Servus allerseits,
heute ist das neue LAPIS-Heft angekommen - mit grossem Interesse habe ich zuerst den Beitrag von Duthaler & Gloor ueber die Mineralreinigung mit Dithionit aufgeschlagen.
Nach mehrmaligem Durchlesen bin ich mir immer noch nicht sicher, verstanden zu haben, was die Autoren eigentlich bezwecken bzw. mit welcher neuen Rezeptur sie den Sammlerfreund mit Reinigungsproblemen begluecken wollen

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Die Stabilitaet von Natriumdithionit als Feststoff bzw. in waessriger Loesung ist hinreichend gut untersucht und in der einschlaegigen Literatur bestens dokumentiert. Waessrige Dithionit-Loesung ist nur in einem bestimmten, alkalischen pH-Bereich stabil. Daher wird das Reagenz sinnvollerweise in
gepufferter Loesung verwendet. Der Puffer dient dazu, eventuell vorhandene Schwankungen des pH-Werts (z. B. Anwesenheit von Saeuren durch zersetze Sulfide) zu kompensieren und somit den
pH-Wert waehrend des Reinigungsvorgangs im alkalischen Bereich zu halten. Na-dithionit wird bei saueren pH-Werten zunehmend instabil und zersetzt sich letzlich unter Freisetzung von gasfoermigem Schwefeldioxid.
Die "Chemie" bzw. das Redoxverhalten von Na-dithionit werden letztlich durch die relativ lange Bindung zwischen den beiden Schwefelatomen im Molekuel bedingt; diese Bindung ist so schwach, dass Natriumdithionit in Loesung mit dem entsprechenden Radikal SO
2-
im Gleichgewicht steht. Dieses Radikal ist fuer die Reaktionen und die Reaktivitaet einer dithionit-haltigen Reinigungsloesung verantwortlich.
Eine simple Redoxgleichung wie die im o.g. Beitrag ausgefuehrte wird den tatsaechlich ablaufenden, komplexen Vorgaengen nicht wirklich gerecht.
Die Komplexierung von Eisenionen z. B. durch Citronensaeure ist ein extrem komplexer Vorgang, der m. W. immer noch nicht in allen Details verstanden ist. Die Kombination von Reduktion und Komplexierung in ein und demselben Reinigungsvorgang erscheint simpel und einleuchtend, kann aber sehr leicht durch die parallel ablaufenden, komplexen Vorgaenge in der Reinigungsloesung zu unerwuenschten Ergebnissen fuehren.
Die klassische, gepufferte Natriumdithionitloesung verspricht meiner Erfahrung nach bei strikter Befolgung der empfohlenen Mengen/Konzentrationen den bestmoeglichen Erfolg bei minimalem Risiko und vertretbarem Aufwand ! Die benoetigten Chemikalien lassen sich auch in Deutschland problemlos erwerben (z. B. bei MIKON).
Natuerlich ist es jedem selbst ueberlassen, nach Lust, Laune und persoenlichem Geschmack zu experimentieren ... aber auch in der Chemie gilt das alte Sprichwort: Schuster, bleib bei Deinem Leisten

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Fuer all diejenigen, die mit Dithionit im haeuslichen Bereich arbeiten wollen (un wegen moeglicher Geruchsbelaestigung z. B. auf dem Balkon ausweichen muessen): bei Temperaturen unter
+ 20 Grad Celsius ist die Reaktionsgeschwindigkeit und somit der Reinigungseffekt vernachlaessigbar klein.
In diesem Sinne viel Spass beim Reinigen
Harald