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Autor Thema: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?  (Gelesen 12604 mal)

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Offline raritätenjäger

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Die folgenden Überlegungen stelle ich mal zur Diskussion. Ich habe darüber mit einigen Sammlern gesprochen und grob gesehen teilten alle meine Meinung. Abweichungen bezüglich des ein oder anderen Beispiels gibt es natürlich immer. Es wäre interessant, zu lesen, was ihr darüber denkt.

Nahezu kein Sammler, dem das nicht schon passiert ist: ein größerer Neufund, viele Stufen zu bekommen. Man wartet ab, es wird vielleicht noch etwas besseres kommen, die Preise werden sinken, ist eh Massenware, ich kümmere mich erst mal um die selteneren Neuzugänge für die Sammlung. Plötzlich: alles weg. Ein anschauliches Beispiel für diesen Fall ist der Fluorit von Rottleberode. Über Jahrzehnte hinweg, bis etwa Mitte der 1990er Jahre liegt das Material überall herum. An großen, wenn auch zumeist beschädigten Kristallen herrscht kein Mangel. Aber auch komplette, unbeschädigte Stufen sind zu guten Preisen zu haben. Die Stücke sind, wenn auch oft ohne Matrix, durchaus attraktiv, aber fast unverkäuflich. So zumindest scheint es, aber mit einem Mal sind sie alle weg. Es ist, wie ob ein Schalter umgelegt wird. Gut, hier und da wird noch mal eine Stufe angeboten, zu exorbitanten Preisen. Aber man versuche einmal, eine handgroße Stufe zu bekommen, die wirklich keine Klatscher aufweist. Ob es nun ein Matrixstück mit 3 bis 4 cm großen Kristallen oder auch ein schöner Einzelkristall in der Größe (beides nun wirklich keine Raritäten!), der geneigte Sammler wird es schwer haben.

Anderes Beispiel. Viele Mineralarten und ihre Kombination mit bestimmten Fundorten waren immer begehrt, es gab aber immer ein breites Angebot. Oder nicht? Der berühmte Baryt von Pöhla im Erzgebirge. Mag sein, im Erzgebirge bekommt man immer noch vieles gute aus dem Kellerfundus des ein oder anderen Sammlers. Aber wie sieht es überregional aus? Kein Problem? Es gibt doch überall haufenweise Pöhlabaryte, jeder Sachsensammler bietet das an? Stimmt schon, aber sehen wir uns diese Stufen an. Einige perfekte Stücke, ein Blick auf die Stufengröße, ja: 3,5 x 3 cm. Klasse, was für MM-Sammler. Dann schöne Vitrinenstücke, auch abwechslungsreich aus verschiedenen Gangbereichen. Preis? Ja, mhm, besten Dank. Wieder das Beispiel: handgroß, wirklich nicht kaputt, attraktiver Aufbau auf Matrix. Es ist wirklich kaum zu machen. Es muss ja nicht mal absolut perfekt sein, nur eine schöne, repräsentative Stufe.

Wo sind diese ganzen Stufen hin, alle versickert? Im Keller von irgendwelchen Füchsen, die sich denken: wenn das mal teuer wird, dann mach ich nen Reibach? Pöhla-Silber, gute Pyromorphite von Zschopau, Dolomit/Chalkopyrit-Stufen von Eupel/Siegerland, Manganit von Ilfeld, und, und, und. Wer zur rechten Zeit zugegriffen hat, der denkt sich: gähn, langweilig. Der Rest schaut in die Röhre. Klar, fast jeder hat ein Stück. Aber ist es unbeschädigt? Schöner Aufbau? Größer als 5 x 4 cm? Hat es keine 100 Euro oder mehr gekostet? International genau das gleiche. Man frage sich einmal, warum selbst für das indische Material heute mitunter richtig Geld gezahlt wird. Schaue man sich die Stufen an und vergleiche mit den ersten Stücken aus den 1980ern. Vieles kommt schubweise als große Schwemme in top-Qualität, aber vielleicht nie wieder (Cavansit), vieles bleibt über Jahre “Börsenblei” auf den Tischen.

Ich selbst bin zu dieser Thematik erst nach Jahren des Sammelns bekommen, als ich auf meine Sammlung geschaut habe und merkte, das vieles, was unter “Massenware” fällt, entweder gar nicht oder in mehr oder minder unbefriedigender Qualität vorhanden war. Es fällt einem gar nicht so sehr auf, wenn man neben den in der Anfangszeit erworbenen “Klassikern” Raritäten und schöne Vitrinenstufen anhäuft. Die “Massenware”-Kandidaten bleiben die Belegstücke aus den Anfängen der Sammlung. Und dann steht der Sammler da nach Jahren und will sich etwas gutes, neues gönnen und es gibt nichts mehr. Natürlich, es ist bereits angeklungen, wir leiten hier zur Preisfrage über. Sicher ist dieser Umstand auch der Preis-Schere geschuldet, die natürlich auch bei den Mineralien immer virulenter wird. Es gibt drastisch ausgedrückt die 1-Euro-Stufe aus der Grabbelkiste und das 4.500-Euro-Stück vom Edelhändler. Die anschauliche Stufe für 20-50 Euro gibt es nicht.

Ich beklage das gar nicht einmal, ich konstatiere nur, weil es mir interessant erscheint. Sicherlich gibt es die glücklichen Zufälle, es gibt das beharrliche Suchen, es gibt die guten Kontakte, die einem vieles ermöglichen können. Aber der selbstverständliche Börsenbesuch mit dem Vorsatz “heute muss ein guter Pöhlabaryt zu einem guten Preis her”, der, will ich meinen, ist heute auch im Erzgebirge von großem Glück abhängig. Es dauert seine Zeit, bis man das Problem begreift. Zu leicht sagt es sich, ist Massenware, gibt es doch überall. Aber wenn man rekapituliert, was man in den letzten Jahren gesehen hat, wundert man sich vielleicht.


Offline Dierdorf

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #1 am: 25 Sep 13, 14:30 »
All das o.g. macht doch auch den Reiz des Sammelns,Suchen und "Jagens" halt aus. ;)

Der "Rest " ist halt der "Lauf aller Dinge ", die sich veräußern ( Verkauf/Tausch) lassen.
Ist ja nun nicht nur bei Mineralien so.
Ich persönlich habe mich damit abgefunden.Was mir persönlich zu teuer erscheint, wird nicht genommen. Ganz einfach.
Dies zu hinterfragen, bedeutet für mich, ein ganzes (globales) Wirtschaftssystem zu hinterfragen.

Das Ergebnis wäre dann Off Topic :(



Offline Harzsammler

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #2 am: 25 Sep 13, 15:48 »
...von Rottleberode müsste doch jetzt wieder ein Schwung gekommen sein :)

Michael

Online uwe

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #3 am: 25 Sep 13, 16:11 »
Für diese Erscheinung, welche mir natürlich auch aufgefallen ist, gibt es m.E. mehrere Ursachen. Zum einen hat sich die Zahl der Sammler erhöht. Zum anderen (Du erwähnst hauptsächlich Stufen ostdeutscher Fundstellen) hat sich der Markt für diese Klassiker erweitert. Die Koko hat zwar schon immer Stufen aus dem Erzgebirge für harte Devisen ins Ausland verhökert, aber nun ist der weltweite Mineralienmarkt für alle Sammler offen. Da wird schon so manches abgeflossen sein. Schaut Euch mal die Preise bei www.minfind.com an.

Das gilt natürlich auch besonders für die aus Indien oder China stammenden Stufen.

Letztendlich sind fast alle Fundstellen der Klassiker erloschen: z.B. Pöhla, Ilfeld, Schlema, Hammer-Unterwiesenthal usw. So viel wird da gar nicht mehr auf einem Haufen in einem Keller liegen.

Übrigens, wer eine große Stufe Pöhlare Baryt sucht - ich habe eine in einer aufzulösenden Sammlung zu vermitteln.

Gruß
Uwe

Offline kks

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #4 am: 25 Sep 13, 16:32 »
Da wird schon so manches abgeflossen sein.

Ja, aber wohin? Ich bin aus persönlichen Gründen auf die (relativ kleinen) Börsen im äußersten Wilden Westen beschränkt, und hier ist seit der Wende so gut wie nichts angekommen. Vorher gab's noch hin und wieder was aus dem Erzgebirge, wenn auch zu stolzen Preisen, 90-91 gab's schon mal ein bisschen Silber, aber seitdem habe ich jedenfalls hier nichts nennenswertes mehr gesehen. Mein einziger, kleiner und nicht besonders guter, Pöhla-Baryt stammt von 1984.

Allerdings muss ich hinzufügen, dass auch alpine Stufen nicht den Weg hierher finden. Namibia, Marokko, Pakistan, China, Dalnegorsk, alles da, aber Mitteleuropa findet nicht statt.

Insofern vermute ich schon, dass es eine Vielzahl von Gründen für die Verfügbarkeit von Mineralien gibt.

Gruß,
Klaus

Offline strahler1975

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #5 am: 25 Sep 13, 17:02 »
Ich kenne einige aktive Sammler, die einiges zu verkaufen hätten.
Leider hinken die Preisvorstellungen der Deutschen Käufer oft weit hinter den Vorstellungen der Strahler und Stoasucha hinterher.
So landet das Zeug eben im Keller und gut ist´s.
Gute Stufen verkaufen sich ohnehin besser nach England oder Amerika etc.
Auf Deutschen Messen ist man ohnehin eine arme Sau, wenn man nicht was billiges, ausländisches mit hat.
Ausserdem werden bei Überfluss nur die schönsten Stücke rausgesucht - auf dem Rest bleibt der Händler sitzen und entsorgt diese nicht selten am nächsten Flussufer. Jahre später wird dann auf einmal das kleinste Stück "wertvoll", da die Fundstelle nix gutes mehr hergibt oder gesperrt ist. Na dann is eben zu spät............

Grüsse
Frank

Offline Tobi

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #6 am: 25 Sep 13, 17:56 »
Es gibt drastisch ausgedrückt die 1-Euro-Stufe aus der Grabbelkiste und das 4.500-Euro-Stück vom Edelhändler. Die anschauliche Stufe für 20-50 Euro gibt es nicht.
Wie gesagt drastisch ausgedrückt, deine Quintessenz, aber es ist was Wahres dran; ich habe genau das in den letzten Jahren auch schon oft auf Börsen gedacht. Mittlerweile kaufe ich auch öfter mal online die ein oder andere Stufe, weil es durchaus paar zuverlässige Händler gibt, die auch "normale", mittlere Preissegmente bedienen.

Aber was auf den Börsen so rumliegt, entspricht leider echt zunehmend deiner Formulierung, Andreas. Da gibt es den Schrott für Anfänger, dann kommt lange Zeit nix, und dann die "High-End-Stufen" (wie man das in Amiland sagt) im vierstelligen Bereich. Woran genau das liegt, weiß ich nicht, aber die Beobachtung habe ich schon öfter gemacht. Glücklicherweise ist es nicht immer so, auf bestimmten Börsen gibt es auch noch Stufen zwischen dem 2-Euro-Amethyst aus Brasilien und dem 3500-Euro-Turmalin aus Pakistan.

Und ebenfalls stimme ich zu, dass das, was selbst heute noch massenweise gefördert wird (Vanadinit aus Mibladen, diverser Kram aus China und Namibia, Apophyllit aus Indien etc.) teilweise mit Preisen ausgezeichnet ist, bei denen man sich nur an die Rübe fassen kann. Wie gesagt, ich habe in den letzten Jahren viele meiner Erwerbungen bei Onlinehändlern gemacht - und war bis auf wenige Ausnahmen höchstzufrieden mit den Stufen und ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis!

Gruß
Tobi

Offline woelsendorfer

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #7 am: 25 Sep 13, 18:16 »
Hallo Andreas,

ich nehm von Frank (strahler1975) einen Satz als Grundlage zu dieser Diskussion:

Zitat
Leider hinken die Preisvorstellungen der Deutschen Käufer oft weit hinter den Vorstellungen der Strahler und Stoasucha hinterher.

Ich hatte vor fast 2 Jahre dazu schon mal was geschrieben und bin im Grunde genommen von mehreren Usern förmlich nieder gemacht worden. Frank hat nämlich mit seiner Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen. Tendeziell kann man davon ausgehen das es eine Börsenklientel gibt die Billigmaterial suchen und dann gibt es eine Sammlerschar die bereit sind für gute Stufen auch stolze Preise zu zahlen.

Da ich das Wölsendorfer Revier besammel kann ich dazu Informationen geben bzw. weil das Donaustaufer Revier und das Oberfränkische Flußspatrevier da mit reinspielt ebenfalls. Die Leute die was abzugeben haben, haben ihre Käufer und hier spreche ich in erster Linie Qualitätsstufen an. Dieses Material wird vollständig von Privat an Privat weiterveräussert. Hinzu kommt das nicht jeder der Geld hat und oder bereit ist die Preise zu zahlen, auch was bekommt.

Die Tendenz gutes deutsches Material ins Ausland zu verkaufen, Frank hat es erwähnt, England und USA, hinzu kommt Saudi Arabien, Japan bzw. der asiatische Raum insgesamt, nimmt ständig zu und Händler die Qualitätsmaterial haben bauen nur noch ungern Stände auf deutschen Börsen auf. Ich sprech mal Deutschland an, im Ausland kenn ich mich nicht aus.

Was mich betrifft, war noch nie in München und werd dort auch nie hinfahren, wenn es nicht mal mit einem guten Kollegen oder Freundin zum gucken sein soll und wenn viele Sammler so denken, dann nimmt die Börsenqualität rapide ab, ebenfalls eine Tendenz die in den letzten Jahren immer weiter zugenommen hat.

Steht eine gute Sammlung zum Verkauf an, in den letzten Jahren oft genug erlebt, dann ist das Material meist weg. Händler werden nicht gefragt ob sie kaufen wollen, weil mittlerweile viele Sammler wissen das diese selbstverständlich damit Gewinn machen wollen und daher gibt es immer mehr Privatsammler die ganze Sammlungen zu gutes Geld aufkaufen und auch das nimmt weiter zu, dass private Sammler dann mit Gewerbeschein Sammlungen aufkaufen.

Was gutes oder sammlungswürdiges Material für eine bestimmte Sammlergemeinde ist hast du im Ansatz schon erklärt und da liegen wir beide auf den gleichen Nenner ... an erster Stelle steht unbeschädigt ... usw.

Klaus (kks)
Zitat
Insofern vermute ich schon, dass es eine Vielzahl von Gründen für die Verfügbarkeit von Mineralien gibt.
Es gibt sicherlich eine Vielzahl von Gründen, aber an erster Stelle steht bei einer Qualitätsstufe der Preis den man als Verkäufer, hier denke ich in erster Linie an ehemalige Bergleute, erzielen kann. Hat der Verkäufer/Bergmann das Gefühl preislich "veräppelt" zu werden, dann war's das. Da brauchst du dich als Käufer nie mehr sehen lassen und das spricht sich rum wer bereit ist zu zahlen und wer nicht.

Sind eigene Erfahrungen und wenn man weiss wie es läuft, Andreas du hast es erwähnt, dann kann man über entsprechende Kontakte auch heute noch Top Sammlungen aufbauen und nicht immer ist die Ware dann auch teuer.

Gruss
Micha


 
 


Offline kks

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #8 am: 25 Sep 13, 18:34 »

 dann kann man über entsprechende Kontakte auch heute noch Top Sammlungen aufbauen

... und damit ist der Markt dauerhaft kaputt. Auf den Börsen taucht nur noch Geraffel und unbezahlbares Zeug auf, und wer dann keine Beziehungen hat, hat nicht die geringste Chance zum Aufbau einer vernünftigen Sammlung, weil die sich die "Wissenden" natürlich nach außen abschotten und niemanden reinlassen. Da diese "Wissenden" aber in aller Regel nicht die Jüngsten sind, wird es möglicherweise in absehbarer Zeit überhaupt keinen Mineralienmarkt mehr geben, weil der Nachwuchs systematisch ferngehalten wird.

Gruß,

Klaus



Offline Alcest

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #9 am: 25 Sep 13, 19:08 »
Der Nachwuchs wird systematisch ferngehalten? ;D

Ich sammle seit nunmehr 2,5 Jahren und kenne persönlich sage und schreibe 7 Sammler. In dieser Laufbahn habe ich eine einzige Börse (die dann auch noch zu 2/3 aus Schmuck bestand) besucht und trotzdem sammelte sich in dieser Zeit eine beträchtliche Menge an (so behaupte ich) guten - und mitunter seltenen - Stufen an. Wie manche wissen sollten, sind das durchaus spezielle Stücke, bei denen die Vorbesitzer nicht unbedingt die auskunftsfreudigsten sind. Nein, ich würde mich nicht beklagen, jemals systematisch ausgegrenzt worden zu sein. Ich will sogar behaupten, "die Alten" freuen sich über Nachwuchs und bilden keineswegs eine elitäre geschlossene Gesellschaft.

Was meiner Ansicht nach vielen "alten" Sammlern fehlt: der Mut, sich auf das Internet einzulassen. Mit der oft anzutreffenden Mentalität "ich kaufe nix, was ich nicht in der Hand hatte" entgeht diesen eine ganze Menge. Das permanente "ist doch viel zu teuer" hilft da ebenso wenig weiter. Wer darauf keine Lust hat - ja der soll halt "die Börsen werden immer schlechter" predigen.

Offline Collector

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #10 am: 25 Sep 13, 20:20 »

Und ebenfalls stimme ich zu, dass das, was selbst heute noch massenweise gefördert wird (Vanadinit aus Mibladen, diverser Kram aus China und Namibia, Apophyllit aus Indien etc.)

Lieber Tobi,
Ich weiß nicht, woher Du Dein Wissen beziehst –aber Deine Aussage ist schlichtweg falsch und polemisch.  Von einer „massenweisen“ Förderung in Mibladen kann wohl keine Rede sein - es gibt ab und zu mal nen Superfund (der dann im Prinzip komplett von L. aufgekauft wird, wie 2009), und dann ist wieder 2-5 Jahre totale Funkstille und nur sehr wenig Vanas werden gefördert; von guten bis sehr guten Stufen ganz zu schweigen. Die paar Bergleute, die ihr extrem armes Leben mit der Suche nach Vanas verbringen, dürften wohl kaum unter die Kategorie „Massenschürfer“ gerechnet werden.

Diverser Kram aus China – was meinst Du damit ?  Doch bestimmt nicht die zum Teil weltbesten Fluorite, Calcite, Berylle, Orthoklase, Granate etc etc. ? Und massenweise – hast Du mal gesehen, unter welchen Umständen überhaupt Mineralien in China geborgen werden ?

Warst Du mal dabei, wie Schörle und Aquamarine im Erongo-Gebirge und Quarze am Brandberg geschürft werden ?  Wie mühsam die Suche ist und wie gering die Ausbeute an guten Stufen ?  Da würde Dir die Lust am „massenweisen“ Abbau vergehen.

Und Apophyllit aus Indien ?  Um eine einzige gute Apophyllitstufe, (möglichst noch mit ein paar Zeolithen drumherum) in den Basalten der Dekkan-Traps zu bergen, müssen mehrere Arbeiter per Hand, in Gummilatschen und mit oft lächerlich primitivem Werkzeug zentnerschwere Blöcke aus den Wänden der Brüche brechen. Mach Dir doch mal die Mühe und schau Dir mal n paar Bilder von der Suche nach Mineralien in Indien an – da kann von „massenweise“ nun wirklich nicht die Redee sein.

Interessant an all den o.a. Beiträgen ist, dass keiner implizit auf das Kernproblem eingegangen ist, warum es offensichtlich immer weniger Mineralien von einem bestimmten Vorkommen gibt, wo vorher große "Massen” herkamen (um Tobi zu zitieren). .  Es ist durchaus richtig, dass von so manchem Vorkommen „offensichtlich“ nichts mehr auf dem „Billig-markt ist, Tatsache ist jedoch, dass man, wenn man über die Mittel verfügt, jedes Mineral nach Wunsch findet.

Der gemeinsame Nenner ist Geld, Geld und nochmal Geld. Hast Du genug davon, bekommst Du auf dem Markt alles, was Dein Sammlerherz begehrt. Bist Du Anfänger oder verdienst (noch) nicht richtig oder hast nen schxxx-Job, spielst Du halt nicht in der Oberliga mit. So einfach sind die Regeln.

Als einer der „Alten“ , der im übrigen für Euch ohne „Altenscheu“ seit langem aktiv im  Mineralienatlas ist, kenne ich nicht wenige deutsche Sammler (bzw. Leute), die bis heute und immer noch einen ganzen Stahlschrank voller bester Tsumeb-Dioptase (an die 80-100 Stufen, seit numehr über 30 Jahren),  auch Wölsendorfer Fluorite, einen ganzen Keller voll, kistenweise Pyromorphite aus Kransberg im Taunus, beste Gipskristalle aus Wiesloch horten ,  einen Lagerraum, gefüllt mit besten Dalnegorsk-Galeniten, Fluoriten und Pyrrhotin,  Baryte aus Dreislar, ja selbst – auch kistenweise, Azurite aus Altenmittlau und Vivianite aus der Wetterau.  Ich spreche von guten Stufen, nicht von Schrott.  Alles schön aufgehoben, bis die Preise unerschwinglich sind, als Kapitalanlage, für Aussteuer der Tochter und Studium des Sohnes etc etc. Ich kenne desgleichen Franzosen mit einem Lagerraum voller blauer Fluorit-Topstufen und Pyromorphiten aus Frankreich, Azuriten und Anglesiten aus Touissit in Marokko  und einige (nicht nur Franzosen), die seit Jahren exzellente Fluorite aus den Revieren Berbes und Caravia eingelagert haben.  Eben in diesen Tagen erhielt ich ein Angebot eines sehr großen Lots feinster honigbrauner Baryte aus Sardinien, welche seit ca. 20-30 Jahren nicht mehr auf dem Markt waren.
Ich könnte mir vorstellen, dass es auch im deutschen Osten ähnliche Keller gibt; irgendwann und irgendwie sind praktisch in allerkürzester Zeit die schönsten Silber- und Arsenstufen und die Rottleberode-Fluorite vom Markt verschwunden, welche man Anfang der 90er Jahre noch zuhauf selbst auf kleinen westdeutschen Börsen fand.
Und, wie richtig erkannt, kommt noch dazu, daß die Sammlergemeinde – meine Meinung – richtig dick angewachsen ist. Und hier klafft natürlich die Schere zwischen Anfänger, jung, neu, plus erschöpfte Vorkommen gegenüber „Alten“, die in ihren besten Sammlerjahren (im Westen)  das Glück hatten, dass viele der heute zu den Träumen gehörenden Vorkommen reichlich Mineralien geliefert haben und man dereinst dafür anständige Preise zahlen konnte.

Dem Ganzen setzt die Krone auf, dass es zu Zeiten der „Alten“ nicht nur reichhaltige Angebote gab,  andererseits die Anzahl der Börsen und Gewerbescheininhaber klein und überschaubar war.   In einer Zeit wie heute, wo jeder, der die Dollarzeichen im Auge hat und meint, mit Mineralienhandel (egal ob Börse oder Internet oder ebay) den dicken Reibach zu machen, ist es nicht verwunderlich, dass es keine Traumstufen mehr für 25.- DM gibt . Dessenungeachtet gibts im Bereich der „high-ends“ und leicht darunter jede Menge Käufer (und Quasi-Sammler), die bereit sind, jeden geforderten Preis für ein Superstück zu zahlen.

Und auf die lauern und warten die oben beschriebenen mit ihren eingemachten Stufen im Keller.

Besten Gruß
Ein „Alter“, der die Szene kennt.
collector

Offline Alcest

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #11 am: 25 Sep 13, 21:12 »
Okay, Kernprobleme.

1. Der gemeine Sammler will Alles billig, billig und billiger haben und es dann nicht günstig wiederhergeben, wenn er denn mal ein ähnliches Stück für 4000$ gesehen hat.

2. Stufen, die einmal gekauft worden sind, sind vom Markt erst einmal weg - ohne Garantie darauf, jemals wieder verkauft zu werden; unabhängig vom Preis. Wenn ein Sammler eine gute Stufe kauft und sein Sammelgebiet nicht unbedingt ändert - wieso sollte er verkaufen? So enden sicherlich einige Stufen. Zudem muss nur einmal eine Erbschaft anfallen und das Stück wird ohne Fundortzettel in der Verwandtschaft landen und so zwangsläufig aus dem Pot der verfügbaren Exemplare fliegen.

Auf lange Sicht wird der Bestand immer weiter reduziert - da gibt halt keiner sein Material für Spaßpreise ab. Ja und dann kommen noch die Kellersammler hinzu. Deren Material wird dann irgendwann zu Fantasiepreisen als Ex-Max Mustermann collection angeboten. Und genau an dieser Stelle jammern wieder 8 von 10 Interessenten, wie doof doch das Angebot für Mineral xy ist.

Was ich noch erwähnen wollte: stellt ein Sammler seine Sammlung um, ist der erste Gedanke wohl nur bei wenigen das Geld. Vielmehr werden bekannte/befreundete Sammler kontaktiert, weil - zumindest ist es bei mir und einigen anderen so - gute Stufen in bekannte Hände gegeben werden wollen.
« Letzte Änderung: 25 Sep 13, 21:24 von Alcest »

Offline Harzsammler

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #12 am: 25 Sep 13, 21:57 »
da ich weder Mineralien kaufe noch verkaufe und ich auch nicht auf Börsen unterwegs bin, hier aber oft Rottleberode als Beispiel gebracht wird, was wäre denn der Preis für diese beiden Einzelkristalle? (Weil es mich einfach mal interessiert.)

der grüne 7x7cm, 4cm hoch,
der Große mit Chalkopyrit bestäubt, zum Größenvergleich auf Mauspad, beide unbeschädigt aber mit Anwachsflächen.

Michael

Offline woelsendorfer

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #13 am: 25 Sep 13, 22:30 »
Hallo Peter (Collector)

Zitat
Und auf die lauern und warten die oben beschriebenen mit ihren eingemachten Stufen im Keller.

Sehr gut und sehr direkt geschrieben. Klasse  :), weil es so ist. Da kann ich hinzufügen, dass das Material was in den Kellern liegt dann bei Verkauf an den sammelnden Privatmann geht. Die Händler bluten, was klassische Fundstellen angeht, im Laufe der Zeit aus. Die Zeiten sind vorbei wo Händler meinen für eine 400 Euro Stufe bei Aufkauf umgerechnet vielleicht nur 50 € zahlen zu müssen, weil sie ja die Arbeit damit haben um es weiter zu veräußern.

Klaus (kks)
Zitat
weil die sich die "Wissenden" natürlich nach außen abschotten

Das ist nicht ganz so. Viele ältere Sammler helfen sogar sehr gerne weiter und die Preise stimmen dann auch, bedeutet das sie nicht überteuert sind. Ich kenne abgebende "Alt"Sammler die sogar oft den älteren Sammler nichts geben, aber den jüngeren mit Material und Preis entgegenkommen und zwar so das er zufrienden ist. Warum ist das so, weil viele ältere Sammler noch Preise im Kopf haben die heute in den Bereich der Fabeln gehören. Als der Euro eingeführt wurde sind viele Stufen um das doppekte teurer geworden und wenn ich dann hergehe und der Meinung bin das z.B. Fluorit kein Gold ist, weil mir der Preis zu hoch ist und äusser das vor dem Verkäufer gibt der an dem älteren nichts mehr ab.

Gruss Micha

Offline Dierdorf

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Re: “Massenware” oder “Kaum noch zu bekommen”?
« Antwort #14 am: 26 Sep 13, 07:40 »
"Interessant an all den o.a. Beiträgen ist, dass keiner implizit auf das Kernproblem eingegangen ist,"

@Collector:

Deswegen schrieb ich ja auch " es wäre dann OT ein ganzes (globales) Wirtschaftssystem zu hinterfragen"  ;)

Außerdem ist die Thematik der "Preisfindungen" hier doch ein "Dauerbrenner" und m.M.n. hinreichend , in verschiedenen Threads, erklärt worden.

Geld regiert die Welt und nicht Intelligenz. (Noch) kann ja jeder selber entscheiden, inwieweit er sein Hobby ausübt.