Carcharocles ( Jordan & Hannibal, 1923 )
Arten
Carcharocles auriculatus ( De Blainville,1818 ), Eozän
Carcharocles sokolovi ( Jaekel, 1895 ), spätes Eozän-frühes Oligozän
Carcharocles angustidens ( Agassiz, 1843 ), Oligozän-frühes Miozän
Carcharocles chubutensis ( Ameghino, 1906 ), Miozän
Carcharocles megalodon ( Agassiz, 1843 ), Miozän-Pliozän
Allgemeines
Carcharocles gehört zu den bekanntesten Haigattungen die es gibt, nicht zuletzt weil ihre letzt Art, Carcharocles megalodon, weltweit als größter Fleisch fressender Hai der jemals gelebt hat bekannt wurde. Die Zähne von Carcharocles megalodon sind die teuersten und wohl meist begehrtesten der Welt, zum einen wegen ihrer immensen Größe von bis zu 18 cm, zum anderen aber auch wegen ihren unterschiedlichsten Farben von tiefschwarz bis nahezu weiß. Der Hai selbst wurde wahrscheinlich bis zu 12 Meter lang.
Obwohl die Art seit dem Ende des Pliozäns als ausgestorben gilt, berichten Seeleute und Schiffsfahrer immer wieder von riesigen Haien ähnlich dem rezent lebendem weißen Hai, doch sind diese Geschichten entweder als Seemannsgarn oder Verwechslung mit einem Walhai ( Rhincodon typus ) / Riesenhai ( Cetorhinus maximus ) zu deuten.
Doch warum die Gattung Carcharocles, die fast 50 Millionen Jahre die Weltmeere als Spitze der Nahrungskette beherrscht hatte, ausstarb, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Die wohl wahrscheinlichste Theorie besagt, dass der Gattung Carcharocles und vor allem ihrer letzten Art Carcharocles megalodon ihre Ernährungsweise zum Verhängnis wurde. Carcharocles megalodon bevorzugte große Beutetiere wie zum Beispiel Wale, was zahlreiche Bissspuren an fossilen Walknochen beweisen.
Am Ende des Pliozäns veränderte sich das Erdklima stark, die Größe der Eiskappen nahm stetig zu und die Temperatur der Meere ab. Die neuen Kaltwasserregionen erwiesen sich als idealer Brutplatz für Plankton, der sich rasch in besagten Gebieten ansiedelte. Viele Fische, darunter auch Wale, nutzten das neue Nahrungsangebot und schwammen Jahr für Jahr in die kälteren Regionen. Als Schutz vor der Kälte entwickelten sie ein Fettpolster, das wir auch heute noch bei den meisten Walarten finden können. Carcharocles megalodon jedoch war nicht an die Kälte angepasst und konnte seiner Beute deshalb nicht folgen. So schrumpfte der Artbestand, bis vor cirka 2 Millionen Jahren auch die letzten Haie der Gattung Carcharocles ausstarben.
Evolution
Lange Zeit nahm man an, dass der berühmteste Hai dieser Gattung, der Carcharocles megalodon, ein direkter Vorfahre des noch heute lebenden weißen Hai´s ( Carcharodon carcharias, Linnaeus, 1758 ) ist. Deshalb wurde er oftmals als Carcharodon megalodon beschrieben. Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Arten nicht direkt miteinander verwandt sind.
Der erste wahre Ahne der Gattung Carcharocles scheint die ausgestorbene Art Otudus obliquus ( Agassiz, 1843 ) zu seien, die vom Paläozän bis ins Eozän lebte. Im mittleren Eozän entstand eine Übergangsform mit dem Namen Otodus subserratus ( Agassiz, 1843 ). Diese hatte bereits eine leichte Zähnung ( lat. subserratus= der wenig gezähnte ) und wurde bald zu Carcharocles auriculatus, der frühesten Art mit dem Namen Carcharocles.
Carcharocles auriculatus hatte nahezu keine natürlichen Feinde, und trotzdem entwickelte er sich im späten Eozän zu Carcharocles sokolovi. Diese Art wiederum wurde im frühen Oligozän zu Carcharocles angustidens.. Dessen Zähne konnten bereits eine Länge von knapp 12 cm erreichen.
Wahrscheinlich bedingt durch die Größenzunahme seiner Beute, musste sich auch Carcharocles angustidens im frühen Miozän noch einmal weiterentwickeln.
So entstand Carcharocles chubutensis, dessen größte Zähne schon immense Größen von ungefähr 15 cm erreichten und anfingen, ihre Seitenzähne zurück zu bilden.
Es dauerte nicht lange, und aus Carcharocles chubutensis wurde die endgültige Version des „Riesenhaies“, Carcharocles megalodon.
Verbreitung und Fundorte
Zähne der Gattung Carcharocles fand man weltweit in tertiären Schichten, unter anderem in Europa, Nord-& Südamerika und Afrika.
Die wohl berühmtesten Fundorte sind Northcarolina und Southcarolina. Taucher tasten dort in Flüssen wie dem Cooperriver oder entlang der Küste in fast völliger Dunkelheit nach den begehrten Zähnen.
Ein weiterer bekannter Fundort in den USA ist der Apollo Beach südlich von Tampa.
Besonders nach Gewittern werden dort immer wieder Haizähne von Carcharocles und anderen Gattungen angespült.
Die wohl schönsten Zähne kommen aus der Atacama Desert in Chile.
Gute Fundorte in Europa sind:
- Niederlande ( unter anderem: Cadzand, Zeeuws-Flanderen; Gemeindegrube de Kuillen, Mill )
- Belgien ( unter anderem: Knokke-Heist; Kallo, Region Antwerpen )
- England ( unter anderem: Strände von Solent-on-Sea und der Isle of Wight )
- Österreich (Linzer Phosphoritsande, Plesching; Prambachkirchen )
Literatur