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Autor Thema: Reinigung von Sb-Mineralien-sinnvoll oder nicht?  (Gelesen 2525 mal)

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Offline harzforelle

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Hallo in die Runde,
mich beschäftigt seit einiger Zeit, ob es möglich oder überhaupt sinnvoll ist, Stufen mit Sb-Mineralien, bei mir wären es Antimonit- und Bournonit- Kristalle von ockerfarbenen Belägen zu reinigen. Diese Beläge sind meines Wissens nach Antimonocker, was als selbstständiges Mineral nicht anerkannt ist. Der Antimonocker, hier speziell Wolfsberg, besteht meines Wissens nach aus einem Gemisch von Anglesit und röntgenamorphen Sb-(Hydro-) Oxiden. Nun meine Frage: Sollte man Reinigen um den metallischen Glanz von Antimonit/Bournonit zu erhalten oder macht man mehr Schaden  :'( ? Wen aber ja, womit? Nur nicht mit Drahtbürste  >:D

Gruß Jochen

Offline smoeller

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Re: Reinigung von Sb-Mineralien-sinnvoll oder nicht?
« Antwort #1 am: 06 Mar 15, 14:13 »
Hallo,

Lieber so lassen. Das Problem ist in der Regel, dass die Umwandlung nicht in Schichten mit glatter Oberfläche erfolgt, sondern unregelmäßig an Fehlern im Kristall. Was du dann im Normalfall bekommst, ist eine unebene, narbige Oberfläche, die nicht wirklich schön aussieht. Höchstens bei dünnen Krusten (im Sinne von Anflügen) von Limonit oder Sb-Ocker kann man es mit einer feinen Nadel unter dem Bino versuchen. Dickere Krusten besser so lassen!!

Glück Auf!
Sebastian

Offline harzgeist

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Re: Reinigung von Sb-Mineralien-sinnvoll oder nicht?
« Antwort #2 am: 06 Mar 15, 18:53 »
Hallo Jochen,

die Frage lässt sich nicht  so einfach mit "ja" oder "nein" beantworten. Grundsätzlich gebe ich Sebastian recht: man wird nie frische hochglänzende Erzkristalle unter dieser Verwitterungsschicht hervor zaubern können. Was aber die Wolfsberger / Dietersdorfer Stufen angeht, sind die oft großflächig mit einer lackartigen gelben Schicht überzogen, die nicht nur die Erze selbst betrifft, sondern auch die benachbarten Minerale (i.a. kleine klare Quarze) und auch die Matrix. Ob man solche Stufen überhaupt als sammelnswert erachtet, sie im Fundzustand belässt oder einen Reinigungsversuch unternimmt, ist und bleibt Ansichtssache.
Wenn man sich für einen Reinigungsversuch (der Ausgang wird immer ungewiss sein!) entscheidet, denke ich das eine Präpariernadel nur selten das geeignete Mittel sein wird, wenigstens was die genannten Fundorte mit den dort typischen Belägen angeht. Und wenn's um die feinnadeligen Federerze geht, verbietet sich die Anwendung jeglicher Werkzeuge von selbst. Da drängt sich doch der Vergleich mit der eingangs erwähnten Drahtbürste auf  ;D
Die genannten Beläge (wie übrigens auch die weißen Anglesit/Cerussit-Krusten um Bleiglanz) lassen sich gut mit verdünnter Natron- bzw. Kalilauge lösen oder so weit lockern, dass sie sich mittels Ultraschall entfernen lassen. Wichtig ist dabei, dass die Lauge nicht zu stark ist, so dass man genug Zeit hat, um zwischenzeitlich die Stufe (im Ultraschallbad) abzuspülen und die Möglichkeit hat, den Vorgang rechtzeitig abzubrechen. Die Einwirkdauer der Lauge liegt im unteren Minutenbereich oder noch darunter!!
Eine völlige Beseitigung der Kruste (von den Erzen) ergibt ein unnatürliches Aussehen und würde ich nicht empfehlen - aus den von Sebastian genannten Gründen. Gegebenenfalls kann man versuchen, verbliebene Beläge auf den Begleitmineralen durch vorsichtiges Betupfen weiter zu lösen und dabei die Erze zu schonen. Jedoch wird das nicht bei jeder Stufe möglich sein.
Diese Plagionit-Kristalle waren unter einer dicken gelben Kruste verborgen und gerade noch zu erahnen. Hier wird deutlich, was diese Methode leisten kann, zeigt aber gleichzeitig auch die Grenzen auf:
http://www.mindat.org/photo-599505.html

Abschließend noch ein Hinweis: Eine Behandlung mit Dithionit greift die gelben Krusten NICHT an, ist aber in der Lage die schmutzig braunen Verfärbungen sehr wirkungsvoll zu beseitigen, die gerade in Dietersdorf verbreitet sind und dort nahezu alle Stufen betreffen. Die Stufen sehen danach deutlich frischer und kontrastreicher aus.

Jetzt noch die obigatorische Warnung: Natronlauge und Kalilauge sind stark ätzende Stoffe! Hautkontakt unbedingt vermeiden - wenn es anfängt zu brennen, ist es schon zu spät! Unbedingt die Augen schützen - diese Laugen sind diesbezüglich gefährlicher als die meisten Säuren.

Gruß
Thomas

Offline harzforelle

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Re: Reinigung von Sb-Mineralien-sinnvoll oder nicht?
« Antwort #3 am: 07 Mar 15, 12:05 »
Hallo Sebastian, Hallo Thomas,
ich danke für Eure Ausführungen und denke auch, ich werde die Stücke in ihrem natürlichen Zustand belassen. Ich glaube auch, dass wenn die Kruste entfernt wird, keine glatte Kristallstruktur hervortritt, sondern die vom Sb-Ocker angegriffene Oberfläche. Und Thomas, Dein Plagionit sieht auch gut aus, aber man erkennt Plagionit auch mit gelber Kruste denk ich mal: sieh hier
Gruß Jochen

 

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