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Autor Thema: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?  (Gelesen 12681 mal)

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Offline rutilquarz

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #30 am: 17 Nov 20, 22:49 »
tut mir leid, ist ein kleiner Fehler passiert, jetzt folgt der Text:
Heute früh wollte mich meine Frau, die Zeitung schwenkend, mit dem Ausspruch: „unerwartete Zinnlagerstätte zwischen Bockau und Aue – warum hast Du die nicht entdeckt?“ überraschen. Nach kurzem Staunen meinerseits und Blick auf die Grafik in der Zeitung, erwiderte ich: „ das weis doch jeder (geologisch-montanhistotisch Interessierte)“.
Nach der Lektüre der Artikel bleibe ich, gelinde gesagt, etwas erstaunt und ratlos zurück. Der mit der Materie nicht befasste Leser muß nun annehmen, daß hier etwas völlig Sensationelles und Neues entdeckt wurde. Dem ist meiner Meinung nach überhaupt nicht so. Mir sind sofort einige Publikationen eingefallen, die sich mit eben jener „Lagerstätte“ beschäftigen. Ein paar Beispiele mögen das veranschaulichen:
- Müller, H., in Cottas Gangstudien, 1860
- Schalch, F., Erläuterungen zur geologischen Specialkarte…, 1884
- Hösel, G., Zur Genese der sogenannten Zinnlager von Aue und Bockau…, 1973
- Schriftenreihe  der Magister Georg Körner Gesellschaft, Bd.14, 2011
- Woidtke, S., Der Berg ist frei, Bd 4, 2006
- Unbekannter Bergbau, Webseite ( u.a. Veröffentlichungen Sächsische Landesbibliothek)
Mir ist unverständlich, wie die zitierten Geologen von Beak die Funde von zinnführenden Gesteinen in besagtem Gebiet als „Sensation“ bezeichnen und es als „unglaublich“ definieren, hier so etwas zu finden. Das hier zinnführende Stukturen existieren, ist eigentlich regionalgeologisches Grundwissen. Ein Gebiet, in dem vor ca. 300 bis 150 Jahren intensiver, dokumentierter Zinnbergbau umging, als sensationelle Neuentdeckung zu bezeichnen, ist ein Widerspruch in sich.
Und das „mit der Entdeckung von Zinn bei Bockau niemand (rechnete)“, zeugt nicht gerade von Sachverstand. Der Heimatforscher und Montanhistoriker Christoph Lang hat 1997 genau in jenem Areal umfangreich Proben entnommen und auf den Zinngehalt analysieren lassen. Die Ergebnisse hat er veröffentlicht (z.Bsp in Woidtke,s.o.). Hat man sich darum wirklich nicht gekümmert oder passt die nicht so gut in die Geschichte der „unglaublichen Sensation der Neuentdeckung“? Auch die Ansicht, daß „die nun gemachte Entdeckung gängigen geologischen Theorien widerspricht“, ist meiner Meinung nach falsch -  genau diese Theorie lieferte in neuerer Zeit u.a. Hösel (s.oben angeführte Publikation) als stratiformer Lagerstättentyp epigenetischer Bildung. Das umfassende Bohrprogramm der SDAG Wismut, besonders die Zinnerkundung im Auftrag des Staates in der zweiten Hälfte des vergangenen Jhd, lieferte ebenfalls eine Fülle von Erkenntnissen. Ich selbst war bei geologischen Bohrungen in den 70er Jahren in besagtem Gebiet tätig, so lange her ist das ja auch nicht. Beak greift wesentlich auf diesen großen Wissensschatz zurück, wie kann man da guten Gewissens von einer Neuentdeckung sprechen?
Kritisch sehe ich auch die Messung mit einem Röntgenspektrometer (System Niton o.ä.) auf dem Rohstein. Aus jahrzehntelanger Erfahrung mit solchen Geräten weis ich, daß eine solche Messung immer einer kritischen Prüfung bedarf und dem ausgewiesenen Zahlenwert nie kritiklos geglaubt werden darf. Zu viele Fehlerquellen können Einfluß haben. Zum einen wurden diese Geräte entwickelt, um Metalle zu analysieren, zum anderen können leichte Elemente wie O,Si,K usw. aus physikalischen Gründen nicht direkt gemessen werden, sondern nur mit Spezialprogrammen berechnet und einer vergleichenden Bewertung unterzogen werden( Zinn liegt als SnO2 vor). Da die Messung nicht punktuell, sondern flächig (mehrere mm²) erfolgt, erfasst der Meßstrahl gerade bei Gesteinen, die hier untersucht werden, die verschiedenen Bestandteile der Probe in Summe. Liegt beispielsweise ein Zinnsteinkorn in der Probefläche, wird das Gerät einen relativ hohen Zinngehalt ausweisen. Es kann aber sein, das dieses Zinnkorn das Einzige in der Umgebung von mehreren cm² und somit keineswegs repräsentativ für das Gestein als Ganzes ist. Um einigermaßen aussagekräftige Analysen zu erhalten, müssen vorab aufwändige Vergleichsmessungen zwecks Kalibration durchgeführt  und sehr viele Messungen gemittelt werden. Zudem sollten die Meßzeiten pro Messung möglichst lang sein und nicht schon nach einer Sekunde abgebrochen werden.
Zur Bergbau-Perpektive: Es handelt sich in dem mehrere km² großen Gebiet um eine Vielzahl von Kleinstlagerstätten (wenige Tm2,selten über 1m mächtig) innerhalb eines konkreten Gesteinspaketes. Die Zinnführung ist zudem sehr absätzig innerhalb der „Erzzonen“. Oberflächliche, leicht erreichbare Erze sind abgebaut. Die Morphologie im Gebiet ist schwierig, teils mit urbaner Infrastruktur. Die potentiell abbaubare Fläche wird so schon beträchtlich kleiner. Anwendbare Technologien zum Lagerabbau existieren, produzieren aber z.Bsp. beträchtliche Überschüsse tauben Gesteins und andere „Kollateralschäden“(siehe W-Erkundung Pöhla-Globenstein). Bergbau auf diesem Zinnlagern wird unter Betrachtung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher, besonders ökologischer Aspekte in überschaubaren Zeiträumen kaum möglich sein.
Das an der hier besprochenen Thematik wieder oder weiter geforscht wird, ist gut und begrüßenswert. Das dabei mitunter auch neue Erkenntnisse gewonnen  oder vorhandene erweitert werden, beispielsweise über die Genese, steht außer Frage. Nur sollte man sich vorab mit dem bereits vorhandenem Wissen vertraut machen und nicht eine unwahrscheinliche und unglaubliche Sensation für sich herbeireden. Das ist Populismus und Effekthascherei. Wohl bezweckt und unterfüttert von Beak Consultants, aufzufallen scheint  alles zu sein. Die Freie Presse berichtet meiner Meinung nach größtenteils  gut und ausgewogen, bitte verzichten Sie  auf reißerische Überschriften a la Bild und hinterfragen Sie alles lieber zweimal (meine Zuschrift eingeschlossen).

Mit „Glück Auf!“


PS
Eben lese ich zum Thema einen Beitrag vom mdr. Dieser ist noch einen Zacken schärfer und meiner Meinung schon nahe einer bewussten Falschinformation. Herr Barth schreibt: „nun haben Geologen reiche Zinnvorkommen entdeckt“. Falsch, diese Zinnvorkommen sind schon lange bekannt und ob sie reich sind, ist eine vage Vermutung. Weiter: „gefunden wurde das Metall an einer Stelle, an der es laut gängiger Lehrmeinung gar nicht hätte sein dürfen“. Eine falsche Aussage.  Hat Herr Barth nie die Abhandlung vom Hösel gelesen, nie die Analysen von Lang gesehen? - es scheint so, sonst könnte er so etwas nicht sagen. „Normalerweise finden sich Zinnvererzungen im Umfeld von Granitgesteinen“ - ja, ganau da trifft hier zu. Der Granit grenzt unmittelbar an die hier relevante metamorphe Gesteinsserie bzw unterlagert sie in geringer Teufe. Hat Herr Barth nie eine geologische Karte gesehen? „Nun ist die Frage, wie ist dieses Zinn in die metamorphen Gesteine gekommen ohne das (richtig:den) Granit?“. Siehe Hösel, der erklärt das gut verständlich, und der Granit, siehe oben, war und ist da und für jeden gut sichtbar.
Ich bin fassungslos!
Vielleicht sollte man die EU-Institution „Goldeneye“ als Finanzier darauf aufmerksam machen zu prüfen, ob hier ausreichender Sachverstand vorhanden ist oder nur möglichst laut trompetet wird, um Aufmerksamkeit zu erheischen.

Offline oliverOliver

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #31 am: 17 Nov 20, 23:04 »

den folgenden Artikel wollte ich eigentlich an die Freie Presse schicken,

na dann schick es doch, wie vorgehabt, an die "Freie Presse" - wär interessant, wie die drauf reagieren ...

Offline Pcheloyad

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #32 am: 18 Nov 20, 08:55 »
Guten Morgen,

Wenn ich richtig verstanden habe, geht es um den Link, den geomüller gesetzt hat.

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/zinn-vorkommen-erzgebirge-bockau-100.html


Habe den Artikel kurz überflogen und bin auf interessante "Dinge"gestoßen, die ich gerne recherchieren möchte, für mich.

@Petra : Locker bleiben. Dieser Herr B. muss einfach "klingeln", sonst würde das "goldene Auge" kein Geld mehr ausspucken und er vermutlich , auch bei miesem Herbstwetter, sein schönes warmes Büro verlassen müssen, um sich seine "Brötchen" zu verdienen.

Der Mineralienatlas hat das fachkundigste "Publikum" , mehr als in der sog.Presse. Es ist, m.M.n. , sinnvoller eventuelle Neuigkeiten hier zu publizieren, als sich auf die Suche nach interessierten Reportern zu begeben.

Bis später

VG

Marcus


Offline isbjoern

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #33 am: 18 Nov 20, 09:42 »
Hier übrigens der Link zum EU-Projekt (der Themenfokus ist aber eigentlich ein anderer):
https://cordis.europa.eu/project/id/869398/de
Das ist ein Projekt, keine Institution -- die beteiligten Akteure und deren Förderbeiträge sieht man unter dem Link auch.

Beste Grüße

- Björn

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #34 am: 18 Nov 20, 12:54 »
Ich hatte mich auch ziemlich gewundert, als ich den Artikel gelesen hatte.
Petra: schick den Leserbrief!

Offline rutilquarz

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #35 am: 18 Nov 20, 17:09 »
Hallo,
danke für die Antworten und es beruhigt mich, daß Ihr das ähnlich wie ich bewertet.
Ich muß ganz schnell aber ein kleines Mißverständnis klären: Petra ist meine gute Seele und "Computerexpertin", deswegen läuft alles mehr oder weniger über ihre Adresse. Der "Bösewicht" dahinter bin ich, Jörg Stark. Vielleicht kennt mich der Eine oder Andere durch meine Veröffentlichung der "Uranminerale in Sachsen". Hätte mich wohl vorab outen sollen, aber so ist das eben mit den "Anfängern"!
 
Mit "Glück Auf!"
Jörg

Offline rutilquarz

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #36 am: 27 Nov 20, 22:54 »
Kurze Info zum Thema:
Bin angenehm überrascht, nachdem ich das Schreiben an die FP geschickt hatte, hat mich der Verfasser des Zeitungsartikels kontaktiert. Hat mir mitgeteilt, daß vielfach Kritik geäußert wurde und er deshalb den Herrn Barth damit konfrontierte. Dessen Antwort konnte ich lesen - es wird wortreich herumlaviert, zwar nicht mehr von einer "Neuentdeckung" gesprochen, aber durch die  bahnbrechenden Erkenntnisse seiner Firma wird wohl die Geschichte der Entstehung der Erzlagerstätten im Erzgebirge neu geschrieben werden müssen.... da sind wir natürlich alle sehr gespannt!

herzliches "Glück Auf!" allen

Offline oliverOliver

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Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
« Antwort #37 am: 27 Nov 20, 22:56 »
Zitat
aber durch die  bahnbrechenden Erkenntnisse seiner Firma wird wohl die Geschichte der Entstehung der Erzlagerstätten im Erzgebirge neu geschrieben werden müssen
;D ;D

 

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