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Autor Thema: Beulungszentren  (Gelesen 7600 mal)

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Offline berthold

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Beulungszentren
« am: 20 Nov 06, 14:21 »
Hallo,

in einem Artikel über NO-bayerischen Vulkanismus (DOI: 10.1007/BF01765789) bin ich über den Satz: "Förderschlote sind an vor-basaltisch geprägte Beulungszentren gebunden." gestolpert.

Was bitteschön sind "Beulungszentren" und wie entstehen diese ?

Gruß

Berthold

Offline wolfilain

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Re: Beulungszentren
« Antwort #1 am: 20 Nov 06, 19:22 »
Hallo

Der Abschnitt wurde (eventuell) Kaputtübersetzt.
Das soll Auffaltung bedeuten.
Bzw Faltungszone oder Zentrum

Gruß volker

« Letzte Änderung: 22 Nov 06, 18:30 von wolfilain »

MM-Bär

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Re: Beulungszentren
« Antwort #2 am: 20 Nov 06, 21:18 »
Moin.
Beule= nach oben (positive B.) oder nach unten (negative B.) gewölbte tektonische Bauform mit elliptischem bis kreisförmigem Grundriss. Das kleintektonische Bild zeigt Dehnungsformen. Sie geht also - im Gegensatz zur echten Falte -  auf die Wirkung vertikaler Kräfte (Nachsinken, Aufbeulen) zurück. (siehe auch Flexur, Uplift).
Quelle: Murawski, Meyer: Geologisches Wörterbuch 11. Aufl.

Na, Berthold, schlauer? Ich nicht ...  8)
MM-Bär

Offline giantcrystal

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Re: Beulungszentren
« Antwort #3 am: 20 Nov 06, 21:23 »
Hört sich für mich irgendwie nach Salztektonik an : Wenn Salzmassen zusammenfliessen, dann bildet sich als erstes Stadium des Salzdiapirs ein Salzkissen, die darüber lagernden Schichten beulen sich dabei nach oben. Beispiel in Norddeutschland : der Elm zwischen Braunschweig und Helmstedt

Glück Auf

Thomas
« Letzte Änderung: 20 Nov 06, 23:21 von giantcrystal »

Offline berthold

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Re: Beulungszentren
« Antwort #4 am: 20 Nov 06, 21:59 »
Hallo,

ja, für Salz könnte ich mir sowas vorstellen. Es geht hier aber um das mesozoische Deckgebirge, im wesentlichen um Keuper. Darin sind die tertiären NO-bayerischen Basalte  aufgedrungen (Anzenberg, Rauher Kulm, Waldeck, Parkstein usw.). Ich dachte immer, diese seinen durch "Reliefumkehr" herauspräpariert. Nun lese ich aber die Förderschlote sind an vor-basaltisch geprägte Beulungszentren gebunden. Das würde ja bedeuten, irgendwas hätte vor dem Basalt eine Beule  nach oben geformt. Oder sind da Staukuppen gemeint?  Jedenfalls passt da einiges nicht so recht in mein Bild...

Gruß

Berthold

PS: @wolfilain: Kein Übersetzungsfehler, die Muttersprache des Autors ist deutsch.

Offline Erik

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Re: Beulungszentren
« Antwort #5 am: 20 Nov 06, 22:02 »
Klingt für mich im Zusammenhang mit den "Förderschloten" nach 'nem Magmenherd der das Deckgebirge aufwölbte, ausdünnte und so jüngeren basaltischen Schmelzen Möglichkeiten zum Durchbruch verschaffte.

Gab es sowas nicht auch im Rheinischen Schiefergebirge?

Würde doch auch eher nach NO-Bayern passen als ein Salzdiapir? Wobei das im Prinzip grob gesehen schon der gleiche Mechanismus wäre..

edit: sowas hier http://www.springerlink.com/content/v13022j265p44x12/

Gruß, Erik
« Letzte Änderung: 20 Nov 06, 22:17 von Erik »

Offline wolfilain

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Re: Beulungszentren
« Antwort #6 am: 22 Nov 06, 15:47 »
PS: @wolfilain: Kein Übersetzungsfehler, die Muttersprache des Autors ist deutsch.

Den Text gibt es aber auch in Englisch und da kommt dann der von mir genannte sinn bei raus.

Du meinst doch den Text oder ?

Zitat
Zusammenfassung  Die germanotype Zerlegung setzt am Ende des Jura ein. Zeitpunkt, Häufigkeit und Intensität der wirksamen Phasen wechselt in den einzelnen Bereichen und erzeugt teilweise schwer entwirrbare Interferenzbilder von Beulungen und Brüchen. Der basaltische Vulkanismus reicht vom Miozän bis zum Plio-Pleistozän.
Förderschlote sind an vor-basaltisch geprägte Beulungszentren gebunden. Die Gänge verfüllen synbasaltische Raumangebote längs vorbasaltisch angelegten Kluftflächen. p]Die erschlossenen Förderzonen lassen aus Füllung und Verbandsverhältnissen den Ausräumungsprozeß als sukzessive mechanische Verdrängung rekonstruieren, ähnlich wie in der Uracher Alb.

Zitat
Abstract  Germanotype orogenesis started in the end of the Jurassic. Regional units differ with time, frequency and effect of orogenetic phases. Some units show complex combinations of upfolding and faulting. Basaltic volcanism lasted from the miocene to the plio-pleistocene period.
Vents are connected with the centres of pre-basaltic upfolding. Dikes filled syn-basaltic tension-fissures using pre-basaltic joint planes.
Vents formed by an intrusive process of increasing mechanical emplacement just like the necks in the Swabian Alb.

gruß
 ;)

PS: Quelle: http://www.springerlink.com/content/m105004243h18400/
« Letzte Änderung: 22 Nov 06, 15:56 von wolfilain »

Offline berthold

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Re: Beulungszentren
« Antwort #7 am: 22 Nov 06, 16:27 »
Hallo wolfilain,

vielen Dank, ja genau der Text.

Die deutsche Zusammenfassung ggf. auch die englische Übersetzung (Abstract) schreibt doch der Autor selbst (so kenne ich das).  Da gehe ich bei der Muttersprache des Autors schon vor der richtigen Wortwahl aus.  ;)

Das was Frank (MM-Bär) aus "Murawski, Meyer: Geologisches Wörterbuch" schreibt, kann da schon irgendwie gemeint sein. Ich versuche mal den kompletten Artikel zu bekommen, mal sehen ob ich dann durchblicke...

Gruß

Berthold

Offline smoeller

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Re: Beulungszentren
« Antwort #8 am: 22 Nov 06, 19:44 »
Hallo,

Denke, dass hier Aufwölbungen gemeint sind, die durch das Eindringen heißen Magmas in die ausgedünnte Kruste entstanden.

Dabei führt die Ausdünnung der Kruste dazu, dass lokal Schmelzen gebildet werden, da heißes Material in flachere Regionen kommt (Dekompressionsschmelzen). Die dafür typischen Gesteine (Tephrite, Basanite, Karbonatite und Nephelinite) finden sich in den tertiären Vulkangebieten (Kaiserstuhl, Eifel, Urach, Hegau, Fichtelgebirge, Erzgebirge, Egergraben). Basalte treten hier kaum auf. Schmelzgrade liegen bei 0,1-1 %.

Solche Magmenkammern entstehen immer in Bereichen, in denen die Ausdünnung am stärksten ist, dass sind die angesprochenen "Beulungszentren".

Der Aufstieg nutzt hingegen die bereits vor der Intrusion angelegten Spaltensysteme.

Glück Auf!
Smoeller

Offline berthold

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Re: Beulungszentren
« Antwort #9 am: 22 Nov 06, 20:14 »
Hallo smoeller,

in dem Bereich, um den es hier geht - das SW-Ende des Egergrabens- treten die von Dir genannten typischen Gesteine (Tephrite, Basanite, Karbonatite und Nephelinite) nicht auf.

Unter "Beulungszentren" stelle ich mir (die Mitte von) Aufwölbungen vor, an der Oberfläche also salopp gesagt Hügel. Keine Ahnung ob diese Vorstellung richtig ist. Diese Aufwölbungen wären aber vorbasaltisch, d.h. zuerst die Aufwölbung, dann das Magma in den Aufstiegsspalten nach oben. Soweit gut. Jetzt sind aber (wenigstens einige) dieser vulkanischen Erscheinungen phreatomagmatisch, genauer vom Maar-Typ (Beispiel Parkstein). Und das passt mir irgendwie nicht so recht ins Bild: Ein Maar auf einer Aufwölbung oben ?

Gruß

Berthold
« Letzte Änderung: 23 Nov 06, 10:33 von berthold »

Offline smoeller

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Re: Beulungszentren
« Antwort #10 am: 22 Nov 06, 21:59 »
Hallo berthold,

Hast du genauere Angaben zu den im fraglichen Bereich vorkommenden Gesteinstypen? Die Bezeichnung Basalt ist nämlich durchaus nicht immer richtig. Im petrologischen Sinne ( z.B. TAS-Diagramm) ist Basalt ein Gestein mit einer definierten chem. Zusammensetzung. Viele der früher "Basalt" genannten Gesteine des Erzgebirges und anderer Gebiete sind nämlich nach heutiger Definition samt und sonders Nephelinite, Basanite und Tephrite. Sie unterscheiden sich von Basalt durch eine starke Untersättigung an SiO2 und einem höheren Gehalt an Alkalien (Na2O + K2O). Aus Kaiserstuhl und Eifel ist mir jedenfalls kein echter Basalt bekannt, ebenso aus dem Erzgebirge.

Ich stelle mir hier -weiß aber auch nicht, ob das richtig ist- eher Aufwölbungen in der Tiefe vor.

Das mit den phreatomagmatischen Erscheinungen stelle ich mir dann auch einfacher vor, als wenns oben auf dem Berg wäre. Magma durchdringt wasserführende Schichten und rums-das Wasser verdampft schlagartig und reißt die Lava mit.

Suche das Heft Montag mal in der Uni. Dann kann ich eventuell mal einen Scan von dem Artikel machen. Wäre sicher aufschlussreicher, als wenn wir weiter alle über den Abstract rätseln.

Übrigens: Die Aussagen der deutschen und der englischen Fassung des Abstracts sind irgendwie nicht ganz konform, der englische Text ist in meinen Augen schlüssiger, aber da der Verfasser deutschsprachig ist, wird wohl dem deutschen Text der größere Informationsgehalt zukommen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline berthold

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Re: Beulungszentren
« Antwort #11 am: 23 Nov 06, 10:32 »
Hallo smoeller,

was den Gesteinstyp angeht hast Du Recht: Alle schreiben zwar von "Basalt" oder "Nephelinbasalt" genaugenommen (nach H.G. Huckenholz) haldelt es sich aber (nach chemischen Gesichtspunkten TAS) - und deswegen muss ich meine Aussage berichtigen - um einen Nephelinbasanit. Das ist wohl eine Untergruppe der Basanite (dem Limburgit nahestehend ?).

Gruß

Berthold

Offline smoeller

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Re: Beulungszentren
« Antwort #12 am: 23 Nov 06, 11:46 »
Hallo,

OK. Dachte ich mirs doch. Limburgit ist aber ein Olivin-Basanit bzw. Tephrit. Eher Tephrit als Basanit, wegen des Olivingehaltes. Nephelin kommt in den Limburgiten meines wissens nicht vor, was aber nicht heißen soll, dass nicht zumindest modal Nephelin vorhanden sein kann, da die Limburgite des Kaiserstuhles bis zu 60 % Glas enthalten.

Kontinentale Intraplattenvulkanite sind in ihrer Zusammensetzung immer eher basanitisch oder nephelinitisch bis karbonatitisch. Dies liegt an den geringen Aufschmelzgraden. Solche Schmelze ist immer SiO2-untersättigt. Phonolitische oder trachytische Zusammensetzungen entstehen erst in der Magmakammer durch Differentiation. Die schwereren Frühkristallisate (Magnetit, Olivin, Augit) sinken ab und bilden die unteren Bereiche der Magmenkammer. Die leichteren Sanidin, Nephelin und Sodalith hingegen bilden den oberen Teil der Kammer.

Im Kaiserstuhl kann man dieses Verhalten studieren. Im älteren östlichen Teil kommen vor allem Phonolithe vor. Sie füllten den oberen Teil der Magmenkammer und sind höher differenzierte Produkte des olivin-nephelinitischen Stammmagmas. Den mittleren Teil machen ebenso Phonolithe, Foidite und Karbonatite aus. Erst im jüngeren westlichen Teil bei Sasbach findet man die Tephrite (Limburgite) als Teil der unteren Magmenkammer. Sie sind weniger stark differenziert. Nur am Lützelberg (jüngster Teil) kommen dann auch undifferenzierte Nephelinite und sogar Peridotitknollen vor.

Um aber beim Thema zu bleiben: Werde demnächst mal versuchen, die Arbeit zu krigen. Müsste man eigentlich übers Uninetz bekommen oder zumindest in der Bibliothek. Einscannen ist nicht so das Problem.

Hier dürfte es sich um relativ kleine Herde gehandelt haben, da die Magmen kaum differenziert sind. Nephelin-Basanit nenne ich noch fast undifferenziert. Ist im TAS-Diagramm ganz rechts oben im Basanitfeld. Nur aus dem Erzgebirge kenne ich vom Egergrabenvulkanismus auch differenziertere SWchmelzen, die Phonolitisch sind (Hammerunterwiesenthal, Loucna).

Glück Auf!
Smoeller

Offline berthold

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Re: Beulungszentren
« Antwort #13 am: 23 Nov 06, 16:06 »
Hallo,

vielen Dank schon mal, die komplette Arbeit würde mir wirklich weiterhelfen. Ja sicher, es handelt sich um sehr kleine Herde, von der Größe mit dem Kaiserstuhl in keinster Weise zu vergleichen. Ich mach mir im Moment da Gedanken zu den pyroklastischen "Megaklasten", die sicher phreatomagmatischen Ursprung haben, aber nicht auf, sondern unter/neben dem Nephelinbasanit liegen. Und, wie gesagt, da passt mir eine vorbasaltische kleintektonische Beule absolut nicht ins Bild.

Zwar etwas OT aber trotzdem:

Ich bin ja wirklich keine "petrologische Leuchte" unter Gottes Sonne (wie ich mit meinem Posting ja schon bewiesen habe), aber das mit dem Limburgit hab ich anders gelesen (wobei ich die Quelle meiner Weisheit nicht mehr finde...).

Nach www.fu-berlin.de/mineralogie/pdf/Kurs_Fichtelgebirge/MagEinf2005-Teil2.pdf
Zitat
“Limburgit” Hyalo-Nephelinbasanit mit Einsprenglingen von Ti-Augit, Olivin und Titanomagnetit
und nach http://omnibus.uni-freiburg.de/~weisenbt/9Kaiserstuhl/Excursion.html
Zitat
Chemische Analysen definieren den Limburgit als Basanit.

Dass im Limburgit das Glas dominant ist steht für mich ausser Frage.

Wobei: Die petrologische +/- chemische Differenzierung und Namensgebungen dieser Gesteinstypen scheint ja wirklich uferlos zu sein...  :P

Gruß
Berthold

Offline smoeller

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Re: Beulungszentren
« Antwort #14 am: 23 Nov 06, 17:06 »
Hallo,

Suche den Artikel mal raus, sobald ich wieder in Kiel bin (spätestens Montag).

Tephrit und Basanit plotten chemisch in dasselbe Feld im TAS-Diagramm. Man unterscheidfet beide Gesteine nur nach dem Anteil an Olivin (Tephrit >10% Olivin, Basanit < 10% Olivin). Bei den Mikroskopiekursen in Kiel wurde das Gestein Limburgit mal als Tephrit, das nächste Mal dann als Basanit eingestuft. Mit der Bezeichnung Basanit lässt sich leben, auch wenn in nahezu der gesamten Kaisérstuhl-Literatur durchgängig von Tephrit die Rede ist.

Was die Pyroklastite anbelangt, so dürfte der Nephelinbasanit-Strom einfach später drübergeflossen sein. An den Vulkanen der Eifel lassen sich solche mehrfachen Wechsel von Tuffen, Aschen und Pyroklastika auf der einen und Laven auf der anderen Seite studieren. Sieht meist im Anschnitt aus wie eine Schwarzwälder Kirschtorte.

Wenn ich den Artikel gelesen habe, kann ich dir da sicher weiterhelfen.

Glück Auf!
Smoeller

 

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