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Autor Thema: Radioaktive Mineralien  (Gelesen 48672 mal)

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Offline Jim

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Radioaktive Mineralien
« am: 06 Sep 06, 17:36 »
Hallo,

ich bin zwar noch neu hier, möchte aber dennoch gleich ein paar Fragen stellen. Ich denke das Ihr mir da am besten weiterhelfen könnt.

Und zwar geht es um (vermeintliches) Urangestein. Kurz zur Info, ich bin kein Mineraliensammlern. Kenne mich also auch nicht besonders gut in diesen Dingen aus.
Genauer gehts um eine Steinsammlung/Versteinerungen etc.. auf dem Dachboden. Diese hat mal mein Onkel vor Ewigkeiten zusammengesammelt. Und seit dem liegt das Zeug dort.
Bei einem Stück (etwa Faustgroß, schwarz, stellenweise eine Oberfläche wie Kristall) war er sich nicht sicher ob es sich um Urangestein handelt. er hat es wohl aus dem Bayerischen Wald mitgebracht.

zur Sache, ich habe mich im Internet ein wenig über Radioaktive Mineralien informiert. Auch auf dieses Forum bin ich gestoßen ;) Wie ich gelesen Habe gab es hier auch schon Diskussionen übers sammeln und aufbewahren solcher Fundstücke. Ich für meinen Teil möchte mit Radioaktiven Quellen jedoch nichts zu tun haben. Denn wie bekannt ist
besagt der denn  Strahlenschutzgrundsatz, dass jede unnötige, ungerechtfertigte Strahlenexposition zu vermeiden ist. Das "unnötig" liegt nun wohl im Auge des Betrachters.
Versteht mich nicht falsch, Mineralien sind äußerst faszinierend. Solange ich aber kein Strahlenexperte bin möchte ich mich nicht dem Risiko aussetzen radioaktive Strahlung falsch einzuschätzen. Und deshalb meide ich sie.

Dieses vermeintliche Urangestein macht mir deshalb Sorgen. Auch habe ich gelesen das weniger die Quelle selber, sondern mehr Staubpartikel die in den Körper aufgenommen werden gefährlich sind. Ich besitze keinen Geigerzähler, und ich möchte mich auch nicht unnötig in die Nähe begeben. Aber ich habe ständig Angst evtl. diese Staubpartikel sonstwohin mitzuschleppen und die halbe Welt damit zu kontaminieren...

Jetzt zu meiner Frage, wie kann ich erfahren ob das Stück strahlt?, wie sehr es strahlt? Und was mach ich dann damit? Gibt es Firmen oder Dienstleister die mit den nötigen professionellen Geräten ausgestattet sind und das feststellen?

Ich bedanke mich schonmal im Vorraus für die Antworten

Offline Schluchti

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #1 am: 06 Sep 06, 19:48 »
Hallo Jim,

erstmal herzlich willkommen hier!

Wie groß ist den das verdächtige Stück? Wenn Du die Möglichkeit hast, ein Foto davon zu machen und hier reinzustellen, würde das evtl. schon weiterhelfen.

Ansonsten wird man Radioaktivität sinnvollerweise nur mit einem geeigneten Meßgerät feststellen können.  Falls Du Gewißheit haben möchtest, ob das Stück strahlt, könntest Du es mir gegen Erstattung des Hin- und Rückportos zuschicken und ich messe es mal aus. 

Ansonsten, um auf Nummer sicher zu gehen,  pack es eben erstmal in eine luft- und staubdichte Verpackung (z.B. eine Frischhaltedose) und stelle es in den Keller.

Offline smoeller

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #2 am: 06 Sep 06, 19:51 »
Hallo,

Erstmal herzlich willkommen im Forum.

Glaube eher nicht an was stark Uranhaltiges. Foto (dabei wirst du dich garantiert nicht verstrahlen) hilft sicher. Bayrischer Wald? Da gehe ich eher von Rauchquarz oder Turmalin aus, beides eigentlich selbst nicht radioaktiv.

Glück Auf!
Smoeller

Offline uwe

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #3 am: 07 Sep 06, 08:58 »
Hallo,

Radioaktivität ist gefährlich, die Gefahr wird aber meist überbewertet. Gefährlich sind ohnehin nur die Gammastrahlen. Der Großteil der Strahlung, also Alpha- und Beta-Strahlung geht nicht mal durch die Haut. Gefährlicher sind die grell gefärbten Uranglimmer wegen der möglichen Absonderung von Staubflittern.

Solange man ein radioaktives Stück nicht ständig in der Hosentasche herumträgt oder unter dem Kopfkissen deponiert, besteht kaum eine Gefährtung. Im übrigen, ein Straßenpflaster aus Granit hat meist eine höhere Radioaktivität als eine Sammlerstufe.

Zigarettenrauch ist allemal gefährlicher als Radioaktivität.

Glück Auf
Uwe

Offline Krizu

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #4 am: 07 Sep 06, 10:00 »
Hallo,

teilweise richtig.
Die Gammastrahlen gehen aber meist durch. Die haben einen Bewertungsfaktor von 1.
Alpha erzeugen, z.B. in der Haut, starke Leistungen auf kleinem Raum mit einem Bewertungsfaktor deutlich über 1. Auch wenn vielleicht der nicht durch die Haut geht, die Haut kann auch Krebs entwickeln.

Schlimmer ist, richtig,  der Staub. Gamma geht durch die Lunge, der Staub sitzt in der Lunge und verstrahlt Dir einen kleinen Bereich mit Alphas.

MfG

Frank

Offline Jim

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #5 am: 08 Sep 06, 11:41 »
Danke euch,

also nach Rauchquarz oder Turmalin sieht das eher nicht aus (ich hab mal nach bildern gegoogelt). Aber das mit dem Foto ist eine gute Idee. Leider ist meine Kamera Momentan in Reparatur, aber ich werde mal schnellstmöglich ein bild davon machen.

@Schluchti, danke wenn das Foto nicht Aufschlussreich genug sein sollte komme ich nochmal auf dein Angebot zurück.

Radioaktivität ist gefährlich, die Gefahr wird aber meist überbewertet.

Das ist vielleicht richtig, aber wenigstens stelle ich dann sicher das ich die gefahr nicht unterschätze. Sorge bereitet mir auch weniger die Strahlung selbst (wenn man sich in entsprechender Entfernung aufhält denke ich) sondern mehr der Staub wie Ihr schon sagt.

Könnte es "Pechblende" sein?



Oder "Galena"?



Also so in etwa, aber ich werde euch nochmal ein Fotodavon machen.


Offline Schatten

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #6 am: 08 Sep 06, 11:47 »
 ;)
 morjen jim...

...also wenn es wie das 2. bild aussieht gibts gar keine probleme

sicherheitshinweis...pulver bitte nich auflecken oder kräftig inhallieren...  ;)

es gibt noch zig andere erzmineralien, die ein ähnliches aussehen haben .
sieh dir auch mal die cobalt-/nickelerze (skutterudit, cobaltit usw.) an
vieleicht wär eine genauere angabe als bayrischer wald hilfreich...falls du da infos besorgen kannst ;)


gruß
« Letzte Änderung: 08 Sep 06, 12:12 von Schatten »

Offline uwe

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #7 am: 08 Sep 06, 13:29 »
Das sieht mir eher nach Eisenerz aus.

Derartig reiche Uranerzlager wären mit Sicherheit ausgebeutet. Stücke wie diese gelangen auch kaum auf eine Halde. Das kürzlich reiche Uranerzbrocken auf der 371 in Schlema gefunden wurden besagt nichts. Dort gab es bis zur Wende Reicherzdeponien auf dem Haldengelände, die nach dem abrupten Ende des Bergbaubetriebes liegen blieben und dann auf die Halde umgelagert und eingeackertt wurden.


Glück Auf
Uwe

Offline McSchuerf

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #8 am: 08 Sep 06, 14:41 »
Bild 2 zeigt eindeutig Bleiglanz mit der typischen Spaltbarkeit; Bild 1 zeigt jedenfalls für mich ebenfalls kein Uranhaltiges Primärmineral (bzw. Pechblende), sondern eines der bereits genannten anderen Minerale.

Offline smoeller

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #9 am: 08 Sep 06, 15:53 »
Hallo,

Im Bayrischen Wald kommen auch Phosphate (Triplit,Zwieselit) oder andere Pegmatitminerale mit Nb, Ta, Ti (Ilmenit oder so was) vor, die sind auch schwarz und sehen wie Uranerz aus, sind aber nicht radioaktiv. Definitiv nur per Foto.

Glück Auf!
Smoeller

Offline TKMineral

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #10 am: 08 Sep 06, 20:53 »
Hallo!

Bild Nr.1 erinnert mich an Columbit von Hagendorf ,  Nr 2 sieht mehr aus wie Galenit (Bleiglanz)

Gruß

TK

Offline Impaktus

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #11 am: 09 Sep 06, 18:38 »
Hallo,
mit uranhaltigen Mineralien kenn ich mich nicht aus, aber Folgendes:
im Keuper Mittelfrankens gibt es den +-200 mio Jahre alten Burgsandstein.
Zum Burgsandstein Mittelfrankens gibt es ein Heftchen aus der Schriftenreihe des Bayerischen Geologischen Landesamtes aus den 50er Jahren,
das habe ich vor Jahren mal gelesen.
Dort soll es an manchen Stellen Anreicherungen mit bis zu 1kg Uran pro Tonne Gestein geben.
Da der Keuper Ablagerungsgebiet für Erosionsmaterial aus dem Moldanubikum ist (auf deutsch: der heutige Bayerische Wald und seine Umgebung)
muß das Uran von dort hergekommen sein.
Daß es heute noch Uran im Bayerwald gibt ist wohl wirklich eher unwahrscheinlich, es entstammt Gestein, das dort heute längst wegerodiert ist und die dort anstehenden Granite und Gneise sind sicher keine Quelle.
man hat in den 50er Jahren gezielt Prospektion betrieben wegen des Urans,weil man es für die westdeutschen AKWs nutzen wollte.
Man hat es aber angeblich wohl deswegen nicht abgebaut, weil es sich nicht lohnte, da die Wismut Aue aus der DDR billiger liefern konnte.
mfG
Impaktus

Offline smoeller

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #12 am: 09 Sep 06, 19:13 »
Hallo,

Es gibt im Bayrischen Wald durchaus radioaktive Mineralien (Uraninit, Euxenit, Samarskit usw.), nur sind diese halt selten.

Uranerze wurden im Fichtelgebirge (Großschloppen) versuchsweise gewonnen, ebenso im Schwarzwald (Menzenschwand, Müllenbach) und in der Pfalz (Ellweiler), wo sogar eine Aufbereitungsanlage bestand.

Glaube beim fraglichen Stück aber ehrlich gesagt eher nicht an Uranerz, da es selten ist in der Gegend. Ohne Foto geht es aber nicht.

Glück Auf!
Smoeller

Offline berthold

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #13 am: 09 Sep 06, 21:32 »
Hallo,

Zitat
Daß es heute noch Uran im Bayerwald gibt ist wohl wirklich eher unwahrscheinlich, es entstammt Gestein, das dort heute längst wegerodiert ist und die dort anstehenden Granite und Gneise sind sicher keine Quelle.
man hat in den 50er Jahren gezielt Prospektion betrieben wegen des Urans,weil man es für die westdeutschen AKWs nutzen wollte.
Man hat es aber angeblich wohl deswegen nicht abgebaut, weil es sich nicht lohnte, da die Wismut Aue aus der DDR billiger liefern konnte

sorry Impaktus, aber da muss ich Dir schon wieder entgegnen (warum schreibst Du eigentlich sowas, wenn Du Dich damit überhaupt nicht auskennst?)

Das Uran für den ersten Reaktor in Bayern (und Deutschland) ist aus dem nordostbayerischen Grundgebirge gekommen.  Es gab mehrere Bergwerke / Versuchsbergwerke. Mir fallen jetzt vier ein, alle im Granit/Gneis. Im NO-bayerischen Grundgebirge gibt es eine sicher dreistellige Zahl von Fundpunkten für Uranmineralien.  Dass in der Zeit des kalten Krieges ausgerechnet Uran rübergekommen sein soll - hmm glaub ich nicht so recht.  Eher war wohl der Preisverfall auf dem Weltmarkt die Ursache, dass sich die Kleinstlagerstätten nicht rentierten.

Übrigens sind ausgerechnet die Granite häufig Träger von Uranmineralien.

Gruß

Berthold

... der gerade einen Beitrag (für den Aufschluss) über die Uranmineralien geschrieben hat - die Deiner Meinung nach längst wegerodiert sein sollten  ;D

Offline Bergmeister

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Re: Radioaktive Mineralien
« Antwort #14 am: 09 Sep 06, 21:40 »
@Impaktus
Bei "Wismut Aue" handelte es sich um eine Fußballmannschaft der ehemaligen DDR. ;D ;D ;D

Uran der SDAG Wismut für westdeutsche AKW´s = völliger Blödsinn. Da ging jedes Milligramm an den Russen.

Kopfschüttelnd, der Bergmeister.
« Letzte Änderung: 09 Sep 06, 21:57 von Bergmeister »

 

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