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Autor Thema: Der pliozäne „Fossil forest“ von Dunarobba (Umbrien, Mittelitalien)  (Gelesen 3310 mal)

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Offline oliverOliver

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Dunarobba liegt in Umbrien (Mittelitalien), genauer im Tibertal. Um 1980 wurden dort in der Lehmgrube eines Ziegelwerks fossile Nadelbäume in situ entdeckt. Weitere Funde gibt und gab es aber auch in der weiteren Umgebung –  schon im 17. Jh. wurden fossile Bäume aus diesem Gebiet beschrieben !

Die Fundstelle bei Dunarobba ist ein echter „Fossil forest“ – die Stämme (bzw. deren Reste) stehen in aufrechter Wuchsposition, auch Wurzelstöcke und Wurzelböden sind überliefert ! Insgesamt handelt es sich (derzeit) um ca. 70 Stämme, diese sind bis zu 8 m (nach anderen Angaben bis 10 m) hoch erhalten. Die Fossilisation wird manchmal als “Mumifizierung” beschrieben – die Stämme bestehen also immer noch aus echtem Holz, und sind nicht versteinert. Dies verursacht natürlich konservatorische Probleme - bei freigelegten Hölzern setzt - über kurz oder lang - unweigerlich die "Zerfallnis" (© Jochen1Knochen) ein.

Aufgrund der Pollenprofile und der reichen Gastropodenfauna (Land- und Süßwasserschnecken) ist die Fundstelle äußerst bedeutsam für die Rekonstruktion des pliozänen Klimas. Der DFF (Dunarobba Fossil Forest) wurde früher ins (späte) Oberpliozän datiert, jetzt wird als Datierung überwiegend das Mittel- bis Oberpliozän genannt. An der Fundstelle erstreckte sich damals die sumpfige Uferlandschaft eines ausgedehnten Sees. Der DFF liegt in der "Fosso Bianco - Formation”, für welche eine Deposition in einem komplexen lakustrinen System angenommen wird.

Alle bisher untersuchten Hölzer gehören zu Taxodioxylon gypsaceum, einer während des Pliozäns ausgestorbenen Art, welche holzanatomisch der heutigen Sequoia sempervirens nahesteht.
Die Pollenanalyse ergab hingegen eine reiche Flora mit einem Vorherrschen von Bäumen und Sträuchern. Die im Pollendiagramm am häufigsten auftretenden Baumpollen sind vom Sequoia-Typ, Taxodium- Typ und von Pinus subgenus Haploxylon, in absteigender Reihenfolge gefolgt von Alnus, Larix, Abies, Picea, Pinus subgenus Diploxylon, Zelkova, Tsuga, Cycadaceae (Stangeria-Typ), Carya, Sciadopitys, Betula, Salix, Quercus und Castanea. Pollen anderer Gehölze (z.B. Cedrus, Fagus, Juniperus, Tilia und andere) treten nur sporadisch auf.
Auch wenn also die untersuchten/erhaltenen Hölzer suggerieren könnten, dass es sich um einen monospezifischen – also nur aus einer Art bestehenden – Wald gehandelt haben könnte, belegt die Pollenanalyse, dass der Wald – wenn vielleicht nicht am direkten Standort, so aber doch zumindest in der unmittelbaren Umgebung – gemischt war. Zusätzlich zeigt die Pollenanalyse, dass das Klima zur Zeit des DFF etwas wärmer und feuchter als heute gewesen sein muss. Die dendrochronologische Untersuchung der Hölzer belegt zudem eine damals eintretende Klimaverschlechterung hin zu mehr kontinentalen Bedingungen, was auch durch die Palynologie bekräftigt wird.

Literatur:
• P. Ambrosetti, G. Basilici, A. D. Ciangherotti, G. Codipietro, E. Corona, D. Esu, O. Girotti, A. Lo Monaco, M. Meneghini, A. Paganelli & M. Romagnoli, 1995: The Dunarobba Fossil Forest (Terni, Umbria, central Italy): lithostratigraphic, sedimentologic, palynologic, dendrochronologic and paleomalacologic characteristics. Il Quaternario - Italian Journal of Quaternary Sciences, 1995, 8(2): 465-508.
http://tetide.geo.uniroma1.it/dst/grafica_nuova/pubblicazioni_DST/abstracts/abstracts_palaeontology.htm
• Attolini M. R., Galli M., Nanni T., Ruggiero L., Zuanni F., 1988: Preliminary observation of the fossil forest of Dunarobba (Italy) as a potential archive of paleoclimate information. Dendrocronologia 6: 141-149.
• A. Baldanza, G. Sabatino, M. Triscari, M. C. de Angelis, 2009: The Dunarobba Fossil Forest (Umbria, Italy): mineralogical transformations evidences as possible decay effects. Per. Mineral. (2009), 78, 3, 51-60. sh. Pdf
http://www.dst.uniroma1.it/riviste/permin/testi/V78.3/2009PM0012.pdf
• E. Biondi & E. Brugiapaglia 1991: Taxodioxylon gypsaceum in the fossil forest of Dunarobba (Umbria, Central Italy). Flora Mediterranea 1, 1991, 111 ff.
http://www.herbmedit.org/flora/01-111.pdf
• J. R. Norris 1996: Taxodioxylon Gypsaceum Wood from the Dunarobba Fossil Forest (Italy): Comparison to Modern Undegraded and Degraded Sequoia Sempervirens Wood. University of Nebraska--Lincoln, 1996.
• Scott, A. C., Strang, T. & Moosbrugger, V. 2000: The Fossil Forest of Dunarobba: Contesto geologico e sedimentario, la conservazione e la fruizone. Foreste fossili e legni fossili nel mondo (ed.  U. Selvetti). Todi, Italy: Ediart, 2000, p. 142-194.
• Staccioli G., Bartolini G., 1997: New biomarkers of the extinct species Taxodioxylon gypsaceum. Wood Science and Technology 1997, 31(4): 311-315.
http://europepmc.org/abstract/AGR/IND21240186/reload=0;jsessionid=0PuAj4rY7no9U9S2OVlV.20
• G. Staccioli, G. Menchi, U. Matteoli, 1996: Taxodioxylon gypsaceum as parent botanical species of two lignites of central Italy.  European Journal of Wood and Wood Products 1996, Vol. 54, Issue 4, 259-261.
http://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s001070050177.pdf#page-1 oder
http://yadda.icm.edu.pl/yadda/element/bwmeta1.element.springer-b671aeb9-551e-38ea-af83-68953c5811b9
• G. Staccioli, G. Menchi, U. Matteoli, R. Seraglia & P. Traldi 1996: Chemotaxonomic observations on some pliocenic woods from Arno Basin and fossil forest of Dunarobba (ltaly). Flora Mediterranea 6, 1996, 113 ff.
http://www.herbmedit.org/flora/6-113.pdf
• G. Valentini, S. Lombardi, F. Bozzano, G. Scarascia Mugnozza (Eds.), 1997: Analysis of the geo-environmental conditions as morphological evolution factors of the sand-clay series of the Tiber valley and Dunarobba forest preservation - Final report. Report EUR 17479 EN, Luxembourg 1997.
Download unter:
http://bookshop.europa.eu/en/analysis-of-the-geo-environmental-conditions-as-morphological-evolution-factors-of-the-sand-clay-series-of-the-tiber-valley-and-dunarobba-forest-preservation-pbCGNA17479/

Links zu Websites (Fotos, Besucherinformationen, …):
http://todiscountry.com/storie/Dunarobba-Foresta.htm 
http://www.argoweb.it/amerino/foresta.uk.html
http://www.bellaumbria.net/en/history-and-archeology/foresta-fossile-di-dunarobba/
http://www.umbriantravel.com/?page_id=758
« Letzte Änderung: 04 Sep 13, 12:30 von oliverOliver »

Offline gnoisi

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Der komplexen Zusammenstellung von Oliver sind nur noch ein paar Fotos hinzu zu fügen:

Offline gnoisi

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Die meisten Stammbasen sind mit "tollen" Wellblechdächern versehen.

Offline gnoisi

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Und noch ein Fundstück.

Offline oliverOliver

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hallo Marian,
Der komplexen Zusammenstellung von Oliver sind nur noch ein paar Fotos hinzu zu fügen
danke für die Foto-Ergänzungen - darauf hatte ich gehofft !
und: danke für die Blumen - aber ganz so ist es wohl nicht. Ich hab den Text ja nur aus den angeführten Quellen zusammengestöpselt, und war selbst noch nie dort - jemand der (so wie du) die Fundstelle aus eigener Anschauung kennt, könnte da sicher noch viel darüber berichten, was in obigem Text nicht enthalten ist .....
« Letzte Änderung: 16 Sep 13, 21:02 von oliverOliver »

Offline gnoisi

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Hallo Oliver,
es sollte schon ein Blumenstrauß sein :-)
Du investierst viel Zeit und Energie, hier Fakten über Fundstellen zusammen zu tragen und zu präsentieren.
Und obige Zusammenstellung ist sehr ausführlich!
Danke
Marian

Offline oliverOliver

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Auf wiki commons hab ich noch ein schönes Foto gefunden, das die Fundstelle offenbar zu besseren Zeiten zeigt – die Stämme sehen darauf noch frischer und weitaus weniger verwittert aus, und waren anscheinend noch nicht so lange freigelegt.
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dunarobba.jpg?uselang=de
Wikimedia Commons, File:Dunarobba.jpg, Foto: Cantalamessa, GNU-Lizenz / Creative Commons Lizenz
« Letzte Änderung: 14 Dez 13, 19:36 von oliverOliver »

 

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