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Autor Thema: Ilmenorutil  (Gelesen 3373 mal)

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Offline berthold

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Ilmenorutil
« am: 12 Jul 05, 08:46 »
Hallo zusammen,

was bitte ist eigentlich Ilmenorutil? Ich habe so unterschiedliche Angaben gefunden, dass ich mich nicht mehr auskenne. Hier im Lexikon steht: Farbe: blass cremweiß Strich: rötlichbraun Webmineral sagt: Farbe eisenschwarz bis schwarz (und das glaub ich eher, man findet ja jede Menge Bilder im www).

Chem. Formel: (Ti,Nb,Fe+++)O2
oder (Ti,Nb,Ta,Fe3+, Fe2+)O2 (also mit 2-wertigem Fe ?)
oder    Fex(Nb,Ta)2x·4Ti1-xO2 (mit Ta für Nb und x/2x)

und hexagonal, triklin oder tetragonal ?

Einige Quellen sagen, Ilmenorutil sei eine lamellare Entmischung vin Nb-haltigem Rutil und Columbit.

O.k. ist offensichtlich kein IMA anerkanntes Mineral aber kann mir jemand diesen gordischen Knoten entwirren ?

Gruß

Berthold

Gastleser

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Re: Ilmenorutil
« Antwort #1 am: 12 Jul 05, 09:07 »
Hey's Mineralindex schreibt dazu:

Ilmenorutil, Fex,(Nb, Ta)2x24TiO2
N.J. von Kokscharov (1854) Materialien zur Mineralogie Russlands, 2, 352. Tetragonal, a 4.606, c 2.982A (für Ängström), Z=2 [PDF 31-645 on spec. from Salak, northern Malaya; see also PDF 31-646].
(TL) Miask, Ilmen Mts., Urals, USSR. Named from locality.
Long considered to be a niobian variety of rutile but analyses show a rather narrow range of composition and little evidence of a solid-solution series. Ilmenorutile does, however, form a series with the tantalian analogue, strüverite. Syn. Tantalorutile, rumongite.

Auch nach Laut Klockmann's Lehrbuch der Mineralogie '...bildet Ilmenorutil mit dem sehr ähnlichen Strüverit den Übergang zu Tapiolit. Beide schwarz, im Strich rotbraun ... (ausgezeichnetes Beispiel für diadochen Ersatz durch Ionen mit gleichem Radius, aber verschiedener Valenz und Valenzausgleich!)'

Persönliche Anmerkung: 'diadoch' bedeutet soviel wie substitutiv bzw. 'Ersatz'

Laut Lapis Mineralienverzeichnis ist Ilmenorutil auch ein eigenständiges Mineral, d.h. keine Varietät - siehe dort nach ..

Offline berthold

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Re: Ilmenorutil
« Antwort #2 am: 12 Jul 05, 11:08 »
Hallo,

danke für die schnelle Antwort. Unter http://www.geo.vu.nl/users/ima-cnmmn/ habe ich Ilmenorutil nicht in der Liste der IMA-anerkannten Mineralien gefunden. Wie Du schreibst laut Lapis und Klockmann schon.

Aber wenn ich lese, dass z.B. Okrusch schreibt: (http://www.minsocam.org/MSA/AmMin/TOC/Abstracts/2003_Abstracts/July03_Abstracts/Okrusch_p986_03.pdf)

Zitat
Lamellar exsolution of Columbite from niobian rutile ("ilmenorutile") was reportet by Ramdohr (1955) form the Haverstad pegmatite...
... "ilmenorutile" traditionally used by German authors (e.g. Ramdohr 1955, 1975).

dann frage ich mich - nach wie vor - was denn Ilmenorutil ist.

Könnte es vieleicht sein, dass "Ilmenorutil" (also in Anführungszeichen gesetzt) was anderes (nämlich diese Entmischungsgeschichte) meint als Ilmenorutil ( Strüverit-Tapiolit Serie-Mischkristall) ?

Gruß

Berthold

Offline Collector

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Re: Ilmenorutil
« Antwort #3 am: 12 Jul 05, 11:49 »
Hi Berthold

ziemlich verworren, das Ganze - Ilmenorutil ist eines der Mineralien, welches schon seit ca. 100 Jahren diskutiert wird. Hab noch was gefunden, was vielleicht weiterhilft: ( aber nicht definitiv )

1. Lt mindat.org  ist Ilmenorutil
- approved prior to 1959 ( "grandfathered " )
- " probably not a valid specimen"
Wenn man unter dem mindat-link dann weitergeht, steht da: Not a valid specimen ". Hier sind sich anscheinend auch die mindat-Autoren nicht einig.

2. Lt. Fleischer / Mandarino bisher ein anerkanntes Mineral

3. Im Zusammenhang mit Strüverit ( American Mineralogist, 49, 792-794 (1964) wird Ilmenorutil als eigenständiges Mineral betrachtet.

4. Vlasov ( 1966) schreibt in seinem " Geochemistry and mineralogy of Rare Elements " : ( bzw. er widmet dem Ilmenorutil ganze 5 Din-A-4-Seiten mit umfangreichen chemischen Analysen und Röntgen-Pulverdiagrammen )

a) ... at present ( 1966) rutiles with niobium predominating ( in atomic ratios) over tantalum are classified as ilmenorutiles, while those with tantalum predominating over niobium are classified as strüverites.

b) Structure: tetragonal. Rutile structure. Ditetragonal-dipyramidal symmetry.

c) Results of X-ray analyses show that the crystal structure of ilmenorutiles is analogous to that of ordinary rutiles, and that the unit-cell constants are only slighty higher. Flinter (1959) asserts that the difference is due to ordering of various cations in the rutile lattice, resulting in the formation of a dirutile structure. In his opinion, further increase in the content of Nb, Ta und Fe may finally produce a polyrutile lattice (tapiolite structure).

Ilmenorutil ist eindeutig als tetragonal von allen bisherigen Autoren beschrieben worden; die Farbe ist schwarz bis schwarzbraun, der Strich grünlich-braun.

Hoffe daß Dir die Informationen weiterhelfen können

gruß
collector

Offline berthold

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Re: Ilmenorutil
« Antwort #4 am: 12 Jul 05, 14:00 »
Hallo, und danke Peter,

ja, auch bei

Zitat
Ilmenorutil ist eindeutig tetragonal

bin ich mir nicht mehr so sicher, da z. B. nicht irgendwer sondern Prof. (Mineralogie und Geologieprofessor) Dr. Bill Cordua auf seiner Homepage

http://www.uwrf.edu/~wc01/ilmenorutile.htm

schreibt:

Zitat
ILMENORUTILE (Ti,Nb,Fe)3O6 Hexagonal
Description: Found as black to dark brown platey to prismatic xls. in granite pegmatites.

Ich bin immer noch auf der Suche nach Erleuchtung, nach Studium vieler Quellen neige ich dazu zu sagen:

1. Kein IMA-anerkanntes Mineral, aber durchaus gebräuchlicher Name
2. nicht IMA weil Mischkristall
3. Frabe schwarz, metallisch
4. tetragonal
5. Begriff wird auch für Entmischungen verwendet (Nb-Rutil/Columbit  und Ilmenit/Rutil) dann aber (besser) in Anführungszeichen

Gruß

Berthold