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Autor Thema: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371  (Gelesen 7640 mal)

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Offline Schluchti

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Hallo alle miteinander, habe wieder mal ein paar Stufen vom Wismutschacht 371 in Hartenstein rausgekramt, die mich vor kleinere oder größere Rätsel stellen.

Die erste Stufe (Länge ca. 15 cm) besteht überwiegend aus gelblichen und rosa Dolomit, mit vielen kleineren Nestern von Kupferkies und transparentem lila Fluorit. Beim Abhören mit dem Geigerzähler knisterte eine Ecke der Stufe, nämlich die im Bild unten rechtes befindliche nicht unerheblich. Dort befinden sich dunkelgraue bis schwarze Einsprenglinge in weißem Dolomit. Das Material glänzt jedoch nicht, so daß ich Pechblende eher ausschließen würde. Habe auch schon an Stinkspat gedacht, aber dazu ist das Zeug wohl zu grau.

Hat jemand eine Idee, um was es sich hierbei handeln könnte, bzw. was die Ursache für die Strahlung sein könnte?

Offline Schluchti

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #1 am: 21 Mar 05, 17:44 »
Die zweite Stufe besteht aus einem nicht näher identifiziertem Gestein, in dem auf einem Streifen Dolomit etwas  Pyrit oder Markasit befindet. Jedoch knistert auch diese Stufe unter dem geigerzähler, und zwar eben in diesem Bereich.
Ich vermag auf der Stufe aber keine Anhaltspunkte für ein radioaktives Mineral zu entdecken.  Die gräulichen Kristalle in der Mitte des Dolomits kann ich nicht identifizieren. Hat jemand eine Idee, was diese Kristalle sein könnten und woher die Strahlung kommen könnte?  Die Bildbreite ist etwa 2 cm.


Die letzte Stufe fiel mir durch pechschwarze und stark glänzende Einsprenglinge in einem sedimentartigen Gestein auf. Diese hielt ich zunächst für Pechblende, jedoch zeigte diese Stufe keine erhöhte Strahlung. Die EInsprenglinge haben eine Durchmesser von etwa 1-3 mm.  Was könnte das schwarze Mineral sein?

 
« Letzte Änderung: 21 Mar 05, 17:46 von Schluchti »

Online uwe

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #2 am: 22 Mar 05, 12:41 »
Hallo Thomas,

die dunklen Einschlüsse könnten Chalkosin sein - Cu-Minerale sind im Schlemaer  Revier nicht selten.

Die erhöhte Radioaktivität der Stücke muß nicht primär sein. Spuren von Pechblende auf der Halde dürften sehr selten sein, den auch magere Erze wurden abgebaut und verhüttet. Beim Abbau der Uranerzgänge ist der Staub natürlich überall hin gelangt. Auch auf der Halde könnten sich Spuren radioaktiver Minerale durch das Oberflächenwasser an einigen Stellen angereichert haben. So eine Halde ist chemisch sehr aktiv. Da entstehen, wie bekannt, die tollesten Sekundärminerale.

Glück Auf
Uwe

Offline Schluchti

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #3 am: 22 Mar 05, 15:13 »
Danke Uwe, für Deine Tips!  :D

Das mit dem Chalkosin werde ich mal im Auge behalten.

Bezüglich der ersten Stufen bin ich mir bezüglich von sekundären Anlagerungen nicht ganz sicher. Die Stufe ist ein Bruchstück einer ehemals noch größeren Stufe (die lag auf der planierten Haldenoberfläche ganz oben und war beim Planieren zerbrochen). Habe noch drei weitere faustgroße Fragmente der Stufe. Interessanterweise tritt die Strahlung genau an der recht frischen Bruchfläche auf. Ebenso an dem passenden Gegenstück. Nicht aber an den beiden anderen Bruchstücken, an denen diese weiß-graue Mineraliengemisch nicht auftritt.  Habe jetzt mal bei mindat rumgeschaut, danach muß Uraninit nicht unbedingt pechschwarz sein, sondern das gibt es auch in grau und braun. Allerdings habe ich keien Ahnung, ob es auch von Hartenstein in anderer als pechschwarzer Ausbildung kam. Bloße Staubanflüge denke ich auch nicht, da ich die Stufen gründlich geschrubbt habe.   

Mmmh, jedenfalls betrübt mich die Strahlung dieser Stufe, da sie mir gut von der Farbe her gefallen hat. So werde ich sie aber höchstens in den Keller zu meinem strahlenden Baryt von Pöhla legen. (ich weiß, ich bin da etwas überempfindlich  ;) ).

Offline berthold

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #4 am: 22 Mar 05, 16:28 »
Hallo Schluchti,

Zitat
Habe jetzt mal bei mindat rumgeschaut, danach muß Uraninit nicht unbedingt pechschwarz sein, sondern das gibt es auch in grau und braun. Allerdings habe ich keien Ahnung, ob es auch von Hartenstein in anderer als pechschwarzer Ausbildung kam.

Richtig, Pechblende muss nicht immer pechschwarz sein, besonders wenn das Material längere Zeit oberflächennah war (paar Jährchen auf Halde) wird Pechblende gerne matt, grau-grün, oder grau-braun. Selbst Uraninit-Kristalle ohne jeden Metall-Glanz und nicht mehr tiefschwarz sondern bestenfalls dunkelgrau hab ich in meiner Sammlung (FO: Hagendorf-Süd).

Wenn also stark radioaktiv, dann tipp ich auf leicht angewitterte Pechblende - kann eigentlich nichts anderes sein. Wenn nur leicht aktiv,  dann könnte es auch eine sek. Uranbildung sein, wie Uwe schreibt (glaub ich aber weniger).

Gruß

Berthold
 

Offline Schluchti

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #5 am: 22 Mar 05, 16:48 »
Danke Berthold!

Nunja, die Intensität der Strahlung ist so eine Sache.  Die Stufe knistert bei aufgelegtem Zählrohr weniger, als eine Normalstufe derben Stinkspates von Antonsthal. Allerdings ist der Bereich an meiner Stufe hier, von dem die Strahlung ausgeht, ja auch wesentlich kleiner. Ich habe da leider auch keine Vergleiche mit sicher nachgewiesener Pechblende. Könntest Du mir da grobe Werte (Größe der Pechblendenstufe, Dosisleistung bei aufgelegtem Zählrohr) angeben? Das hat natürlich keinen Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit,  könnte aber einen Anhaltspunkt liefern. 

Offline Schluchti

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #6 am: 29 Mar 05, 10:58 »
Nunja, als Pechblende scheidet nun definitiv aus. Habe am Wochenende zwei Stufen mit Pechblende auf der 371 gefunden und die knistert etwa 15-20 mal so stark. 

Offline berthold

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #7 am: 29 Mar 05, 16:57 »
Hallo,

ähh, 15 mal so viele cps sagt nicht viel, denn wenn es 15 mal so viel Pechblende ist, wäre das auch genau der Erwartungswert. Das mit der Bestimmung der Intensität ist so eine Sache, mit unseren einfachen Mitteln - denke ich - ist das unmöglich zu entscheiden, weil eben kleine Probenmenge = wenige cps, große Probenmenge in der Regel viele cps. Dabei müsste man noch den Abstand (Strahlung nimmt wenigstens quadratisch mit dem Abstand ab, ist aber auch vom der Strahlungsart noch abhängig) berücksichtigen... Ach ja, und natürlich kommt es auf die Reinheit (Konzentration) der Probe auch noch an.

Gruß

Berthold


Offline Schluchti

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #8 am: 30 Mar 05, 21:48 »
Naja, hast schon recht.
Zumindest der Abstand ist immer (annähernd) gleich. Das Zählrohr lege ich immer so flächig wie möglich auf die Stufe auf.


Offline minuwe

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #9 am: 22 Jun 09, 16:23 »
Alte Klamotte  :) , aber: es ist in dem Stück einfach weniger Pechblende, als im Vergleichsstück, daher auch weniger Strahlung. Eines der typischen zu Tausenden zu findenden Stücke, die sehr schwach vererzt sind, man sieht sie nicht, aber man hört sie  ;)

Gruß
Uwe

Offline smoeller

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #10 am: 22 Jun 09, 17:11 »
Hallo,

Zu dem ersten: Pechblende (in geringen Mengen), wohl mit Co-Ni-Erz. Es gibt Verwachsungen. Auch Co-Erz mit geringen Pechblendeanteilen ist möglich.

Das Sedimentartige sieht mir sehr nach Azurit mit Mn-Oxid/Tenorit aus, wohl Fremdmaterial. Ähnliches kenne ich vom Stahlberg im Thüringer Wald. Nicht komplett unmöglich. 

Offline Embarak

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Re: Verschiedene (radioaktive) Stufen von der 371
« Antwort #11 am: 23 Jun 09, 21:23 »
.
...Zumindest der Abstand ist immer (annähernd) gleich. Das Zählrohr lege ich immer so flächig wie möglich auf die Stufe auf....

Sorry,wenn ich mich hier mal einmische.Ich möchte keine Radioaktivitätsdiskussion neu anfachen.Habe zuweilen beruflich Kontakt mit
radioaktiven Isotopen im Bio-Sektor (vorwiegend S-35,P-32,P-33,alles gereinigte beta-Strahler in wässr.Lsg.)
Zu den Grundregeln im Umgang mit Zählrohren gehört,niemals auf das Objekt auflegen ! Habe vom Auflegen hier schon öfter gelesen !
Damit kann das Gerät durch Stäube oder Mikrotropfen kontaminiert werden und man wundert sich über den bleibenden  Anstieg der Hintergrundstrahlung.
Auch kann man so Strahlungsquellen von einem Objekt zum anderen übertragen und bekommt fasch positive Werte.Cps sagen auch nichts über Strahlungsart
und Energiemenge aus, aber das Thema hatten wir hier schon öfters.
Biologen und Geowissenschaftler handhaben Radioaktivität sehr,sehr unterschiedlich und nun hänge ich - mit Freude an beiden Disziplinen - dazwischen.
Crossover bietet aber auch neue Chancen.

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Gruß aus Berlin
Embarak

 

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[erledigte Bestimmungen / completed determinations] Re: Koslenz ??? / FO nicht zuordenbar von Bruno80090 07 Feb 26, 18:29