die Aussicht auf die Utbrunni. Tatsächlich sieht dieser großer Lavastrom so aus wie in der Edda beschrieben. Ein gewaltiger, sich aufpeitschender Fluß. Schwarz und bedrohlich. Julia und ich waren uns einig, daß wir nun schleunigst zum Auto zurückkehren sollten. Immer wieder hielten wir Ausschau nach einem roten und einem hellen Punkt. Ein neues Problem tat sich auf. Wie sollten wir uns durch die Utbrunni orientieren? Die beiden roten Dächer der Zeltplatzhütten waren gerade so noch mit dem blosen Augen zu erkennen. Das Gelände dahinter hatte auf an einem Bergrücken zwei kleinere Einschnitte. Diese konnte man auch aus einem Lavatal ausmachen und so begannen wir mutig die 1 1/2 stündige Utbrunnidurchquerung. Irgendwann waren einmal die oben mit rot und hell beschriebenen Punkte zu sehen und so wußten wir, daß Freimut und Nane ebenfalls auf dem Rückweg waren. Hungrig, durstig und kaputt erreichten wir nach 6 1/2 Stunden wieder unseren Schwan. Da der Zeltplatz uns von der letzten Reise bekannt war, aber vorallem die Mistviecher von kleinen Fliegen gewaltig störten, setzten wir 22.30 Uhr die Fahrt noch bis zur Askja fort. Gegen 1.30 Uhr erreichten wir die Drachenschlucht und schlugen unser Zelt auf dem hellen Bimssteinboden auf.
Ein Tag der Ruhe und Erholung an der Drachenschlucht der Askja folgte.

Die Askja ist ein gewaltiges Vulkanmassiv im unbewohnten zentralen Hochland. Eigentlich nennt sich das Massiv Dyngjufjöll und nur die 8km breite und 20km im Durchmesser messende Caldera Askja. Im touristischen Sprachgebrauch hat sich aber der Name  Askja eingeprägt, sicherlich auch auf Grund des beschwerlich auszusprechenden Dyngjufjöll's. An ihrem höchsten Punkt, dem Porvaldstindur, ist die Askja 1.595m hoch. 1875 kam es hier zu einem großen explosivem Ausbruch, wobei die Asche auch in Norwegen und Schweden zu spüren war. Die Viti auch Hölle genannt, war entstanden.

Explosivausbrüche werden fast immer von saueren Gesteinsschmelzen ver-ursacht. Die austretende Lava entgast schwer und weist eine hohe Viskosität auf. Grund dafür ist der hohe Gehalt an Kieselsäure > 65%. Sobald die gelößten Gase nicht entweichen können, erleiden sie eine Behinderung während ihrer Expansion und verursachen durch den gewaltigen Überdruck die Explosionen. Meist werden die Vulkanspitzen gänzlich weg gesprengt. Im Falle der Askja verhält es sich sicherlich ähnlich; die riesige Caldera jedoch ist nicht nur durch eine Aussprengung verursacht, sondern im Wesentlichen durch die Absenkung des Krateruntergrundes. Durch die Entleerung der Magmakammer kommt es hier zum Einsturz des Deckgebirges und zur Absenkung. Nach und nach füllte sich der Einsturzkessel im südlichen Teil mit Wasser und bildet den heutigen Kratersee. Der Öskjuvatn, 170m tief und 6km lang, ist immer noch Veränderungen unter-legen. Nach und nach nimmt seine Größe zu.
Am nördliche Ufer des Kratersee's  wurde 29.Mai 1875 die Viti in einem Zuge ausgesprengt. Eine Million m3 Bimsstein war Auswurfsmaterial, der nun überall den Boden bedeckt. Dieser golden schimmernde und ausgesprochen bizarre Bimsstein entsteht vorzugsweise in sauerem Milieu durch aufschäumende Gase und unter schneller Abkühlung.
Der 150m tiefe, gelb-braune Krater ist ebenfalls mit Wasser gefüllt; angenehme Badetemperatur jedoch trübes gelb-grünes Wasser mit Schwefelgeruch und nur durch eine glitschige Rinne, zu allem Übel auch noch mit einem Wasserfall vom Schneefeld gespeist versehen, zu erreichen. Für unsere Weiber war die Aussicht auf ein Bad sehr verlockend. Dadurch, daß Freimut sein T-Schirt als Handtuch opferte auch in die Tat umzusetzen.
Unserer beider Aufmerksamkeit galt jedoch ein anderes Ziel. Im Askjamassiv wiederum durch die geologischen Verhältnisse begünstigt, soll sich ein Felsen aus Obsidan befinden; tiefschwarz, glasartig glänzend und als Schmuckstein genutzt. Leider war es uns nicht möglich fündig zu werden. Die ganze Sucherei war dadurch gekennzeichnet, daß ich ständig nur mit dem Fernglas durch die Gegend stolperte oder mich vorsichtig kletternd die Felshänge hinaufmühte. Freimut nahm den augenscheinlich leichten Weg über das Bimssteingeröll, mußte dabei aber mit einem mannshohen Felsbrocken, der sich in Bewegung setzten wollte, um sein Leben kämpfen. Die Wegbeschreibungen werden von allen Wissenden als Geheimnis bewahrt und auch bei noch sooftem Literaturstudium über diesen Obsidanfelsen, konnten wir nichts ergründen.
Nachmittags tauen die Schneefelder ab und verwandeln sich in teilweise wadenhohe Gemische aus Wasser und Eis. Alle holten sich auf dem Weg zum Auto nasse Füße.....

Tippfehler sind bestimmt noch vorhanden.

Herzliche Grüße Moni
« Letzte Änderung: 16 Jan 05, 20:09 von geomueller »

 

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