Hallo Arminius,
zu den Fragen:
1. Ich habe nur 2 mal probiert, Stufen im Kunstlicht zu fotografieren und das mit Blau-Filtern (Nikon FE mit Makro-Aufsatzlinsen). Das Ergebnis hat mich für die nächsten 2 Jahre kuriert (=keine weiteren Versuche, Mineralien zu knipsen). Eigentlich geht das nur bei Tageslicht oder entsprechenden Lampen und passendem Film. Die farbstichigen Bilder dann noch in den Rechner "farbneutral" und unter Beibehaltung der Dynamik des Films einzuscannen, ist schon eine Zen-Übung. Jetzt fotografiere ich digital, man sieht sofort, was man macht. Ist jetzt natürlich so ein Tip für Reiche. Man hängt ja an seiner alten Kamera.
Halogen-Leuchten sind gar nicht so schlecht. Wie von Berthold schon erwähnt, haben die ein halbwegs kontinuierliches Spektrum, so dass man eine Chance hat, per Weissabgleich oder Film/Filter-Auswahl die Farben zu korrigieren. Manche Amethyste und Fluorite kommen bei Kunstlicht dennoch ziemlich grau rüber, trotz Weissabgleich, und auch über eine Farbkorrektur am PC kann man da fast nichts machen. Da kann man dann nur das gute Stück zum Vergleich neben den Monitor legen und das Bild im PC korrekt "kolorieren". Ist elendig aufwändig, da gehen viele Stunden drauf. Habe ich bis jetzt nur 1 mal gemacht.
Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil von Halogenlampen oder Glühbirnen ist ihre Trägheit. Eine Neonröhre z.B. geht fast vollständig an und aus, 100 mal in der Sekunde (50 Herz = 50 mal positive + 50 mal negative Spannung). Ich habe das vor ein paar Jahren mit einem schnellen Photometer gemessen. Wenn man die Messergebnisse sieht, tun einem die Augen weh. Dieses 100Hz-Flackern kann man übrigens mit einem EEG noch im Gehirn messen. Röhrenmonitore (am PC) sind noch schlimmer, wobei ein Lichtbalken 75 mal in der Sekunde von oben nach unten über den Bildschirm huscht. Ich vermute mal, dass LEDs noch weniger träge sind als Neonröhren.
Was heisst das für's fotografieren? Wenn man mit 1/125 s Belichtungszeit manuell auf den Auslöser drückt, kann man das Auslösen unmöglich mit der Phase der Röhre/LED abstimmen. Die träge Belichtungsmessung der Kamera nimmt den Durchschnittswert der Helligkeit, aber ob die Lampe beim Auslösen gerade voll leuchtet (->überbelichtet) oder ausklingt (->unterbelichtet) oder "passend hell" ist, ist Glücksache. Glühbirnen flackern auch mit 100 Hz, aber die Helligkeit schwankt nur etwa 10-40%, und zwar näherungsweise sinusförmig. Halogenlampen haben wir damals nicht gemessen, ich tippe mal, dass sie etwas träger (=besser) sind als normale Glühbirnen.
Oder sind LEDs etwa träge (Frage an die Spezialisten)?
2. Meines Wissens ist es bei allen Objektiven so, dass die Abbildungseigenschaften im mittleren Blendenbereich (Blenden 8-16) am besten sind, obwohl ich die Theorie dahinter nicht mehr drauf habe. Wenn Du mit "Randbereich" den Rand des Fotos meinst, ist das eher ein mieses Objektiv bzw. eine miese Aufsatzlinse. Ich fotografiere kleine Stufen tendentiell mit Blende 22-32, weil mir die Tiefenschärfe wichtiger ist und ich den "David-Hamilton"-Effekt bei leichter Anpassung des Kontrastes nicht mehr wahrnehme. Wenn ich einen "Landschafteffekt" haben will, also mit deutlich abgesetztem Vorder- und Hintergrund und "Tiefe", gehe ich auf niedrigere Blenden.
3. Ich habe nur einmal -widerwillig- Erdbeerquarze "geölt" (Wasser verdunstet zu schnell), weil man sonst nicht durch die rauhe Oberfläche hätte sehen können. Aber die Kamera sieht auch nichts anderes als das Auge, deshalb gibt es eigentlich keinen Grund, nachzuhelfen.
4. Ich denke, das ist einigermassen egal für die Schärfe, ob man ran-geht oder ran-zoomt, ausser dass es deutliche perspektivische Änderungen gibt. Ich finde, es ist auch nicht immer schlimm, wenn nicht alles scharf ist. Ein verschwommener Hintergrund gibt dem Foto "Tiefe". Aber bei Makrofotos hilft nur "Blende 128" oder digitale Mehrebenenfotografie (dazu steht was im Lexikon).
Ansonsten mal eine Auflistung der Dinge, die bei mir eine wesentliche Verbesserung gebracht haben:
a. Das Stativ beschweren. Die Belichtungszeit bewegt sich bei mir oft zwischen 1/20 - 1/4 s, und dooferweise ist das auch die "Zeitkonstante" der durch die Bewegungen des Kamera-Spiegels ausgelösten Vibrationen von Kamera und Stativ. An meinem Stativ hängen ca. 15kg Gewichte. Bei Kameras, bei denen man den Spiegel vor dem Auslösen hochklappen kann, gibt's das Problem nicht.
b. Wichtig ist, dass die Lichtquellen im Verhältnis zur Grösse des Objektes weit entfernt sind.
Wenn man mit der Lampe zu nahe herangeht, dann sind die verschiedenen Bereiche des Minerals unterschiedlich stark ausgeleuchtet, was sich post-hoc nur selten und mit gehörigem Arbeitsaufwand korrigieren lässt.
c. Zentral montierte Schalter für alle Lichtquellen, damit man die einzelnen Lampen leicht an- und ausschalten kann, während man durch das Okkular blickt. Ist nur eine Arbeitserleichterung, aber so schaffe ich im Schnitt 2-3 Stufen pro Stunde.
d. Punktförmige Lichtquellen sind so eine Sache. Wenn man eine ebene, glänzende Kristallfläche darstellen will, gibt es bei einer punktförmigen Lichtquelle vereinfacht gesagt nur 2 Arten von Reflexen: a) gar kein Reflex b) eine knallhelle Lampe, wenn man es geschickt anstellt, kann man auf dem Kristall nachher den Glühfaden sehen. Was man eigentlich will, sind unterschiedlich hell reflektierende Kristallflächen, bei denen sich die einzelnen Flächen gegeneinander abzeichnen. Also wird man das Licht durch einen Diffusor schicken (Reflektoren sind meist nicht hell genug). Meine letzte Variante ist Butterbrotpapier, das in schwarze Pappkegeln gerahmt vor Halogen-Spotlights montiert ist. Die Spotlights sind in etwa 40-70cm lange Schwanenhals-Mikrofonträger einmontiert, so dass man die insgesamt 4 Lichtquellen unabhängig voneinander ausrichten kann. Den Diffusor kann ich abnehmen, wenn ich mal eine punktförmige Lichtquelle brauche. Alles Marke Superbillig.
Meine "privaten" Faustregeln zum Ausleuchten:
Grosse Kristallflächen - diffuses Licht aus mehreren Quellen
Viele kleine Kristallflächen (glitzern) - diffuses Licht für die Gesamtausleuchtung, 1-2 punktförmige Lichtquellen aus grösserer Distanz für's Glitzern.
Rauhe Flächen - diffuses Licht
Glatte Oberflächen mit Wachsglanz - punktförmige Lichtquelle (mit diffusem Licht sieht z.B. Chalcedon sehr seltsam aus)
mugelig geschliffenes mit Glasglanz - punktförmiges Licht von schräg vorne, schwaches diffuses Licht von hinten.
metallische Oberflächen - diffuses Licht aus mehreren Quellen.
Ist alles nicht in Stein gemeisselt.
Gruss
Amir