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Autor Thema: Erste Mineralien von Wittichen  (Gelesen 7744 mal)

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Offline Alexopex

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Erste Mineralien von Wittichen
« am: 27 Feb 14, 21:21 »
Hallo Leute,

ich war letztes Wochenende beim geologischen Lehrpfad in Wittichen. An der Schmiedestollenhalde habe ich, mit einem Geiger-Müller-Zähler nach Uran-Mineralen gesucht und einiges gefunden... Da ich gerade erst angefangen habe, sind die Stücke natürlich nichts besonderes, aber es interessiert mich trotzdem um was es sich handelt und wie die Bestimmung erfolgt (daher bitte auch eine "Erklärung"). Da ich leider nur eine Spiegelreflexkamera habe, sind die Bilder auch nicht besonders gut. Aufrgrund der Größe sind die Bilder auf meiner Website.

Bild 1: Dieses Stück ist stark radioaktiv. Bei meiner bissherigen Recherche bin ich auf Erythrin (rosa-rot) und Heinrichit (grünlich) gestoßen. Leider habe ich noch keine UV-Lampe zum überprüfen. 3x2 cm

Bild 2: Dieses Stück ist radioaktiv. Bei dem orangenen bin ich bissher auf kein Ergebnis gekommen, genauso so wenig bei dem schwarzen Gestein. 5x2.5 cm

Bild 3: Dieses Stück ist radioaktiv. Leider auch noch auf kein Ergebnis gekommen. 4.5x3.5 cm

Bild 4: Dieses Stück ist stark radioaktiv. Bissher evtl. Zeunerit (grün). 3.5x5 cm

Bild 5: Nicht radioaktiv. Gesamtes Mineral grünlich. Markierte Stelle evtl. Mixit. 3x2 cm


Ich hoffe man kann mit den Bilder überhaupt was anfangen. Ich freue mich auf Antworten bzw. jede Art von Rückmeldung.


Mit freundlichen Grüßen

Alexander
« Letzte Änderung: 28 Feb 14, 15:37 von Stefan »

Offline Schatten

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #1 am: 28 Feb 14, 06:35 »
morjen alexander,

nun bei der ersten stufe hätte ich als erstes auch auf erythrin getippt.
optisch ähnliche stufen kenne ich von meiner haus- und hofhalde...nur sind das keine "strahler"  ;)

bei den anderen bildern muß ich echt passen...is leider nich viel zu erkennen.

Zitat
Da ich leider nur eine Spiegelreflexkamera habe, sind die Bilder auch nicht besonders gut.
hmmm...guck mal, ob das gute stück nicht eine makro-funktion hat oder ein an anderes objektiv könnte bessere ergebnisse erzielen.
bin da aber auch nich so der crack  ;)

Zitat
Da ich gerade erst angefangen habe, sind die Stücke natürlich nichts besonderes
tztztz...jedes selbst gesammeltes stück ist in meinen augen etwas besonderes. habe auf einigen alten von mir gesammelten stufen später dann noch wirklich schöne (leider immer noch unbestimmte) kristalle gefunden

gruß ausm harz
« Letzte Änderung: 28 Feb 14, 06:43 von Schatten »

Offline helgesteen

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #2 am: 28 Feb 14, 20:22 »

Hallo Alexander,

leider ist der Link zu den Bildern nun nicht mehr verfügbar, doch habe ich sie heute früh kurz angeschaut. Daher aus dem Gedächtnis:

Bild 1 ist in der Tat Erythrin, der hier Überzüge auf Granit bildet. Der Granit ist stark hydrothermal zersetzt (rötliche Färbung der Feldspäte), oft hämatitisiert (also mit Hämatit imprägniert) und typischerweise mit Baryt und Kobaltarseniden wie Skutterudit und Safflorit verwachsen, die mehr oder minder stark zersetzt sind. In diesem Material tritt auch meistens etwas Pechblende auf, daher die Radioaktivität. Bei Verwitterung bilden sich eben diese erdigen Erythrinüberzüge (das sind Haldenbildungen), daneben können auch Uranglimmer wie Heinrichit auftreten. Blättrige, gelbliche Bildungen sind normalerweise Novacekit oder Heinrichit, grünliche Zeunerit (vgl. Bild 4).

Wenn ich mich richtig erinnere, zeigen Bilder 2 und 3 ebenfalls diesen mit verwitterten Kobalterzen imprägnierten Granit. Wenn die Erze richtig schwarz-krümelig zersetzt sind, spricht man auch von "Erdkobalt".

Bild 4, zeigt soweit erkennbar, in der Tat Zeunerit auf pechblendeimprägniertem Granit.

Bild 5 zeigt eine Stufe, wie sie früher sehr häufig auf der Schmiedestollenhalde gefunden werden konnten. Das grüne Mineral ist Mixit, der auf Klüftchen von Baryt aufgewachsen ist. Im Baryt sind bei solchen Stufen öfters Kupfer-Wismutsulfide wie Emplektit oder Wittichenit in Form grauschwarzer Einsprenglinge erkennbar. Die habe ich auf dem Foto aber nicht sehen können.

Viele Grüße,
Helge

Offline Alexopex

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #3 am: 28 Feb 14, 22:59 »
Hallo Leute,

erst einmal will ich mich für eure Antworten bedanken :)

@Stefan: Tut mir Leid, wollte sie blos nicht ins Forum stellen wegen der Größe. Hab sie nun verkleinert und neu eingestellt. Kommt nicht wieder vor  ;)

@Schatten: Für mich sind es natürlich besondere Stücke, nur wollte ich mich vorsichtig ausdrücken.

@helgesteen: Vielen Dank für die Bestimmung, scheinst dich ja richtig gut auszukennen und dann aus solchen Bildern solch eine Bestimmung - Respekt. Ist mit dem "pechblendeimgrägnierte [...]" das Dunkle rechts neben dem Erythrin gemeint? Hättest du eine Idee was das orangene Mineral an sich sein könnte und was die Ursache für die mäßige Radioaktivität ist?

Ich werde in ein paar Tagen weitere Funde einstellen, wenn das i.O. ist.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander

P.S.: Bilder auf zwei Antworten, da max. Anzahl pro Antwort.
« Letzte Änderung: 28 Feb 14, 23:07 von Alexopex »

Offline Alexopex

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #4 am: 28 Feb 14, 23:03 »
Hier noch Nummer 5:

Offline helgesteen

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #5 am: 01 Mar 14, 12:40 »
@helgesteen: Vielen Dank für die Bestimmung, scheinst dich ja richtig gut auszukennen und dann aus solchen Bildern solch eine Bestimmung - Respekt. Ist mit dem "pechblendeimgrägnierte [...]" das Dunkle rechts neben dem Erythrin gemeint? Hättest du eine Idee was das orangene Mineral an sich sein könnte und was die Ursache für die mäßige Radioaktivität ist?

Hallo Alex,

mit "imprägniert meine ich, dass die Pechblande da in der Regel sehr fein eingewachsen ist. Du wirst sie in Fundmaterial von der Schmiedestollenhalde nur selten sichtbar, d.h. derb eingewachsen finden. Das Schwarze ist auf dem Foto nicht bestimmbar, das kann Erdkobalt, Hämatit, Mn-Oxide oder eben auch Pechblende sein. Je höher die Radioaktivität, desto eher ist mit "erkennbarer" Pechblende zu rechnen. Auf der Sophiahalde kam diese früher häufiger vor, ob sie heute noch mit Hilfe eines Geigerzählers gefunden werden kann, weiss ich nicht. Das orangefarbene Mineral kann ich nicht erkennen. Sehr selten tritt in Umgebung von Pechblende Wölsendorfit als orangefarbene Krusten auf, doch halte ich das für eher unwahrscheinlich.

Besorg Dir mal ein Makroobjektiv, dann kannst Du mit Deiner Spiegelreflex auch hervorragende Nahaufnahmen machen.

Viele Grüße,
Helge

Offline helgesteen

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #6 am: 01 Mar 14, 12:51 »
Ach ja, und noch eine Idee: Wenn Du die notwendige Ausrüstung oder entsprechende Bekannte haben solltest: Lass eines der radioaktiven Stücke aufsägen (polieren ist nicht notwendig) und lege die glatte Seite auf einen unbelichteten Röntgenfilm oder ein Schwarzweiss-Fotopapier. Der Film muss natürlich immer lichtdicht verpackt sein, z.B. in einer schwarze Kunststofftüte. Nach einigen Wochen ungestörter Belichtung entwickelt man den Film/das Papier und hat eine Autoradiographie, auf der man anhand der Schwärzung erkennen kann, woher genau in dem Stück die Strahlung kommmt. Das geht ganz hervorragend, braucht aber eben etwas Geduld. Viel schneller geht das mit modernen Imagingsystemen, die z.B. in der molekularbiologischen Forschung verbreitet verwendet werden. Da kann man eine Autoradiographie über Nacht machen.

Viele Grüße,
Helge

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #7 am: 01 Mar 14, 15:58 »
@helgesteen: Vielen Dank für die Bestimmung, scheinst dich ja richtig gut auszukennen und dann aus solchen Bildern solch eine Bestimmung - Respekt. Ist mit dem "pechblendeimgrägnierte [...]" das Dunkle rechts neben dem Erythrin gemeint? Hättest du eine Idee was das orangene Mineral an sich sein könnte und was die Ursache für die mäßige Radioaktivität ist?

Hallo Alex,

mit "imprägniert meine ich, dass die Pechblande da in der Regel sehr fein eingewachsen ist. Du wirst sie in Fundmaterial von der Schmiedestollenhalde nur selten sichtbar, d.h. derb eingewachsen finden. Das Schwarze ist auf dem Foto nicht bestimmbar, das kann Erdkobalt, Hämatit, Mn-Oxide oder eben auch Pechblende sein. Je höher die Radioaktivität, desto eher ist mit "erkennbarer" Pechblende zu rechnen. Auf der Sophiahalde kam diese früher häufiger vor, ob sie heute noch mit Hilfe eines Geigerzählers gefunden werden kann, weiss ich nicht. Das orangefarbene Mineral kann ich nicht erkennen. Sehr selten tritt in Umgebung von Pechblende Wölsendorfit als orangefarbene Krusten auf, doch halte ich das für eher unwahrscheinlich.

Besorg Dir mal ein Makroobjektiv, dann kannst Du mit Deiner Spiegelreflex auch hervorragende Nahaufnahmen machen.

Viele Grüße,
Helge


Oder :


http://de.wikipedia.org/wiki/Retrostellung

Offline Alexopex

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #8 am: 01 Mar 14, 21:36 »
Hallo Leute,

habe mich heute etwas über das Thema Retrostellung etc. gelesen und mir daraufhin ein solchen Adapter gebaut. Mein erstes Ergebnis zeigt ein Mineral welches mich auch sehr interessiert (s. Anhang). Es ist stark radioaktiv, gelb wie man sehen kann  :) und ziemlich klein (Bb. 5mm). Hat wer eine Idee was das sein könnte?


Mit freundlichen Grüßen

Alexander

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #9 am: 01 Mar 14, 22:47 »
Sieht fürn Anfang net schlecht aus .

Es ist so : je geschlossener deine Blende ist desto größer ist die Tiefenschärfe (also der Bereich der scharf abgebildet wird ) Du musst also viel Licht haben um deine Blende möglichst weit schließen zu können um einen möglichst großen Schärfenbereich zu bekommen .

Weiß ja nicht was du für ne Kamera hast , aber alte 50 mm Festbrennweiten ohne AF eignen sich auch an neueren Spiegelreflexkameras , zum Bsp. die Standardobjektive von Pentacon mit 35 oder 50 mm , je kleiner die Brennweite desto größer die Abbildung .

Sehr gut ist auch das MC Rokkor 50 mm , 1 : 1,7 (davon hätte ich noch eins übrig  ;) bitte PN falls es jemand brauchen kann )

Offline carsten slotta

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #10 am: 02 Mar 14, 00:45 »
Hallo Alexander,

da hast du aber Glück gehabt, da die Halde erst kürzlich mit einem Bagger bearbeitet wurde... ;-)

Zu deinen gelben Nadeln: Wenn die mit Pechblende zusammen vorkommen, ist das ziemlich wahrscheinlich SEELIT. Der ähnliche Uranophan kommt in Wittichen so nicht in direkter Nachbarschaft mit Pechblende vor....

Grüße!

Carsten


Offline smoeller

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Re: Erste Mineralien von Wittichen
« Antwort #11 am: 03 Mar 14, 09:46 »
Hallo,

Scvhließe mich den Vorrednern an.

Zu Stück Nr. 5: Das graue im oberen Teil der Stufe dürfte Baryt sein, der winzige Emplektitnadeln enthält.

Ist das Mineral auf den letzten Bildern wirklich nadelig oder eher tafelig? Könnte sonst auch Novacekit sein, der ist in Wittichen nicht wirklich selten und kommt von tafelig bis ganz feinblättrig vor.

Als erstes würde ich mir eine UV-Leuchte zulegen. Langwelle, Taschengewldprüfer reicht. Heinrichit fluoresziert kräftig gelbgrün, Uranospinit etwas weniger, Novacekit nicht oder schwach bräunlichgelb, die meisten anderen, darunter auch Zeunerit, nicht oder nur sehr schwach (Verwachsungen mit Heinrichit).

Glück Auf!
Sebastian

 

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