Und ebenfalls stimme ich zu, dass das, was selbst heute noch massenweise gefördert wird (Vanadinit aus Mibladen, diverser Kram aus China und Namibia, Apophyllit aus Indien etc.)
Lieber Tobi,
Ich weiß nicht, woher Du Dein Wissen beziehst –aber Deine Aussage ist schlichtweg falsch und polemisch. Von einer „massenweisen“ Förderung in Mibladen kann wohl keine Rede sein - es gibt ab und zu mal nen Superfund (der dann im Prinzip komplett von L. aufgekauft wird, wie 2009), und dann ist wieder 2-5 Jahre totale Funkstille und nur sehr wenig Vanas werden gefördert; von guten bis sehr guten Stufen ganz zu schweigen. Die paar Bergleute, die ihr extrem armes Leben mit der Suche nach Vanas verbringen, dürften wohl kaum unter die Kategorie „Massenschürfer“ gerechnet werden.
Diverser Kram aus China – was meinst Du damit ? Doch bestimmt nicht die zum Teil weltbesten Fluorite, Calcite, Berylle, Orthoklase, Granate etc etc. ? Und massenweise – hast Du mal gesehen, unter welchen Umständen überhaupt Mineralien in China geborgen werden ?
Warst Du mal dabei, wie Schörle und Aquamarine im Erongo-Gebirge und Quarze am Brandberg geschürft werden ? Wie mühsam die Suche ist und wie gering die Ausbeute an guten Stufen ? Da würde Dir die Lust am „massenweisen“ Abbau vergehen.
Und Apophyllit aus Indien ? Um eine einzige gute Apophyllitstufe, (möglichst noch mit ein paar Zeolithen drumherum) in den Basalten der Dekkan-Traps zu bergen, müssen mehrere Arbeiter per Hand, in Gummilatschen und mit oft lächerlich primitivem Werkzeug zentnerschwere Blöcke aus den Wänden der Brüche brechen. Mach Dir doch mal die Mühe und schau Dir mal n paar Bilder von der Suche nach Mineralien in Indien an – da kann von „massenweise“ nun wirklich nicht die Redee sein.
Interessant an all den o.a. Beiträgen ist, dass keiner implizit auf das Kernproblem eingegangen ist, warum es offensichtlich immer weniger Mineralien von einem bestimmten Vorkommen gibt, wo vorher große "Massen” herkamen (um Tobi zu zitieren). . Es ist durchaus richtig, dass von so manchem Vorkommen „offensichtlich“ nichts mehr auf dem „Billig-markt ist, Tatsache ist jedoch, dass man, wenn man über die Mittel verfügt, jedes Mineral nach Wunsch findet.
Der gemeinsame Nenner ist Geld, Geld und nochmal Geld. Hast Du genug davon, bekommst Du auf dem Markt alles, was Dein Sammlerherz begehrt. Bist Du Anfänger oder verdienst (noch) nicht richtig oder hast nen schxxx-Job, spielst Du halt nicht in der Oberliga mit. So einfach sind die Regeln.
Als einer der „Alten“ , der im übrigen für Euch ohne „Altenscheu“ seit langem aktiv im Mineralienatlas ist, kenne ich nicht wenige deutsche Sammler (bzw. Leute), die bis heute und immer noch einen ganzen Stahlschrank voller bester Tsumeb-Dioptase (an die 80-100 Stufen, seit numehr über 30 Jahren), auch Wölsendorfer Fluorite, einen ganzen Keller voll, kistenweise Pyromorphite aus Kransberg im Taunus, beste Gipskristalle aus Wiesloch horten , einen Lagerraum, gefüllt mit besten Dalnegorsk-Galeniten, Fluoriten und Pyrrhotin, Baryte aus Dreislar, ja selbst – auch kistenweise, Azurite aus Altenmittlau und Vivianite aus der Wetterau. Ich spreche von guten Stufen, nicht von Schrott. Alles schön aufgehoben, bis die Preise unerschwinglich sind, als Kapitalanlage, für Aussteuer der Tochter und Studium des Sohnes etc etc. Ich kenne desgleichen Franzosen mit einem Lagerraum voller blauer Fluorit-Topstufen und Pyromorphiten aus Frankreich, Azuriten und Anglesiten aus Touissit in Marokko und einige (nicht nur Franzosen), die seit Jahren exzellente Fluorite aus den Revieren Berbes und Caravia eingelagert haben. Eben in diesen Tagen erhielt ich ein Angebot eines sehr großen Lots feinster honigbrauner Baryte aus Sardinien, welche seit ca. 20-30 Jahren nicht mehr auf dem Markt waren.
Ich könnte mir vorstellen, dass es auch im deutschen Osten ähnliche Keller gibt; irgendwann und irgendwie sind praktisch in allerkürzester Zeit die schönsten Silber- und Arsenstufen und die Rottleberode-Fluorite vom Markt verschwunden, welche man Anfang der 90er Jahre noch zuhauf selbst auf kleinen westdeutschen Börsen fand.
Und, wie richtig erkannt, kommt noch dazu, daß die Sammlergemeinde – meine Meinung – richtig dick angewachsen ist. Und hier klafft natürlich die Schere zwischen Anfänger, jung, neu, plus erschöpfte Vorkommen gegenüber „Alten“, die in ihren besten Sammlerjahren (im Westen) das Glück hatten, dass viele der heute zu den Träumen gehörenden Vorkommen reichlich Mineralien geliefert haben und man dereinst dafür anständige Preise zahlen konnte.
Dem Ganzen setzt die Krone auf, dass es zu Zeiten der „Alten“ nicht nur reichhaltige Angebote gab, andererseits die Anzahl der Börsen und Gewerbescheininhaber klein und überschaubar war. In einer Zeit wie heute, wo jeder, der die Dollarzeichen im Auge hat und meint, mit Mineralienhandel (egal ob Börse oder Internet oder ebay) den dicken Reibach zu machen, ist es nicht verwunderlich, dass es keine Traumstufen mehr für 25.- DM gibt . Dessenungeachtet gibts im Bereich der „high-ends“ und leicht darunter jede Menge Käufer (und Quasi-Sammler), die bereit sind, jeden geforderten Preis für ein Superstück zu zahlen.
Und auf die lauern und warten die oben beschriebenen mit ihren eingemachten Stufen im Keller.
Besten Gruß
Ein „Alter“, der die Szene kennt.
collector