Servus allerseits,
Die Abhandlung von Lommer ist wirklich lesenswert !
Thomas Witzke hat zum Hornerz – Chlorargyrit eine gut verstaendliche Uebersicht verfasst , die manchen heutzutage nicht mehr gebraeuchlichen Ausdruck bzw. Mineralnamen in moderne Sprache zu uebersetzen versucht und eine sehr gute Eergaenzung zu Lommer’s Traktat darstellt.
https://tw.strahlen.org/typloc/chlorargyrit.html1776 begann die Chemie sich zaghaft von der Alchimie zu loesen. Begriffe wie wir sie heute kennen (chemisches Element, Periodensystem etc) und grundlegende chemisch-physikalische Gesetze waren damals noch weitgehend unbekannt bzw. umstritten. Dafuer glaubte man noch an Phlogiston und dergleichen mehr.
Thonerde der Altvorderen hat uebrigens nichts mit unserem Begriff Ton(minerale) zu tun, sondern bezieht sich auf Aluminiumoxid Al2O3.
Lommer gab sich Muehe und hat durchaus versucht, eine wissenschaftliche Beschreibung seiner Untersuchungen zu geben. Dabei ist er immer auch ein Kind seiner Zeit.
Lommer beschreibt verschiedene “Gattungen”von Hornerz. Es ist heute kaum mehr nachvollziehbar, ob es sich hierbei tatsaechlich um mehr oder weniger verunreinigte AgCl-Proben handelte oder gar um verschiedene Minerale. Auch dies ist typisch fuer das spaete 18. Jahrhundert (damals wurden z. B. Epidot, Axinit und auch schwarzer Turmalin als Schoerl bezeichnet).
Bei dem violetten Hornerz koennte die Faerbung durch das Vorliegen von elementarem Silber verursacht worden sein (dies erklaert auch zwanglos das von Lommer beschriebene Verhalten des violetten Erzes bei Behandlung mit Salpetersaeure). Mit Glaserz bezeichnet Lommer vermutlich Silbersulfid (Akanthit).
Beim Erhitzen von in Papier gewickeltem Hornerz (AgCl) erhielt Lommer Silber – dies laesst sich zwanglos durch eine einfache Redoxreaktion erklaeren, das Reduktionsmittel sind hierbei die organischen Bestandteile des Papiers (z.B. Cellulose).
Beim Erhitzen von Hornerz (AgCl) mit Alkalien (s. Lommer S. 31) bzw. beim Erhitzen von Hornerz in einer “Capelle” (die im Wesentlichen aus Asche besteht) erhielt Lommer (etwas) gediegen Silber und Kochsalz (NaCl). Holzasche enthaelt (wie auch schon Lommer wusste) alkalische Verbindungen, naemlich Pottasche K2CO3, vielleicht auch etwas Soda.
Beim Erhitzen von Silberchlorid mit Alkalien wie Soda/Pottasche entsteht in der Tat Silbercarbonat, das thermisch wenig stabil ist und letztendlich in gediegenes Silber und gasfoermiges Kohlendioxid und Sauerstoff zerfaellt.
Dies ist auch heute noch ein klassischer Aufschluss fuer schwerloesliche Silberhalogenide.
2 AgCl + K2CO3 --> Ag2CO3 + 2 KCl
2 Ag2CO3 --> 4 Ag + CO2 + O2
Mit diesen Gleichungen lassen sich nicht nur zwanglos viele der von Lommer beschriebenen Beobachtungen erklaeren, sondern auch die moegliche Verarbeitung von Hornerz zu Silber im ausgehenden 18 Jh..
Schoenes, steinreiches WE,
Harald